(de) FAU - Direkte Aktion #217 – Patriarchales Erbe: Ein Streik ist kein Sparbuch

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Thu Jun 20 10:51:12 CEST 2013


Wer in Deutschland im Laufe seines Erwerbslebens mehr als dreimal gestreikt hat, dem wird 
entweder das Etikett „Exot“ oder „Querulant“ verpasst, dermaßen hat sich die Idee vom 
Streik als legitimes Mittel um Interessen durchzusetzen und Veränderungen herbeizuführen 
aus den Köpfen der BürgerInnen verflüchtigt. Dass trotz der Erfahrung mit einer Diktatur 
der politische Streik im Nachkriegsdeutschland verboten wurde, hat nicht nur dazu geführt, 
dass die jährlichen streikbedingten Ausfallzeiten eines Arbeitnehmers im Promillebereich 
liegen, sondern auch, dass Streik mittlerweile irgendetwas ist, das erst ausdrücklich 
genehmigt werden muss, bevor es als Handlungsoption in Betracht gezogen wird.

Bei den Streiks von LokführerInnen und Flughafenpersonal lässt sich regelmäßig beobachten, 
dass Streiks von vielen nur noch als das egomane Interesse von einzelnen Berufsgruppen 
bewertet wird: Fallen die Züge aus, schimpft die Mehrheit der vergeblich wartenden 
Fahrgäste auf die Streikenden, die keine Rücksicht auf die Belange der BerufspendlerInnen 
nehmen. Dumpf wird gemeckert, anstatt sich um Fahrgemeinschaften zu kümmern und den 
Streikenden ein wenig Beifall zu klatschen. Verkehrte Welt, wenn sich der Streikwillige 
und nicht mehr der Streikbrecher rechtfertigen muss. Bezeichnend war für mich auch eine 
Äußerung einer Erzieherin, als 2012 in Süddeutschland Kindertagesstätten bestreikt wurden: 
Weil sie kein Gewerkschaftsmitglied sei, habe sie nun einen Tag Verdienstausfall, ob sie 
wolle oder nicht. Auf Nachfragen gab sie aber zu, dass auch sie sich über Lohnerhöhungen 
und Verbesserung der Arbeitsbedingungen freuen würde. Anscheinend ist es kein kollektives 
Wissen mehr, dass Emanzipation und sozialer Fortschritt nicht umsonst zu haben sind, aber 
umso schneller erreicht werden können, wenn dies von möglichst vielen eingefordert wird. 
Dabei hätte dies Lieschen Müller schon lange wahrnehmen können, dass die Wohltätigkeiten 
des Kapitalismus nicht aus Menschenliebe, sondern nur nach positiver Kostennutzenrechnung 
verteilt werden. Von Jahr zu Jahr werden die Werbegeschenke dürftiger, aber Lieschen trägt 
immer noch brav ihr Erspartes am Weltspartag zur Bank, anstatt endlich ihre Konten aufzulösen.

Redaktion Kultur


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