(de) FAU - Direkte Aktion #217 – Internal Autonomy --- Ein Gespräch mit Al & Nix von der walisischen Anarcho-Punkband

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Wed Jun 19 12:24:15 CEST 2013


Die erste Welle von Anarcho-Punkbands war gerade verebbt, da gründeten Al & Nix Internal 
Autonomy. Textlich stark von Crass beeinflusst, gingen sie musikalisch einen anderen Weg. 
Internal Autonomy spielten dunklen, experimentellen Post-Punk, der an Siouxsie & The 
Banshees, Killing Joke, Rubella Ballett, Blood And Roses und Joy Division erinnert, mal 
klingt die Stimme von Nix nach Siouxsie Sioux, mal nach Eva O. von den Superheroines. Den 
ursprünglichen Namen Neither Slaves Nor Masters indes legten sie schon bald ab, „viel zu 
offensichtlich, zu klischeehaft, zu blöd, zu großkotzig“. 2010 erschien bei Front Cover 
Production eine Doppel-CD mit ihren alten Veröffentlichungen aus den 80er und 90er Jahren. 
---- Aber warum zurückblicken? Ein Jahr nach der Werkschau begannen Al und Nix wieder 
zusammenzuarbeiten, nachdem sie sich zwölf Jahre lang aus den Augen verloren hatten.

Internal Autonomy / Al

IA habe niemals wie eine typische Band funktioniert, so Al, sondern sei immer ein 
Kollektiv gewesen, eine Ansammlung von kreativen Menschen, die zusammen Musik machten. Da 
sie beide die einzige Konstante gewesen seien, sei es ihnen natürlich erschienen, den 
Namen Internal Autonomy weiter zu verwenden.

Die Band aus Wales hat immer noch etwas, das manch anderen im Laufe der Jahre abhanden 
gekommen ist: Leidenschaft und eine kämpferische Einstellung. Leidenschaft für ihre Musik 
und für die Themen, die sie behandeln, eine kämpferische Einstellung in den Texten und in 
der Art und Weise, wie sie von der Sängerin Nix vorgetragen werden.

Internal Autonomy / Nix (Nikki)

„Selbstverständlich bin ich Anarchistin“, meint Nix, „nichts anderes passt. Ich erzähle 
mal, wie für mich alles begann: Ich war 17 und saß mit meinem Freund auf dem Bett, auf dem 
Plattenspieler drehte sich Penis Envy von Crass, daneben ein Stapel schwarz-weiß 
gestalteter LPs und EPs, als potentielle Kunststudentin hat mich das Artwork angesprochen, 
ich las durch, was auf den Covern stand und es traf mich wie ein Blitz – da waren Leute, 
die so dachten wie ich. Wenn Emma Goldman sagt, dass sie zu ihrer Revolution tanzen will, 
dann kann ich das nachvollziehen, wenn Proudhon sagt, dass Eigentum Diebstahl sei, dann 
verstehe ich das, ich teile Wollstonecrafts Ansichten über die freie Liebe, ich erinnere 
an die Frauen in Spanien, die im Bürgerkrieg Seite an Seite mit den Männern kämpfen 
wollten … ich könnte ewig so weitermachen.“ Das seien allerdings andere Zeiten gewesen, 
heute sei es wichtig, sein Leben selbstbestimmt zu leben und sich vor allem nicht in eine 
Opferrolle drängen zu lassen. „Ich bin kein Opfer meines Geschlechts, meiner Hautfarbe 
oder meiner Sexualität“, verkündet Nix mit Nachdruck.

Ja, er sei auch Anarchist, so Al, aber die Leute könnten sich nennen, wie auch immer sie 
wollten, der Name dafür sei nicht wichtig. „In meinen Augen ist der Staat eine parasitäre 
und unnötige Einrichtung“, fügt er hinzu, „die von einigen Menschen mit schwerwiegenden 
Persönlichkeitsstörungen geleitet wird und das sie als Instrument für ihren Hunger nach 
Macht und Kontrolle benutzen. Dasselbe gilt für organisierte Religion, für Finanzsysteme 
und für den Besitz und die Kontrolle von Land im Allgemeinen. Die meisten unserer Probleme 
lassen sich davon ableiten und ohne sie ist Anarchie und vollkommene Freiheit möglich. Ich 
ziehe dabei praktisch durchführbare Möglichkeiten starren und doktrinären Lösungen vor. 
Die Anarchisten, die mein Denken am meisten beeinflussten sind William Godwin und einige 
der Post-Linken wie Feral Faun und ursprünglich auch Crass und die Sex Pistols, ob man die 
dazu zählen will oder nicht, sie haben mich auf jeden Fall beeinflusst.“ Auch die 
Vertriebswege entsprechen ihrem anarchistischen Selbstverständnis: Ihre alten Platten 
veröffentlichten Internal Autonomy auf Profane Existence und dem Subhumans-Label Bluurg, 
ihr neues Album Ferox wird Ende April/Anfang Mai auf dem eigenen Label Vanity Records 
erscheinen. Yoggy, einer der alten „Autonomistas“ unterstützte sie kurzzeitig und steuerte 
einige Gitarrenparts bei, zwei neue „Autonomistas“ – Jenn und Azia – sind dazugekommen. 
Alles ist im Fluss, wie schon immer, mit Nix und Al als Konstanten. Strictly DIY. 
Finanziert wird das Ganze durch eine Crowfunding Kampagne auf Indiegogo. Wobei Al darauf 
hinweist, dass es gerade was Musik betrifft, seit den 80ern eine deutliche Veränderung zum 
Schlechteren hin gegeben hat. „In den 80ern gab es eine starke Untergrundbewegung“, sagt 
Al, „wo die Menschen sich gegenseitig in ihrer Kreativität durch Kauf, Verkauf und 
Austausch unterstützten, das funktionierte ausgezeichnet und brachte eine sehr lebendige 
Szene hervor. Heute dagegen soll alles umsonst sein. In einer anarchistischen 
Gesellschaft, wo Geld keine Rolle mehr spielt, mag das eine akzeptable Erwartung sein, 
aber in einer Gesellschaft, wo Instrumente, Computer, Reisen, Studiozeit und das Pressen 
einer CD Geld kosten, ist das verdammt unvernünftig! Heute zocken Punks freudestrahlend 
Punkbands ab, was nicht nur ungerecht, sondern auch gierig und kurzsichtig ist.“ 
Ungeachtet dessen werden Al und Nix weitermachen, sowohl ihr Idealismus als auch ihre 
Kreativität sind ungebrochen. Alles sei möglich, so Nix, die Sängerin, Fanzines, Kunst, 
Romane, musikalisch allerdings würde es freilich einen Neubeginn geben. „Ferox ist unser 
Sprungbrett in die Zukunft“, ergänzt Al, „und für unsere zukünftige Kreativität. Wir 
werden uns danach als Band Ferox nennen, so dass man sagen kann: Ferox ein Album von 
Internal Autonomy oder „Internal Autonomy‘ ein Album von Ferox, alles ist im Wandel, wir 
fangen von vorne an. Außerdem lässt es viel Platz für Interpretationen, was mir sehr gut 
gefällt.“

Karin Hoog

internalautonomy.moonfruit.com


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