(de) FAU-IAA Direct Action #220 - Nehmen wir uns die Stadt! -- Von der Verknüpfung von Kämpfen

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Sun Dec 29 19:26:37 CET 2013


So lautete eine Parole der Lotta Continua, einer außerparlamentarischen Gruppe der 
italienischen radikalen Linken, Anfang der 1970er Jahre. Lotta Continua wollte damit die 
Kämpfe über die Fabrikmauer hinaus in die Gesellschaft hineintragen, unter anderem durch 
Kämpfe für besseres Wohnen, bessere Gesundheitsversorgung und Bildung. Die Besetzung eines 
Wohnblocks bei Mailand durch Familien begründeten sie folgendermaßen: ---- "Wir haben die 
Häuser besetzt, um für uns und unsere Kinder eine Wohnung zu haben, weil es unser Recht 
ist: Die Kapitalisten zwingen uns, für sie zu arbeiten und wie Tiere zu leben. Sie 
verweigern uns selbst unsere Grundrechte [...] All dem entgegnen wir: GENUG! Alles, was es 
überhaupt gibt, wird von den Proletariern produziert; so wie wir uns in den Betrieben 
gegen die Ausbeutung organisieren; so müssen wir uns organisieren, um uns als das zu 
nehmen, was uns zusteht!"

Einige Jahre zuvor forderte bereits der marxistische Philosoph Henri Lefebvre ein Recht 
auf die Stadt. Das Recht auf Nichtausschluss von den Qualitäten der urbanisierten 
Gesellschaft bedeutet, nicht in einem Raum abgedrängt zu werden, der bloß zum Zweck der 
Diskriminierung produziert wurde. Beim Recht auf die Stadt geht es um die Teilhabe am 
urbanen Leben, um Orte des Zusammentreffens und des Austausches. Es geht um Lebensrhythmen 
und eine Verwendung der Zeit, die einen vollen und ganzen Gebrauch dieser Orte erlauben.

Quelle: Daniel Lobo (CC BY 2.0)
Dies gilt selbstverständlich auch für die soziale Inklusion von irregulären MigrantInnen. 
Das Recht auf die Stadt bedeutet für sie, dass beispielsweise auch sie ein Recht auf 
Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem haben.

In den letzten Jahren bildeten sich unter dem Slogan Recht auf die Stadt weltweit neue 
städtische Protestbewegungen, die gegen die neoliberale Hegemonie eigene Ansprüche an den 
städtischen Entwicklungen einfordern, um der Verdrängung und dem Ausschluss durch die 
Neoliberalisierung und Globalisierung der Stadt entgegenzuwirken. In Hamburg umfasst das 
Recht auf die Stadt-Bündnis u.a. die Forderung nach angemessenen Räumen für KünstlerInnen, 
die Kritik an rassistischen Kontrollen in St. Pauli, die Proteste gegen Luxuswohnprojekte 
im Berhard-Nocht-Viertel, den geplanten IKEA-Neubau in Altona und gegen Mietsteigerungen 
in Wilhelmsburg sowie Kampagnen gegen die Verdrängung von SexarbeiterInnen aus St. Pauli.

An diesem Beispiel aus Hamburg wird deutlich, dass das Recht auf die Stadt die Möglichkeit 
zur inhaltlichen und praktischen Verknüpfung sonst getrennt stattfindender Kämpfe bietet.

Gerede in Zeiten eines entgrenzten Kapitalismus, der die Grenzen zwischen Arbeitsplatz und 
Zuhause, Arbeit und Freizeit, öffentlich und privat einreißt, gibt es keinen 
privilegiertem Ort der Kämpfe mehr, ebenso wenig wie die verschiedenen Kämpfe gegen 
Ausbeutung, Unterdrückung und Ausgrenzung jeglicher Art getrennt voneinander geführt 
werden können. Es geht ums Ganze und zwar überall!

Jürgen Mümken


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