(de) FAU-IAA Direct Action #220 - Struggle - Nachrichten von der Klassenfront -- Nachrichten aus Italien, Brasilien, Frankreich, Mexika und der Schweiz
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Tue Dec 17 14:47:51 CET 2013
ITALIEN: LANDESWEITE STREIKS UND PROTESTE - NAH- UND FERNVERKEHR GESTÖRT ---- Am 18. 10.
riefen die großen Gewerkschaften Cobas & CUB zu landesweiten Streiks und Protesten auf.
Auslöser war einmal mehr die rigorose Sparpolitik und mit ihr drohende Einschnitte im
Gesundheits- und Sozialwesen. Vor allem die Beschäftigten des Nahverkehrs und der
Flugbranche beteiligten sich am Ausstand: 143 Flüge wurden gestrichen, der Betrieb der
Busse sowie U- und Straßenbahnen kam vielerorts zum Erliegen. Zusätzlich protestierten
autonome Gewerkschaften, VertreterInnen von Beamten- und Studierendenverbänden nicht nur
gegen die Regierung von Ministerpräsident Letta, sondern auch gegen das geltende
Einwanderungsrecht, das illegale Einreisen mit Haft ahndet. Am darauffolgenden Samstag kam
es in Rom zu einer Großdemonstration mit 70.000 TeilnehmerInnen.
BRASILIEN: VON KÄMPFENDEN LEHRERINNEN UND POLIZEILICHER GEWALT
Seit dem 08. 08. streiken Rios LehrerInnen bereits. Es geht um höhere Gehälter und gegen
eine veränderte Regelung der Berufseinstufung. Viele PädagogInnen, die nicht 40
Wochenstunden an einer Schule unterrichten, sondern ihr Wochenpensum in mehreren
Einrichtungen absolvieren, sehen ihre Arbeitsstandards durch die Neuerungen gefährdet.
Neben dem Ausstand, der von Repressionen durch die Militärpolizei begleitet wird, kam es
am 02. 10. in Rio de Janeiro zu einer Großdemonstration mit rund 50.000 Beteiligten -
darunter Hunderte LehrerInnen und viele SchülerInnen. Dabei geriet die Staatsgewalt erneut
in Kritik: Bei dem Versuch einiger Demonstrierenden, in das Rathaus zu gelangen, kam es
zum Einsatz von Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschossen, es erfolgten 200 Festnahmen.
Gut zwei Wochen danach befanden sich noch 40 Personen in Untersuchungshaft. Der Vorwurf
lautet ,,Bildung einer kriminellen Vereinigung".
FRANKREICH: KLASSENKAMPF IM PROFIFUSSBALL - NUR VON WELCHER SEITE?
Das hat es in Frankreich seit 1972 nicht mehr gegeben: Die Spieler der Ligue 1 wollen das
letzte Novemberwochenende die Arbeit niederlegen. Der Grund: Protest gegen die
Reichensteuer. 120 Spieler der ersten französischen Spielklasse verdienen mehr als eine
Millionen Euro. Vereine, die diese Gehälter zahlen, müssen sie ab 01. 01. 2014 mit 75 %
versteuern. Ob Gegen- oder gar Unterstützungsmaßnahmen von Fans geplant sind, ist noch
unbekannt. Kurios bei der ganzen Geschichte: Der AS Monaco, der auch in der französischen
Liga kickt, besitzt als monegassischer Verein in Frankreich eigentlich keine
Steuerpflicht. Eine Ausnahmeregelung wird hier geprüft.
MEXIKO: LEHRERINNEN LANDESWEIT GEGEN BILDUNGSREFORM
Seit mindestens Ende August brodelt es bereits in Mexikos Bildungswesen. Zu dem Zeitpunkt
begannen mehrere tausend LehrerInnen im Zentrum Mexiko-Stadts Zelte aufzuschlagen. Als das
mit der Zeit geschrumpfte Camp Mitte September gewaltsam geräumt wurde (29 Festnahmen/29
verletzte Protestierende), entfachte dies erneut Streiks und Proteste - unter anderem auch
von solidarischen SchülerInnen. Am 16. 10. wurde der Unterricht wieder aufgenommen, jedoch
ist der Konflikt seither auf zwölf Bundesstaaten ausgeweitet. Vielerorts kam es zu
Besetzungen öffentlicher Einrichtungen sowie zu Festnahmen und polizeilicher Gewalt. Im
Kern der Proteste steht eine Reform, die das Bildungswesen privatisiert, Gewerkschaften
weniger Einfluss zugesteht und die soziale Absicherungen der LehrerInnen mindert. Der
Kampf scheint noch nicht vorbei, symbolisch dafür steht das wiedererrichtete Camp im
Herzen der Hauptstadt.
SCHWEIZ: GLÜCKLICHER SIEG FÜR POLNISCHE ARBEITER
Als sich der Konflikt zu verfestigen drohte, lenkte die Schweizerische Bundesbahn am 23.
10. ein. Nach Verhandlungen durch die Gewerkschaft ,,UNIA" müssen nun insgesamt 700.000
Franken nachbezahlt werden. Die zuständige Firma AB Brandschutz AG schickte ihre
bisherigen Angestellten am 18. 10. von der Baustelle Zürcher Bahnhof, nachdem die Zahlung
von Dumpinglöhnen öffentlich geworden war. Allerdings wurde die Einstellung neuer
Arbeitskräfte durch eine Baustellenblockade der Gewerkschaft verhindert. Lediglich 3000
Franken im Monat verdienten die 30 teils polnischen, teils litauischen Brandschutzarbeiter
- und das bei 60 Stunden Wochenarbeit. Dabei liegt der Schweizer Branchenstandard bei
4500-6000 Franken. Durch polnische und deutsche Subunternehmen wurden die Löhne der
scheinselbstständigen ArbeiterInnen systematisch gedrückt. Die Winterthurer Firma AB
Brandschutz zählt selbst offiziell nur drei Beschäftigte. Das Unternehmen hatte bei einer
Versteigerung den Zuschlag für das Projekt erhalten, da sie mit Abstand das billigste
Angebot machte.
Zusammengestellt von der Redaktion Globales
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