(de) FdA-IFA, Gai Dào #35 - Sail Mohamed Ameriane ben Amerzaine-algeris cher an einen Kämpfer Anarchisten in der Spanischen Revolution
a-infos-de at ainfos.ca
a-infos-de at ainfos.ca
Thu Dec 12 08:44:33 CET 2013
Sail Mohamed Ameriane ben Amerzaine wurde am 14. Oktober 1894 in Tar beit-Beni-Ouglis in
der Berber Region von Kabylie, Algerien geboren. Wie viele in Algerien erfuhr auch er
wenig Bildung. Von Beruf Fahrzeugmechaniker dürstete er sein Leben lang nach Kultur und
war bestrebt sich zu bilden. Von einer muslimischen Berber-Herkunft entwickelte er sich
zum überzeugten Atheisten. Während des Ersten Weltkriegs wurde er wegen Ungehorsam
eingesperrt und desertierte später aus der französischen Armee. Seine Sympathien für den
Anarchismus entwickelten sich damals bereits. ---- Am Ende des Krieges, mit dem
Wiederaufbau der anarchistischen Bewegung, trat er der Organisation Union Anarchiste (UA)
bei. 1923 gründete er zusammen mit seinem Freund Sliman Kiouane, einem Sänger, das Komitee
für die Verteidigung indigener Algerier.
In seinem ersten Artikel verurteilte er die Armut der kolonisierten Bevölkerung
und die koloniale Ausbeutung. Er wurde ein Experte zur
nordafrikanischen Situation. Er organisierte Treffen mit anarchistischen
Gruppen des 17. Verwaltungsbezirks in Paris zur Ausbeutung
Nordafrikas, welche sowohl in Arabisch als auch in Französisch gehalten
wurden. Sail baute eine anarchistische Gruppe in Aulnay-sous-bois auf
und wurde einer der effektivsten Aktivist*innen.
Im Jahr 1929 wurde er Sekretär eines neuen Komitees: des
Verteidigungskomitees von Algeriern gegen die Hundertjahrsfeier
Provokation (Frankreich bereitete sich darauf vor, das
einhundertjährige Jubiläum der Eroberung Algeriens am 5. Juli 1830 zu
feiern). Alle Strömungen der anarchi stischen Bewegung, die UA
(anarchosyndikalistische Gewerkschaft), die ,,Confederation Generale
du Travail syndicaliste-revolutionnaire" (CGT-SR) und die ,,Association
de Federalistes anarchistes" prangerten den ,,tödlichen Imperialismus,
die blutige Maskerade" an. Eine weitere Parole war ,,Zivilisation?
Fortschritt? Wir sagen Mord!". Daraufhin trat Sail der CGT-SR bei und
gründete dort die Sektion der indigenen Algerier*innen. Im darauf
folgenden Jahr, mit der Kolonialen Ausstellung in Paris, startete die
anarchistische Bewegung ihre Kampagne gegen Kolonialismus erneut.
Sail war an vorderster Front dieses Kampfes.
Soziales Erwachen
Im Januar 1932 wurde Sail Direktor der L'Eve il Social (dt.: Soziales
Erwachen), dem Journal du peuple. In Folge eines anti-militaristischen
Artikels wurde er der ,,Provokation des Militärs bis zum Ungehorsam"
verfolgt. Die Secours Rouge International, eine Satellitenorganisation
der Kommunistischen Partei, bat ihm ihre Hilfe an, welche er im Namen
der Opfer des Stalinismus ablehnte.
1934 gab es dann die "Sail-Mohammed-Affäre". Die Demonstration der
Faschist*innen und der Antisemitischen Liga am 6. Februar 1934 löste
eine Kettenreaktion in der Arbeiterbewegung aus. Sail sammelte
Waffen und versteckte sie. Am 3. März wurde er für den ,,Besitz von
verbotenen Waffen" verhaftet. Die Arbeiterbewegung unterstützte
ihn, mit Ausnahme der Kommunistischen Partei, welche ihn als Agent
Provocateur darstellte. Zu einem Monat Gefängnis verurteilt musste er
dann auch noch wegen ,,Behalten von Kr iegswaffen" vier Monate ins
Gefängnis. Er setzte den Kampf fort.
Die L'Eveil Sociale fusionierte mit der Terre Libre (Monatspapier der
,,Alliance Libre des anarchistes du Midi" - siehe Paul Rossenq). Sail war
für die Veröffentlichung der Nord Afrikanischen Ausgabe der Terre
Libre verantwortlich. Er versuchte eine anarchistische Gruppe von
indigenen Algerier*innen zu gründen, mit verschiedenen Aufrufen in
der anarchistischen Presse. Gleichzeitig war er weiterhin in der Union
Anarchiste aktiv.
Spanien
Nach dem franquistischen Putsch in Spanien trat Sail der Sebastian
Faure-Hundertschaft bei, die französischsprachige Sektion der Durruti
Kolonne, und wurde ihr Kommandeur. Er kehrte nach Frankreich
zurück, als er im November 1936 eine Handverletzung erlitt. Zuvor
beschrieb er in vielen Briefen die Situation der spanischen
anarchistischen Bewegung. Nachdem seine Hand verheilt war,
beteiligte er sich an vielen Kundgebungen über Spanien, welche von
der Union Anarchiste organisiert wurden. Direkt nach dieser Rundreise
nahm er an einem Treffen organisiert von Revolutionären in Paris teil,
welche gegen das Verbot der ,,Etoile Nord Africane" (anti
imperialistische kommunistische Partei gegründet von Messali Hadj)
und gegen die Repression gegenüber Demonstratio nen in Tunesien (16
Menschen starben) protestierte. Erneut wegen ,,Provokation des
Militärs" verhaftet, musste er im Dezember 1938 insgesamt für 18
Monate ins Gefängnis.
Als der Zweite Weltkrieg begann, wurde Sail schon wieder verhaftet
und in ein Konzentrationslager in Riom (Fra nkreich) gebracht. Seine
große B ibliothek wurde bei einer Razzia aufgebrochen. Er entkam von
dort, erstellte gefälschte Pässe und ging während der Besatzung in den
Untergrund.
Ab 1944 arbeitete er zusammen mit anderen an dem Wiederaufbau der
anarchistischen Bewegung. Mit der Befreiung gründete er erneut die
Aulnay-sous-bois-Gruppe und versuchte das Komitee der algerischen
Anarchist*innen wieder aufzubauen. In Le Libertaire, der wöchentlichen
Zeitschrift der Federation Anarchiste, schrieb er eine Kolumne über die
Situation in Algerien. Er verfasste eine Reihe von Artikeln üb er die
"Kalvarie der indigenen Algerier".
Sail starb im April 1953. George Fontenis hielt zu Ehren Sails bei dessen
Beerdigung am 30. April 1953 eine Rede im Namen der anarchistischen
Bewegung.
Von: Organise! #58 - Magazine of the Anarchist Federation
More information about the A-infos-de
mailing list