(de) Ding Dong, die Hexe ist tot! ---- Des letzten Rätsels Lösung: Iron Lady
a-infos-de at ainfos.ca
a-infos-de at ainfos.ca
Wed Aug 28 08:26:43 CEST 2013
Die eiserne Lady, die zuerst Bekanntheit erlangte, als sie als Sozialministerin den
Kindern die kostenlose Schulmilch nahm, ist also tot, und alle tanzen auf den Straßen.
Endlich ist sie besiegt, die Bezwingerin der Gewerkschaften in Großbritannien. Doch ist es
eigentlich ein Armutszeugnis, wenn sich die VerliererInnen darüber freuen, dass die
Gewinnerin im bereits dementen Alter verstirbt. Was hat diese Frau gemacht, dass sie die
BritInnen immer noch so spaltet? ---- Die Situation in Großbritannien der frühen 70er
Jahre sah wie folgt aus: Die großen Industrien, wie Stahl und Kohle, waren verstaatlicht.
Selbst die Tories, die Konservativen Englands, wagten nicht, daran zu rütteln. Es
herrschte ein gewisser Konsens. Die Gewerkschaften waren stark. In vielen Betrieben galt
das "Closed Shop"-Prinzip, nach dem MitarbeiterInnen Mitglieder der Gewerkschaft zu sein
hatten.
Die stärkste Gewerkschaft war die Minenarbeiter-Gewerkschaft NUM (National Union of
Mineworkers) mit Arthur Scargill an der Spitze. Er war kampferprobt und hatte die NUM zu
ihrer Stärke gebracht. 1972 hatte er sogar durch einen Streikabschluss die Regierung zu
Fall gebracht. Diese Stärke schien Scargill zu verführen. In der Gewerkschaft reihte er
Gefolgsleute um sich und wurde überheblich. Der Marxist/Leninist liebäugelte offen mit der
Sowjetunion, blieb aber stets parteiisch auf der Seite der ArbeiterInnenschaft. Sein nicht
ganz demokratisches Verhalten und seine Überheblichkeit sollten der NUM jedoch noch zum
Verhängnis werden.
Die Konfrontation mit den Gewerkschaften wurde von der Regierung lange geplant. Bereits
1981 - zwei Jahre nach der Amtsübernahme Thatchers und drei Jahre vor Streikausbruch -
wurde angefangen, Kohle-Vorräte aufzuhäufen, um längere Lieferausfälle sicherzustellen.
Zusätzlich wurde vermehrt auf Atomkraft gesetzt, um unabhängiger von Kohle zu sein. Nach
und nach wurde das Streikrecht eingeschränkt, so dass Solidaritätsstreiks für Ausfälle
verklagt werden konnten und die so genannten flying pickets verboten wurden. Streiks
mussten nun durch eine Urabstimmung beschlossen werden. Nach dieser Vorbereitung wurde
schließlich angekündigt, einen Großteil der Kohlebergwerke zu schließen und den Rest zu
privatisieren.
Als der Streik am 5. März 1984 in Yorkshire begann, wo die erste von vielen Zechen
geschlossen werden sollte, wurde dieser erst nachträglich genehmigt. Die Regierung hatte
dadurch bereits ein Argument gegen die Rechtmäßigkeit des Streiks in der Hand und konnte
die Medien und eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich bringen. Scargill war zu stolz,
um gleich die Unterstützungsangebote der Stahlarbeiter-Gewerkschaft anzunehmen.
Stattdessen setzte er auf einen brutalen Arbeitskampf, der die Gewerkschaft weiter im
Ansehen sinken ließ. Als er schließlich nach Solidarität bei den anderen Gewerkschaften
fragte, war es zu spät. Thatcher hatte es geschafft, die Gewerkschaftsmacht zu brechen,
die ihrer Meinung nach die Wirtschaft in Großbritannien gelähmt hat.
Thatcher hat das Land gespalten und Millionen Menschen in Armut gebracht, insbesondere
durch die radikale Streichung von Sozialleistungen. Es ist also nicht verwunderlich, dass
sich viele Leute so sehr über ihren Tod freuten und am liebsten in ihr Grab spucken würden.
Morten Hefner
More information about the A-infos-de
mailing list