(de) Bericht vom Treffen der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen in Radeberg (en)

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Mon Aug 5 12:58:56 CEST 2013


Treffen 2013Vom 5. bis 7. Juli 2013 fanden sich die Gruppen der Föderation 
deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) zu einem der drei jährlichen Treffen zusammen. 
Ausgerichtet wurde das Treffen dieses Mal vom Libertären Netzwerk Dresden, das damit 
bereits zum zweiten Mal nach 2011 die FdA-Versammlung bei sich begrüßen konnte. ---- Das 
Libertäre Netzwerk Dresden entstand im Jahre 2009 als Zusammenschluss verschiedener 
libertär-politischer Gruppen und Initiativen. Zu seiner Hochzeit deckte das Netzwerk in 
seiner Tätigkeit viele Themengebiete ab. So gab es eine Freiraumgruppe, eine Antifagruppe, 
eine Schüler*innenvernetzung mit der Zeitung Freidruck, ein Hausprojekt, eine 
Tierrechtsgruppe, den AK Freizeit, eine Gruppe zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, eine 
psychiatriekritische Gruppe und nicht zuletzt das lokale Syndikat der FAU.

Die Gruppen profitierten von Austausch, Know-how-Weitergabe und geteilten Ressourcen. Im 
Jahre 2011 schloss sich das Netzwerk dem damaligen Forum deutschsprachiger Anarchist*innen 
(FdA) an und motivierte überregional Anarchist*innen sich an dem Projekt einer Föderation 
im deutschsprachigen Raum zu beteiligen. Während die FdA seit dem in einer positiven 
Dynamik begriffen ist, befindet sich das Libertäre Netzwerk in einer Krise, mit der sich 
im letzten Jahr bereits in der Gaidao auseinandergesetzt wurde. Zur Zeit sind nur noch 
wenige Gruppen im Netzwerk föderiert und es finden keine Plena mehr statt.

Das FdA-Treffen fand in der Kleinstadt Radeberg im Nordosten Dresdens statt, da dort 
lokale Aktivist*innen der nicht zur FdA gehörigen Autonomen Antifa Radeberg (aARdb) über 
geeignete Räumlichkeiten verfügen. Immerhin war es die bis jetzt größte Zusammenkunft und 
internationale (antinationale ;) ) Gäste wurden erwartet. Zudem wünschte man sich eine 
gemeinsame Abendgestaltung, um dem Kennlernen und Diskutieren außerhalb der Plena Raum zu 
bieten.

Insgesamt nahmen an dem Treffen knapp 50 Personen teil. Darunter Aktivist*innen der FAO 
(Anarchistische Föderation aus Slowenien), der CSAF (Anarchistische Föderation aus 
Tschechien/Slowakei), der Organisierten Anachist*innen Finsterwalde, der Gruppe e*vibes 
aus Dresden und einer anarchistischen Gruppe im Aufbau aus Cottbus. Zusammen waren diesmal 
fast mehr Gäste als Mitglieder der in der FdA föderierten Gruppen anwesend. Möglich wurden 
solche Treffen, die ihren Fokus verstärkt auf Austausch und Ideenentwicklung legen, durch 
die Entfernung der Beschlussfindung von den Treffen. Beschlüsse werden seit dem Frühjahr 
ausschließlich und jederzeit mit festgelegten Fristen über unsere elektronischen 
Kommunikationsmittel gefasst. Zudem besteht eine neue Möglichkeit der festen 
Zusammenarbeit mit der FdA ohne formellen Beitritt und interne Mitarbeit: das sog. 
,,assoziierte Projekt". Assoziierte Projekte sind zu den FdA-Treffen eingeladen, teilen 
Ressourcen mit der FdA und berichten von ihren Tätigkeiten. Diese Form der Partizipation 
eignet sich vor allem für nicht als klassische "Politgruppe" aktive Initiativen, wie 
Hausprojekte, Kollektivbetriebe oder Infoläden, die eine aktive Mitarbeit in der FdA nicht 
leisten können oder ideologisch gemischtere Gruppen mit speziellem Themenbezug, die sich 
nicht zu stark auf Anarchismus festlegen wollen.

Freitag

Die meisten Teilnehmenden reisten bereits Freitagnachmittag an und die Küfa-Gruppe 
Casabunta, die uns das ganze Wochenende aufs Leckerste verpflegte, hatte bereits alles zum 
veganen Grillen vorbereitet. So verbrachten wir den ersten Abend, wie auch den folgenden 
an einem großen Lagerfeuer. Überhaupt war das Wetter so sonnig und warm, dass sich viele 
Arbeitsgruppen draußen zusammenfanden und sich viele der Teilnehmenden entschieden zu zelten.

Samstag

Am Samstagmorgen teilten wir uns nach Begrüßung durch die lokalen Organisator*innen und 
Vorstellungsrunde in zwei Gruppen auf. Zum einen wurde die Tätigkeit der Referate seit dem 
letzten Treffen besprochen, zum Anderen gab es eine Einführungsgruppe zur internen 
Struktur der FdA, die besonders für Gäste und neue Mitglieder gedacht war. Dabei handelte 
es sich wohl um den trockensten Teil des Treffens, den wir aber frisch und mehr oder 
weniger ausgeschlafen gut überstanden. Mit der Tätigkeit der Referate waren wir alle 
weitestgehend zufrieden und es wurden im wesentlichen Kleinigkeiten diskutiert oder 
Aktionen der FdA der vergangenen Monate noch einmal Revue passiert. Erwähnenswert ist 
vielleicht, dass die nächste CRIFA (das halbjährliche Vernetzungstreffen der 
Internationale der Anarchistischen Föderationen) im Herbst in Berlin stattfinden wird. 
Danach wollten wir über die Tätigkeiten der einzelnen Gruppen sprechen, aber es stellte 
sich heraus, dass sich dieser Themenkomplex bereits ans Lagerfeuer verlagert hatte und es 
im formellen Rahmen hierzu keinen Gesprächsbedarf mehr gab.

Marcos Denegro, ein Mensch aus der Gaidao-Redaktion und Teil der Anarchistischen 
Föderation Berlin, hat ein Anarchistisches Wörterbuch 
(http://www.edition-assemblage.de/anarchistisches-worterbuch/) geschrieben, dass in Kürze 
bei edition assemblage erscheinen wird. Das Buch soll als Nachschlagewerk durch den zum 
Teil abgehobenen Begriffsdschungel innerhalb anarchistischer und emanzipatorischer 
Zusammenhänge dienen. Es leistet also einen Beitrag zum Abbau von Wissenshierarchien 
innerhalb der Bewegung. Marcos bat uns aus der Ferne darüber zu diskutieren, ob es nicht 
Sinn machte, das Buch im Namen der FdA herauszubringen. Alle begrüßten den Vorschlag 
grundsätzlich, jedoch wurde auch die durch die Herausgabe von Definitionen entstehende 
Machtstellung über Sprache und Bewusstsein diskutiert. Schlussendlich wird eine Einleitung 
der FdA entstehen, die auf derartige Sachverhalte hinweist und die FdA als 
Mitherausgeberin eines Sachbuchs verortet und nicht als Definitionsmacht in Sachen 
Anarchismus und soziale Bewegung.

Anschließend verlagerten wir uns auf aktionsorientierte Themen und teilten uns in vier 
Arbeitsgruppen auf, um verschiedene Kampagnen zu planen. Eine beschäftigte sich mit der 
Solidarität mit den arabischen und anderen Aufständen, insbesondere in Hinblick auf die 
Verflechtung deutscher Konzerne mit den repressiven, autoritären Regimes der Region. Auf 
der Agenda stehen hier in naher Zukunft unter anderem Recherche und eine 
Informationskampagne von Beschäftigten und Öffentlichkeit. Eine weitere befasste sich mit 
den anstehenden Wahlen und einer möglichen Anti-Wahlkampagne, zu der sich bereits einige 
Gruppen zusammengefunden haben. Anarchist*innen kritisieren typischerweise das 
Partizipationssystem in der parlamentarischen Demokratie und befürworten stattdessen 
Systeme, die eine permanente, politische Beteiligung der Einzelnen an ihrem Umfeld 
ermöglichen. Auch hier wurden bereits konkrete Ideen erarbeitet und wenn alles gut läuft, 
habt ihr vielleicht bald Material in den Händen, um euer Kreuz allabendlich jenseits des 
Wahlzettels zu setzen. Die nächste Gruppe beschäftigte sich mit Aktionstagen zum 3. 
Oktober, um das Thema des deutschen Nationalismus und Nationalmythos nicht aus den Augen 
zu verlieren. Nationalismus steht dem anarchistischen Grundprinzip der ,,Freie[n] Menschen 
in freien Vereinbarungen" konträr gegenüber. Hier sind eine Demonstration, verschiedene 
Aktionen und ein antinationaler Kongress geplant. Außerdem ging es in einer vierten Gruppe 
um ein Vorhaben der Anarchistischen Föderation Rhein Ruhr (AFRR), in ihrer Region eine 
dreimonatige Anarchiekampagne mit zahlreichen Infoveranstaltungen durchzuführen.

Im Anschluss an diesen Block konnten sich die Beteiligten aus dem deutschsprachigen Raum 
erst einmal zurücklehnen und den Inputs zu Aufständen anderswo lauschen. Zunächst 
berichteten die Gäste von der FAO über den Prozess, in Slowenien eine anarchistische 
Föderation aufzubauen. Ein Prozess, der bereits vor dem erfolgreichen Aufstand in 
Slowenien gegen die amtierende Regierung begann und durch diesen Fahrt aufnahm. So konnten 
wir einem spannenden zweiteiligen Vortrag folgen, der uns zum einen die Föderation und zum 
anderen den Aufstand in Zielen und Methoden näherbrachte. Gleich anschließend fuhren die 
Karakök-Autonomen, eine Gruppe aus Zürich und der Türkei, fort, über die aktuellen 
Ereignisse rund um den Taksim-Platz in Istanbul und im ganzen Land zu berichten. Die 
Türkei verfügt über eine für resteuropäische Verhältnisse sehr schwer nachzuvollziehende 
politische Landschaft voller Widersprüche, in der es einer anarchistischen Bewegung 
schwerfällt sich zu behaupten, selbst wenn die Methoden des aktuellen Aufstands häufig 
anarchistische sind. Dazu empfiehlt sich der Artikel Die Aufstände in Taksim in Gaidao 31.

Eigentlich schon viel zu überfordert mit den vielen Informationen umzugehen, stürzten wir 
uns in den nächsten wichtigen Themenblock: Geschlecht und FdA. Hier teilten wir uns in 
Gruppen auf und es ging um die Frage, inwieweit und in welcher Form das Geschlecht eine 
Rolle im Gruppengefüge spielt. Die Diskussionen verliefen anhand vorher formulierter 
Fragestellungen. Die Diskussionen in den einzelnen Gruppen waren zum Teil sehr 
unterschiedlich, da auch die Situation in den Gruppen stark divergiert, weshalb hier auch 
nicht viel dazu gesagt werden kann. In der anschließenden gemeinsamen Diskussion entstand 
die Idee eines Fragenkatalogs zur Durchführung einer wissenschaftlichen Erhebung innerhalb 
der FdA-Gruppen, da mitunter sachliche Fakten fehlten. Der offizielle Teil des Tages klang 
dann mit einer kontroversen, aber freundschaftlichen Diskussion über Sexismus aus. Zum 
Beispiel ging es darum, inwieweit in Theorie und Praxis biologisches Geschlecht und 
geschlechtsspezifisch konnotiertes Verhalten zu trennen seien.

Sonntag

Am Sonntagmorgen wurden die Referate der FdA neu besetzt. Diese sind zur Zeit das 
Internationale Referat, das Organisationsreferat, das Referat Website, das Referat 
Mailingliste, das Öffentlichkeitsreferat und das Finanzreferat. Die Referate werden von 
Einzelpersonen aus verschiedenen Gruppen betreut und es fanden sich genügend Freiwillige, 
um sie weiter zu besetzen.

Darauf teilten wir uns erneut in AGs auf. Zum einen wurde über die Gaidao, die 
Monatszeitschrift der Föderation, diskutiert, während die andere Gruppe sich aktuellen 
Themen in der Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA) bzw. der darüber 
hinausgehenden internationalen Zusammenarbeit annahmen.

Die Gaidao-Gruppe sammelte zunächst ein Feedback zur Zeitung an sich, das überwiegend 
positiv ausfiel. Das Abdrucken von Aufrufen wurde als unnötig wahrgenommen, mehrteilige 
Diskussionen als gewisse Problematik gesehen, für all jene, die nicht regelmäßig lesen. 
Manche wünschen sich mehr Bilder und weniger ,,Bleiwüste". Außerdem wurde bemängelt, dass 
die Zeitung zur Zeit noch zu selten öffentlich an Treffpunkten ausliegt. Im Anschluss 
wurden zahlreiche Ideen zu Inhalten der Zeitung und sonstigem Veröffentlichungsmaterial 
gesammelt. Hier ging es um den Druck von Postern, Postkarten und Sonderausgaben zu 
politischen Ereignissen.

Die IFA-AG diskutierte über die anstehende Ausrichtung der CRIFA-Treffen. Das nächste 
CRIFA-Treffen (kleineres regelmäßiges Treffen der Föderationen) wird im November in Berlin 
stattfinden. Darüber hinaus ging es um eine bessere, direkte Zusammenarbeit mit 
anarchistischen Gruppen in den Grenzregionen. Hier wurden Konzepte und die Lage an den 
einzelnen Grenzen genauer erörtert. Der Wunsch nach direktem Austausch und Zusammenarbeit 
manifestiert sich bereits in der Einladung anderer Föderationen zu unseren aktuellen 
Treffen. Weiterhin soll den anderen Föderationen vorgeschlagen werden, eine feste 
Fahrtkostenregelung zu etablieren, die durch Subventionierung von Fahrkosten durch die IFA 
zu einem internationalen Austausch anregt. Thema war außerdem eine direkte 
Solidaritätsanfrage aus Argentinien, wo einer Angestellten eines international tätigen, 
deutschen Konzerns mit Sitz in Nürnberg wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit gekündigt 
wurde. Wir beschlossen hier, wenn möglich in Zusammenarbeit mit der Freien Arbeiter*innen 
Union (FAU), einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaft, eine Öffentlichkeitskampagne zu 
starten.

Letzter Punkt des Treffens vor der großen Feedbackrunde war der Vortrag der CSAF zur Lage 
der Roma im Grenzgebiet zwischen der Tschechischen Republik und der BRD. Diese werden 
durch Gentrifizierungsprozesse in arme Regionen der Peripherie verdrängt und dort zum 
Opfer von breit gesellschaftlich getragenem Rassismus. Die Gaidao berichtete in der 
Vergangenheit bereits ausführlich über Ereignisse wie Progrommärsche oder die Besetzung 
einer Elendsunterkunft durch Roma-Familien, denen die Obdachlosigkeit drohte. Während 
dieser Ereignisse hat sich kontinuierlich eine grenzübergreifende Zusammenarbeit 
antirassistischer und anarchistischer Zusammenhänge ausgebildet, die jedoch noch einen 
stark informellen, unorganisierten Charakter besitzt. Da sich die Lage in der Region in 
naher Zukunft eher verschlechtern wird, haben wir im Anschluss an den Vortrag beschlossen 
ein gemeinsames Forum zur transparenten Kommunikation zu nutzen und möglichst im September 
eine Konferenz zur Roma-Thematik in der Grenzregion zu organisieren.

Damit endete ein weiteres inspirierendes Treffen auf dem Weg zu einer vielfältigen, 
handlungsfähigen anarchistischen Bewegung.


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