(de) Gai Dáo - Sonderausgabe zum 1. Mai Links at https://linksunten.indymedia.org/de/node/84538

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Fri Apr 26 17:30:22 CEST 2013


In der mitlerweile 5. Sonderausgabe unserer kleinen Zeitschrift dreht sich dieses Mal 
alles um den 1. Mai. Es dürfte wenige Tage geben, die auf eine so bewegte Geschichte 
zurückblicken können: 1886 begründet durch den Haymarket Riot, das tragische Ende des 
Kampfes zehntausender Arbeiter*innen für den 8-Stundentag im amerikanischen Chicago. Nach 
brutalen Polizeiübergriffen auf die Streikenden explodierte am Tag darauf inmitten einer 
Protestkundgebung eine Bombe, woraufhin heftige Gefechte zwischen Arbeiter*innen und der 
Polizei ausbrachen. Die Bilanz waren über zwei Dutzend Tote, hunderte Verletzte und acht 
inhaftierte Anarchisten, die als Verantwortliche ausgemacht wurden. Vier von ihnen wurden 
kurz darauf hingerichtet. ---- 1889 wurde der 1. Mai im Gedenken an Haymarket als 
Internationaler Kampftag der Arbeiter*innen ausgerufen, im Jahr darauf fanden erstmalig 
weltweite Massenstreiks und -demonstrationen statt.

1933 erfolgte die erste Zäsur, als die Nationalsozialisten den 1. Mai zum "Feiertag der 
nationalen Arbeit" erklärten, um am Tag darauf alle Gewerkschaften zu verbieten und die 
Gewerkschaftshäuser zu stürmen. Nach 1945 verlor der 1. Mai - nun offiziell "Tag der 
Arbeit" über die Jahrzehnte immer weiter an seiner ursprünglichen Radikalität. Zwar wurde 
in den 1980er Jahren, durch die Etablierung verschiedener revolutionärer 1. Mai-Demos, 
versucht dieser Entwicklung entgegen zu wirken, aber dennoch setzten sich zwei Arten der 
Begehung des Tages durch: Der Großteil der Bevölkerung genießt den - seit 1933 - 
gesetzlichen Feiertag auf Maifesten und bierseligen Bollerwagen-Ausflügen und die 
sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften betteln in ebenso bierseliger Runde rituell um 
ein bisschen mehr Gerechtigkeit.

Neben dieser Entwicklung ist der 1. Mai aber gleichzeitig auch Thema jährlich 
wiederkehrender Debatten innerhalb der linksradikalen und anarchistischen Bewegung, über 
Sinn und Zweck des Traditionstages. In vielen Städten beteiligen sich linksradikale 
Strukturen als antikapitalistische Blöcke an den DGB-Demos oder betreiben Infostände auf 
deren Festen. Andere bleiben diesen Veranstaltungen von vornherein fern, entweder aus 
Ablehnung gegenüber dem reformistischen Gewerkschafts- und Parteienklüngel, oder aufgrund 
einer allgemeinen Kritik am Konzept des 1. Mai.
Auch innerhalb unserer Redaktion gehen die Meinungen dabei auseinander, weswegen wir an 
dieser Stelle auch keine endgültige Position pro oder contra einnehmen wollen und es 
darüber hinaus auch nicht die Intention dieses Artikels ist. Aber wir fänden eine 
Diskussion darüber spannend, nicht nur speziell über Sinn und Zweck des 1. Mai, sondern 
über das Verhältnis einer linksradikalen / anarchistischen Bewegung gegenüber solchen 
„Traditionstagen“, von denen es in der deutschsprachigen Demonstrationskultur nun doch 
einige gibt. Als Stichworte seien exemplarisch genannt: Revolutionärer 1. Mai, die Silvio 
Meier oder die Liebknecht-Luxemburg-Demo in Berlin; das Schanzenfest in Hamburg oder die 
NATO-Sicherheitskonferenz in München. Gerne bieten wir als Zeitschrift dafür ein Forum und 
mit Sicherheit würde sich der eine oder die andere aus unserem Zusammenhang an einer 
solchen Debatte beteiligen.

Aber nun zu Sinn und Zweck dieses Artikels. Unabhängig der erwähnten Debatte beobachten 
wir in den letzten Jahren eine wachsende Unzufriedenheit an vielen Orten gegenüber der 
ritualisierten Praxen und stellen erfreut fest, das gerade aus anarchistischen Kreisen 
vielerorts der starke Wunsch aufkommt, eigene Inhalte und Konzepte wieder stärker in den 
Fokus der Begehung dieses Tages rücken, oder zumindest diese zur Diskussion zu stellen. So 
finden in diesem Jahr so viele explizit anarchistische Demonstrationen, Straßenfeste oder 
Blöcke statt, wie schon einige Zeit nicht mehr.

Aus diesem Grund haben wir uns als Redaktionskollektiv entschieden, diesen Prozess mit 
einer eigenen Sonderausgabe zu unterstützen. Dabei war es uns wichtig, die Entwicklung in 
den verschiedenen Teilen des deutschsprachigen Raumes zu betonen und sie mit einander in 
Beziehung zu setzen. Neben einem obligatorischen Text über die Geschichte des Tages aus 
anarchistischer Perspektive, findet ihr deshalb Beiträge von Gruppen und Bündnissen, die 
lokal anarchistische Demos und Straßenfeste organisieren, oder sich zumindest als eigener 
Block an spektrenübergreifenden Demonstrationen beteiligen. In diesen Beiträgen geht es 
jedoch weitestgehend nicht um deren eigene Position gegenüber dem 1. Mai, sondern vielmehr 
um eine kleine Übersicht welche Kämpfe sich gerade in ihrer Stadt oder Region abspielen, 
weswegen sie – unter anderem – an diesem Tag auf die Straße gehen. Wir erhoffen uns neben 
einem gegenseitigen Austausch auch konkret das Bewusstsein der jeweils lokalen Leser*innen 
dafür zu sensibilisieren, dass sie in diesem Moment nicht die einzigen sind, die als 
anarchistische Demo oder Block für ein Ende der Gesamtscheiße und die befreite 
Gesellschaft demonstrieren.

Wie jede Sonderausgabe, wird auch diese in einer großen Auflage gedruckt und auf den Demos 
und Straßenfesten in Berlin, Bonn, Freiburg, Dresden und Stuttgart verteilt werden. Wir 
wünschen euch viel Spaß beim Lesen, egal ob auf einer der genannten Demonstrationen oder 
weit ab davon vor dem heimischen PC. Zum Schluss möchten wir betonen, dass die 
aufgezählten Demonstrationen natürlich bei weitem nicht die ganze anarchistische 
Beteiligung an diesem Tag darstellen und es darüber hinaus viele anarchistische Gruppen, 
Strukturen und Individuen gibt, die sich in verschiedenen Formen an lokalen 
Veranstaltungen beteiligen. Die Auswahl resultiert aus dem guten Kontakt in die jeweiligen 
Städte. Bei entsprechender Resonanz können wir uns eine Wiederholung für das kommende Jahr 
gut vorstellen, dann auch gerne mit vielen weiteren Beiträgen.

Dennoch wollen wir euch die Details der Veranstaltungen in den fünf Städten nicht vor 
enthalten, schließlich erwarten euch sympathische Menschen und guter Lesestoff, wenn's mal 
wieder länger dauert.

Berlin
13:00 Uhr: Verschiedene anarchistische Infostände vor und neben der NewYorck 
(Bethanien-Südflügel, Mariannenplatz 2a, Kreuzberg)
17:00 Uhr: Unangemeldete Demo unter dem Motto „Schnauze voll: Verdrängung stoppen – 
Zwangsumzüge verhindern! Miet-Streik jetzt!“ (Mariannenplatz – Feuerwehrbrunnen, Kreuzberg)
18:00 Uhr: Revolutionäre 1. Mai Demo mit libertärem Block (Spreewaldplatz, Kreuzberg)

Bonn
14:00 Uhr: Libertär-Anarchistische Demonstration (Kaiserplatz)
16:00 Uhr: Straßenfest (Frankenbad)
Organisiert vom Bündnis Bonn Libertär

Dresden
12:00 Uhr: Demonstration „Wir kriegen nur wofür kämpfen! Organisiert Schule, Betrieb und 
Kiez!“ (Theaterplatz)
Organisiert vom Allgemeinen Syndikat Dresden / Libertäres Netzwerk Dresden

Freiburg
12:30 Uhr: Unangemeldete Demo „Nieder mit der Arbeit. Gegen Staat, Nation und Kapital“ 
(Stühlinger Kirchplatz/Wannerstr.)
14:00 Uhr: Unangemeldetes Straßenfest „Im Grün“
Organisiert vom anarchistischen Vorbereitungsbündnis

Stuttgart
11:30 Uhr: Libertärer Block in der Revolutionären 1. Mai Demo (Schlossplatz)
Organisiert vom Libertären Bündnis Ludwigsburg und der FAU Stuttgart



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