(de) FAU DIREKTE AKTION #216 – Keine Reise ins Paradies - Arbeitsmigration, Ausbeutung und schlechte Jobs im Europa der Krise

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Sun Apr 21 10:05:49 CEST 2013


Der Internetversandhandel Amazon übt sich in Schadensbegrenzung. Nachdem Mitte Februar 
Berichte über die besondere Ausbeutung der dort über eine Leiharbeitsfirma beschäftigten 
WanderarbeiterInnen bekannt wurden, feuerte der Konzern die Sicherheitsfirma H.E.S.S., 
deren MitarbeiterInnen in einem Fernsehbeitrag Kontakte in die rechte Szene nachgesagt 
wurden. Die um ihren Ruf besorgte Sicherheitsfirma dementierte sofort. Anders ist es mit 
der ganz normalen Ausbeutung im Europa der Krise. So wird in dem TV-Beitrag berichtet, 
dass LeiharbeiterInnen aus Spanien, die im Amazon-Logistikzentrum Bad Hersfeld für das 
Weihnachtsgeschäft arbeiteten, in engen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht wurden. 
Dort sollen sie vom ins Gerede gekommenen Wachdienst rund um die Uhr kontrolliert worden sein.

In der Erklärung der Sicherheitsfirma heißt es zum „Einsatz in Leiharbeitsunterkünften“: 
„Der Grund für die Beauftragung von uns als Sicherheitsfirma liegt darin, dass in der 
gleichzeitigen Unterbringung einer größeren Anzahl von Menschen, die sich untereinander 
nicht kennen, ein erhebliches Konfliktpotential liegt“.

Die Tatsache, dass im 21. Jahrhundert Lohnabhängige in engen Unterkünften 
zusammengepfercht leben müssen, wird nicht als gesellschaftlicher Skandal wahrgenommen. 
Solche Horrorvisionen hat der Liedermacher Franz Josef Degenhardt vor 30 Jahren als 
negative Vision über die kapitalistische Gesellschaft der Zukunft in einem Song 
dargestellt; „Für eine gute ARBEIT zieht er meilenweit“, heißt es dort in einer Zeile. 
Heute könnte man nicht nur am Beispiel Amazon sagen: Für einen miesen Leiharbeitsjob 
ziehen viele Menschen im Europa der Krise meilenweit.

Auch die Anwerbung von LeiharbeiterInnen aus ganz Europa ist eine Folge der von 
Deutschland wesentlich initiierten Sparprogramme. Sie führten zu einer massiven Rezension 
in den Ländern der europäischen Peripherie und zur Verarmung großer Teile der Bevölkerung. 
Solche Zustände sind die Grundlage dafür, dass die Menschen unter fast jeden Umständen 
schuften und bereit sind, in engen Gemeinschaftsunterkünften, von einer Sicherheitsfirma 
mit oder ohne rechte Kontakte bewacht, ihre „Freizeit“ zu verbringen. Die Politik trägt 
kräftig dazu bei, indem sie dafür sorgt, dass erwerbslosen EU-BürgerInnen oft kein ALG2 
gewährt wird. Allein in Berlin leben mittlerweile über 174.000 EU-BürgerInnen. Viele 
werden schlecht bezahlt, manche sogar überhaupt nicht. So haben sich zwei KollegInnen, die 
im Februar und März 2012 für die in Eimersleben (nahe Magdeburg) ansässige Messebaufirma 
„Messeshop“ gearbeitet haben, an die FAU-Berlin gewandt. Sie wurden als Selbstständige auf 
den in Berlin stattfindenden Messen „Fruit-Logistica“ und „ITB“ eingesetzt und warten bis 
heute auf ihre Bezahlung. Mit einer Online-Petition versucht die FAU Berlin den Druck auf 
die Firma zu erhöhen. Dort werden die sofortige Auszahlung der vorenthaltenen Löhne der 
beiden und die Umwandlung der Scheinselbstständigkeit in sozialversicherungspflichtige 
Arbeitsverhältnisse gefordert.

Peter Nowak


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