(de) 100 Jahre CNT [ca, en, pl, ru]

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Thu Nov 4 10:11:43 CET 2010


Am 01. November 1910 wurde im [Kulturzentrum] Círculo de Bellas Artes
in Barcelona die Nationale Arbeitsföderation (Confederación Nacional
del Trabajo – CNT) gegründet. Diese Organisation beerbte die 1870
gegründete Region Spanien der Ersten Internationale. Aus der
Arbeiterbewegung heraus geboren, war sie die erste unabhängige
Gewerkschaft in diesem Land.

In der Überzeugung, dass die „Befreiung der Arbeiter nur das Werk der
Arbeiter selbst sein kann“, wurde die CNT ein Sammelbecken der
populären Rebellion, die im Laufe der Geschichte jeder Macht entgegen
stand. Diese Rebellion fand schon immer statt, vom ägyptischen
Mittleren Königreich bis zur Französischen Revolution. Und sie war der
Ursprung der geschichtlichen Entwicklung, die die Menschheit zu den
Zielen Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Würde und Fortschritt
vollzogen hat.

Die CNT begann ihre anarchosyndikalistischen Aktivitäten aus der
einfachen Übereinkunft eine Arbeiterorganisation zu gründen, die
unabhängig ist von politischen, religiösen und wirtschaftlichen
Mächten. Dies war die Voraussetzung, um die Lebensbedingungen der
Arbeiter/innen zu verbessern bis zu einem Ende der Ausbeutung. In nur
wenigen Jahren hatte sie die Mehrheit der Arbeiterbewegung organisiert
und dabei bemerkenswerte soziale und wirtschaftliche Siege errungen.

Als Beispiel sind zu nennen: der Acht-Stunden-Tag, die
36-Stunden-Woche, das Ende der Kinderarbeit und die Gleichberechtigung
der Frauen, sowie die alltägliche Verbreitung der modernen Werte von
Solidarität, Föderalismus, Ökologie, Feminismus, freier Liebe,
Antimilitarismus und Atheismus. Dieser Teil ihres Erbes erreichte
seinen Höhepunkt während der Sozialen Revolution von 1936 als die
Utopie des freiheitlichen Kommunismus in allen befreiten Gebieten zum
Leben erwachte.

Die Reaktion des internationalen Kapitalismus erlaubte es Francos
faschistischer Armee diesen revolutionären Traum für hunderttausende
Menschen in einen Albtraum zu verwandeln. Sie wurden nach dem
erfolgreichen Staatsstreich im Jahr 1939 verfolgt, hingerichtet oder
verschwinden gelassen. Doch keiner der Täter, die allesamt bekannt und
einige sogar aktive Politiker sind, wurde für seine Taten in diesem
Terrorregime – eines der kriminellsten der Geschichte – auch nur
öffentlich angeklagt. Das haben sie dem schamlosen Pakt der nationalen
demokratischen Linken (PSOE, PCE, UGT und CC.OO) mit der
Franco-Diktatur zu verdanken. Diese hatten einer Kapitulation vor dem
Kapital zugestimmt und damit einen Pakt besiegelt wurde, der seit 1977
„Spanische Übergangsperiode“ genannt wird.

Trotzdem haben die Leute weiterhin – oft mit ihrem Leben – die
Prinzipien des Anarchosyndikalismus verteidigt: Unabhängigkeit,
Selbstbestimmung, Föderalismus, Selbstverwaltung,
Vereinigungsfreiheit, Solidarität und Direkte Aktion. Die
Selbstorganisation bedeutet in Bezug auf die Arbeitswelt, dass jeder
Einfluss von politischen Parteien bzw. von wirtschaftlichen und
religiösen Institutionen zurückgewiesen wird.

Streiks, Demonstrationen, Repression und Folter waren während der
Diktatur (1939-1976) alltäglich. Bis diese [nach dem Tod Francos] 1977
verschwand und die Arbeiterbewegung mit dem Wiederaufbau der CNT
begann. Es gab eine jahrelange Reihe von siegreichen Arbeitskämpfen
und die Massenversammlungen von Montjuich und San Sebastián de los
Reyes markieren die machtvolle Wiedergeburt der Föderation in den
Siebziger Jahren.

Der Fortschritt der Arbeiterbewegung, die sich erneut in der CNT
selbstorganisierte und im Tankstellenstreik von 1978 beispielhaft
kämpfte, rief die kapitalistische Reaktion hervor. Diesmal wurde sie
unterstützt von einem demokratischen Staat und seinem institutionellen
Apparat (Regierung, Parteien, Gewerkschaftsbürokratie,…). Der
gewerkschaftliche Erfolg der CNT wurde von der Polizei unterdrückt
(wie beim Fall „Scala“ im Jahr 1978) und zusammen mit Kampagnen des
Totschweigens und der Lügenpropaganda in den Medien hatte dies
zerstörerische Folgen für die Arbeiterbewegung im Land.

Die Schwächung der anarchosyndikalistischen Aktivitäten innerhalb der
Arbeiterbewegung haben den Verlust von Rechten ermöglicht, die durch
lange und harte Gewerkschaftskämpfe erreicht worden waren. Die
Deregulierung und Prekarisierung der Arbeit wurde ermöglicht durch die
schlimmste Korruption, die das Land heimsucht: die
Gewerkschaftskorruption. Es handelt sich dabei um eine schleichende,
offizielle Korruption, die die Gewerkschaftsbewegung in den Augen der
Arbeiter/innen pervertiert. Doch sie wird grundsätzlich von allen
institutionalisierten Gewerkschaften begangen, wie der
[staatssozialistischen] CC.OO und der [sozialdemokratischen] UGT.
Beide Yuppie-Gewerkschaften kassieren Millionen Euro an Fördermitteln
vom Staat und von Unternehmen, die sie für ihren Verrat bezahlen.
Daher akzeptieren diese Gewerkschaften alle Maßnahmen, die zur
Verteidigung des Kapitals und seiner gesteigerten Gewinnanhäufung
nötig sind: Zeitarbeit, Arbeitsmarktreformen, Aufhebung des
Kündigungsschutzes,…

Trotz alledem sind weiterhin tausende Arbeiter/innen in der
eigentlichen Arbeiterorganisation aktiv, die wir CNT nennen, und die
ausschließlich aus unseren eigenen Mitteln aufrechterhalten wird. Das
macht sie zu einem lebendigen Beispiel für klassenbewusste
Gewerkschaften, die in der Lage sind Widerstand zu leisten gegen
Unterdrückung, gesellschaftliche Kontrolle, ökologische Zerstörung des
Planeten und alle Aspekte, die dem Kapitalismus innewohnen.

Das Jahr 2010 hat für uns eine besondere Bedeutung, denn es markiert
hundert Jahre Existenz der CNT. Es ist eine Jahrhundertfeier für die
Menschen und für den unschätzbar wertvollen Kampf von Tausenden, die
im Laufe dieser hundert Jahre mit einem hervorragenden Werkzeug
ausgestattet waren, dessen Beispiel die Arbeiterklasse auf der ganzen
Welt folgen möge. Ihre eigene Kultur, die Möglichkeiten zur
Selbstorganisation, die populäre Verbreitung des radikalen Kampfes und
der revolutionären Errungenschaften stehen für den Aufbau einer
antiautoritären und solidarischen Gesellschaft.

Diese hohen Ideale bilden den Anlass, zu dem wir euch hier und heute
einladen möchten!

Übersetzung Anarchosyndikat Köln/Bonn
http://syndikalismus.wordpress.com


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