(de) Öffentliche Militärverweigerung in Bern

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Wed Aug 25 16:37:40 CEST 2010


Am Montag, den 23. August versammelte sich die Kurdische
Militärverweigerungsinitiative in Bern, um die Militärverweigerung
zweier ihrer Mitglieder bekanntzugeben. Wir solidarisierten uns als
Karakök Autonome und nahmen aktiv an der Aktion teil. Ebenfalls waren
die Föderation der kurdischen Volksvereine Schweiz sowie die
Antifaschistische Initiative Bern gekommen, um die Aktion aktiv zu
unterstützen. Anlass war die Verhaftung des kurdischen
Kriegsdienstverweigerers Inan Süver, der am 5.8.2010 in Istanbul
festgenommen und anschliessend ins Militärgefängnis Kasimpasa
überstellt wurde. Seit dem 9.8.2010 befindet er sich im Hungerstreik
und hält trotz schweren Misshandlungen und Folter daran fest, keinen
einzigen Tag Militärdienst zu leisten.

Inan Süver hat dazu aufgerufen, dass weitere Menschen ihre
Totalverweigerung gegenüber dem Militär bekanntgeben. Er verdeutlicht:
?Totalverweigerer stehen für den individuellen Willen, Widerstand zu
leisten, aber auch für das Gewissen unserer Gesellschaft. Verhindern
wir, dass dieses Gewissen zum Schweigen gebracht wird! Das Nein zum
Krieg ist ein wichtiger Schritt zur Beendigung des jeweiligen Krieges.
Niemand kann verurteilt oder gefangen genommen werden, weil er
verweigert, zu töten?.

Um uns mit Süver sowie allen Totalverweigerern zu solidarisieren,
haben wir uns am Montag auf dem Helvetiaplatz in Bern versammelt. Dort
gaben zwei Aktivisten der kurdischen Militärverweigerungsinitiative
ihre Militärverweigerung öffentlich bekannt und verlasen jeweils ein
Statement. Ausserdem verlasen die Föderation der kurdischen
Volksvereine Schweiz sowie wir unsere Solidaritätserklärungen.

Eigentlich war vorgesehen, vom Helvetiaplatz aus gemeinsam zur
türkischen Botschaft zu marschieren, was jedoch von der Polizei
verhindert wurde. Dafür überbrachten drei Delegierte der kurdischen
Militärverweigerungsinitiative im Anschluss an die Aktion ein
vorbereitetes Dossier ans Konsulat.

Untenstehend der Text unserer Rede sowie einige Fotos:

Wir sind heute gekommen, um unsere Solidarität mit der
Militärverweigerungsbewegung zum Ausdruck zu bringen. Einen
bestehenden Zustand zu verweigern, ist der erste Schritt zur
Etablierung einer neuen gesellschaftlichen Realität.

Als AnarchistInnen kämpfen wir für eine kollektive Welt ohne Klassen
und Grenzen. Staaten und Nationen sind ein fiktives Konstrukt der
herrschenden Institutionen. Es ist unterdrückerisch, Menschen
voneinander zu isolieren, indem künstliche Grenzen zwischen
Lebensräumen gezogen werden. Dieser künstliche Zustand konnte nur mit
Gewalt errichtet und aufrechterhalten werden.

Das Militär dient als Mechanismus, um dieses konstruierte System der
Staaten und Regierungen zu schützen und es zu verteidigen. Um seine
Herrschaft aufrechtzuerhalten, wendet es Unterdrückung und Gewalt
gegenüber allen Lebewesen an. Die Regierungen der Welt schüren und
provozieren politische, ökonomische und soziale Konflikte, um
anschliessend das Militär einzusetzen. Um ihre ausbeuterische
Herrschaft aufrechtzuerhalten, sind Regierungen auf eine bewaffnete
Gewalt angewiesen. Dass es eine Institution wie diejenige des Militärs
überhaupt gibt, ist der beste Beweis für die Ungerechtigkeit,
Unterdrückungs- und Ausbeutungspolitik des herrschenden politischen
Systems. Wäre dieses System nicht auf Ungerechtigkeit aufgebaut, gäbe
es keine Kriege und keinen Bedarf nach einem militärischen
Verteidigungsmechanismus. Aufgrund dieser Tatsachen ist die
Verweigerung des Militärdienstes ein bedeutendes Stück Dynamit, das an
die Pfeiler dieses Systems gelegt werden kann.

Wir solidarisieren uns mit allen Militärdienstverweigerern und
überbringen gleichzeitig solidarische Grüsse unseres Freundes und
Genossen Halil Savda. Er ist heute im Herzen bei uns in Bern.
Gleichzeitig fordern wir die sofortige Freilassung von Inan Süver.

Wir sind gezwungen, Zeit unseres Lebens als LohnsklavInnen zu
arbeiten, an der Front zu sterben und Grenzen zu verteidigen, um die
Position der herrschenden Institutionen noch mehr zu stärken. Doch wir
akzeptieren keine Grenzen, keine Klassen und keine Staaten. Wir wollen
nicht Teil eines hierarchischen, ausbeuterischen und ungerechten
Systems sein und es schon gar nicht mit Gewalt verteidigen. Lasst uns
gemeinsam den Kapitalismus, Nationalismus, Faschismus, Sexismus und
Speziesismus stürzen und an ihrer Stelle eine neue, befreite
Gesellschaft beleben.

Isyan! Devrim! Anarsi! ? Aufstand! Revolution! Anarchie!

Karakök Autonome türkei/schweiz
Pics.
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