(de) Interview mit AnarchistInnen aus Iaşi (Rumänien)

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Wed Apr 14 19:14:36 CEST 2010


Von der anarchistischen Bewegung in Rumänien hört man leider nur
wenig. In Iaşi organisierten GenossInnen der Actiunea Antifascista
(der Antifaschistischen Aktion) sowie der Federatia Anarhista (der
Anarchistischen Föderation) eine Demonstration am 9. November „gegen
Faschismus, Rassismus und alle Formen der Diskriminierung.“ An der
Demonstration beteiligten sich bis zu 50 Personen. Sie war die einzige
Demonstration dieser Art in diesem Jahr in Rumänien. Iaşi (gesprochen
Jasch) ist mit knapp 310.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in
Rumänien. Sie liegt im Nordosten des Landes, ca. 20km von der Grenze
zur Republik Moldawien entfernt. Anarchistische Spuren finden sich
dort seit dem beginnenden 20. Jahrhundert. Anarchistische Schriften
wurden hier herausgegeben und im Land verbreitet. U.a. wurde hier auch
am 2. März 1895 der bekannte Vertreter des gewaltfreien Anarchismus,
Eugen Relgis (eigentlich Eugen Sigler) geboren.

In einem ausführlichen Interview mit Syndikalismus.tk berichten die
GenossInnen über die Demonstration, die Situation der anarchistischen
Bewegung im Land und über die vielfältigen Schwierigkeiten, mit denen
sie konfrontiert sind. An dieser Stelle noch mal ein herzliches
Dankeschön an die GenossInnen in Iaşi für das Interview. Traisca
Anarhia!

„Die Antifa- und die anarchistische Bewegung in Iaşi sind nahezu
dasselbe“ – Interview mit AnarchistInnen aus Iaşi (Rumänien)
Syndikalismus.tk:  Ihr habt am 9.11.2009 eine Demonstration in eurer
Stadt, in Iaşi, gegen „Faschismus, Antisemitismus und alle Formen der
Diskriminierung“ durchgeführt. Wie verlief die Demonstration? Konntet
ihr eure Auffassungen unter der Bevölkerung bekannt machen und wie
verhielt sich die Polizei?

Actiunea Antifascista: Als allererstes müssen wir sagen, das es hier
in Rumänien wirklich Schwierig ist, eine Demonstration, speziell eine
Demonstration gegen Rassismus und Diskriminierung zu organisieren. Du
musst deine Gründe dafür, warum du diese Demo organisierst, sehr gut
zu vermitteln wissen, und dies ist sehr bizarr da du viel über
Rassismus, die Zigeuner, die ungarische Minderheit, die Neo-Legionäre
reden und debattieren musst. Du musst sehr gut erläutern weshalb
Menschen die Demo unterstützen sollen. Ich meine dass wir denken, das
eine im Kopf Gesunde Person eigentlich keine zusätzlichen Erklärungen
benötigen würde, warum er/sie uns unterstützen sollte.



Im Ablauf der Organisation dieser Demo mussten wir zwei Wochen vor dem
9. November auf das Rathaus, die Hauptpolizeiwache und zur Gendarmerie
(eine Art polizeiliche „Schnelle Einsatz-Schläger-Truppe“. In etwa
vergleichbar mit der Bereitschaftspolizei in Deutschland, aber
militärischer organisiert. Anm. Syndikalismus.tk) um dort genau den
jeweils gleichen Antrag zu stellen, damit diese unseren Marsch
genehmigen können. Wir haben diesen Antifa-Blog zusammengestellt
www.actiuneaantifascista.blogspot.com und haben dort einige Infos über
faschistische Tendenzen in unserem Land, die Gefahr die von der Kirche
ausgeht, die Medien und den Staat veröffentlicht. Wir haben hunderte
von Flugblättern verteilt, brachten eine Menge Ankündigungen an den
Straßen und in den Universitäten an und verschickten zig E-Mails. Wir
gingen sogar zur Jüdischen Gemeinde in unserer Stadt und luden sie zu
unserem Marsch ein. Doch nur ein einziger Mann von ihnen kam und
unterstütze uns.

Auf der Demo waren wir leider nur zwischen 40-50 Leuten. Doch wir
hatten 12 Plakate und ein großes Transparent, das von zwei Personen
getragen wurde, zwei schwarz&rote anarchistische Fahnen, und eine
große Antifa Fahne (welche wir diesen Sommer in Berlin gekauft
hatten). Weiterhin hatten wir zwei große schwarze Transparente mit
roter Aufschrift. Auf ihnen stand: „Solidarität mit den Arbeitern aus
China und Bangladesh“ (wir haben einige asiatische ArbeiterInnen in
unserer Stadt) und „Rassismus ist die krankhafteste Bedrohung des
Menschen gegen den Menschen – Das Maximum an Hass für ein Minimum an
Grund“. Wir hatten auch ein Megaphon welches sich als sehr nützlich
und laut herausstellte und spielten einiges an Musik – Alerta
Antifascista/Sin Dios, Keny Arkana- la rage und einiges an rumänischer
Anarcho-Punk Musik (The terror art band). Wir verteilten eine Menge
Flugblätter und es hatte den Anschein dass die Menschen auf den
Strassen uns freundlich gesonnen waren. Einige sagten uns das es eine
gute Idee (mit der Demo) ist, das wir aber einen Brief an Corneliu
Vadim Tudor, den Führer der PRM (Groß-Rumänien-Partei. Anm.
Syndikalismus.tk) schicken und ihn darin verarschen sollten. Da waren
aber auch ein paar Typen die mit einem noblen Auto nah an uns
heranfuhren und sie schrieen uns zu: „Heeey…was läuft verkehrt mit
euch? Geht nach Haaaause“.

Die Polizei verhielt sich nicht wirklich korrekt uns gegenüber. Da
waren die Leute die Transparente und Plakate auf der linken Seite der
Demo trugen und zwei Polizeiautos fuhren exakt neben ihnen her, und
das so, daß es zeitweise für die Leute auf der gegenüberliegenden
Straßenseite unmöglich war die Plakate zu lesen. Ein Bulle kam zu mir
und sagte mir „es ist nicht erlaubt“ auf die Plakate „Fuck Hitler!
Fuck Stalin! Fuck Corneliu Zelea Codreanu!“ zu schreiben. Doch ich
hörte nicht auf ihn und so war seine Aufforderung vergebens. Sie
versuchten auch uns gegenüber besonders cool aufzutreten, sprachen
sehr schnell, erwähnten einige Gesetze und andere Dinge doch sie
blickten schließlich wie Verlierer drein, als wir ihnen einige
ausgedruckte Gesetzestexte zeigten und ihnen so zu verstehen gaben,
das wir genau wussten was wir taten. Nach der Demo sah ein Genosse von
uns einen Mann ein Hotel mit einem grünen T-Shirt mit der Aufschrift
POLIZEI betreten. Genau, es war ein deutscher Bulle. Doch wir wissen
nicht weshalb er hier in Rumänien so gekleidet war.


Ein Redebeitrag auf der Demonstration vom 9. November.
Die Medien wirkten nicht so sehr an unserer Demo interessiert. Nur
zwei TV-Programme kamen her und nur eine Zeitung rief uns an. Wie auch
immer, wir verweigerten ihnen gegenüber Interviews, denn sie hatten
das ganze Jahr über eine Menge rassistischer Meldungen veröffentlicht,
sie präsentierten eine Menge übelster News gegen Zigeuner, sie
assoziieren das Wort Anarchie mit Krankheit, mit Katastrophen und,
natürlich, mit Chaos. So verließ ein TV-Team die Demo, doch das andere
schien wirklich an der Demo interessiert zu sein. Und sie haben dann
auch wirklich gute Dinge über uns in ihren Nachrichten berichtet. Sie
haben zwei Passanten auf der Strasse interviewt, die sehr
enthusiastisch über unsere Aktion sprachen, und sie interviewten eine
Genossin aus Frankreich. Auch die Zeitung (Buna Ziua Iaşi (Guten Tag
Iaşi). Anm. Syndikalismus.tk) berichtete gut über uns.

Syndikalismus.tk: Wie ist die Situation in Rumänien mit Neonazis
(genauer Neolegionären) und Faschisten? Sind diese öffentlich präsent
und aktiv? Was denkt ihr, wie sie gestoppt werden können?

Actiunea Antifascista: Das Problem mit dem Faschismus in Rumänien ist,
das nahezu jeder faschistische Gedanken hat. Wenn du jemanden auf der
Strasse fragst „bist du ein Faschist?“, wird er/sie sagen „nein,
natürlich nicht, was zum Teufel“, doch „was denkst du über die
Zigeuner oder die Ungarn, oder über Homosexuelle?“ er/sie sagt „Ich
kann keine Verbindung zwischen Faschismus und den Zigeunern erkennen.
Hitler ist eh tot, so gibt es also auch keinen Faschismus mehr. Und,
über die Zigeuner. Ich hasse diese Scheiss-Leute, verbrennt sie,
schmeißt sie aus dem Land heraus, lasst sie für uns arbeiten. Die
Ungarn sollten lernen rumänisch zu sprechen, denn das hier ist
Rumänien, nicht Ungarn, wenn sie das nicht wollen sollen sie nach
Ungarn gehen. Und die Homosexuellen sind der letzte Dreck. Erschießt
sie!“. Es ist nahezu ausgeschlossen jemanden zu treffen der die
Zigeuner nicht hasst. Die Medien sind auch daran Schuld.

Es scheint so als ob die Neonazis und die Neo-Legionäre nicht wirklich
eine gute Beziehung untereinander haben. Gewöhnlich hassen sie sich,
es kam sogar zu kämpfen unter ihnen – denn die meisten Neonazis sind
Atheisten und „Noua Dreapta“ (ND) (Neue Rechte – Neo-Legionäre) sind
christlich. Doch einige Neonazis unterstützten eine Demonstration von
ND in Bukarest. Es gibt eine große Anzahl von Neonazis unter den
Fußballfans aus Temeswar und Bukarest, und eine Menge von ihnen gibt
es auch in Bacau (nahe Iaşi!). Doch es gibt mehr Neo-Legionäre als
Neonazis. Die „Neue Rechte“ (Noua Dreapta), die neolegionäre
Organisation, ist sehr aktiv in Bukarest, Cluj, Temeswar und Galaţi
(Galatz). In Iaşi sind sie nur um die 20-30  Leute, aber es gibt hier
eine Menge Rocker die sie unterstützen, die aber nicht mit allen von
ihren Ideen übereinstimmen. Der Führer von Noua Dreapta ist ein
Rechtsanwalt aus Bukarest, er ist um die 30 Jahre alt. Eine Menge
ND-Mitglieder sind um die 30 Jahre alt, haben Familien und Kinder,
doch es gibt auch einige fette Skinheads, im Alter so um die 25 Jahre.

Die Antifa-Demo in Iaşi war die einzige Antifa-Demo im ganzen Land! In
allen anderen Städten haben Antifas und AnarchistInnen Probleme mit
der ND, spezieller jedoch mit dem SRI („Serviciul Roman de
Informatii“, dem rumänischen Informations Dienst.) (Rumänischer
Innlandsgeheimdienst, Anm. Syndikalismus.tk). Wir denken das die ND
vom SRI unterstützt wird. Als ein Beispiel: im Jahr 2008, als einige
Bukarester AntifaschistInnen zum Rathaus gingen um die Genehmigung für
einen antifaschistischen Marsch zu bekommen, war der ND-Führer bereits
im Rathaus und lachte sie aus. Sie erhielten keine Genehmigung für den
Marsch, sie erhielten nur eine Erlaubnis für eine stationäre
Kundgebung, mussten auf einem kleinen Platz stehen und jeder der dazu
kam wurde angehalten und von der Polizei durchsucht.

Die ND ist sehr aktiv. Sie machen eine Menge Aktionen und es sieht so
aus, als ob sie auch eine Menge Geld haben. Möglicherweise von der
Forza Nuova aus Italien und von der NPD aus Deutschland. Es sieht so
aus das sie alle in einer guten Beziehung zueinander stehen. Sie sind
sehr populistisch, besonders im letzten Jahr. Ich denke sie sind nicht
so viele als zu ihrem Beginn im Jahr 2000. Am 24. Januar 2010 werden
sie möglicherweise nach Iaşi kommen – alle von ihnen. Sie waren auch
dieses Jahr hier und tranken auf den Strassen (In Rumänien ist es
nicht erlaubt auf den Strassen zu trinken) und waren sehr laut. Sie
entdeckten einen unserer Genossen, einen Anarchisten, und schrieen ihn
an „Hey, du Kommunist!“. Doch glücklicherweise konnte er aus dieser
Gegend entkommen. Sie übermalten auch eine Menge an Graffiti und
Parolen an den Wänden in der Innenstadt – und das bei Tageslicht! Und
wenn wir ein Graffiti anfertigen wollen müssen wir es Nachts tun,
müssen sehr vorsichtig sein, besonders weil einer von uns von der
Polizei zusammengeschlagen wurde, nachdem er ein Graffiti nahe der
Polizeiwache angebracht hatte. Das Schlimmste daran ist, das die
Polizei wirklich erwartete das er das Graffiti anbringt. Sie waren mit
5 Streifenwagen in der Gegend und warteten auf ihn und wussten schon
im voraus seinen Namen und seine Adresse.

Doch das witzigste passierte als wir um 12.00 Uhr den Treffpunkt für
die Demo erreichten. Denn, ein Neolegionär – ein wirklich geistig
behinderter – kam auch dort hin. Er hatte ein kleines Pappschild dabei
auf welchem Stand: „Gott ist der Herr unseres Landes. Lang lebe die
Legion und der Capitan.“ Die Legion bezieht sich auf die Faschisten
aus der Zwischenkriegszeit in unserem Land, der Capitan (Corneliu
Zelea Codreanu) war ihr Führer. Wir alle schrieen ihn an und ich
versuchte ihn zu schlagen, doch die Polizei war auch da. Er begann
panisch zu werden und forderte die Polizisten auf, mich zu verhaften,
da ich zu ihm sagte er solle „zu den Göttern seiner Mutter“ gehen. In
Rumänisch klingt das sehr lustig und ist nicht gerade freundlich. Doch
die Polizei hatte selber Schiss, denn wir waren alle maskiert, schwarz
gekleidet und schrieen. Sie brachten den Faschisten fort und dann
begannen wir unseren Marsch. Es war wirklich etwas Bizarres an diesem
Faschisten. Du wirst über ihn lachen. Wir alle glauben dass er
wirkliche seriöse mentale Probleme hat. Geistig verwirrt, wirklich ein
Kamikaze-Kerl.

Ich denke, zumindest in Iaşi, haben wir jedes ND-Mitglied
niederzuschlagen und ihre Nachbarschaften mit antifaschistischem
Graffiti zu terrorisieren. Und wir brauchen entschieden mehr
AnarchistInnen.

Syndikalismus.tk: Viele Demonstrationen richten sich „gegen“ etwas.
Was sind die Ziele von Actiunea Antifascista? Welche Form von
Gesellschaft wollt ihr erreichen?

Actiunea Antifascista: Hm, ich denke das ist die schwierigste Frage.
Wir sind nicht wirklich eine homogene Gruppe. Und wenn ich über unsere
politischen oder philosophischen Überzeugungen spreche, dann ist es
etwas schwer für mich auch für alle anderen zu sprechen.

Es gibt einige Neo-Marxisten, einige Anarcho-Kommunisten, einige
Anarcho-Individualisten, einige Anarcho-Primitivisten, einige von uns
sind einfach Antifas, einige von diesen sind Antikapitalisten und
Anti-Kriegs-Aktivisten, einige sind Anarcha-Feministinnen. Als
Beispiel: Ich bin Anarchist, ich glaube wirklich an den
Anarcho-Kommunismus und auch an Anarcho-Primitivismus. Viele von uns
sind Vegetarier und einige sind vegan.

Doch die meisten von uns sind überzeugt das Actiunea Antifascista (die
antifaschistische Aktion) die Neue Rechte und die Kirche zerschlagen
will, das sie einige direkte Aktionen gegen die pro-faschistischen
Medien unternimmt, ein Bewusstsein über die Gefahr des Rassismus
schafft und einiges an Informationen verbreitet. Denn hier gibt es
einen großen Mangel an wirklichen Infos über Antikapitalismus,
Anarchismus, Antifaschismus.

Ich weis wirklich nicht in welcher Art von Gesellschaft die anderen
Leben möchten, doch ich bin mir Sicher die Gesellschaft wäre ohne
Kapitalismus, ohne Parlamentarismus, ohne Klassen, ohne
Umweltverschmutzung und ohne Faschismus.

Als ein Beispiel: Ich bin Anhänger von Proudhons Idee, dass eine
Revolution Jahrhunderte an Vorbereitung benötigt, bis sie gemacht
werden kann, denn die Menschen müssen sich ändern. Doch ich warte
nicht nur darauf dass sie sich verändern oder warte auf das Eintreten
der großen Revolution. Ich glaube an die tägliche Revolution im
Alltag, in Form der Direkten Aktion. Ich wünsche mir zu sehen wie alle
diese „Zivilisationen“, alle Staaten, alle Kirchen, alle
Polizeistationen, alle Armeen, alle faschistischen Organisationen,
alle Schulen zerstört werden. Ich bin überzeugt das AnarchistInnen
gesunde, stabile Gemeinschaften/Gesellschaften entwickeln können. Doch
ich glaube nicht das andere Menschen so enthusiastisch über Anarchie
sind. Einige haben eine echte Sklavenmentalität, das ist der Grund
warum ich an Proudhons Theorien glaube. Diese Menschen brauchen eine
lange Zeit bis sie sich selber verändern können. Sie haben sich weit
von ihrer Natur fortentwickelt, von ihren Instinkten. Wenn sie nun
jemand frei lassen würde, wären sie wie ein wildes Tier, das sein
ganzes Leben über in einen Käfig gesperrt war. Und wenn es nun hinaus
in die Wildnis geht sehr geschwächt ist und möglicherweise stirbt.

Das ist der Grund warum ich nicht an Ideologien glaube, denn diese
beanspruchen für jeden zu entscheiden was der beste Weg zu Leben ist
und ich betrachtete Anarchismus nicht als eine Ideologie. Anarchismus
bedeutet nicht darüber zu entscheiden, was die beste Lösung für alle
Individuen auf der Welt ist, sondern darüber zu entscheiden, was das
Beste ist, wenn es keine beste Lösung für alle gibt, weil es keine
gute Regierung gibt. Anarchismus bedeutet Direkte Aktion, freie
Initiative des Individuums.

Aber, natürlich ist es hier nicht der Punkt alle anarchistischen
Theorien darzustellen, da ihr sie selber alle kennt.

Syndikalismus.tk:  Erfreulicherweise ist in eurem Logo die schwarze
Fahne die größere. Wie steht ihr zur anarchistischen Bewegung? Gibt es
in Iaşi anarchistische oder anarcho-syndikalistische Gruppen?

Actiunea Antifascista: Die Antifa- und die anarchistische Bewegung in
Iaşi sind nahezu dasselbe. Ich meine, man kann nur schwer von einer
anarchistischen Bewegung in Iaşi sprechen, solange hier 10 oder 20
AnarchistInnen das Maximum darstellen. Wir haben auch einen
anarchistischen Blog eingerichtet:
www.federatia-anarhista.blogspot.com, mit dem Anspruch mehr
Informationen über den Anarchismus zu verbreiten. Die anderen Antifas,
die keine AnarchistInnen sind, stehen in einem guten Verhältnis mit
uns, doch sind sie nicht so involviert, so aktiv beim Kampf gegen
Faschismus oder Kapitalismus. Wie auch immer, wir organisieren
zusammen eine monatliche Food not Bombs-Aktion. Wir haben auch einen
Blog dazu eingerichtet, um mehr Informationen über Anti-Militarismus
und Vegetarismus darzustellen: : www.hrananubombeiasi.blogspot.com

So viel wie wir wissen gibt es keine Anarcho-Syndikalisten in dieser
Stadt. Es gab eine Form des Beginns einer anarcho-syndikalistischen
Bewegung einige Jahre zuvor, in einer Stahl-Fabrik dieser Stadt. Doch
die Bewegung war mehr syndikalistisch als anarchistisch. Wie auch
immer, es war eine der aktivsten und seriösesten syndikalistischen
Bewegungen Rumäniens. Doch die Bewegung kam im Jahre 2000 zu ihrem
Ende, als der Gewerkschaftsführer vor dem Eingang seines Wohnblocks
von zwei Typen mit einem Messer ermordet wurde. Es handelt sich um
Virgil Sahleanu welcher eine Menge Streiks und Demonstrationen
organisierte. Es ist sehr interessant daß die ND-Bewegung auch im
Jahre 2000 gegründet wurde, doch wir wissen nicht, ob es wirkliche
Verbindungen zwischen dem Neubeginn einer neolegionären Bewegung und
dem Ende einer wirklich starken syndikalistischen Bewegung gibt.
Möglicherweise weiß der SRI da einiges!

Jetzt trägt die Gewerkschaft in diesem Stahlwerk seinen Namen. Die
„Virgil Sahleanu Gewerkschaft“ und es gibt ein Buch das über ihn
Geschrieben wurde – „Die Geschichte der ersten Ermordung eines
Gewerkschafters in Rumänien“. Wir können nicht wirklich sagen ob sie
Anarcho-Syndikalisten waren. Als ein Beispiel: Als wir einmal diese
Gewerkschaft besuchten hatten sie eine schwarzrote Fahne. Doch als wir
sie fragten was es mit dieser auf sich hat (in der Hoffnung sie würden
sagen das es eine anarchistische Fahne ist), erzählte uns der
Gewerkschaftsfunktionär das diese Farben einfach nur indianische
Farben seien, eine Form von Symbolik, weil der Chef der Stahl-Fabrik –
Arcelor Mittal – ein Indianer sei.

Es gibt auch einige weitere AnarchistInnen aus Iaşi die die Stadt
verlassen haben – es ist sehr offensichtlich weshalb. Jetzt sind
einige von ihnen in Italien, einige leben in besetzten Häusern in
Österreich, einige sind in Großbritannien. Es gibt nicht soviel
Hoffnung für die anarchistische Bewegung in Iaşi, doch wir versuchen
unser bestes zu tun. Wir sind in guten Beziehungen mit den
AnarchistInnen von Cambridge und Sheffield in Großbritannien und
korrespondieren viel mit ihnen über email.

Es ist wirklich hart hier Anarchist zu sein. Ich sage nicht dass es in
anderen westlichen Ländern einfacher ist, doch schlussendlich gibt es
dort mehr Menschen, die verstehen was Anarchismus ist. Wenigstens gab
es in diesen Ländern anarchistische VorgängerInnen (Beginnend mit
1848, 1871, 1900, 1968 etc.) und auch jetzt gibt es dort in den
westlichen Ländern mehr AnarchistInnen als hier. In Rumänien gab es
keine historische anarchistische Bewegung, nur einige isolierte
Individuen die AnarchistInnen waren oder anarchistische Gedanken
hatten. Heute, wenn du hier „Anarchie“ sagst, denkt jeder das dies
Chaos bedeutet und nichts anderes. Eine große Anzahl weiß nicht einmal
was das ist – Kapitalismus, was das ist, Faschismus und eine Menge von
ihnen sind Ignoranten und Heuchler. Und ich beziehe dies hier
ausdrücklich auf die Jugend.

Du wirst von der Polizei verfolgt wenn du einen Aufkleber oder eine
Ankündung klebst. Und wenn sie dich erwischen schlagen sie dich
zusammen. Zumindest aber musst du Strafe bezahlen. Das gleiche
passiert wenn du ein Graffiti anfertigst. Sie stoppen dich auf der
Strasse immer wenn sie dich sehen. Checken deinen Ausweis und fragen
dich dumme Fragen „Wie geht es ihnen, Mister“, „Wo gehst du hin?“
„Woher kommst du?“. Selbstverständlich änderst du deinen
Personalausweis nicht täglich aber sie machen weiter damit, dich jeden
Tag aufzuhalten. Manchmal schreien sie hinter dir her „Heeeey. Mister
X (oder Mister Y, etc. Gewöhnlich kennen sie unseren vollen Namen und
unsere Adresse), pass heute auf, wir patrouillieren in dieser Gegend”.

Einige von uns wurden auf der Straße festgenommen und zur Polizeiwache
gebracht. Dort wurden die Fingerabdrücke genommen und Fotos
angefertigt. Ihre Aktion begründeten sie damit, das in der Gegend ein
Raubüberfall stattgefunden hätte und wir verdächtig seien. Natürlich
gab es keinen Raubüberfall in der Gegend.

Als ein Beispiel: Am 16. Oktober wurden 5 von uns zur Polizeistation
gebracht, weil wir einige Flugblätter gegen McDonalds verteilten. Wir
wurden zwei Stunden lang auf der Station festgehalten. Sie behielten
alle Flugblätter und stellten uns viele Fragen. Danach ließen sie uns
gehen.


Ohne Gott - Ohne Herrscher.

An der Schule oder in der Universität haben eine Menge Lehrer Spaß
daran, den Anarchismus lächerlich zu machen, wenn sie herausfinden
dass es dort einige anarchistische StudentInnen gibt. Eine Menge an
Leuten will auch nicht mehr mit dir reden wenn sie herausfinden dass
du AnarchistIn bist. Die meisten können sich eine Gesellschaft ohne
Gott nicht vorstellen! Das ist die Hauptsache, die sie ängstigt, dass
wir Atheisten sind. Die meisten von ihnen schätzen sich selber so ein
das sie nicht in der Lage sind ihr eigens Leben zu meistern und
wirklich einen Führer brauchen.

Auf der Demo, als ein Beispiel, fragte ein große Anzahl „wer hat das
organisiert? Wer ist euer Führer?“ und ich versuchte ihnen zu erklären
das es hier keine Führer gibt, das wir AnarchistInnen sind, das wir
alle das gemeinsam organisiert haben und nicht eine einzelne Person.
Hier gibt es keinen Chef, keinen Meister. Doch die meisten von ihnen
konnten das nicht verstehen; „Irgendwer muss euch bezahlt haben“.
„Irgendjemand steht hinter alledem“ sagten sie gewöhnlich.

Syndikalismus.tk: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit
eurer Arbeit!

Weitere Infos finden sich auf den Webseiten der GenossInnen aus Iaşi
Actiunea Antifascista (Antifaschistische Aktion)

Federatia Anarhista (Anarchistische Föderation)

Hran nu bombe Iaşi – Food not Bombs

Zu Eugen Relgis siehe auch den Artikel von O.M. Saenger-Pascendi:
Eugen Relgis – Der rumänische Vorkämpfer für eine neue Menschheit auf
www.syndikalismusforschung.info

Quelle:
Syndikalismus.tk
http://syndikalismus.wordpress.com/2009/11/12/interview-mit-anarchistinnen-aus-iasi-rumanien/


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