(de) Protestaktion und Videokundgebung anlässlich der »Expo Kolumbien« in Berlin

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Sun Oct 25 12:35:41 CET 2009


Pressemitteilung vom 23. Oktober 2009 ---- Das Musterland Kolumbien hat 
Dreck am Stecken ---- Protestaktion und Videokundgebung anlässlich der 
»Expo Kolumbien« in Berlin ---- Ort: Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin Mitte 
---- Zeit: Sonntag, 25.10.2009, 16:30 Uhr

Auf der »Expo Kolumbien« feiert sich Kolumbien eine Woche lang als »bestes
Geschäftsland Lateinamerikas«, ein Paradies für ausländische Investoren und
Firmengründer, dem von der Weltbank ein Musterzeugnis ausgestellt wurde für
seine »effizienten Reformen«. Was dabei verschwiegen wird, sind die 
sozialen und
humanitären Kosten des guten Geschäftsklimas. Die Freiheit der 
Investoren geht
Hand in Hand mit der gezielten Ausschaltung von GewerkschafterInnen, der
systematischen Vertreibung von Bauern und einer umfassenden
Paramilitarisierung des Staates. Das ist die Realität Kolumbiens unter
Präsident Uribe:

- In keinem anderen Land der Erde leben GewerkschafterInnen und
BauernvertreterInnen so gefährlich wie in Kolumbien. Jeden dritten Tag wird
ein Gewerkschafter oder ein Betriebsrat ermordet. Täglich werden 1000 
Menschen
von ihrem Land vertrieben, um Projekten der transnationalen Konzerne 
oder der
Großgrundbesitzer Platz zu machen.

- Konzerne und Investoren bedienen sich bezahlter paramilitärischer Söldner
und können sich dabei auf die Rückendeckung und tatkräftige Unterstützung
durch den Staat und seine Organe verlassen. Die Paramilitärs sind eng 
mit der
kolumbianischen Armee verflochten und werden als deren verlängerter Arm
eingesetzt. Die Straffreiheit für die von paramilitärischen Einheiten 
verübten
Verbrechen liegt in Kolumbien bei 98 Prozent.

- MenschenrechtsaktivistInnen, die diese Zustände benennen und anklagen,
werden eingeschüchtert und bedroht, ausländische BeobachterInnen und
JournalistInnen wurden wiederholt inhaftiert und des Landes verwiesen. Der
Geheimdienst DAS hat jahrelang Informationen über 
MenschenrechtsaktivistInnen
gesammelt und diese an die Paramilitärs weitergereicht.

- Bis in die Ministerämter bestehen enge Verflechtungen zwischen 
Paramilitärs
und Politik. Nicht zuletzt ist es Präsident Alvaro Uribe selbst, der seit
Mitte der 90er Jahre für den systematischen Aufbau paramilitärischer 
Einheiten
zum Schutz von Geschäftsinteressen wirbt und der während seiner
Präsidentschaft mit einem Amnestiegesetz dafür gesorgt hat, dass die 
verübten
Verbrechen ungestraft bleiben.

Diese Zustände sind längst kein Geheimnis mehr. Sie werden von
Menschenrechtsorganisationen und internationalen Tribunalen regelmäßig 
offen
gelegt und angeprangert. Umso skandalöser ist der Jubelgesang, den das
offizielle Kolumbien und seine deutschen Geschäftspartner nun auf der »Expo
Kolumbien« in Berlin anstimmen wollen. Zu den dort angepriesenen
Investitionsgütern des Landes gehört auch die Filmindustrie. Für die aus
diesem Anlass veranstaltete kolumbianische Filmwoche konnten die 
Organisatoren
das Kino Babylon Mitte gewinnen.

Im Kino Babylon Mitte kämpft die Belegschaft mit der Gewerkschaft FAU seit
Monaten um einen Tarifvertrag, ohne dass die Geschäftsleitung sich auch 
nur zu
einem Gespräch bereit erklärt. Der jetzt von ver.di in Aussicht 
gestellte und
von der Geschäftsführung beworbene Haustarifvertrag geht an den 
Bedürfnissen
der Belegschaft vorbei. Die Vorschläge eines Großteils der Belegschaft
kommentiert ver.di -Verhandlungsführer Andreas Köhn mit dem Hinweis, die
KollegInnen seien nicht berechtigt Forderungen zu artikulieren. Dass die
Beschäftigten unter diesen Bedingungen gezwungen sind im einstmals »linken«
Kino Babylon Werbung für den mörderischen Standort Kolumbien zu 
betreiben ist
besonders zynisch.

Mit einer gemeinsamen Aktion und Videokundgebung werden kanalB, FAU
Betriebsgruppe Babylon und das Solidaritätskomitee für den Widerstand in
Kolumbien am Sonntag, 25.10.2009, ab 16.30 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg Platz
nicht weit vom Kino Babylon Mitte zur Eröffnung der kolumbianischen 
Filmreihe
auf die Zustände im Musterland Kolumbien aufmerksam machen.

kanalB / FAU Berlin und Betriebsgruppe Babylon / Solidaritätskomitee für 
den
Widerstand in Kolumbien / Arbeitskreis Internationalismus in der 
IG-Metall /
Breites Bündnis für Kolumbien - Deutschland

Pressekontakt:
  Bärbel Schönafinger/kanalB 0163 - 2876749
  Holger Marcks/Gewerkschaftssekretär FAU Berlin 0176 - 61270484
_______________________________________________
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