(de) (de, a) Wien: [LISA-FAS] F13 Demo

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Wed Nov 4 23:37:02 CET 2009


Demonstrationsaufruf ---- Prekäre Soziale Arbeit – kranke 
Gesundheitsarbeit ---- Die Libertäre Initiative Sozial Arbeitender 
(LISA), Teil der FAS, organisiert im Rahmen des F13 eine 
berufsgruppenübergreifende Kundgebung zu den anlaufenden 
Kollektivvertragsverhandlungen. Alle Lohnabhängigen im Sozial- und 
Gesundheitsbereich sind nun gefordert sich nach eigenen Interessen, 
Mitteln und Möglichkeiten einzubringen.

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Am Freitag, den 13. November um 18 Uhr wird sich eine Demonstration vom 
ÖGB am Schwedenplatz zur Wirtschaftskammer am Stubenring bewegen. 
Menschen verschiedenster Berufsgruppen der Sozial- und 
Gesundheitsbranche wollen dadurch selbstbestimmt den 
sozialpartnerschaftlichen VerhandlerInnen ihre Meinung kundtun. Da uns 
die bisherigen KV-Abschlüsse nur unzureichenden Schutz bieten konnten, 
wollen wir nun selbst lautstark unsere Bedürfnisse artikulieren.

Wir fordern:

Keine Budget-Sanierung auf Kosten des Sozial- und Gesundheitsbereichs!

Der Sozial- und Gesundheitsbereich ist zunehmend gekennzeichnet durch 
geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, Teilzeit, Arbeit auf 
Honorarbasis und befristete Dienstverhältnisse. Befristete Projekte 
verunmöglichen sichere Jobs. Zu denken gibt zusätzlich, daß der gesamte 
Sektor nur durch den Zwangsdienst der Zivildiener aufrecht zu erhalten 
ist. Während Burnout und Unzufriedenheiten zunehmen, sollen die 
Lohnabhängigen verstärkt ihre Flexibilität und Belastungsfähigkeit unter 
Beweis stellen. Krankenstände sind aufgrund von mangelhafter 
Personaldichte kaum oder gar nicht kompensierbar. Auch PraktikantInnen 
werden mittlerweile als SystemerhalterInnen am Arbeitsplatz eingesetzt.

Wir sehen uns mit dem Sexismus konfrontiert, daß unsere Branche, in der 
überwiegend Frauen arbeiten, eine Niedriglohnbranche ist. Die Entlohnung 
von Sozial- und GesundheitshacklerInnen entspricht in keinster Weise 
dem, was die Menschen leisten. Während die Personalkosten gleich oder, 
noch schlimmer, geringer werden, werden Stellen nicht nachbesetzt und 
immer weniger ArbeiterInnen müssen zunehmend immer mehr Leistung 
erbringen, was einem indirekten Lohnverlust entspricht.

Während einzelne Bereiche schon ihren Kollaps ankündigen, werden wir auf 
zusätzliche Einsparungen im Rahmen der Krise vorbereitet. Obwohl diese 
Krise noch mehr an Armut und Krankheit hervorbringen wird als es dieses 
System bisher geschafft hat, sollen deren Opfer gleich noch mal unter 
dem Finanzdebakel leiden.

Auch wenn wir über die letzten Jahrzehnte und Sparpakete hinweg immer 
wieder beweisen mußten, daß wir mit wenig Geld viel leisten können, 
werden wir mit dem Argument des Geldes zunehmend fremdbestimmt. 
Selbsternannte ExpertInnen aus Politik und Management wollen es besser 
wissen als die ExpertInnen Vorort. Die Interessen die hierbei verfolgt 
werden sind oft von parteipolitischer Natur. Mit der Intention die 
Mehrheitsbevölkerung möglichst kostengünstig ruhig zu stellen, werden 
Minderheiten und marginalisierte Gruppen selektiert, kontrolliert und 
diszipliniert. Das verunmöglicht eine zielorientierte Armuts- und 
Krankheitsbekämpfung und widerspricht der Ethik der Gesundheits- und 
Sozialen Arbeit. Es wird langsam deutlich, daß sich der Staat in einem 
Transformationsprozeß befindet. Der Sozialstaat muß dem Kontrollstaat 
weichen. Oder anders: Sozialer Friede wird in Zukunft nicht mehr 
erkauft, sondern soll durch den staatlichen Gewaltapparat hergestellt 
werden!

Zudem unterliegt unsere Branche einer Zunehmenden Ökonomisierung. 
Leistung wird nur mehr quantitativ erfaßt und qualitativ wichtige 
Angebote werden somit in den Hintergrund gerückt. Um uns besser 
evaluieren und rationalisieren zu können, müssen wir Unmengen an 
Stricherllisten und Ordnern mit Zahlen füttern. Das Ziel uns damit 
reproduktiver zu machen wird dadurch jedoch nicht erreicht. Um 
einheitliche Daten zu erheben, die meist nur den Geldgebern was nützen, 
wurden allumfassende Bürokratien eingeführt, die unseren eigentlichen 
Aufgaben die Arbeitszeit wegfressen. Worte wie Umstrukturierung, 
Dienstleistungsorientierung und Qualitätsmanagement bedeuten zumeist 
Ausgliederungen, Einsparungen und Entlassungen. Auf der Strecke bleiben 
die PatientInnen und KlientInnen. Daß sie sich nun KundInnen nennen 
dürfen bringt den systemimmanenten Zynismus auf den Punkt.

Die Geschäftsführungen sind inzwischen mit der „Konkurrenz“ beschäftigt. 
Da besonders die großen Sozialkonzerne wachsen wollen unterbieten sie 
sich bei Ausschreibungen mit möglichst kostengünstigen Konzepten, was 
sich nicht zuletzt auf unsere Vernetzungsarbeit und unsere Löhne negativ 
auswirkt.

Da wir seitens des ÖGB kaum Erfolge bezüglich unserer 
Interessensvertretung sehen, werden wir nun selbstbestimmt unser Recht 
aufzumucken in die Hand nehmen, ein lautstarkes Zeichen für unsere 
Interessen Abgeben und damit Öffentlichkeit und Druck in unserem Sinne 
machen. Wir verstehen unseren Protest auch als Verbrüderung mit 
marginalisierten und diskriminierten Menschen und haben auch deswegen 
den F13 als Aktionsrahmen gewählt.

Anderen Gruppen und Individuen sind herzlich eingeladen unseren Protest 
zu bereichern und zu erweitern.

Wir lassen uns nicht mehr Kaputtsparen und fordern Arbeitsbedingungen 
die unseren Aufgaben entsprechen und Lohnerhöhungen, die diesen Namen 
verdienen!

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KV-logoLISA-FAS

Libertäre Initiative Sozial Arbeitender

Föderation der ArbeiterInnen-Syndikate

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P.S.: Anfragen, Kritik usw. bitte an lisa.syndikat at linuxmail.org unter 
dem Betreff „F13“



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