(de) Gedenkveranstaltung an das spanische Exil in Frankreich

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Mon Feb 16 19:30:15 CET 2009


Am 6. und 7. Februar 2009 fanden in Paris eine Reihe von
Veranstaltungen unter dem Motto "Hommage an das spanische Exil" statt.
Mehrere hundert Menschen gedachten dabei dem Kampf der nach Frankreich
geflüchteten SpanierInnen gegen den europäischen Faschismus. Ein
Höhepunkt waren die Kranzniederlegungen am Mahnmal für die im KZ
Mauthausen Ermordeten sowie für die SpanierInnen, die im Kampf um die
Befreiung Frankreichs vom deutschen Faschismus gefallen sind. An den
Veranstaltungen nahmen auch
rund 30 deutsche Anarcho-SyndikalistInnen aus zehn Städten teil.

Die Veranstaltungsreihe wurde organisiert von der Région Parisienne der
französischen Gewerkschaft CNT-F und der Auslandsregion der spanischen
CNT. Sie startete am Freitag, den 6. Februar mit einer Ausstellung über
die spanischen Republikaner. Ebenfalls am Freitag fand dort im völlig
überfüllten Veranstaltungsraum der Rue des Vignoles eine
Diskussionsveranstaltung über die Deportationen in das KZ Mauthausen und
über die herausragende Rolle der SpanierInnen in der französischen
Resistance statt. Dieses Thema wird in Frankreich weitgehend tabuisiert.
Man lässt sich dort nicht gerne daran erinnern, dass es spanische
Freiwillige waren, die Ende August 1944 als erste das befreite Paris
erreichten und die ihre Schützenpanzer und LKWs mit den Namen bekannter
spanischer Anarcho-Syndikalisten und Schauplätze aus dem spanischen
Bürgerkrieg bemalt hatten. Noch weniger möchte man in Frankreich daran
erinnert werden, dass hunderttausende Männer, Frauen und Kinder auf der
Flucht vor dem faschistischen Franco-Regime in französische
Internierungslager gesteckt wurden, wo viele von ihnen eine leichte
Beute der deutschen Besatzer wurden.

Am Samstag, den 7. Februar, nahmen bis zu 200 Menschen mitten in dichtem
Schneetreiben an einer Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof Père
Lachaise teil. Am Mahnmal für die mehr als 12.000 ins KZ Mauthausen
verschleppten Franzosen erinnerte ein Vertreter der
anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft FAU-IAA aus Deutschland daran,
dass die Nazis auch mehr als 7.500 Spanier in diese Hölle getrieben
haben. Über 4.200 von ihnen, darunter viele Anarcho-Syndikalisten
starben in diesem KZ. Die Überlebenden begrüßten die amerikanischen
Truppen, die im Frühjahr 1945 in Mauthausen einrückten, mit einem
riesigen Spruchband auf dem zu lesen war "Los Españoles antifascitas
saludan a las Fuerzas Liberadoras" - Die antifaschistischen Spanier
grüßen die Befreier." Vor dem in unmittelbarer Nähe liegenden
Gedenkstein für die im Kampf um die Befreiung Frankreichs gefallenen
SpanierInnen, schilderte ein überlebender Genosse mit bewegter Stimme
seine Erinnerungen aus "einer Hölle, die nicht einmal Dante sich
ausmalen konnte".

Im Anschluß zogen die TeilnehmerInnen in einem Demonstrationszug vom
Friedhof Pere Lachaise zum Lokal der CNT in der Rue des Vignoles. Dort
wurde eine Gedenktafel für die spanischen Anarcho-SyndikalistInnen in
Frankreich eingeweiht. Dabei wurde daran erinnert, dass die Lokale der
CNT in Paris und insbesondere die "kleine Zitadelle" in der Rue de
Belfort in Toulouse über Jahrzehnte die Brennpunkte gewesen sind, in
denen der gewerkschaftliche und der Guerilla-Kampf gegen die
Franco-Diktatur organisiert wurde und die Ideen des
Anarcho-Syndikalismus und des libertären Kommunismus wachgehalten wurden.

Am Samstagabend fand eine weitere gutbesuchte Veranstaltung statt, deren
Thema der Kampf der CNT im Exil nach 1939 war.

Für die aus Deutschland angereisten Anarcho-SyndikalistInnen war das
Wochenende in Paris auch eine - vielleicht letzte - Gelegenheit sich bei
den GenossInnen der spanischen CNT im Exil zu bedanken. Die hatten
nämlich eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, als sich Mitte der 70er
Jahre junge ArbeiterInnen aus Deutschland für Betriebskämpfe abseits
stalinistischer K-Gruppen und reformistischer Gewerkschafts- und
Betriebsratsmeierei zu interessieren begannen. Der dabei entstandene
Dialog mit spanischen GenossInnen in Frankreich und der BRD führte
schließelich, neben anderen, zur Gründung der FAU im Jahre 1977.

In den letzten Jahren sind viele Militante des spansichen Exils in hohem
Alter gestorben. Die, die noch konnten, sind mit durch die verschneiten
Straßen von Paris gezogen. Ihnen ganz besonders galt das Zitat von
Buenaventura Durruti auf dem Transparent der FAU: "Nous portons un monde
nouveau dans nos cœurs - Wir tragen eine neue Welt in unseren Herzen".

Ergänzung: DIE ANSPRACHE AM MAUTHAUSEN-MAHNMAL

Wir haben uns heute hier vor dem Ehrenmal für die Menschen versammelt,
die durch die Hölle des Konzentrationslagers von Mauthausen gegangen
sind und von denen viele zehntausende dort ermordet wurden.

Die Nazi-Barbarei war nicht zuletzt der Versuch des deutschen Kapitals,
der letzten großen Weltwirtschaftskrise durch einen mörderischen Raubzug
zu entkommen. Das erste Opfer des Faschismus war deshalb das
organisierte Proletariat in Deutschland selbst und besonders dessen
kämpferischste Teile, wie etwa die revolutionären Syndikalisten der
"Freien Arbeiter Union Deutschlands".

Wenn heute ein revolutionärer Syndikalist aus Deutschland hier diese
Ansprache hält, ist das auch ein Dank dafür, dass es nicht zuletzt der
französische und der spanische Widerstand gegen den deutschen Faschismus
war, der dafür gesorgt hat, dass wir uns heute an diesem Mahnmal
versammeln können.

Mauthausen nimmt unter all den Lagern der Vernichtungsmaschine der Nazis
eine ganz besondere Rolle ein. Es sticht nicht in erster Linie durch den
industriell betriebenen millionenfachen Massenmord an der jüdischen
Bevölkerung Europas hervor wie Auschwitz oder Sobibor. Mauthausen mit
all seinem Schrecken war stattdessen ein Schmelztiegel all dessen,
wogegen sich der Vernichtungswille der Nazi-Barbarei richtete. In
Mauthausen schleppten sich deutsche Antifaschisten die Treppe zum
Steinbruch hinauf, zusammen mit jüdischen Menschen, russischen
Kriegsgefangenen, jugoslawischen Partisanen. Mehr als 200.000 Menschen
aus 30 Ländern gingen durch dieses Inferno aus Mord und Vernichtung.

Unter all den Menschen, die von den Nazis in Mauthausen ermordet wurden,
wollen wir uns heute einer Gruppe ganz besonders erinnern. Nicht um sie
gegenüber ihren Leidensgenossen hervorzuheben, sondern weil heute ein
Tag ist, der in besonderer Weise ihrem Andenken gewidmet ist. Ich will
von den mehr als 7.500 Spaniern sprechen, die ab 1940 nach Mauthausen
verschleppt wurden und von denen mindestens 4.200 in den Steinbrüchen
der infamen "Vernichtung durch Arbeit" anheim fielen.

Die meisten der spanischen Gefangenen in Mauthausen sind durch die Hölle
nicht nur von einem sondern von gleich zwei Lagersystemen gegangen. Sie
hatten gehofft, auf ihrer Flucht vor dem spanischem Franquismus und
dessen deutschen und italienischern Helfershelfern eine sichere Zuflucht
in Frankreich zu finden. Sie wurden bitter enttäuscht.

Hunderttausende spanischer Antifaschisten, unter ihnen viele
revolutionäre Syndikalisten, wurden in den Lagern wie Argelès-sur-Me und
anderen unter unmenschlichen Bedingungen interniert. Nach dem Überfall
Nazideutschlands auf Frankreich wurden viele von ihnen auf diese Weise
eine leichte Beute für den mörderischen Rachedurst des deutschen Faschismus.

Diejenigen, die nicht in den Steinbrüchen von Mauthausen tot
zusammenbrachen, die nicht in der Gaskammer verreckten, in den Baracken
verhungerten oder an Typhus und anderen Krankheiten zugrunde gingen,
haben uns nachfolgenden Generationen aber auch eines gezeigt: Dem
europäischen Faschismus und seinen Finanziers in den Chefetagen des
Kapitals ist es nicht gelungen, das organisierte Proletariat zu
zerbrechen. Als am 5. Mai 1945 Mauthausen durch amerikanischen Truppen
befreit wurde, sahen diese schon von weitem ein riesiges Transparent mit
der Aufschrift "Los Españoles antifascitas saludan a las Fuerzas
Liberadoras" - Die antifaschistischen Spanier grüßen die Befreier.

Dieser mutigen Antifaschistischen und all der anderen ungezählten Opfer
der barbarischen nazistischen Vernichtungsmaschine wollen wir uns heute
erinnern, indem wir uns den Schwur der Gefangenen von Mauthausen in
Erinnerung rufen, der bis heute uneingelöst geblieben ist:

"Im Gedenken an das vergossene Blut aller Völker, im Gedenken an die
Millionen, durch den Nazifaschismus ermordeten Brüder geloben wir, daß
wir diesen Weg nie verlassen werden. Auf den sicheren Grundlagen
internationaler Gemeinschaft wollen wir das schönste Denkmal, das wir
den gefallenen Soldaten der Freiheit setzen können, errichten: Die Welt
des freien Menschen. Wir wenden uns an die ganze Welt mit dem Ruf: Helft
uns bei dieser Arbeit. Es lebe die internationale Solidarität! Es lebe
die Freiheit!"

(Quelle: http://www.fau.org/artikel/art_090211-062518)


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