(de) Luis Andrés Edo ist gestorben (1925-2009)

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Sun Feb 15 19:04:08 CET 2009


Am 14. Februar 2009 starb in Barcelona der bekannte
Anarcho-Syndikalist Luis Andrés Edo im Alter von 84 Jahren. Luis war
bis zuletzt einer der scharfsichtigsten Vertreter des spanischen
Anarcho-Syndikalismus. Edo war aber auch einer jener vielen
Arbeiter-Aktivisten, die jahrzehntelang allen Verfolgungen zum Trotz
ihr Leben riskierten, um für das Ende der klerikal-faschistischen
Franco-Diktatur zu kämpfen. Einige Stationen seines bewegten Lebens
zwischen Gewerkschaft, Guerilla und Kerker, wollen wir an dieser
Stelle als Beispiele seines lebenslangen Kampfes für eine freie
Gesellschaft und für die Emanzipation der ArbeiterInnen nachzeichnen.

Luis Andrés Edo wurde 1925 in Barcelona geboren. Mit 16 Jahren arbeitete
er bei der Eisenbahn und lernte dort die im Untergrund agierenden
Gewerkschafter der anarcho-syndikalischen CNT kennen. Er begann in den
Hungerjahren der 1940er Plomben an Güterwaggons der Bahngesellschaft
RENFE aufzubrechen und mit seinen Genossen Lebensmittel zu enteignen und
zu verteilen. 1945 nahm er als Abendschüler an einem Streik der
SchülerInnen von Barcelona teil. Als er ins Militär der Franco-Diktatur
eingezogen werden sollte, floh er 1947 nach Frankreich. 1949 versuchte
er illegal nach Spanien zurückzukehren, wurde verhaftet und sass ein
Jahr im Gefängnis. 1949 bezeichnete Edo als das „Untergangsjahr" für den
anarchistischen Widerstand, über 300 Anarchisten wurden in diesem Jahr
verhaftet, mehrere erschossen. 1950 kehrte er nach Frankreich zurück.
Die Anarchisten leisteten noch bis 1950/51 bewaffneten Widerstand in
Francos Spanien.

Im Exil war Edo in der Lokalföderation der CNT in Paris aktiv, deren
Sekretär er zeitweilig ebenso war, wie derjenige des peninsularen
Komitees der „Iberischen Föderation der Libertären Jugend" (FIJL).

Luis kehrte immer wieder für Guerilla-Aktionen nach Spanien zurück. 1966
wurde er mit mehreren anderen Mitgliedern der Libertären Jugend während
der Vorbereitung der „Operation Durruti" in Madrid verhaftet. Den
Mitgliedern der Gruppe „Primero de Mayo" wurde vorgeworfen, sie habe die
Entführung des US-amerikanischen Konteradmírals Gillette geplant. Dieser
war der höchste Verbindungsoffizier der USA zum spanischen Folterregime.
Er sollte entführt und anschließend wieder freigelassen werden, um auf
die mörderischen Haftbedingungen tausender von politischen Gefangenen in
den spanischen Kerkern aufmerksam zu machen. Edo wurde wegen
umstürzlerischer Tätigkeit, Waffenbesitz etc. zu 9 Jahren verurteilt und
1972 vorzeitig entlassen.

1974 wurde Edo während einer weiteren illegalen Reise in Spanien erneut
verhaftet und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Erst im Februar
1976, einige Monate nach dem Tod des Diktators, wurde Edo im Zuge einer
Generalamnestie entlassen. Kurz darauf wurde er in das katalanische
Regionalkomittee der CNT gewählt, dem er mehrere Jahre angehörte. In
dieser Zeit erlebte er sowohl den kometenhaften Aufstieg der CNT als
auch deren Absturz in Folge der Geheimdienstoperation um den „Caso
Scala" und verschiedener interner Zerwürfnisse, wie zuletzt der Spaltung
der katalanischen CNT Mitte der 90er Jahre.

Luis Andrés hat darüber hinaus an verschiedenen Zeitungen und
Buchprojekten mitgearbeitet, zuletzt erschien im Oktober 2006 sein
autobiographisches Werk „La CNT en la encrucijada".

Für die GründerInnen-Generation der FAU hatte Luis Andrés Edo, ebenso
wie Thomas Marcellan in Paris, eine ganz besondere Bedeutung. Beide
gehörten zu denjenigen spanischen GenossInnen, mit denen die jungen
ArbeiterInnen, die Mitte der 70er Jahre den Impuls zur Gründung der FAU
gaben, ausgiebig diskutiert hatten und von denen sie in ihrem Projekt
vielfache Unterstützung erhalten haben.

Mit Luis Andrés Edo hat der internationale Anarcho-Syndikalismus einen
schwarfsinnigen und energischen Militanten verloren. ¡Que la tierra le
sea leve - Möge die Erde ihm leicht sein!

(Quelle: http://www.fau.org/artikel/art_090215-110226)


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