(de) (de, ch) [Zürich] zwischen Utopie und Alltag

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Sat Oct 11 18:43:13 CEST 2008


eine Veranstaltungsreihe in Zürich ---- 22. Oktober – 1. November 2008
---- Droht mit dem Versagen neoliberaler Wirtschaftskonzepte nun die
totale Anarchie? ---- Rechtzeitig zur Finanzkrise und der Entlarvung der
Schein-Werte des nun verblassenden gesellschaftlichen Systems,
präsentieren die Zürcher AnarchistInnen eine genussreiche Alternative.

Nein, nicht die allseits gefürchtete Faustrecht-Anarchie ist damit
gemeint. Genau das wurde mit dem Konzept der ‚freien’ Konkurrenz schon
zur Genüge durchexerziert und war offensichtlich kein Segen für die
Menschheit (Hunger, Kriege, Ausbeutung, Umweltzerstörung, etc.).
„Anarchie“ ist der Sammelbegriff für ein Bouquet von gesellschaftlichen
Perspektiven, solidarischen und emanzipatorischen Formen der
Selbstorganisation, mit kollektivistischen wie auch individualistischen
Spielarten.

Die Veranstaltungsreihe bietet einen Einblick in die theoretischen und
historischen Grundlagen des Anarchismus im Allgemeinen sowie in einige
konkrete Projekte – eine unvollständige Werkschau des aktuellen Zürcher
Anarchismus, mit Gästen aus Lausanne und Frankfurt.

Programm

Was ist Anarchie? (und andere grosse Fragen ...)
Mi. 22.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Gelber Saal, 19.30
Mitglieder der ZA - Zürcher Anarchistlnnen

Anarchie: Ein grosses Wort, welches auch heute noch polarisiert wie
wenige andere – Für die Einen bedeutet es die Utopie einer
herrschaftsfreien Welt, eine Ethik für die nicht-unterdrückerische,
emanzipatorische Gestaltung des Alltags, während es für Andere
gleichbedeutend ist mit Unordnung, Angst und Schrecken, Gewalt und Terror.

Was meinen diejenigen mit ‚Anarchie’, welche es auf ihre Fahne schreiben
– die AnarchistInnen? Und wer sind diese überhaupt? Ist die
anarchistische Bewegung ein „Irrtum der Geschichte“, dazu verdammt einer
unerreichbaren Illusion nachzuträumen? Ewig pubertierende Punks,
ungekämmt aber harmlos? Oder doch fanatische Bombenwerfer und Gefahr für
die Grundwerte der bürgerlichen Gesellschaft?

Mit dem Vortrag versuchen wir, uns dem Verständnis der Anarchie und
ihren verschiedenen Aspekten anzunähern, so wie es von der
anarchistischen Bewegung entwickelt wurde. Dabei werden auch die
wichtigsten Strömungen sowie die historische und aktuelle Bedeutung der
Bewegung angeschnitten.

Anarchismus und Schweiz / Schweiz und Anarchismus in der Jahrhundertwende
Do. 23.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Nino Kühnis, Zürich

Das Strohballenhaus von Lausanne – eine temporär autonome Zone
Fr. 24.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Mitglieder des Kollektivs „Straw d'la bale", Lausanne

Am 24. August 2007 besetzt ein Kollektiv ein Gelände im Zentrum von
Lausanne und baut dort in wenigen Tagen ein Haus aus Strohballen und
Bauabfällen. Dies ist der Beginn einer 4-monatigen Kraftprobe mit den
Behörden: Hunderte Menschen besuchen und unterstützen den illegalen Bau,
die „grüne“ Stadtregierung weiss nicht, was sie tun soll. Das Experiment
findet am 21. Dezember ein abruptes Ende mit einem absichtlich gelegten
Brand, welcher zwei Personen in Lebensgefahr brachte. Aber die
öffentliche Debatte um autonome Lebensräume, radikale Ökologie,
Urbanismus, Selbst-bau und (Il-)Legalität, welche das „maison de paille“
ausgelöst hat, geht weiter…
Siehe auch: http://autoconstruction-en-paille.over-blog.com

Einführung in die Kapitalismuskritik und Vorstellung des Handbuchs des BgKN
Sa. 25.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Mitglieder des Bündnis gegen Kapital und Nation (BgKN)

Anhand der Broschüre "Handbuch Kapitalismuskritik" werden die
BesucherInnen des Workshops in die Kapitalismuskritik eingeführt. Die
Mechanismen des Staats und des Kapitals werden analysiert und die Kritik
daran formuliert.

Anarchismus und freie Software. Adhémar Schwitzguébel und Richard
Stallman – Einführung und offene Diskussion.
So. 26.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Olivia, Zürich

Eine ideelle Verwandtschaft zwischen Adhémar Schwitzguébel, Uhrmacher
aus dem Jura des 19.Jh., und Richard Stallman, Begründer der GNU-Lizenz
aus den USA der Gegenwart, fordert auf, darüber nachzudenken, inwiefern
uns freie Software eine Möglichkeit gibt, ein anderes System als das
kapitalistische zu nutzen und ob die anarchistischen Grundgedanken der
Hacker-Ethik heute überhaupt noch aktuell und relevant sind.

"Der wichtigste Unterschied zwischen dem politischen Denken innerhalb
und ausserhalb der digitalen Welt ist, dass in der Netz-Gesellschaft
Anarchismus (oder genauer besitz-ablehnender Individualismus) eine
bedenkenswerte politische Philosophie darstellt." Eben Moglen

Die Industrial Workers of the World (IWW)im 21. Jahrhundert
Mo. 27.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Lutz Gentschmann, Sekretär IWW-Glamroc, Frankfurt a.M.

Die Industrial Workers of the World (IWW, deren Mitglieder oft auch als
Wobblies bezeichnet werden) sind eine weltweite Gewerkschaft, deren
Einfluss sich auf USA, Großbritannien, Kanada und Australien
konzentriert. In Großbritannien, der größten Regionalstruktur in Europa,
zählt die IWW im Jahr 2008 rund 400 Mitglieder. Im deutschsprachigen
Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg) existiert eine
eigenständige Sektion der IWW, die im Dezember 2006 in Köln gegründet
wurde (IWW-GLAMROC - German Language Area Members Regional Organising
Commitee / Regionales Organisations-komitee der IWW-Mitglieder im
deutschsprachigen Raum).

Lutz Gentschmann, Sekretär des regionalen Organisierungs-komitees
Glamroc, berichtet über konkrete Aktionen der IWW sowie über deren
Organisierungsansatz.

Anarchistischer Stammtisch (wie jeden Dienstag) – offenes Diskutieren
mit (an-)alkoholischen Getränken
Di. 28.10. Mars Bar, (Neufrankengasse 15), ab 19.00

Die Karakök-Autonome und der Anarchismus in der Türkei
Mi. 29.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Mitglieder von Karakök-Autonome, CH/TR

(Kurzbeschrieb)

Zorn und Aufstand im Mittelalter
Do. 30.10. Kalkbreitestrasse 4, 19.30
Averr, Karakök-Autonome, Zürich

Scheich Bedrettin und Fra Dolcino, zwei Persönlichkeiten aus Morgenland
und Abendland, zwei Geschichten des Zornes und Aufstandes im späten
Mittelalter – ‚Averr’ hat zwei Lieblingsbeispiele aus seiner üppigen
Tumult- und Aufruhr-Kollektion ausgewählt, um zu illustrieren: Die Macht
wurde immer in Frage gestellt, und: "Man muss Gott die Zähne zeigen,
alles Andere hilft nichts."

Averr stürzte vor 34 Jahren kopfüber aus dem Schoss der Mutter, nur
damit er im Blut wieder lande. Da schon sein Anfang aus Abwasser
bestand, erspar dir, auf Reinheit zu hoffen. Seitdem ist er zornig auf
der Suche nach Gott, um gegen ihn zu kämpfen.
(adaptiert nach dem "Buch des Leidens" des persischen Dichters
Faridoddin Attar)

Macht oder Ohnmacht?
Fr. 31.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Lisa J. Giftig, Zürich

„Wir wollen keine Sklaven und keine Herren“, etwa, lautet eine populäre,
anarchistische Formel. In diesem Vortrag beleuchtet Lisa J. Giftig den
Zusammenhang von Macht und Freiheit, Ohnmacht und Sklaverei unter
Verwendung von wissenschaftlichen, erotischen und philosophischen
Konzepten. Dabei werden für populär AnarchistInnen aber auch
Durch-schnitts – DemokratInnen höchst verwirrende Zusammenhänge freigelegt.
Ziel ihrer Überlegungen ist es den Kampf für die Anarchie auf die
besonderen Herausforderungen der Mediengesellschaft vorzubereiten, indem
sie aufzeigt welche Wege Herrschaft und Macht beim Aufbau ihrer Systeme
gehen können und welche Wege genutzt werden, diese Pläne zu durchkreuzen.

Lisa J. Giftig, ist die imaginäre Zwillingsschwester einer männlichen
Hure, eines Sadisten, der sich selbst gerne schmunzelnd als Anarchist
bezeichnet. Sie beleuchtet unter anderem mit der nötigen
wissenschaftlichen und philosophischen Distanz das Treiben ihres
verdorbenen Bruders und verweist dabei auf gesellschaftliche Zusammenhänge.

Anarchafeminismus – Ein Ansatz der noch ausgearbeitet werden muss.
Sa. 1.11. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 14.00
AG Anarchafeminismus der Libertären Aktion Winterthur

Maria Mattéo stellte in ihrem Beitrag zum Kongress „Ungleichheit der
Geschlechter“ 1987 in Lyon fest, dass der libertäre Feminismus bislang
lediglich eine Hypothese sei, die erst noch ausgearbeitet werden müsse.
Bis heute sind uns die Vertreterinnen des Anarchafeminismus eine solche
Ausarbeitung schuldig geblieben.
Was ist eigentlich Anarchafeminismus? In einem ersten Teil werden in
diesem Vortrag historische Ansätze aufgezeigt, indem bekannte
Anarchafeministinnen wie Emma Goldman, Louise Michel oder die Gruppe
Mujeres Libres, aber auch unbekanntere Frauen wie Virginie Barbet oder
Andrée Leo vorgestellt werden. In einem zweiten Teil werden neuere
Ansätze (vorwiegend aus den 80er Jahren), wie zum Beispiel von Rossella
di Leo oder Janet Biehl aufgegriffen, und offene Fragen aufgezeigt. Und
nicht zuletzt soll ein Exkurs zu Judith Butler die Perspektive auf
neuere feministische Diskussionen eröffnen.
Siehe auch: www.anarchafeminismus.ch.vu

Konzert & Party: kämpferische Lieder, seltsame Electronica
Sa. 1.11. (Ort wird bekannt gegeben), 20.00 – open end
- Niels van der Waerden, Protestlieder und Schnulzen
Musikkabarettist aus Zürich. In seinen Programmen verquirlt er
Schmachtfetzen, Galgenlieder und Protestsongs aus allen erdenklichen
Epochen und Stilen zu einem gesellschaftstheoretischen Liedersalat.

- Susi Morte, Songs und Chansons
- H5N1, Chansons Révolutionnaires
- PlattenLegerOrganisation “aromath”,
sub-urbane Pop-Dekonstruktion
Ausserdem: MIRZLEKID'S MINZEBAR

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei (Spenden willkommen) -
Sponsoring von Firmen, staatlichen und religiösen Organisationen wird
abgelehnt

Info: www.zuercher-anarchistinnen.ch.vu


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