(de) Fauchthungrundmail 15.3.08 - "Märzrevolution von 1920"

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Sun Mar 16 12:34:16 CET 2008


Märzrevolution 1920? Nie gehört. Was war denn da los im Ruhrgebiet im 
März 1920? ---- Am 13. März 1920 putschten republikfeindliche, 
monarchistische und völkisch gesinnte Freikorps-Soldaten mit dem 
Hakenkreuz am Stahlhelm gegen die Weimarer Republik. ---- Die Reichswehr 
weigerte sich, die rechtmäßige Regierung zu verteidigen. Friedrich Ebert 
und die sozialdemokratisch geführte Regierung flohen nach Stuttgart. 
Überall im Land traten daraufhin die Arbeiter in den Generalstreik - 
erstmals in der Geschichte unseres Landes. Es kam zur größten 
Aufstandsbewegung, die es in Deutschland seit den Bauernkriegen des 16. 
Jahrhunderts gegeben hat.

Gegen die Freikorps-Soldaten, die versuchten, die Arbeiter mit 
Waffengewalt zur Arbeit zu zwingen, setzten diese sich zur Wehr: sie 
entwaffneten die Soldaten und schon nach wenigen Tagen brach der Putsch 
zusammen.

Der Anführer der Putschisten, der Bankier Wolfgang Kapp, floh. Die 
Regierung kehrte wieder nach Berlin zurück und erklärte den Streik für 
beendet. Sie forderte die Arbeiter auf, die Waffen niederzulegen. Die 
Arbeiter waren sich uneins, ein Teil wollte die Waffen abgeben, ein 
anderer Teil bestand auf der Erfüllung ihrer Forderungen.
Vor allem im Ruhrgebiet jedoch weigerten sich die Arbeiter und stellten 
Forderungen auf. Es ging ihnen hauptsächlich darum, dass die meuternden 
Offiziere und alle Sympathisanten und Unterstützer des Putsches aus der 
Armee und der Verwaltung entfernt werden und stattdessen regierungstreue 
Menschen ihre Funktionen übernehmen.

Am 17. März 1920 gab Kapp auf, nachdem sich 12 Millionen Arbeiter am 
reichsweiten Generalstreik beteiligten. Der Generalstreik, der mit 
ungeheurer Wucht gegen den Militärputsch einsetzte, war der einzige 
politische Generalstreik in der Geschichte der deutschen 
Arbeiterbewegung, der diesen Namen verdient. Am 22. März wurde der 
Streik offiziell für beendet erklärt.

Im Ruhrgebiet kam es am 13. März 1920 neben dem Generalstreik zur 
Bildung einer Roten Armee, der es gelang, binnen kürzester Zeit die 
bewaffneten Ordnungskräfte im Revier zu besiegen. Die in der Roten Armee 
vereinigten Arbeiter kämpften nicht für den Bestand der alten Regierung, 
sondern für eine Gesellschaft ohne ökonomische und staatliche Ausbeutung.
Sie entwaffneten Einwohnerwehren, Sicherheitspolizei und Freikorps. Von 
den 50.000 bis 100.000 Mitgliedern der Roten Armee war etwa die Hälfte 
in der ?Freien Arbeiter Union Deutschlands" (FAUD) organisiert. Viele 
Arbeiter hatten von anderen Gewerkschaften zur anarchosyndikalistischen 
FAUD gewechselt, die wegen der von ihr propagierten direkten Aktion 
(Streik, Sabotage und Betriebsbesetzungen) großen Anklang im Revier 
fand. Allein in Dortmund hatte die FAUD etwa 20.000 Mitglieder.

Am 17. März 1920 griffen Einheiten der Roten Ruhrarmee bei Wetter eine 
Vorhut des Freikorps Lichtschlag an. Sie erbeuteten die Geschütze, 
nahmen 600 Freikorps-Angehörige gefangen und besetzten Dortmund.

Am 20. März 1920 bildete sich in Essen der Zentralrat der Arbeiterräte, 
die in Teilen des Ruhrgebiets die Macht übernahmen. Auch in Hagen gab es 
eine Zentrale. Dem Ultimatum der ins Amt zurückgekehrten Regierung, bis 
zum 30. März bzw. 2. April Streik und Aufstand aufzugeben, kamen die 
Arbeiterräte nicht nach.

Die Folge war die erneute Proklamation eines Generalstreiks. Daran 
beteiligten sich mehr als 300.000 Bergarbeiter (rund 75 Prozent der 
Belegschaften). Der Aufstand brachte auch andere Städte in die Hände der 
Arbeiter. Bis Ende März war das ganze Ruhrgebiet erobert.

Am 2. April 1920 marschierten Reichswehreinheiten ins Ruhrgebiet ein, 
darunter auch diejenigen Teile, die noch Tage zuvor den Putsch 
unterstützt hatten. Unter anderem wurde die Marine-Brigade von 
Loewenfeld ins Ruhrgebiet geschickt - drei Wochen vorher hatte sich 
dieses Freikorps am Kapp-Lüttwitz-Putsch beteiligt.
Mit Rückendeckung der neuen Reichsregierung wurde der Aufstand blutig 
niedergeschlagen. Es erfolgten Todesurteile sowie Massenerschießungen. 
Nach dem Ende der Kämpfe hatten die Aufständischen weit mehr als 2.000 
Tote zu beklagen, Reichswehr und Freikorps etwa 372.

Die Justiz der Weimarer Republik ließen die Mörder ungeschoren, Familien 
getöter Arbeiter, die die Republik vor den Putschisten verteidigt 
hatten, erhielten keine Unterstützung vom Staat. Unfassbar!


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