(de) Kundgebung zur Krebsstudie vor dem THTR!

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Sun Mar 16 09:10:26 CET 2008


Presseerklärung der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm e. V.: ---- 
*Tschernobyl-Jahrestag: ----Kundgebung zur Krebsstudie am 26. April vor 
dem THTR in Hamm!* ----Vor über drei Monaten ist die vom 
Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Leukämiestudie 
veröffentlicht worden. Die Umgebung aller in Betrieb befindlichen 
Atomkraftwerke wurde untersucht. - Nur nicht die Region des Reaktors mit 
den meisten Pannen und Störfällen innerhalb eines sehr kurzen  
Zeitraumes: Hamm und das Lippetal als Standort des 
Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR) sind bewusst ausgespart worden. 
Dies ist ein Skandal!

Die Nichtberücksichtigung des THTR in der Studie hat zu grosser Unruhe
und Empörung in der Bevölkerung geführt. Inzwischen fordern sogar der
Rat von Lippetal und der Stadt Hamm eine Krebsstudie für diese Region.
Zahlreiche Bürger haben in den letzten beiden Jahrzehnten eine steigende
Anzahl von Krebsfällen in ihrer direkten Umgebung zur Kenntnis nehmen
müssen. Bisher hat das Bundesumweltministerium weder auf Briefe der
Bürgerinitiative Umweltschutz reagiert, noch eine Studie in der Umgebung
des THTR?s in Aussicht gestellt. Eine spezielle Untersuchung ist aber
beim THTR besonders dringend geboten:

Die im THTR benutzten nuklearen Brennelente mit den PAC-Kleinstkügelchen
sind möglicherweise die Gleichen, die bei einem kerntechnischen
Experiment am 12. September 1986 in der Elbmarsch von der Gesellschaft
zur Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt (GKSS)
freigesetzt worden sind und die zur höchsten Leukämierate der Welt
geführt haben. Diese Kleinstkügelchen enthalten Uran, Thorium und
Plutonium, haben einen Durchmesser von weniger als einen halben
Milimeter und sind mit dem Auge kaum noch sichtbar. Sie können mit
Leichtigkeit vom Wind fortbewegt werden. Mehrere Zehntausend dieser
Kügelchen befinden sich in einer großen THTR-Kugel.

Während der THTR-Betriebsdauer sind aufgrund technischer Probleme
insgesamt 8.000 dieser großen Brennelemente zerstört worden. Da Filter
gewechselt und Messgeräte während des Betriebes zeitweilig abgestellt
worden sind, könnten diese radioaktiven Kleinstkügelchen unbemerkt durch
den Wind weitergetragen worden sein.

Es gibt also mehr als genug Gründe dafür, die Hintergründe für den
THTR-Störfall und die zahlreichen Sicherheitsprobleme des THTRs erneut
aufzuarbeiten und verstärkt wachsam gegenüber möglichen Krebsfällen in
dieser Region zu sein.

Aus einem zweiten Grund ist der THTR ein Tabu: Er ist der Prototyp für
die Generation IV-Reaktoren, in die in den nächsten zwei Jahrzehnten
weltweit der größte Anteil an nuklearen Forschungsgeldern gesteckt
werden soll. Überdurchschittlich viele Krebstote in der Nähe des
Prototyps der Reaktorlinie der Zukunft machen sich natürlich nicht so
gut. Wer die Renaissance der Atomenergie in den nächsten Jahrzehnten
effektiv verhindern will, sollte in langfristigen Dimensionen denken und
heute schon danach handeln!

Hier in NRW wird die HTR-Linie durch die Landesregierung und die
Energiekonzerne bereits wieder grosszügig gefördert -- trotz
"Atomausstieg"! Neue Professorenstellen und Forschungsprogramme führen
über den kleinen Umweg der Europäischen Union zu einer intensiven
Forschung an den Generation IV- Reaktoren in dieser Region. Einige
Konzerne aus dem Ruhrgebiet (Uhde, EHR) sind an Vorbereitung und Bau des
THTR in Südafrika beteiligt.
Das alles passiert, obwohl die Folgen der Störfälle und Pannen im alten
Prototyp THTR in Hamm noch nicht einmal gründlich wissenschaftlich
aufgearbeitet worden sind!

Deswegen findet am Samstag, dem 26. April (Tschernobyljahrestag!) um 15
Uhr eine Kundgebung vor dem THTR in Hamm-Uentrop statt. Treffpunkt ist
vor dem Tor. So wie früher, als wir - auch durch unseren Widerstand -
die Stilllegung des Pleitereaktors mitbewirkt hatten!
Wir lassen Luftballons mit angehängten Postkarten steigen und
beratschlagen, wie unsere nächsten Schritte aussehen werden.

Weitere Proteste  und Veranstaltungen sind in Vorbereitung, hier der
Fahrplan:

10. April 2008: Vorbereitungstreffen in Hamm für die Frühjahrskonferenz
der bundesdeutschen Anti-Atombewegung in Ahaus (siehe unten) mit einem
Zwischenbericht in Sachen THTR und Leukämiestudie.

17. April 2008: RWE-Aktionärsversammlung in Essen. Zusammen mit dem
Dachverband der kritischen Aktionäre hat die BI Umweltschutz Hamm Reden
und Anträge zur fehlenden Krebsstudie am THTR vorbereitet. Proteste sind
angesagt.

26. April 2008: Tschernobyl-Jahrestag vor dem THTR in Hamm-Uentrop.

1. bis 4. Mai 2008: Auf der Frühjahrskonferenz der
Anti-Atomkraftbewegung (mit Aktionswochenende, Camp und Konzert) in
Ahaus wird natürlich auch in einem Beitrag die Situation am THTR
thematisiert. Denn hier lagern ja mehrere hunderttausend nukleare
Brennelemente des Hammer Pleitereaktors!

Weitere Infos: Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm, www.reaktorpleite.de

In den Ausgaben 119 und 120 des THTR-Rundbriefes ist eine umfassende
Chronologie der Ereignisse zum Thema "Leukämiestudie und THTR" zu finden.


More information about the A-infos-de mailing list