(de) Palestina-Israel: Wöchentliches Update der AATW-Initiative - KW #9

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Tue Mar 4 11:53:00 CET 2008


/Dies ist eine freie Übersetzung des originalen Artikels auf Anarkismo 
<http://www.anarkismo.net/newswire.php?story_id=7633>, welcher am 
Freitag dem 29. Februar erschienen ist. ----/1. Einleitung ---- 2. Die 
Kritische Masse ---- 3. Silwan (Jerusalem) ---- 4. Al Khader, Süd 
Bethlehem Freitagsdemo ---- 5. Beit Umar ---- 6. Bil’in ---- *1) Einleitung*

Über die ganze Woche waren Aktivisten mit den Flüchtlingswellen aus 
Afrika und deren erneute Unterdrückung seitens des Staates Israel 
beschäftigt. Wie immer am letzten Donnerstag des Monats, zog es eine 
kritische Masse gegen die Besetzung und Greueltaten im Gazastreifen auf 
die Straßen. Freitag war am meisten los; Morgens nahmen 
AATW-Aktivisten/innen zusammen mit anderen an der wöchentlichen 
Nachtwache im besetzen Silwan Bezirk teil. Gegen Mittag nahmen die 
Aktivisten/innen dann an den Demonstrationen gegen den Trennungszaun in 
Um Salmuna und Al Khader (Süd Bethlehem) und natürlich der 158ten 
Freitagsdemo in Bil’in teil. Samstag Mittag reisten wir dann noch einmal 
nach Beit Umar (Süd Bethlehem) um gegen die wachsende Repression auf die 
lokale Gemeinde zu protestieren. Die Gemeinde kämpft derzeit gegen die 
Erweiterung der in der Nähe liegenden Kollonialsiedlung Karmey Tsur. Am 
Samstag Nachmittag und Abend hatten wir dann ein “organisatorisches 
Meeting” da Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Level innerhalb des 
letzten Meetings der Aktivisten/Innen in Tel Aviv angesprochen wurde.
*
2) Die Kritische Masse*

Wie schon in den vorangegangenen Monaten, fand wieder die Initiative des 
letzten Donnerstags im Monat statt. Am Anfang der monatlichen Initiative 
tollerierte die Polizei unsere Aktion trotz einiger 
Verkehrsbehinderungen. Die letzten drei Male belästigten Polizisten uns 
und nahmen ein paar Teilnehmer/innen fest. Diesen Donnerstag versuchte 
die Polizei erneut uns zu stören doch selbst nachdem sie sechs 
Teilnehmer/innen festgenommen hatten liefen wir weiter. Als die Sechs am 
nächsten Morgen zum Gericht gebracht wurden, sollte die Polizei eine 
herbe Enttäuschung einfahren. Der Richter wieß die Anklage ab und 
verurteilte die Polizei für falsche Festnahmen. Es scheint, als ob die 
Demokratie für die Israelischen Juden innerhalb der 
vor-1967ger-Kriegsgrenzen immernoch in Kraft wäre.

*3) Silwan (Jerusalem)*

Die Judifizierung von palestinänsischen Dörfern und Nachbarschaften, wie 
im Israelischen Jerusalem, findet seit neuestem auch in Silwan statt. 
Als Antwort darauf startete die in Jerusalem ansässige Koalition gegen 
die Besetzung (in der sich auch unsere Aktivisten/innen befinden) eine 
wöchentliche Nachtwache an einem kritischen Touristenpunkt um unsere 
Empörung gegen die wachsenden Greuel zu zeigen.

/Hintergrund:/

Die Elad-Assoziation arbeitete über eine Dekade daran die Nachbarschaft 
Wadi Hilwe in Silwan von palestinänsischen Einwohnern und Einwohnerinnen 
zu säubern. Die Assoziation benutzt verschiedene Hilfsmittel um ihre 
Ziele zu erreichen. Der Kauf von Häusern, egal ob legal oder durch 
Betrug und Fälschungen, oder ein Netzwerk von Kollaborateuren zu nutzen 
um die Gemeinschaft von innen heraus zu zerstören, und vor allem die 
Nutzung der archäologischen Ausgrabungen und wachsenden Tourismus um die 
lokalen Anwohner zu vertreiben.

Der Staat Israel übergab die volle Verantwortung und Kontrolle über die 
Ausgrabungen der achräologischen Stellen an Elad, was die Assoziation im 
Gegenzug nutzte um Bürger von ihren Grundstücken zu entfernen, 
öffentliche Räume zu nutzen, diese Gegend mit Zäunen und Wachen 
einzuengen und Eingänge für Anwohner zu verschließen. Elad überwacht und 
initiiert agressive achäologische Ausgrabungen, welche geheim und 
illegal durchgeführt werden, durch die brechung von internationalen 
Ethik-Kodexen und unter dem Schutz von privaten Sicherheitskräften. 
Jeder Versuch der Bewohner gegen Elad anzugehen, wird mit schnellen 
Eingriffen der Israelischen Polizei und Sicherheitskräften (shin-bet) 
erstickt.

Hunderttausende Besucher im Jahr werden durch die Ausgrabungen in Silwan 
geleitet und von einer unausgewogengen Geschichte “hirngewaschen”, die 
Elad ihnen unter dem Charm von Nationalparks und antiken Autoritäten 
erzählt. Die Verzerrung von Fakten und die Unterdrückung die an den 
lokalen Bewohnern begangen wird muss an die Öffentlichkeit und speziell 
an die jenigen, die die Ausgrabungsstätte besichtigen gelangen.

*4) Die Freitagsdemo gegen den Trennungszaun und die Besetzung in Süd 
Bethlehem*

Vor ungefähr einem Jahr erreichte der Bau des Trennungszaunes die 
südlichen Sektionen. Die Dörfer der Region, deren Land durch solche 
kriegsverbrecherischen Aktivitäten geraubt wurde starteten 
Demonstrationen und andere direkte Aktionen und luden die Anarchists 
Against The Wall Iniviative ein um Aktivitäten zu planen und 
auszuführen. Im Zuge des Jahrestages der anhaltenden Aktivitäten 
entschied sich ein lokales, populäres Kommitee des Al Khader Dorfes für 
reguläre Freitagsdemonstrationen. Aktivisten/innen der AAtW-Initiative 
und andere aus Jerusalem und Tel-Aviv nehmen seither an diesen Demos teil.

An diesem Freitag wurde ein Mini-Bus aus Jerusalem auf dem Weg nach Um 
Salmuna gestopp. Dies war einer der Gründe, warum die Demo an sich sehr 
Kurz war.

Dieses Mal unternahm die israelische Staatsmacht spezielle Bestrebungen 
um die kontinuierlichkeit der Demonstrationen in Al Khader zu 
verhindern. Zwei Militärfahrzeuge mit Soldaten drangen vor der 
Zusammenkunft der Dorfbewohner/innen und vor der Demo in das Dorf ein. 
Die konfiszierten Kommunikationsequipment, welches dazu genutzt wird um 
Menschen zur Demo auf zu rufen. Außerdem trafen sie den Organisatoren 
und belasteten ihn mit Anklagen wegen “Aufrufen zur Störung der 
öffentlichen Sicherheit und der Sozialordnung”. Die 
AATW-Aktivisten/innen konfrontierten die Staatsmacht wegen der Schikanen 
und der Konfiszierunge der Kommunikationselektronik, woraus ein 
Versprechen über die Rückgabe dieser zu folge hatte. Auf dem Weg nach 
hause von der aufgelösten Demo wurden wir darüber informiert, dass das 
Equipment wirklich zurückgegeben wurde.

*5) Beit Umar*

Beit Umar plante die Demo für diesen Samstag wie immer, damit sie sich 
nicht an den anderen Freitagsdemos in der Region aufhing. Natürlich 
reisten auch wir an diesem Samstag nach Beit Umar um die frühe 
Nachmittagsdemo zu erreichen.

/Hintergrund:/

Als Antwort auf die Intensivierung des Kampfes von Beit Umar gegen den 
Trennungszaun und die Erweiterung der in der Nähe liegenden Karmei Tsur 
Kollonialsiedlung, ergriff die israelische Staatsmacht spezielle 
Maßnahmen um das Dorf zu schikanieren. Was folgt sind Auszüge aus 
Artikeln, welche sich mit den Aktivitäten und dem Widerstand beschäftigten:

    “Heute, ungefähr um 13:00 Uhr, drang die Armee mit mehr als 100
    Soldaten in Beit Umar ein. Die Soldaten führten Hausdurchsuchungen
    durch und mehr als 50 Menschen wurden festgenommen. Im ganzen Dorf
    herrscht eine Ausgangssperre und die Armee blockiert den Dorfeingang.

    Es ist schon die vierte Nacht in Folge, in der israelische Besatzer
    eines der Häuser tief innerhalb des Dorfes an Sonnenuntergang
    besetzen. Die Familie wird in einem Raum gezwungen, nachdem ihnen
    alle Kommunikationsgeräte (Handys) abgenommen wurden. Das Ziel der
    Hausbesetzung seitens der Armee ist einen Ausblick auf den Ort zu
    haben und Steinewerfer zu lokalisieren.

    Drei israelische Aktivisten machten sich heute Abend auf dem Weg um
    die in diesem Haus lebende Famlilie zu besuchen. Nach einem kurzen
    Klopfer an der Haustür öffnete niemand anderes als ein Mitglied der
    IDF, bewaffnet von Kopf bis Fuß. Die Soldaten, ließen die Aktivisten
    aufgrund von militärischen Richtlinien dann hinein.

    Die Aktivisten wurden im Gästezimmer konzentriert. Der Besitzer des
    Hauses wurde zusammen mit einer Familie in einem Raum der von zwei
    Soldaten bewacht wurde festgehalten.

    Vier Soldaten standen am Eingang - zweiter Lieutenant Ehud (führende
    Kraft der Gruppe), Nati, Masi, and Israel (Shrul) gingen zu den
    Aktivisten in das Gästezimmer um die Mobiltelefone sicher zu
    stellen. “Warum das?”, fragten die Aktivisten und ihnen wurde
    erklärt, dass sie ihnen die Handys nahmen, damit sie nicht nach
    draussen kommunizieren und von den Aktivitäten der Soldaten
    innerhalb des Hauses berichten können. Ihre Videokamera hörte seit
    dem Moment in dem sie in das Haus traten nicht mehr auf zu filmen.
    Dann versuchten die Aktivisten herauszufinden, ob die Soldaten einem
    Befehl folgen würden, der es ihnen erlaubte in das Haus von den
    Menschen einzudringen und sie in einen Raum zu konzentrieren. Nach
    ein paar Minuten bemerkten die Soldaten aber auch die Kamera und
    versuchten auch diese sicherzustellen. Das Band wurde herausgenommen
    und die Kamera weitergegeben. Die Soldaten entschieden, dass das
    Band auch wichtig für sie war, was sie dazu veranlagte auch noch
    dieses zu nehmen. Geantwortet wurde darauf mit nein. “Das Band kann
    nicht ohne die Kamera aufnehmen”, antworteten die Aktivisten und
    steckten das Band in eine Tasche. Natürlich mochten das die Soldaten
    gar nicht und versuchten weiter, dieses mal agressiver, an das Band
    zu kommen. Hier kamen sie mit Worten nicht mehr weiter, was sie dann
    dazu veranlagte z.B. die Hände der Aktivisten zu überdrehen. Wieder
    und wieder versuchten sie an das Band zu kommen, doch es klappte nicht.

    Einer der Aktivisten fing an sich nicht gut zu fühlen. Er hustete
    schwer und atmete tief. So fragten die Aktivisten die Soldaten, ob
    sie nicht mal kurz ablassen können um ihn zu Atem kommen zu lassen.
    Dies kostete einiges, aber als die Soldaten die schwere der
    Situation erkannten wurden sie plötzlich wieder ganz ruhig. Einer
    der Soldaten kümmerte sich um die Teddy-Bären- und Herzchensammlung
    die wärend des Kampfes über die Kassette gefallen war.

    Dann fingen die Soldaten an sich von ihrer agressiven Haltung und
    aus dem Raum zurückzuziehen. Sie ließen immer einen Soldaten als
    Wache vor der Tür. An beabsichtigter Stunde (ungefähr um 23:00 Uhr)
    schlossen sie dann die Zimmertüren. Ihre Kollegen kamen vom Dach und
    verließen das Haus. Nun öffneten sie wieder alle Türen und die
    anwohnende Familie wurde aus ihrem Gefängnis entlassen.

    Gutes Ende. Ein paar Kinder mit Traumata, erschreckte Eltern die
    nichtmal die Möglichkeit hatten ihren Kindern Sicherheit zu bringen,
    und Nachbarn die auch nicht wirklich helfen konnten. Und die
    Soldaten? Mit denen ist nichts. Wahrscheinlich werden sie morgen ein
    anderes Haus temporär besetzen.”

*6) Bil’in*

Das Thema der Freitagsdemo war dieses Mal die steigende Repression in 
Gaza. Wir marschierten von der Mitte des Dorfes aus zum Tor des 
Trennungszaunes am westlichen Ende des Dorfes. Als addition zu den 
Liedern trugen wir einen “symbolischen” Babyleichnam in einer 
sargähnlichen Box und einer riesigen schwarzen Flagge in den Abmessungen 
2×20 Metern.

Als wir am Trennungszaun ankamen, öffneten wir das äußere Tor, sodass 
ein Genosse den symbolischen Sarg zum Elektrozaun bringen konnte. Danach 
kehrte er fix dahin zurück, wo die anderen Demonstranten standen. Als 
Vergeltung schoß die israelische Staatsmacht eine Kugel in unsere 
Richtung und ein Genosse wurde dabei schwer verwundet.

Davor und parallel zur Demo spielte ein ex-israelischer Aktivist, der an 
unserem Kampf beteiligt ist, sein Instrument mit zum Anlass passender Musik.

Irgendwann explodierte eine Tränengasgranate hinter der Route des 
Trennungszaunes, da wo die Staatsmacht positioniert war. Sie waren 
gezwungen sich zurück zu ziehen und um ihre Blamage zu verstecken kamen 
sie auf unsere Seite der Route und begannen uns den hügel herunter zu 
schubsen. Wir sollten in das Dorf zurückkehren.

Obwohl die Soldaten zahlenmäßig viele waren, waren nicht alle von ihnen 
sehr erfreut über das Passierte und wir widerstanden den Anweisungen im 
üblichen Sinne. Folglich nahmen sie einen Aktivisten fest und 
schikanierten andere, was allerdings an ihren Kräften zehrte sodas wir 
uns auf der Hälfte des Weges runter des Hügelt neu gruppieren konnten.

Dann änderten die Soldaten ihre Prioritäten auf die 
Steineschmeißer/innen die sich zwischen den in der Nähe liegenden 
Olivenbäumen befangen. Sie schossen und warfen Gasgranaten auf sie.

Nach einer Weile kehrten wir in das Dorf zurück und überließen den Ort 
den Steinewerfern, die darauf warteten, dass unsere gewaltfreie Demo endete.

Link: Fotos eines amerikanischen Aktivisten, der bei der Jübiläumsdemo 
der letzten drei Jahre (link zum Video weiter unten) in den Kopf 
geschossen wurde:
http://sabbah.biz/mt/archives/2008/02/25/amer…. 
<http://sabbah.biz/mt/archives/2008/02/25/american-activist-shot-in-the-head-in-bilin/>

Dave Ribbs Aufnamen der dreijährigen Jubiläumsdemo in Bil’in
http://www.youtube.com/watch?v=IwVcGmULeog

Und hier noch die Videos der diesmaligen Freitagsdemo in Bil’in
http://www.youtube.com/watch?v=Qy8-oxnZQJU
http://www.youtube.com/watch?v=Jz7j8TpjPtY

Frei übersetzt vom Shizoblog <http://shizo.blogsport.de>, orig. Ilan Shalif

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http://shizo.blogsport.de



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