(de) Fauchthunrundmail 16.8.08

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Sun Aug 17 12:58:38 CEST 2008


1. Antifabulltin siehe Anhang 62531: Lautstark Nr.15* ---- 2  News von
Marina Petrella siehe runmail 15.8 ---- 3. Interview mit Menschen aus
dem Oeko-Anarchistischen Barrio/Klima-Camp ---- 1. Der Anhang wurde von
A-Infos gelöscht, da wir keine angehängten Dateien innerhalb unseres
Menüsystems unterstützen. ---- 2. News von Marina Petrella hallo, liebe
genossInnen Marina wurde in der zwischenzeit auf freien fuss gesetzt.
unter auflagen
natürlich. zur zeit befindet sie sich in einem spital und muss sich
erholen.
sie hatte einen psycho-physischen zusammenbruch und sie trat in einen sehr,
sehr heiklen gesundheitlichen zustand. die franz. justiz wollte wohl keine
tote auslieferungsgefangene, die damals vom politischen asyl des gesetzes
mitterand profitierend sich in paris niederliess. gleichzeitig mit dem ok
für die auslieferung stellte sarkozy, dessen schwägerin sich für marina
stark machte, den antrag an italien, ihr amnesty zu gewähren ... also
ausliefern ja, aber dann sollen sie die anderen freilassen (was sie nie
machen würden). ha, ha, ha
soweit unsere infos zur aktuellen situation

solidarische grüsse aus zürich


3. Interview mit Menschen aus dem Oeko-Anarchistischen Barrio/Klima-Camp
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Interview mit Menschen aus der Vorbereitung des Öko-Anarchistischen
Barrios auf dem Klima-Camp
Was hältst Du von den Bemühungen der Bundesregierung, den Ausstoß der
Klimagase bis 2020 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren?

Es handelt sich hierbei um ein Paradebeispiel dafür, dass die
herrschende Politik sich ein einzelnes Symptom eines viel komplexeren
Problem herausgreift und nur DIESES bekämpft. Dadurch wird nicht
berücksichtigt, dass die Zerstörung der "Natur" - und damit der
Lebensgrundlage vieler Menschen und anderer Wesen auf der Welt -
vielfältigere Folgen hat, als nur einen vermehrten CO2-Ausstoß bzw.
das, was dann "Klimawandel" genannt wird (obwohl es wohl eher
"Klimazerstörung" heissen sollte).

Die einseitige Fokussierung auf die Reduktion von Treibhausgasen ist
außerdem geprägt von einem Politikverständnis, das sowohl das Wissen,
wie auch die Möglichkeiten an Veränderung mitzuwirken, fast
ausschließlich Experte_innen zugesteht. Hierbei wird mit Zahlen
jongliert, die es scheinbar berechenbar machen, wie der "Klimawandel" zu
stoppen wäre. So wird das Problem normalerweise als gelöst definiert,
sobald wir weltweit unter zwei Grad Temperaturveränderung bleiben.
Expert_innen erklären uns dann auch gleich, wie das CO2-Problem zu
lösen wäre: Zum Beispiel mit Emissionsrechtehandel (der vor allem
Profite verspricht).

Verschleiert wird vor allem der industrielle Normalzustand, der den
Umweltzerstörungen zu Grunde liegt: Ausbeuterische, herrschaftsförmige
Produktionsverhältnisse in der Rohstoffbeschaffung; unmenschliche,
enfremdende Arbeitsbedingungen in der industriellen Verarbeitung. Das
alles oft im globalen Süden. Daran gekoppelt ist die Wachstumsökonomie
der Staat und Wirtschaft unterworfen sind.

Wenn die Bundesregierung ihre eigene Frage zumindest ernstnehmen
würde, müsste Sie das Ziel 80 - 90% Emissionseinsparung gegenüber 1990
setzen! Dies würde dem pro-Kopf Verbrauch der Länder des industriellen
Nordens gegenüber denen des Südens gerecht werden, da die Hälfte des
Klimagasausstoßes aus den Industrieländern stammt, in denen aber nur
ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt. Dies könnte die Bundesregierung
sich kaum zum Ziel setzen, ohne das kapilistische Herrschaftssystem,
für das sie selbst steht, abzusägen.

Veränderungsimpulse von diesen Akteuren bleiben also aus, oder sind
autoritäre Eingriffe von oben, die abzulehnen sind. Die Dekonstruktion
der Industriegesellschaft und die Schaffung konkreter und
tiefgreifender Alltagsalternativen mit einem um 90% reduzierten
Ressourcenverbrauch sind am ehesten von einfachen, miteinander
kooperierenden Menschen zu erwarten.

Worin siehst Du dann die hauptsächliche Herausforderung des Klimawandels?

Es geht darum, die Zerstörung des Klimas zusammen mit anderen
Herrschaftsverhältnissen zu denken. Folglich ist der sogenannte
"Klimawandel" nicht das Problem an sich sondern ein Symptom solcher
Herrschaft. Die von Experten benannten Lösungen zementieren diese oft,
wenn nicht immer. Umwelt-Technologieexport verfestigt den kolonialen
Entwicklungsmythos und Fortschrittsglauben, die Privatisierung der
Luft durch den Emissionshandel vertieft kapitalistische
Eigentumslogiken und high-tech Öko-Strom

verlangt die Aufrechterhaltung des oben beschriebenen staatstragenden
Industriekapitalismus. Die Herausforderung besteht also darin, die
Problematik der Herrschaft und ihre Bedeutung für unsere
Lebensbedingungen anzuerkennen und entsprechend fortzuschreiten in
ganz andere Gesellschaftsformen: Ich meine, das geht am besten mit
kollektiven Ausstiegen aus dem industriellen Alptraum. Mit Menschen,
die in allen Milieus und an allen Orten Bezugsgruppen bilden. Diese
können Alternativen erproben und aufbauen - z.B. regional, im Betrieb
oder in der Ausbildung.

Die Revolution braucht Zeit. Und genau deshalb sollte man sich vor
eiligem und herrschaftsstabilisierenden Aktionismus hüten.

Gibt es denn keine Widersprüche zu anderen politischen Fragen - etwa
zwischen den Forderungen nach Wohlstand für alle und ökologischen
Notwendigkeiten?

Meine Gegenfrage wäre, worin dieser "Wohlstand für alle" denn besteht?
Der materielle Wohlstand der industriekapitalistischen Länder ist
nämlich nicht verallgemeinerbar und genauso wenig aufrechtzuerhalten.
Es ist schlichweg Wohlstand auf Kosten anderer.

Die Forderung kommt ja auch aus bestimmten herrschenden Kreisen in
Politik und Wirtschaft. Diese haben konkrete Interessen daran, den
westlichen Wohlstandsbegriff dem Rest der Welt aufzudrücken, während
sie selbst Opfer dieses Materialismus sind. Es handelt sich also bei
diesem definieren von "Wohlstand" genauso wie bei "Fortschritt",
"Wachstum" und "Entwicklung" um ein kulturelles und psychologisches
Herrschaftsverhältnis, das andere Verständnisse und Weltsichten
unterdrückt. Aber gerade das brauchen wir: Eine Neudefinition vom
"guten Leben". Graswurzel-Bewegungen im globalen Süden, können da eine
Inspiration sein.

Aber auch linksradikale Parolen wie "Alles für Alle" oder "Luxus für
Alle" bleiben solange leere Phrasen bis das "Alle" oder der "Luxus"
mit Inhalten gefüllt werden. In der Konsequenz führt uns unsere Kritik
zu einem Leben in freien Assoziationen und Gemeinschaften welche sich
sozial und ökologisch so verhalten, dass alle in der Gemeinschaft die
sozialen und technischen Prozesse verstehen und kontrollieren können
sowie, dass andere Gemeinschaften nicht eingeschränkt werden. Dies
verstehen wir als
einfaches Leben: die sozialen und ökologischen Vorgänge haben
überschaubare Risiken und sind für alle verständlich. Einfachheit ist
etwas was für alle Menschen möglich ist. Gerade deshalb geht
Einfachheit Hand in Hand mit einer anarchistischen und
emanzipatorischen Perspektive. Hier sind die Bewegungen in den USA,
Frankreich oder
England schon weiter.

Welche Forderungen lassen sich daraus für eine Klimabewegung ableiten?

Herrschaft wird nicht durch Forderungen an die Herrschenden abgebaut.
Eine herrschafts- und hierarchiekritische Gesellschaft kann so nicht
aufgebaut werden. Eine hoffentlich wachsende "Bewegung" muss ihre
Forderungen ernsthaft artikulieren: diskutieren, blockieren und
sabotieren und gleichzeitig vielfältige Visionen entwickeln, wie eine
lebenswerte Zukunft aussieht. Sich die praktischen Fähigkeiten
anzueignen, die es für diese Zukunft brauchen wird - zusammen leben
und Sachzwänge ausser Kraft setzen, handwerken, gärtnern, bauen,
kochen, lieben und streiten, ... ist ein anspruchsvoller Prozess aus
einem Leben in Konsum und Konkurrenz. Der Stecker wird nicht von
irgendwelchen Autoritäten, sondern von uns gezogen werden; die
Alternativen nur von uns sichtbar gemacht. Frei nach dem
Do-It-Yourself Prinzip. Auch auf Camps, besonders aber im Alltag.
Gelebte Utopien im Hier und Jetzt. Und genau das wird auch im
öko-anarchistischen Barrio auf dem KlimaCamp ausprobiert.
  http://www.klimacamp.org/

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* www.antifa.ch



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