(de) Fauchthunrundmail 15.8.08

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Sat Aug 16 10:19:12 CEST 2008


1.Keine Auslieferung von Marina Petrella an Italien! ---- 2.Somalische
Aktionswochen - Bleiberecht für Alle! ---- 3.Antira Camp in Hamburg 16.8
bis 24.8.08 ---- 4.Zum Tod von Mahmud Darwisch ---- 1.Keine Auslieferung
von Marina Petrella an Italien! ---- Französisches Gericht ordent die
Auslieferung der ehemaligen Kämpferin der Roten Brigaden Marina Petrella
an Italien an...
Marina Petrella, die in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt wurde,
befindet sich seit August 2007 in französischer Haft; bzw. war sie bis
jetzt wegen Unterernährung, "depressiver und suizidaler Störungen" in
der psychartrischen Klinik Sainte-Anne in Paris. Der sie behandelnde
Arzt konstatierte, dass eine Genesung der Ex-Brigardin bei fortgesetzter
Inhaftierung und unter der ständigen Präsenz einer Polizeieskorte
unmöglich sei.

Petrella lebt seit 1996 in Frankreich. Anfang der 80er Jahre hat sie dem
bewaffneten Kampf abgeschworen und bis zu ihrer Verhaftung als
Sozialarbeiterin gearbeitet. Allein von daher hat ihre Auslieferung mehr
mit unnachgiebiger Gesetzesverfolgung denn mit Reintegration zu tun.
Gegen die Auslieferung erhebt sich zahlreicher Protest; die letzte
Stimme die laut wurde, ist die des Vizesekretärs der Sozialistischen
Partei Frankreichs, Faouzi Lamdaoui, der von der Regierung gefordert hat
"den Auslieferungsprozesse sofort zu den Akten zu legen, da unter
Berücksichtigung der Verschlimmerung des Gesundheitszustands Petrellas
ist die französische Regierung weiter verantwortlich ist". Und
angesichts der Tatsache, dass sie sich an der Schwelle zum Tod befindet,
hat selbst der (französische) Staatsanwalt hat die Freilassung Petrellas
gefordert. Marina selbst prophezeite, dass sie Italien nicht lebend
erreichen wird.

Am 09. Juni unterzeichnete Sarkozy die Auslieferungsverfügung der 54
Jährigen, die 1993 nach Frankreich geflohen war. Die Ex-Brigadistin, die
nach 15 Jahren Integration 8 Monate inhaftiert war, wurde im April, laut
dem Gefängnisarzt von Fresnes "wegen einer schweren und
besorgniserregenden suizidalen Krise und zudem im Zustand der
Unterernährtheit", in die Klinik verlegt. Seit dem 18. Juli wurde sie
per Tropf ernährt.

Marina Petrella, Militante der autonomen Gruppe Operaia, hatte sich 1976
den Roten Brigaden angeschlossen und war 1979 verhaftet worden. In jenen
Jahren waren in Italien gleichzeitig an die 60.000 Personen wegen
Terrorismus angeklagt. 1988 wurde Petrella, neben 200 Genossen, zunächst
zu 14 Jahren verurteilt. 1992 legte die Staatsanwaltschaft dann aufgrund
neuer Beweise weitere Anklageerhebungen vor und die Brigadistin wurde
ein Jahr später wegen der Entführung und Ermordung von Aldo Moro, dem
gewaltsamen Tod des Polizisten Sebastiano Vinci, der Entführung des
Richters Giovanni d?Urso sowie wegen weiterer Attentate und bewaffnetem
Bankraub zu lebenslänglich verurteilt. Sie floh nach Frankreich, wo sie
nach ihrer Ankunft die politischen Autoritäten informierte und erklärte,
den bewaffneten Kampf aufzugeben. Daraufhin erteilte ihr der damalige
Präsident François Mitterrand eine 10 jährige Aufenthaltserlaubnis, da
er sie "nicht als gefährliche und aktive Terroriston" ansah. Petrella
integrierte sich in die französische Gesellschaft und half als
Sozialarbeiterin mittellosen Menschen und Familien bei der Vermeidung
von Obdachlosigkeit. Sie gründete eine Familie und hat zwei Töchter.

Für die Einen war die "bleierne Zeit" in Italien eine Epoche
terroristischer Gewalt, für die Anderen signalisierte die Häufigkeit der
Gewaltanwendungen, dass ein Bürgerkrieg niederer Intensität stattfand.
In jedem Fall handelt es sich um einen Teil Geschichte. Trotzdem und
obwohl Petrella in der Aktualität keine Bedrohung darstellt, verfolgt
die italienische Justiz weiter den Weg der Bestrafung und fordert ihre
Auslieferung. Dieses obszessive und blinde Beharren auf der Auslieferung
von ehemaligen KämpferInnen der Roten Brigaden wegen Vergehen, die 30
Jahre zurückliegen, ist bezeichnend für Italien, dessen Justiz an einer
Resozialisierung offenbar nicht gelegen ist.

KAMPAGHNE FÜR AMNESTIE

Verschiedene Organisationen in Italien und Frankreich fordern darum
aktuell ein Amnestiegesetz und haben eine Solidaritätskampagne für
Petrella in beiden Ländern gestartet.
Briefe erreichen die Ex-Brigadistin unter:

Marina PETRELLA
N. d?écrou 93 29 40
MAF de Fresnes
Allée des Thuyas
94 261 Frenes Cedex, Frankreich

Die Forderung an den französischen Präsidenten Sarkozy und
Premierminister Fillon, die Auslieferung Petrellas an ein Italien, das
gegenwärtig von der übelsten Politik und Polizei plus Militär in Europa
regiert und kontrolliert wird, aufzuheben, können erfolgen über die
Seite des Elysee-Palasts:
 http://www.elysee.fr/accueil/ unter dem Link: ?écrire au président?,
und an Premierminister Fillon auf:
 http://www.premier-ministre.gouv.fr/acteurs/premier_ministre/ecrire
unter dem Link: ?écrire au Premier ministre? oder unter:  presse at pm.gouv.fr

Quellen:

http://horadelsur.wordpress.com/2008/08/05/marina-petrella-excarcelada-continua-el-proceso-de-extradicion-a-italia/



http://horadelsur.wordpress.com/2008/07/27/francia-pretende-extraditar-a-italia-a-la-ex-miembro-de-las-brigadas-rojas-marina-petrella/


Die Professorin (Universität Diderot, París 7), Autorin (Aurélien
d?Aragon: un nouveau mal du siècle, 1996; Les Fables du deuil: la Grande
Guerre, mort et écriture, 2001) und Lehrerin in den Gefängnissen (in den
Frauenabteilungen von La Santé und Fresnes) Carine Trevisan hat in Bezug
auf die Bitte um Vergebung an die Opfer einen interessanten Artikel
verfasst, indem sie u.a. frägt, weshalb Sarkozy im Fall der Rot
BrigadistInnen die Entscheidung Mitterands aufheben will, während die
Gueriller at s der FARC, die Ingrid Betancourt jahrelang in ihrer Gewalt
gehalten hatten, in Frankreich Asyl erhalten sollen.
Die Auslieferung Petrallas wird mit besonderer Raffinesse gehandthabt,
indem nämlich Sarkozy Berlusconi zuvor darum ersuchte, Giorgio
Napolitano zu bitten, in ihrem Fall Gnade walten zu lassen. Berlusconi,
der es geschafft hat, bei allen von ihm begangenen Illegalitäten,
straffrei auszugehen, steht hier als ziemlich kontrastreich auf der
justiziellen Bühne. Marina Petrella ihrerseits hat es abgelehnt, die
Opfer um Verzeihung zu bitten und argumentiert: "Ich habe die Situation
in Italien in jenen Jahren ausführlich erklärt.., dass es sich um einen
Bürgerkrieg niederer Intensität handelte, bei dem es Opfer auf beiden
Seiten gegeben hat."
Widriger Weise war der Entscheidungsträger über die Auslieferung der Rot
Brigadistin Kommunist und hat das Strafsystem, das Solschenizyn
verurteilte, als anti-sowjetische Propaganda klassifiziert.
 http://www.nodo50.org/Francia-extraditara-a-Italia-a-la.html

Anstatt um Vergebung zu bitten hat auch der in Brasilien verhaftete
Ex-Brigadist Cesare Battisti hat in seinem Buch, eine politische
Beleuchtung der "bleiernen Zeit" gefordert. Auch in seinem Fall ist in
Frankreich das Ja zur Auslieferung an Italien zu erwarten.
www.bazka.info (21-03-2007).

freie Übersetzungen: tierr@
www. tierra.bloggospace.de
(work in -irgendwann- progress)

Text mit dem die Nichtauslieferung von Marina Petrella gefordert wird in
Französisch auf :
 http://www.nodo50.org/Francia-extraditara-a-Italia-a-la.html


2.Somalische Aktionswochen - Bleiberecht für Alle!
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Für ein menschenwürdiges Asylrecht in der Schweiz

Seit der Besetzung des Grossmünsters Ende 2007 hat die Bewegung für ein
kollektives  Bleiberecht an Kraft gewonnen. Besonders betroffen vom
diskriminierenden und  ausgrenzenden Asylrecht der Schweiz sind Menschen
aus Somalia, denn sie werden kaum je als Flüchtlinge anerkannt.
Rückschaffungen in das zerrüttete Land sind aber nicht nur aus
humanitären, sondern auch aus technischen Gründen unmöglich. Somalis
erhalten daher besonders oft eine vorläufige Aufnahme, den sogenannten
F-Status. Praktisch bedeutet dies
ein Leben in ständiger Unsicherheit mit wenig Aussicht auf einen
Arbeitsplatz oder eine Wohnung. Um auf ihre Situation aufmerksam zu
machen und ihren Forderungen Nachdruck zu verschaffen, harren somalische
Flüchtlinge während dreier Wochen in der Helferei des Grossmünsters aus
und führen mit Unterstützung des Zürcher Bleiberechts-Kollektivs, des
HEKS und der Kirchgemeinde der Stadt Zürich eine Veranstaltungsreihe durch.

18. August bis 6. Sept., Kulturhaus Helferei Kirchgasse 13, 8001 Zürich

Di 19.08./ 19.30 Uhr: Somalis in der Schweiz, Leben mit dem F-Status.
Vortrag und Erfahrungsberichte zur Realität der vorläufigen Aufnahme.

Mo 25.08./ 19.30 Uhr: Filmeabend zum Thema Flucht in Europa und der
Schweiz,
«Voices of Transit» & diverse Kurzfilme.

Do 28.08./ 19.00 Uhr: Gemeinsames Essen mit Gelegenheit zur Begegnung

Mi 3.09./ 19.30 Uhr, Podiumsdiskussion: Bleiberecht, Asyl und die Rolle der
Kirchgemeinden und Hilfswerke
mit Verena Kocher (Leiterin HEKS Regionalstelle Zürich), Pfarrer Andres
Nufer
(Solidaritätsnetz Ostschweiz), Michi Stegmaier (Flüchtlingscafe
«Refugees Welcome» und
VertreterInnen verschiedener Schweizer Pfarreien, Hilfswerke und dem
Bleiberechts-Kollektiv.

Organisiert von:
SOWRDO (Social welfare and rural development organisation for Somalia)
Kirchgemeinde Grossmünster
Kulturhaus Helferei
Forum für Friedenserziehung
Bleiberecht für Alle!

und am 13.9.08 Demo Bleiberecht für Alle in Bern

3.Antira Camp in Hamburg 16.8 bis 24.8.08
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...und es geht los: Das AntirassistischeSommerCamp '08 in Hamburg,
welches gleichzeitig und gemeinsam mit dem Klimacamp 2008 stattfindet.
Verschiedenste selbstorganisierte MigrantInnen/Flüchtlingsgruppen und
antirassistische Zusammenhänge bereiten das Camp vor, welches nicht nur
spannendes gemeinsames Campen bietet, sondern auch mit vielen Aktionen
aufwartet: Gegen Abschiebung und Frontex, gegen die Festung Europa und
für globale Bewegungsfreiheit. Mit einem Tag gegen den rassistischen
Normalzustand und einer spektakulären Massenaktion am Freitag, den 22.
August. Auf dem Camp wird es zahlreiche Workshops geben, die zum
Mitmachen einladen, und Veranstaltungen, die über thematische
Hintergründe und die Aktionen am nächsten Tag informieren. Am Sonntag,
den 17. August findet das Global Pass Fest & antirassistische
Fußballturnier statt, aber auch für Konzerte und Tanz wird gesorgt sein.

Mehr zu allen Terminen findet ihr im Aktionsplan.

Wir laden hiermit alle Interessierten herzlich ein, sich an unserem Camp
und an den Aktionen, Veranstaltungen und Workshops zu beteiligen. Auch
wenn ihr nur für ein paar Tage kommt: Wir freuen uns über alle, die
gemeinsam antirassistisch campen wollen und Lust haben, öffentlich und
gemeinsam gegen Rassismus und Grenzen aufzustehen. Alle Hände werden
benötigt, denn so ein Camp baut sich nicht von alleine auf und läuft
dann euch nicht ohne Beteiligung. Unser Camp ist selbstorganisiert,
basisdemokratisch und hierarchiefrei und lädt zum Mitmachen ein.
Aufbau des Antira-KlimaCamps schreitet voran. Auch starke Windböen
schreckten die Beteiligten nicht ab und langsam treffen auch immer mehr
Leute ein. Für Presserummel sorgen mehrere "Anschläge" die auf die
Wohnhäuser führender Mitarbeiter der Ausländerbehörde verübt worden.
Auch ein Lieferwagen der Firma Dussmann brannte aus.
Der Aufbau des AntiraKlimaCamps in Hamburg schreitet unaufhörlich voran.
Auch die starken Windböen die heute über den Platz in Hamburg-Lurup
fegten sorgten nur kurz für Aufregeung. Viel mehr Rummel erzeugen
allerdings mehrere Anschlage die in den letzten Tagen in Hamburg verübt
wurden. So gab es nächtliche Besuche bei führenden Mitarbeitern der
Hamburger Ausländerbehörde.Bereits in der Nacht auf Mittwoch wurde bei
Ralph Bornhöft (54, SPD), dem Chef Ausländerbehörde das Wohnhaus mit
Farbbeuteln beworfen. Bei seinem Referenten für die Erstaufnahme von
Flüchtlingen flogen letze Nacht Farbeutel auf das Wohnhaus und eine
Scheibe verlor die Fassung. Ebenfalls in der Nacht zu Montag brannte in
Hamburg St.Pauli ein Lieferwagen der Firma Dussmann aus. Dussmann
verdient an der Belieferung von Asylbewerberheimen und steht deswegen
schon länger in der Kritik antirassistischer Gruppen. Schon jetzt zeigt
sich ein breiteres Echo in den lokalen Medien ab. Unabhängig davon geht
der Aufbau weiter und jede helfende hand ist gerne gesehen. Den Platz
findet ihr hier.


http://camp08.antira.info/index.html

4. Zum Tod von Mahmud Darwisch
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Sacco & Vanzetti Record in Bern hat übrigens 2 Cds mit Mustafa al Kurd
produziert der Mahmud Darwischs gedichte vertont hatte.
zu bestellen über: giovanni at immerda.ch
Nomadische Biographie
Zum Tod des palästinensischen Lyrikers und Journalisten Mahmud Darwisch
Karin Leukefeld
Als sich 2004 die Frankfurter Buchmesse dem Thema »Arabische Welt«
widmete, stellte man für Mahmud Darwisch nur ein kleines Zelt bereit, in
dem er lesen konnte. Schon Stunden vor Beginn der Lesungen bildeten sich
lange Schlangen vor dem Eingang, und jedes Mal gab es viele Enttäuschte,
die keinen Platz mehr fanden. »In Deutschland versteht man die Bedeutung
dieses Dichters nicht«, stellte ein Zuhörer fest. Die wenigen Bücher mit
seinen Gedichten wurden in kleinen Verlagen veröffentlicht, die
Übersetzungen mit Landesmitteln oder aus Stiftungen bezuschußt, für die
man sich auf den ersten Seiten artig bedankt.

Mahmud Darwisch hat den Palästinensern eine Stimme gegeben, wie es keine
politische oder militärische Führungsfigur jemals vermochte. »Er ist der
Spiegel des palästinensischen Lebens«, sagt Ali Qleibo,
palästinensischer Anthropologe an der Al-Quds-Universität in Jerusalem.
»Er ist das Wesen unseres palästinensischen Seins«, meint die
palästinensische Parlamentsabgeordnete Hanan Aschrawi. »Seine Lyrik legt
Zeugnis ab«, sagt einer seiner Übersetzer, Ibrahim Muhawi.

Mahmud Darwisch, Dichter und Journalist, Kommunist und Vertriebener,
wurde 1941 als Kind einer sunnitisch-muslimischen Familie in Barweh, in
Galiläa geboren. Seine Biographie spiegelt das nomadenhafte Leben vieler
Palästinenser wider: Im Zuge der Nakba, der Vertreibung 1948, mußte
seine Familie Barweh verlassen, das Dorf wurde später eine jüdische
Siedlung. Darwisch studierte in Haifa, wurde Journalist und trat 1961
der Israelischen Kommunistischen Partei bei. Er wurde verfolgt,
angeklagt und ins Gefängnis gesteckt. Er studierte in Moskau, verließ
Israel und ging nach Beirut, wo er für die PLO arbeitete. 1982
marschierte Israel im Libanon ein, die PLO war gezwungen, das Land zu
verlassen, Darwisch ging nach Zypern. In den folgenden Jahren lebte er
in Tunesien, Jordanien und Frankreich, kehrte schließlich nach Palästina
zurück, nach Ramallah in der Westbank. 1988 verfaßte Darwisch die
offizielle palästinensische Unabhängigkeitserklärung, seinen Posten im
Exekutivrat der PLO
(1987–1993) gab er aus Protest gegen das Oslo-Abkommen 1994/95 zurück.
Ein Antrag des israelischen Bildungsministers Yossi Sarid im Jahr 2000,
Gedichte von Mahmud Darwisch ins israelische Curriculum aufzunehmen,
wurde von der Regierung Ehud Barak abgewiesen. Darwisch kritisierte die
israelische Besatzung ebenso scharf wie in den letzten Jahren die
palästinensische Führung. Als es 2007 zu Kämpfen zwischen Fatah und
Hamas kam, warf er deren Führungen vor, »die Palästinenser aufzurufen,
in den Straßen Selbstmord zu begehen«.

Schon in jungen Jahren schrieb Darwisch seine ersten Gedichte, rasch
wurde er einer der wichtigsten Dichter des palästinensischen
Widerstandes. Die Liste seiner Auszeichnungen ist lang, seine Bücher
wurden in 20 Sprachen übersetzt. Das Exil, die Sehnsucht nach Rückkehr
in die Heimat, Wut und Zorn über die israelische Besatzung und das
Schweigen der Welt waren der Stoff, aus dem Darwischs Gedichte
entstanden. Manche, wie »Vögel von Galiläa« und »Ich sehne mich nach dem
Brot meiner Mutter« wurden vertont und von Generationen von
Palästinensern – und ihren Freunden in anderen Ländern – zu Hymnen
gemacht. »Ein Gedächtnis für das Vergessen« beschreibt die israelische
Belagerung Beiruts (1982), als israelische Kampfjets und Panzer die
Stadt einen Monat lang fast ständig bombardierten. Noch heute können
nicht nur Palästinenser, sondern auch viele Libanesen, die an der Seite
der PLO kämpften, jede Zeile des Stückes vortragen.

Mahmud Darwisch lebte für Einheit und Gerechtigkeit in Tat und Wort.
Seine Worte waren klar, seine Bilder eindringlich. Sein Herz, mit dem er
Zeile um Zeile über Leben und Tod, Hoffnung und Niederlage, Heimat und
Exil der Palästinenser schrieb, war seine Kraft und gleichzeitig sein
schwacher Punkt. Zweimal war er schon am Herzen operiert worden, Anfang
August brach er zur dritten Operation in die USA auf. Falls etwas
schiefgehen sollte, so hatte er seinen engsten Freunden gesagt, wolle er
nicht reanimiert werden. Am Sonnabend starb Mahmud Darwisch in einem
Krankenhaus in Houston, Texas an Komplikationen nach der Operation.


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