(de) Fauchthunrundmail Nachtrag zu 3.6.07 II. Die Gewalt geht immer vom Staate aus!

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Thu Jun 7 05:03:10 CEST 2007


1. Die Verhaftung von  Sam in Rostock am 3.6.07 2. Überfall auf Fahrradkonvoi 
in Rostock 3. Polizei und Kranknhaus verweigern 1.Hilfe 4. Tickermeldungen zu 
Rostock - die Gewalt geht weiter...
1. Die Verhaftung von  Sam in Rostock am 3.6.07 Rostock, 3.6.2007 Heute 
Nachmittag wurde "Sam" an einer friedlichen Demonstration in der Rostocker 
Innenstadt nach einer Personenkontrolle verhaftet. Laut neusten Informationen 
seiner Anwältin wird er morgen dem Haftrichter vorgeführt. Die Polizei hat 
Anklage wegen "schwerem Landfriedensbruch" und "gefährlicher Körperverletzung" 
erhoben. Er soll diese Straftaten gestern nach der Grossdemo gegen den G8 im 
Rahmen der Ausschreitungen am Rande der Abschlusskundgebung begangen haben. Wie 
der Autor dieses Bericht bezeugen kann, hat "Sam" aber gestern nicht den Hauch 
einer Straftat begangen. Sollte der Haftrichter die Haft bewilligen, so kommt 
es wahrscheinlich in 2-3 Tagen zu einer Gerichtsverhandlung. "Sam" würde dann 
eine Haftstrafe drohen.

Die Verhaftung

Die Kontrolle fand heute Sonntag Nachmittag um ca. 14 Uhr an der Langen Strasse 
in der Rostocker Innenstadt statt. Bayrische Polizisten nahmen "Sam" aus einer 
fröhlich-friedlichen Demo für eine andere Landwirtschaft raus, um ihn zu 
durchsuchen. Eigentlich nichts ungewöhnliches. Hier wird im Moment alles und 
jeder gefilzt. Ungewöhnlich war, dass sie dies hinter dem nächsten Haus machen 
wollten. Ich verlangte auch kontrolliert zu werden, so dass ich mitgehen 
konnte. Hinter dem Haus wurden die Rucksäcke durchsucht. Die Polizisten 
verkündeten daraufhin, sie müssten "Sam" zum Einsatzwagen mitnehmen, da er 
verdächtigt werde, eine Straftat begangen zu haben. Sofort wurden Fotos von 
"Sam" gemacht. Für mich interessierten sich die Polizisten nicht. Ich durfte 
"Sam" aber zum Einsatzwagen begleiten. Bei den ca. 300 m vom Kontrollort 
entfernten Einsatzwagen wurde "Sam" gefilzt. Nach ca. 15 min wurde er in ein 
Auto gebracht und weggefahren. Die Polizisten teilten mir mit, ein BKA-Beamter 
habe ihn als Gewalttäter vom Samstag wiedererkannt und es werde Anklage erhoben 
wegen "schwerem Landfriedensbruch" und "gefährlicher Körperverletzung". "Sam"

werde auf die Gefangenensammelstelle Ulmenstrasse gebracht.

Ca. um 16 Uhr fanden wir endlich dieses Temporär-Gefängnis und verlangten "Sam"

besuchen zu dürfen, was uns verwehrt wurde. Es wurde uns aber bestätigt, dass 
er an diesem Ort einsitzt.

Eine Anwältin ist organisiert. Sie gab uns die Infos, welche im Lead dieses 
Berichts stehen.

Sam ist unschuldig!

Der Verfasser dieses Berichts hat gestern zusammen mit "Sam" und weiteren 
Personen an der Grossdemo teilgenommen. Ich kann bezeugen, dass "Sam" während 
des ganzen gestrigen Tages keine "Gewalt" (" von der red.) angewendet hat.

Weder gegen Polizisten, noch gegen Sachen. Es ist zu vermuten, dass "Sam" heute 
festgenommen wurde, weil er einen schwarzen Kapuzenpulli und eine Sonnenbrille 
trug. Es bleibt zu hoffen, dass es der Polizei nicht gelingt, dem Gericht 
Beweismaterial glaubhaft zu machen, dass Bilder der anderen ca. 2000 Menschen 
zeigt, welche gestern Kapuzenpullis und Sonnenbrillen getragen haben...

Geht alle an die Demo für die sofortige Freilassung von "Sam". Es ist wichtig, 
dass auch international Druck aufgebaut wird gegen diesen repressiven und 
willkürlichen Polizeistaat.

Demo für die sofortige Freilassung von "sam" und gegen die Polizeirepression am 
G8-Gipfel Morgen Montag, 4.6.07, 18h30 Heiliggeistkirche Bern

2. Überfall auf Fahrradkonvoi in Rostock

Regelrecht überfallen wurde am Samstag um ca.19.30 Uhr ein auf dem Rückweg von 
der Demonstration ins Camp Reddelich befindlicher Fahrradkonvoi von 35 
RadfahrerInnen.

Polizisten prügelten enthemmt und ohne Anlass aus fahrenden Autos heraus auf 
die Fahrradfahrer ein.

Die Gruppe wurde bereits seit ihrer Abfahrt von sechs Einsatzwagen der Polizei 
begleitet. Als sie auf der B105 aus Rostock herausfuhren, wurde das Martinshorn 
angeschaltet. Die Gruppe hielt daraufhin am Seitenrand, um die Einsatzkräfte 
vorbeiziehen zu lassen. Im Vorbeifahren versuchten Polizisten aus ihren 
Fahrzeugen heraus Radfahrer festzuhalten bzw. diese zu Fall zu bringen.

Ein Fahhradfahrer wurde brutal mit einem Gummiknüppel geschlagen, einem anderen 
sprühte der Beamte aus weniger als einem Meter Entfernung mit Pfefferspray 
direkt ins Gesicht. Damit nicht genug: mit Schlagstöcken schlugen die 
Polizisten aus den Fahrzeugen heraus auf die RadfahrerInnen ein.

Diese flüchteten panisch in den Wald. Da sie deeskalierend einwirken wollten 
und den Schutz der Öffentlichkeit suchten, entschieden sie, zur nahe gelegenen 
Essotankstelle zu fahren. Vom Camp Reddelich wurden sie von UnterstützerInnen 
abgeholt und sicherheitshalber den Rest des Weges begleitet.

Die prügelnde Polizeistaffel war verschwunden. Stattdessen begleiteten nun zehn 
Einsatzwagen einer anderen Staffel den Konvoi mit laufenden Filmkameras bis zum 
Camp Reddelich.

"Es gab überhaupt keine Warnung seitens der Polizei, die uns absolut grundlos 
angriff. Wir sind wirklich schockiert. Vermutlich war dies ein Racheakt für den 
fehlgeschlagenen Einsatz am Nachmittag", meint ein Betroffener.

3. Polizei und Kranknhaus verweigern 1.Hilfe

* nach einem unverschuldeten Autonfall verweigern Polizisten verletzten 
Aktivisten erste Hilfe, beschimpfen sie, und bedrohen sie mit dem Schlagstock

* die diensthabenden Ärzte im Krankenhaus weigern sich ebenfalls die Verletzten 
zu behandeln, mit der Begründung sie hätten keinen Sozialversicherungsausweis 
und sie hätten sich die Verletzungen nicht bei einem Autounfall, sondern auf 
der Demo in Rostock zugezogen

Zu einem skandalösen Vorfall kam es in der Nacht vom Samstag auf Sonntag. Gegen 
ein Uhr rammte der PKW einer eingeschlafenen Nonne kurz vor dem Autobahnkreuz 
Rostock-West einen Transporter von französischen Anti-G8-AktivistInnen. Der 
Transporter überschlug sich. Den dabei verletzten Personen gelang es, sich 
selbst zu befreien und - unter Schock stehend - sich um ihre Verletzungen zu 
kümmern. Das erste Fahrzeug, das zur Unfallstelle stieß, war ein 
Mannschaftswagen der Polizei. Die Beamten waren auf dem Rückweg von ihrem 
Einsatz auf der Demo in Rostock.

Statt Hilfe zu leisten, waren die Beamten sofort im Ton aggressiv, leisteten 
keinerlei erste Hilfe und sicherten auch die Unfallstelle nicht ab. Dabei 
fielen Äußerungen wie ?Verlauste G8 Gegner, nun habt ihr eine Nonne ins Unglück 
gestürzt? (Die Unfallverursacherin war eine Nonne, die am Steuer eingeschlafen 
war). In der Folge wurden die verletzten AktivistInnen von den Beamten von der 
Fahrbahn gedrängt und mit dem Schlagstock bedroht.

Erst als die Autobahnpolizei und die Feuerwehr eintrafen, entspannte sich die 
Situation etwas. Dem Fahrer, der ebenfalls unter starkem Schock stand, sollten 
500 Euro als Bergungskosten abgenommen werden. Als er dies nicht sofort an Ort 
und Stelle zahlen konnte, wurde er gezwungen, ein für ihn unverständliches 
Papier zu unterschreiben und aufgefordert, das Gepäck, was nun auf der 
Standspur lag, selbst schleunigst zu entfernen.

Die Verletzten wurden mit mehreren Rettungswagen in die Klinik Südstadt 
transportiert. Dort konnte eine Person nicht sinnvoll behandelt werden und 
wurde mit dem Krankenwagen gegen 3 Uhr in die Uniklinik Rostock weiter 
transportiert. Nach Angabe ihrer Personalien wurde sie aufgefordert, ihren 
Sozialversicherungsausweis vorzuzeigen. Dies konnte sie nicht und nach einer 
halben Stunde wurde sie vom diensthabenden Arzt informiert, dass sie ohne Karte 
nicht behandelt würde. Auch ihrer dringenden Bitte nach einem schmerzlindernden 
Medikament wurde nicht nachgegangen. Dabei erwähnte der Arzt, dass ihr die 
Geschichte eines Autounfalls nicht abgenommen werde und sie doch bestimmt von 
der Demonstration aus Rostock sei.

Gegen 4.30 Uhr verließen die Verletzten per Taxi die Klinik und begaben sich im 
Convergence Center in Rostock-Evershagen zu einer Erste-Hilfe Station.

4 Tickermeldungen 4.6.07 die gewalt geht weiter..

04.06.2007

      * 09:00:

        Eine Gruppe von 200-300 Menschen aus dem Camp in Reddelich kommend 
wurde im Rostocker Bahnhof von 100 PolizistInnen in Kampfmontur erwartet. Sie 
werden nach und nach durchsucht, einige Personalien werden genommen. Der 
Eingangsbereich wurde geräumt, so das es keine Zeugen gibt.

03.06.2007

      * 23:15:

        Eine Gruppe von KonzertbesucherInnen wurde auf dem Weg zurück zum 
Rostocker Camp von einer Polizeieinheit angegriffen, die vorbeifuehr, plötzlich 
anhielt und anscheinend grundlos losprügelte. Eine Person wurde schwer am Kopf 
verletzt und blieb, bei Bewusstsein, mind. 10 Min. weitgehend reglos am Boden 
liegen bis ein Krankenwagen eintraf. Währenddessen wurden eine weitere Person 
in Gewahrsam genommen. Eine anwesende Journalistin konnte nur durch massives 
Drängen erreichen, zum Ort des Geschehens durchgelassen zu werden.

      * 23:00:

        Nach Angaben des RAV fanden heute in Folge der Verhaftungen von gestern 
10 Haftvorführungen statt, dabei wurden zwei Haftbefehle ausgestellt. Heute gab 
es in Rostock und Umgebung mind. 34 Verhaftungen, davon 5 oder 6 im Kontext der 
Aktionen zu Gentechnik-Versuchsfeldern. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind alle 
gestern in Schwerin Festgenommenen wieder frei. Festnahmen gab es in der Nacht 
u.a., als gerade aus der Gesa als Gruppe Freigelassene mit dem Vorwurf der 
unerlaubten Versammlung sofort wieder festgenommen wurden.

      * 21:20:

        Rostock: 3 deutsche Clowns wurden in Gewahrsam genommen, nachdem sie 
zuerst freigelassen wurden und danach in den McDonalds zurückkehrten um für die 
nicht deutsch sprechenden Clowns zu übersetzen. Dem Legal Team ist bis jetzt 
nicht über die Gründe bekannt.

      * 20:50:

        Rostock: Die Clowns wurden freigelassen, nachdem sie für mehrere 
Stunden von der Polizei festgehalten wurden im Anschluss an ihre Aktion bei 
McDonalds.


More information about the A-infos-de mailing list