(de) Fauchthunrundmail 31.5.07 Drinnen - Draussen...

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Sun Jun 3 23:38:34 CEST 2007


1.<snip> 2. Situation in den Belgischen Gefängnissen DRINNEN, DRAUSSEN, DAGEGEN
Dieser Text ist in Kombination mit einer Chronologie ein Versuch die 
augenblickliche Situation in und ausserhalb der belgischen Gefängnisse zu 
skizzieren. --- Vom Gefängnis auf die Straße. --- Es war für viele Jahre ruhig 
um die belgischen Gefängnisse. Es war ruhig, weil kaum etwas die Mauern 
überwinden konnte. Es gab beinahe keine Kontakte und das Monster schien 
unangreifbar. --- Überblick der Unruhen in und um die belgischen Gefängnisse:
"DRINNEN DRAUSSEN DAGEGEN" --- Liebe GenossInnen --- Dieser Text wurde ins 
Englische(nun ins Deutsche) übersetzt um international verbreitet zu werden. 
Dies soll die erfolgreichen Revolten in den Belgischen Gefängnissen bekannt 
machen. Er erklärt in vereinfachter Form die augenblickliche Situation, wie die 
GenossInnen sowohl drinnen, als auch draussen versuchen zur sich verbreitenden 
Unruhe beizutragen,...Der Text kommt gemeinsam mit einem chronologischen Überblick.

Grüsse

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DRINNEN, DRAUSSEN, DAGEGEN

Dieser Text ist in Kombination mit einer Chronologie ein Versuch die 
augenblickliche Situation in und ausserhalb der belgischen Gefängnisse zu 
skizzieren.

Vom Gefängnis auf die Straße.

Es war für viele Jahre ruhig um die belgischen Gefängnisse. Es war ruhig, weil 
kaum etwas die Mauern überwinden konnte. Es gab beinahe keine Kontakte und das 
Monster schien unangreifbar.

Die Gefangenen selbst veränderten diese Situation. Anfang des Jahres 2006 
begannen die Kontakte zwischen Individuen auf der Straße und Gefangenen zu 
wachsen. Vom März 2006 an führten diese Kontakte zu wachsenden Unruhen des 
Gefängnisses in Ittre, ein sogenanntes modernes Gefängnis. Dem folgte ein 
Aufstand im Gefängnis von Mons Ende April, und Mitte Mai brannte ein kleiner 
Teil des Gefängnisses in Nivelles nieder.

Verschiedene Gruppen von GenossInnen beschlossen eine Solidaritäts 
Demonstration in Brüssel zu organisieren.

Die Demonstration bot den verschiedensten Leuten die Möglichkeit am Kampf gegen 
das Gefängnis teilzunehmen. Sie ermöglichte die Verbreitung von Pamphleten und 
Postern auf der Straße und an den Toren des Gefängnisses. Ungefähr 150 Menschen 
demonstrierten in Brüssel am zweiten Juli in Solidarität mit allen kämpfenden 
Gefangenen und in Unterstützung einiger Forderungen, die aus bestimmten 
Gefängnissen kamen.

Im Laufe der vorhergehenden Monate wurden unterschiedliche Instrumente benutzt 
um den Kampf gegen die Gefängnisse öffentlich zu machen, wie etwa Pamphlete, 
Poster und das zwei-monatlich erscheinende Magazin "Uitbraak" (Ausbruch), das 
weiterhin die Gefängnismauern überquert. Die Demonstration selbst war eher 
unzufriedenstellend, weil die Mobilisierung nicht mehr Leute auf die Straße 
brachte.

Ein Sommer der Ausbrüche

Im Verlauf des Sommers 2006 wurden die belgischen Gefängnisse von einer Welle 
von Ausbrüchen heimgesucht. Neben individuellen Ausbrüchen gab es einen 
kollektiven Ausbruch vom Gefängnis in Dendermonde das den Staat zum Idioten 
machte. Einige Gefangene nahmen Wärter als Geißeln und öffneten die Zellen 
ihres Gefängnisflügels. 28 Gefangene flohen.

Die Demonstration warf für die GenossInnen auf der Straße einige Fragen auf.

Sie wollten den Kampf gegen die Gefängnisse vertiefen und ausweiten auf den 
Kampf gegen die Kontrollgesellschaft.

Der Mord an Fayçal und eine Welle von Aufständen

Fayçal, ein Junge aus einer populären Nachbarschaft in Brüssel wurde Ende

September in einer Isolationszelle des Gefängnisses Vorst ermordet. Er wurde

durch drei Injektionen eines Beruhigungsmittels namens Haldol getötet. In

seiner Nachbarschaft und in anderen Teilen von Brüssel kam es zu Krawallen.

Während des ganzen Monats Oktober brachen in den belgischen Gefängnissen

Aufstände aus, die ernsthafte Schäden verursachten.

Es ist nicht einfach all diese Szenarien in Verbindung zueinander zu sehen,

dennoch können wir sie auch nicht voneinander trennen. Die Gefängnisaufstände

kamen wahrscheinlich eher durch lokale Konflikte zustande als durch den Mord an

Fayçal. Aber zweifelsohne öffneten die Aufstände den Weg zur Diskussion

innerhalb der Gefängnismauern. Der kollektive Krawall wurde zu einem in

Reichweite stehendem Mittel. Die GenossInnen auf der Straße versuchen einen

Beitrag zu leisten, so klein er auch sein mochte.

Gleichwohl ist es sicher daß der Staat realisiert das da etwas auf dem Spiel

steht. Die unterschiedlichen Maßnahmen, die gesetzt wurden um die Gefängnisse

zu verstärken, sprechen ihre eigene Sprache: Die Abschiebung von Gefangenen,

der Bau von neuen Gefängnissen und von zwei Isolations-Abteilungen für

"gefährliche" Gefangene, Strafen für Gefangene die sich über die Wärter

beschweren, erschwerende Prozeduren für bedingte Freilassung.

Es hört nicht auf.

Mitte Jänner 2007 explodiert das baufällige Gefängnis von Merksplas.

Schockierende Zeugenaussagen von Gefangenen zirkulierten in den Medien in der

darauffolgenden Woche. Die Wärter entschieden gegen die Vorwürfe zu streiken

und die Gefangenen antworteten darauf mit einer Besetzung des Gefängnishofes.

Dies eskalierte in einen Aufstand. Ein paar Wochen später erklimmten die

Gefangenen von Oudenaarde das Dach und das selbe passierte einige Wochen später

im Hochsicherheitsgefängnis von Lantin. Im April fand ein Aufstand im Gefängnis

von Turnhout statt, der ernsthaften Sachschaden verursachte.

Zweifel, Eingrenzungen und Bemerkungen

Wir wollen hier nicht den Eindruck vermitteln, daß die Infragestellung der

Gefängnisse auf der Straße am Leben ist. Vielmehr ist das größte Hindernis zur

Weiterentwicklung des Kampfes die fehlenden Solidarität und das generelle Klima

der Befriedung in dem, so wie es scheint nur die Gefangenen fähig sind zu

hinterfragen und gegen ihre Situation zu kämpfen. Nach den Verknüpfungen zu

suchen, wie etwa die Krawalle nach dem Mord an Fayçal, könnte unseren Rücken

stärken.

Eine formelle Bewegung von Gefangenen gegen das Gefängnig existiert in Belgien

nicht und wir zielen auch nicht darauf ab eine zu erschaffen. Aber wir

betrachten die Ausweitung und Fortführung der Diskussionen(sowohl drinnen als

auch draußen) als einen wichtigen Schritt vorwärts.

Wir sind konfrontiert mit einer Erregung der Situation die sich innerhalb der

Gefängismauern ausweitet. Wir suchen nach Wegen um zu dieser Unruhe beizutragen

und diese auch außerhalb der Mauern zu verbreiten, auch wenn das schwierig

erscheint. Wir kämpfen gegen die Befriedung. Wir haben einige Schritte vorwärts

gemacht, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.

FÜR ANARCHIE

Les mauvais jours finiront

"Ich nehme an die Leute hier sind gegen das Gefängnis. Aber stellen wir uns

vor, das Gefängnis ist der Feind. Daß es ein Monster ist mit Zähnen, Klauen,

einem Maul um dich zu verschlingen, einem Magen um dich zu verdauen und einem

Arsch um dich rauszuscheissen. Ein bedrohender, formloser Koloss den du

verfluchen kannst, gegen den du Steine werfen kannst ohne irgendetwas zu

verändern, etwas gegen das du nichts tun kannst. Es ist eine verzerrte Vision,

ein Produkt der Suggestion. Das Monster hat keine Nägel, keine Zähne, es hat

nichts. Es ist eine spezielle soziale Maschinerie, die auf eine bestimmte Weise

funktioniert, einigen Mechanismen folgend, aber sie hat Sprünge und Schwächen

dir du angreifen kannst. Es gibt einen großen Unterschied dazwischen das

Gefängnis verbal - auf symbolische Weise anzugreifen, ein bißchen verzweifelt,

eine Form von leichter Verzweiflung - und dem realen Angriff auf das Gefängnis,

so moderat er auch sein mag, auch wenn er nicht ausschlaggebend ist, sogar wenn

es sich als kleiner Guerrilla Krieg herausstellt, der einen Feind nervt den du

nicht wirklich zerstören kannst. Aber dafür ohne den Feind immer die Initative

übernehmen zu lassen, ohne ihn die Kontrolle über dein Leben nehmen zu lassen;

im Gegenteil, es bedeutet dein Leben in deine eigenen Hände zu nehmen um die

Unterdrückung zu verbannen.?

Aus einem Interview mit GenossInnen der Autonomen Gruppen aus Spanien in den

siebzigern, Copel, Tunnels und andere Beiträge der Autonomen Gruppen, 2004.

CHRONOLOGIE

2006

5.03., Ittre Ein türkischer Mann wird in Isolation gesteckt und von einer Gang

maskierter Wärter verprügelt.

07.03., Ittre Als Antwort auf die Schläge zwei Tage zuvor, besetzen ungefähr 20

Häftlinge den Hof und fordern die Gefängnisleitung zu sprechen. Sie fordern daß

die Wärter, die verantwortlich sind für die ständig wiederkehrenden Prügel

gefeuert werden und daß die Prügel aufhören. Der Direktor verweigert ihre

Forderungen anzuhören und schickt die Polizei. Eine Gang maskierter Wachen

schlägt die 5 Häftlinge zusammen, die Stellung behielten. Ein Mann muß danach

ins Krankenhaus.

Ende März/ April Streik der Gefängniswärter in Antwerpen, Vorst(Brüssel),

Brugge und Turnhout. Die Wärter verlangen mehr Personal, mehr Sicherheit und

Maßnahmen gegen die Überbelegung sowie gegen die ?Aggression der Häftlinge?.

März/April Pamphlete werden verteilt an den Gefängnissen von Ittre,

Sint-Gillis, Antwerpen, Vorst und Gent um die Folter und Isolation

anzuprangern. In ganz Belgien werden Poster gegen Gefängnisse plakatiert und um

die Gefängnisse tauchen Graffities auf.

20.04., Das Europäische Komitee für die Prävention von Folter bestätigt die

Praxis von Folter in belgischen Gefängnissen. Das Komitee verurteilt die Prügel

in den Gefängnissen von Namur und Andenne und dem Zellblock unter dem Tribunal

von Liège. Der Bericht verurteilt auch die errschütternde Situation in der

psychiatrischen Abteilung der Gefängnisse, wo es keine Behandlung gibt außer

der mittels Drogen. Die Streiks der Wärter werden verurteilt als Umstände, die

Folter und Mißhandlung möglich machen und/oder diese ermutigen.

Mitte-April Ittre Wieder eine kleine Störung der Gefängnisordnung im Gefängnis.

Einige Tage später tauchen Graffities und Poster in Solidarität mit den

Gefangenen um das Gefängnis herum auf(Tubize, Ittre und Nivelles).

23.04. Mons Meuterei in dem Gefängnis von Mons. Ungefähr 45 Häftlinge besetzen

den Hof und reißen Material herunter um sich gegen die Polizei zu verteidigen.

Sie legen Feuer am Eingangstor. Die Polizei wird mit Steinen und Betonblöcken

willkommen geheissen. Ungefähr um Mitternacht werden die Häftlinge wieder ihre

Zellen zurückgetrieben.

25.04., Turnhout Zwei Wärter werden während des Hofgangs zusammengeschlagen.

Zwei Tage später gehen die Wärter in Streik als Protest gegen die Aggression

der Häftlinge.

Ende April, Ittre Am Eingang des Gefängnisses werden Pamphlete verteilt. Die

Gefängnisleitung droht den BesucherInnen ihre Besuchserlaubnisse zu entziehen,

wenn sie die Pamphlete akzeptieren, oder diese den Häftlingen weitergeben.

16.05., Nivelles Als Reaktion zu einem beginnendend Streik der Wärter, legen

Häftlinge Feuer am Dach des Gefängnisses. Ein Flügel und einige Seitengebäude

brennen völlig nieder. Feuerwähreleute geben später zu, daß keine

Evakuierungspläne für die Gefängnisse in Belgien existieren. Die Armee wird

gerufen um die Ordnung im Gefängnis wiederherzustellen.

Mitte Mai Einige Tausend Flugblätter und Poster werden ganz über Belgien

verteilt um zur Solidaritäts Demonstration mit allen Gefangenen im Kampf

aufzurufen. Demo am 02. Juli in Brüssel.

Ende Mai In Nivelles, Ittre und Tubize werden überall im Zentrum Poster

aufgehängt. Einige offizielle Gebäude der Stadtverwaltung in Ittre werden mit

Slogans in Solidarität mit den Gefangenen im Kampf verziert.

Ende Mai Ein Gefangener Genosse(der den Namen Ringolévio) benutzt wird von

Ittre nach Arlon überstellt, weil er zuviele Probleme bereitete. Ein paar Tage

nach seiner Überstellung nach Arlon werden Poster in der Gegend um das

Gefängnis plakatiert.

01.06., Ungefähr 20 Leute treffen sich in Solidarität mit Nordin Benallal. Sie

treffen sich in der Verhandlung in der Nordin angeklagt wird sich während

seiner Flucht eine Schießerei mit der Polizei geliefert zu haben. Nordin war

bereits verurteilt zu 27 Jahren Haft für Diebstahl und Raubüberfälle. Ein paar

Monate später fügen sie für die Schießerei 12 Jahre zu seiner bereits

vorhandenen Strafe hinzu.

17.06., An den Gefängnissen von Antwerpen, Hasselt, Gent, Merksplas, Ittre,

Nivelles, Mons, Sint-Gillis, Vorst und Leuven-Centraal werden Pamphlete

verteilt um für die Demonstration in Brüssel zu mobilisieren.

18.06., In der Umgebung des Gefängnisses von Arlon werden die Fenster von

ungefähr 20 Autos eingeschlagen sowie die Autoreifen aufgestochen.

20.06., West-Vlaanderen Zwei Molotov-Cocktails werden auf die Häuser von

Wärtern geworfen: Einer der Wärter arbeitete im Gefängnis von Brugge, der

andere arbeitete im Abschiebeknast für Papierlose in Brugge. Geringer Schaden.

Ein Jahr später werden drei Personen zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt(die

als Protest gegen die schlechte Behandlung, die einer der Mütter der

Angeklagten im Gefängnis von Brugge erhält, gehandelt haben).

24.06., Wieder werden Pamphlete an einer Anzahl von Gefängnissen verteilt. Die

Polizei versucht einige der VerteilerInnen mittels Ausweiskontrollen

einzuschüchtern.

01.07., An den Gefängnissen von Ittre, Sint-Gillis und Vorst werden Feuerwerke

gezündet.



02.07. Brüssel Etwa 150 Menschen demonstrieren in Solidarität mit allen

Gefangenen im Kampf in den Straßen von Brüssel. An den Gefängnissen von

Sint-Gillis und Vorst zünden die Demonstranten einige Feuerwerkskörper. Das

Medien-Spektakel verliert keine einziges Wort über die Demonstration.

16.07., Brügge Zehn Menschen flüchten von dem Abschiebeknast. Fünf werden

verhaftet und ein paar Stunden später können die Restlichen entkommen.



17.07., Ittre Die Polizei setzt sich massiv ein einen Gefangenen zu verhaften,

der von seinem Freigang nicht zurückkam. Seine Freundin wird verhaftet und

beschuldigt ?einen Gangster zu verstecken?, bedroht und erpresst. Am 28 Juli

kann die Polizei den Flüchtigen fangen. Er schreibt einen Brief an die Presse

um die Bedingungen des Gefängnisses in Ittre zu beschreiben und um die Gründe

seiner Flucht zu erklären.

22.07., Vorst Ein Häftling entkommt indem er vorgibt ein anderer Häftling zu

sein, der freigelassen werden sollte. Nach der Entlassung des ?falschen?

Gefangenen, präsentiert sich der ?wirkliche? und wird ebenso freigelassen.



19.08., Dendermonde Einige Gefangene brechen die Türen ihrer Zellen auf, nehmen

Wärter als Geißeln und zwingen diese die Türen aller Zellen zu öffnen. 28

Häftlinge klettern über die Gefängnismauern und flüchten. Die Polizei

organisiert eine gigantische Jagt. Im folgenden Jahr werden ungefähr 18

Flüchtige verhaftet.

22.08., Dendermonde Ein Gefangener der beschuldigt wird der ?Anstifter? der

massiven Flucht von Dendermonde zu sein, wird ohne zu erscheinen zu 18 Monaten

Gefängnis verurteilt. Zum Glück war er noch auf der Flucht. Am Anfang des

Jahres 2007 wirde er irgendwo in Italien von der Italienischen Polizei verhaftet.



22.08. Verviers Zwei Gefangene klettern mit Hilfe von Leintüchern über die

Gefängnismauern. Einer wird ein paar Stunden später verhaftet, der Andere kann

fliehen.

25.08., Das Kabinett des Bundesministeriums entscheidet 13 Millionen Euro in

Gefängnissicherheit zu investieren. Sie kündigen auch die Errichtung von zwei

neuen Gefängnissen an, eines in Dendermonde und das andere in Namur.



08.09., Tournai Während dem morgentlichen Hofgang attackieren einige Gefangene

einen Wärter, was einen kurzen Krawall zur Folge hat. Die Gefangenen bewaffnen

sich mit Eisenstangen und Projektilen. Die Polizei interveniert schnell. Nach

einigen Stunden Konfrontation ist die Ordnung wiederhergestellt.

24.09., Vorst Fayçal wird in der Isolationszelle mittels drei Injektionen

Haldol ermordet.

25.09., Brüssel Nach dem Mord an Fayçal breiten sich Krawalle in der Gegend der

Marollen, wo er lebte, sowie in anderen Bezirken aus. Einige Tage lang kommt es

zu Konfrontationen mit der Polizei. Schaufenster werden eingeschlagen, Autos

und einige Gebäude werden in Brand gesetzt. Die Polizei militarisiert die

Bezirke von Brüssel in drei Tagen und verhaftet Jugendliche präventiv.

28.09., Brüssel Zwei Wärter werden bedroht, während sie auf die Straßenbahn

warten. Sie werden als Mörder bezeichnet und sie sehen ein Messer blitzen. In

den nächsten Tagen verweigern die Wärter ihre Uniform auf dem Weg zur und von

der Arbeit zu tragen. Sie werden von der Polizei eskotiert.

28.09. Brüssel In der Gegend der Marollen kursiert ein Pamphlet, das zur

Solidarität mit den Rebellen der Gegend aufruft, für die Verknüpfung des

Kampfes gegen Gefängnisse, Polizei und Einwanderungsgesetze und für die

Streuung und Verbreitung der Revolte.

05.10. Vorst Die Polizei interveniert um zig Gefangene, die sich mit

Eisenstangen bewaffneten und den Hof blockieren, zurück in deren Zellen zu treiben.

06.10. Leuven Ein Slogan, 11 Meter lang erscheint vor dem Gefängnis, das die

Wärter mit Mörden gleichsetzt. Ein Fenster der Gewerkschaft für die

Gefängniswärter nahe dem Gefängnis wird eingeschlagen.

15.10., Brüssel Ungefähr 300 Menschen demonstrieren um an den Mord von Fayçal

im Gefängnis von Vorst zu erinnern.

18.10., Lantin Dutzende Gefangene des Hochsicherheitstraktes besetzen den Hof:

Sie bewaffnen sich mit Eisenstangen und zerstören fast den gesamten Flügel.

Nach einigen Stunden gelingt es der Polizei sie zurück in ihre Zellen zu treiben.
29.10., Ittre Die Bundespolizei zwingt alle Besucher sich auszuziehen und

unterzieht sie Leibesvisitationen. Am Abend bricht eine Meuterei aus. Gefangene

brennen mehrere Zellen nieder, sowie Matratzen, Mülleimer und ein Büro der

Wärter. Die Polizei wird mit Projektilen und Eisenstangen attackiert. Der

Schaden an der Gefängnisinfrastruktur ist enorm. Fünf Wärter werden verwundet.

Erst nach Mitternacht kehren die Gefangenen in ihre Zellen zurück.

30.10., Ittre Gefangene berichten, daß in der Nacht Feuerwerke über das

Gefängnis geschossen wurden.

18.11., Gent Der neue Justizpalast wird angegriffen. Ein Fenster wird

eingeschlagen, Kabel durchschnitten, sowie Graffitties an die Wand geschrieben.

Bereits den ganzen Monat November wurde das Gebäude von Vandalen heimgesucht.

21.11., Gent Das Spanische Konsulat wird in Solidarität mit dem Kampf der

FIES-Gefangenen mit Farbbomben angegriffen.

Ende November Einige Wärter in Mons werden verwahrt und beschuldigt des

Verkehrs, Mißhandlung und Folter(Sie nötigten Häftlinge nackt mit Seilen um

ihren Hals herumzukriechen sowie sich gegenseitig zu masturbieren). Sie werden

für einige Monate eingesperrt und dann freigelassen.

08.12., Ittre Die Freien Vögel malen Slogans in der Gegend um das Gefängnis von

Ittre in Solidarität mit den Gefangenen. Sie sabotieren auch ein Interim-Büro,

einige Bankomaten und einige Banken.

14.12., Leuven In Heverlee werden die Fenster einer Polizeistation

eingeschlagen und ein Brand gelegt. Das Feuer wird durch eine Polizeistreife

gelöscht. Der Schaden am Gebäude ist beachtlich.

15.12., Luik In Droixhe wird die Polizei von 50 Jugendlichen belagert. Ein

Molotov-Cocktail wird auf einen geparkten Polizeibus geworfen. Die Jugendlichen

verteilen sich und niemand wird verhaftet.

18.12., Beaumont Zwei in einer Garage geparkte Polizei Autos gehen in Flammen auf.

23.12., Brugge Einige Dutzend AnarchistInnen treffen sich am geschlossenen

Abschiebezentrum in Brugge in Solidariät mit einem ihrer GenossInnen, der dort

einsitzt und gegen alle Abschiebungen und Abschiebelager.

2007

06.01., Merksplas Einige Tageszeitungen veröffentlichen Zeugnisse von

Mißhandlungen und die Haftbedingungen im Gefängnis von Merksplas.

?Du mußt dein Maul halten. Dein Maul halten wenn sie deine Post aufreißen, wenn

sie in deine Zelle eindringen, wenn sie deinen Hofgang absagen, wenn sie dir

deinen Freigang unter Vorgabe falscher Tatsachen verweigern. Es ist auf allen

Ebenen: Wärter, Psychologen und Sozialassistenten, die Gefängnisleitung und das

Gefängnis selbst. Die Häftlinge sind mit schweren Beruhigunsmitteln, die hier

großzügig verteilt werden, unter Drogen gesetzt.

13.01., Merksplas Ungefähr 40 Gefangene besetzen den Hof. Nach ein paar Stunden

willigen sie ein in ihre Zellen zurückzukehren. Auf der anderen Seite des

Gefängnisses, in dem geschlossenen Abschiebezentrum findet im Hof ein Krawall

statt. Fünf Wärter werden verwundet.

14.01., Merksplas Hans Meurisse (Generaldirektor der belgischen Gefängnisse)

und Laurette Onkelinx(Justizministerin) übernehmen die Verteidigung ihrer

Söldner in Merksplas und verurteilen die Beschwerden der Häftlinge als

unberechtigt und erfunden. Die Wärter von Merksplas kündigen einen Streik gegen

die Anschuldigungen an. Sie fühlen sich ?unsicher? weil ihre Namen und Adressen

in den Beschwerden vorkommen.

15.01., Merksplas Wärter schalten um auf Minimal Dienst(Limitierte Besuche,

Hofgänge, Duschen, Aktivitäten, etc.). In kurzer Zeit müssen sie das Gefängnis

evakuieren, weil die Gefangenen meutern. Für Stunden übernehmen die Gefangenen

das Gefängnis und zerstören was sie können. Einige Zellblöcke werden in Brand

gesteckt, Fenster eingeschlagen, Zellen zerstört. Am Abend fällt die

Aufstandspolizei ein, gefolgt von Stunden der Konfrontation zwischen den

rebellierenden Gefangenen und den Einheiten der Polizei. Vor Mitternacht

gelingt es der Polizei die Ordnung wiederherzustellen.

16.01., Zumindest 40 rebellierende Gefangene werden in der Nacht in die

nahegelegenen Gefängnisse von Turnhout und Wortel überstellt, wo es wiederum zu

einigen Störungen kommt. Ungefähr 20 Gefangene werden in Merksplas in Isolation

gesteckt.

17.01., Antwerpen Die Fenster des Justizministers werden eingeschlagen, eine

Stinkbombe wird in das Haus geworfen und der Schriftzug ?Ici comme à Merksplas?

(Here as in Merksplas) wird auf der Mauer hinterlassen.

18.01., Ittre Ein Gefangener der durch zwei Wärter ins Krankenhaus eskortiert

wird, flüchtet. Maskierte Individuen greifen die Wärter an und schlagen sie

zusammen. Die Wärter von Ittre streiken gegen die ?Unsicherheit?. In fünf

anderen Gefängnissen nehmen die Wärter auch am Streik teil.

19.01., Mons Die Wärter von Mons gehen in Streik gegen den Fakt daß sie

öffentlich als ?Neo-Nazis, Folterer,? verurteilt werden. Sie behaupten

Drohungen erhalten zu haben. Sie fordern, daß die Justizministerin eine

Beschwerde einlegt gegen einen Ex-Gefangenen, der im Fernsehen eine

Zeugenaussage gegen die Wärter abgelegt hatte.

20.01., Die Wärter von Brugge, Lantin, Mons und Andenne stellen sich hinter die

Forderungen der Wärter von Mons und behaupten Zielscheibe einer

Verleumdungskampagne zu sein.

20.01., Justizministerin Onkelinx verspricht die Gefangenen von Merksplas, die

Beschwerden eingelegt hatten, zu bestrafen.

21.01., Antwerpen Poster werden plakatiert über die Meuterei in Merksplas:

?Krieg dem Gefängnis und seiner Welt.?

21.01., Leuven Die Fenster des Justizgebäudes werden eingeschlagen.

21.01., Mons Angeklagter A.V. erscheint vor dem Gericht. Er trägt ein oranges

T-Shirt mit dem Schriftzug ?GuantanaMons? um die Folter in dem Gefängnis zu

verurteilen.

23.01., Oudenaarde Ein dutzend Gefangene besetzen den Hof und klettern auf das

Dach, wo sie sich für einige Stunden verschanzen. Die Gefängnisinfrastruktur

erleidet einige kleinere Schäden.

23.01., Vottem AnarchistInnen versammeln sich am geschlossenen Abschiebezentrum

in Solidarität mit derem Genossen.

25.01., Brüssel Mehr als 10 000 Menschen stellen am nationalen Wahltag einen

Antrag als Gefängniswärter.

26.01., Brüssel Im Gefängnis von Sint-Gillis wird ein Wärter von Gefangenen

angegriffen. Er muß ins Krankenhaus. Die Wärter schalten um auf minimal Dienst.

28.01., Charleroi Die Polizei exekutiert den 23 Jahren alten Henaday Numeni,

der ein gestohlenes Auto fuhr. Kleinere Krawalle breiten sich in Charleroi aus:

Dutzende Autos werden in Brand gesteckt und Steine gegen staatliche/offizielle

Gebäude und Geschäfte geworfen.

30.01., Charleroi Eine Polizeistation wird mit Molotov-Cocktails angegriffen.

Die Station wird schwer beschädigt.

31.01., Charleroi Innerhalb einer halben Stunde werden drei Polizeistationen

mit Feuerbomben angegriffen. Das Gebäude von Child&Family(die Normen über

Kindererziehung aufzwingen), neben einer vierten Polizeistation, wird auch von

Feuerbomben getroffen. Die Polizei ruft Verstärkung und militarisiert die

Straßen bestimmter Nachbarschaften von Charleroi.

04.02., Charleroi Die Stadthalle von Damprey wird feuergebombt.

08.02., Tubize Die Polizei tötet einen Autodieb mitten auf der Straße. Der Dieb

trug keinerlei Waffen und die Polizeisprecher reden von legitimierter

Selbstverteidigung.

08.02., Die Bundespolizei stürmt die Wohnung(en) dreier Personen in Verbindung

zu Drohbriefen, die Wärtern geschickt wurden. Dokumente und Computer werden

beschlagnahmt.

14.02., Wärter von Merksplas, Turnhout, Hoogstraten und Wortel gehen in Streik

als Protest gegen die Beschwerden von (ex-) Gefangenen und gegen

Verleumdungskampagnen.

15.02., Brüssel Die Wärter von Vorst und Sint-Gillis schalten um auf Minimal

Dienst. Sie beschweren sich über den Stress und einen Vorfall einige Tage zuvor

indem ein Wärter zusammengeschlagen wurde.

20.02., Justizministerin Onkelinx macht eine öffentliche Erklärung über neue

Maßnahmen. Um der Gewalt der Gefangenen gegen die Wärter entgegenzutreten,

stellt sie Stress-Teams ein, die mit Hilfe des Roten Kreuzes Wärter in

Konflikt-Management ausbilden. Sie ordnete eine Studie an um zwei Isolations

Blöcke zu schaffen wo ?schwierige? und ?gewalttätige? Gefangene begraben werden

könnten. Dieser Plan würde in kurzer Zeit realisiert und bezeichnet die

Umsetzung eines Gefängnisses innerhalb des Gefängnisses.

22.02., Vottem Ungefähr 150 Menschen demonstrieren am Abschiebezentrum gegen

die Abschiebung eines Mitglieds der Organisation der Papierlosen. Auf der Route

werden Graffities gegen Lager und Abschiebungen gemalt.

22.02., Vottem Ein Krawall entzündet sich im Abschiebezentrum. Schwerer Schaden

wird verursacht. Einige Meuterer werden in das Zentrum von Merksplas überstellt.

22.02., Brüssel Der Glas-Eingang von FEDASIL(Agentur, die die offenen Lager für

Asylsuchende verwaltet) wird zertrümmert.

25.02., Merksplas 40 Menschen demonstrieren am Abschiebezentrum, wo einige der

Meuterer von Vottem in Isolation sitzen. Es ist eine gigantische Polizeipräsenz

vor Ort(Aufstandseinheiten, Wasserwerfer, etc.). Die DemonstrantInnen müssen

durch die Felder laufen um das Abschiebezentrum und das Gefängnis nebenan zu

erreichen. Die Gefangenen hämmern gegen die Fenster und Gitterstäbe.

Anfang März In Merksplas und Turnhout werden Slogans gegen Abschiebelager und

Gefängnisse an Wände gesprüht.

Vorst Gefangene besetzen den Hof und bewaffnen sich mit Eisenstangen als

Antwort auf einen Streik. Aufstandspolizei erscheint zur Intervention um sie

zurück in ihre Zellen zu treiben.

Mons Um das Gefängnis von Mons werden Poster plakatiert gegen Folter im

Gefängnis, gegen alle Gefängnisse und in Solidarität mit allen Meuterern im

Gefängnis.

02.03., Lantin Dutzende Gefangene klettern auf das Dach des Gefängnisses. Ein

paar Stunden später steigen sie herunter, nachdem mit dem gewalttätigen

Einschreiten der Polizei gedroht wird.

05.03., Lantin Gefangene besetzen den Hof. Es kommt zu einigen Konfrontationen

mit Wärtern und Polizei.

07.03., Louvain-la-Neuve Über der Autobahn Brüssel-Charleroi wird ein

Transparent in Solidarität mit allen Meutereien in Gefängnissen und

Abschiebe-Lagern auf einer Brücke aufgehängt.

12.03., Vottem 11 Menschen flüchten aus dem Abschiebezentrum.

15.03., Offiziell befinden sich mehr als

10 000 Menschen in belgischen Gefängnissen. Die Gefängnisse in Brüssel sind mit

39% überbevölkert, im restlichen Land liegt die Überbevölkerungsrate bei 20%.

15.03., Brüssel Der Justizpalast wird wegen eines Bomebnalarms evakuiert. Drei

Pakete werden gefunden; Eines enthielt einen Zünder. Die Polizei jagt dieses in

die Luft. Zwei Tageszeitungen erhielten eine Nachricht in der erklärt wird, daß

der Bombenangriff gegen den Justizapparat gerichtet wäre, nicht gegen

Individuen und daß zwei falsche-Pakete hinterlassen wurden um die Polizei in

die Irre zu führen.

24.03., Brüssel Die Christlich-Demokratische Partei veröffentlicht, daß der

private Sektor neue Gefängnisse bauen sollte.

27.03., Leuven Das Gebäude der Stadt-Wache wird versiegelt: Fenster werden mit

Schrauben blockiert und in die Tür werden Nägel eingeschlagen. Ein Pamphlet

gegen die Kontrollgesellschaft wird liegengelassen.

27.03., Gent Das niederländische Konsulat wird in Solidarität mit dem

Anarchisten NN(anonymous) der in den Niederlanden eingeknastet ist,

angegriffen. Die Fenster werden eingeschlagen.

Anfang April Antwerpen Zwei niederländische Banken werden in Solidarität mit

dem Anarchisten NN angegriffen. NN wird einige Wochen später abgeschoben.

08.04., Turnhout Ungefähr 80 Gefangene besetzen den Hof und starten eine

Meuterei. Sie beginnen damit die Infrastruktur zu zerstören

(Elektrizitäts-Kabel, Kameras und ein Büro von Wärtern). Als die Polizei

interveniert, verteidigen sie sich mit Eisenstangen und Steinen. Schließlich

kehren die meisten in ihre Zellen zurück. Eine Handvoll jedoch klettert aufs

Dach. Die Polizei ruft die Feuerwehr, die für Stunden mit Wasser auf die

Gefangenen schießt. Ungefähr um Mitternacht kommen die Gefangenen herunter. Ein

Polizist und ein Wärter werden verwundet.

11.04., Turnhout Ein Molotov-Cocktail wird auf das Jugendgericht geworfen. Der

Schaden ist erheblich. Die Computer sind für zwei Wochen außer Funktion.

11.04., Brugge Ein Molotov-Cocktail wird auf das Justiz-Gebäude geworfen. Der

Eingang des Gerichts wird beschädigt.

15.04., Ein Gefangener flieht mit einem Hubschrauber. Er ist nach wie vor auf

der Flucht. Die Flucht provoziert eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen. Die

Justizministerin studiert die Möglichkeit alle Höfe mit Metallkonstruktionen

oder Netzen zu sichern.

16.04., Arlon Ein Gefangener attackiert einen Wärter in Arlon. Die Wärter gehen

spontan in Streik und fordern seine Überstellung. Der Mann wird nach Gent

überstellt, wo er in Isolation gesteckt wird.

19.04., Sechs Menschen flüchten aus dem Abschiebezentrum. Zwei von ihnen werden

etwas später wieder verhaftet.


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