(de) Fauchthunrundmail 5.1.2007
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Sun Jan 7 15:48:28 CET 2007
2. Ungdomshuset erhält Solidarität von den BauarbeiterInnen.DK 3. Oury
Jalloh-Prozeß und militanter Antira in Dessau.D 5. Bürger als
Antifaschisten mit ungewöhnlichen Aktionen: Motorsägen gegen Nazis
2. Ungdomshuset erhält Solidarität von den BauarbeiterInnen
Die Bauarbeiter wehren sich dagegen, in einer "Kriegszone", wie einer
ihrer Vorsitzenden sagt, eingesetzt zu werden; aber schon droht der
Einsatz von Unorganisierten. Auf die Gefahr macht die größte
Gewerkschaft Dänemarks aufmerksam. Ohne Arbeiter kein Abriß!
Ungdomshuset: Gute Oldies und Streikbrecher.
Der Abriß wurde bereiots beantragt, die Bauarbeitergewerkschaft weigert
sich!
Die Erlöserin will das Ungdomshus abreißen, die Arbeiter wehren sich
dagegen!
Heute, am 3. 1.2007, hat die rechtsradikale Sekte Faderhuset (?Haus des
Vaters?) bei der Gemeinde Kopenhagen den Abriß des Ungdomshus, dessen
Eigentümer sie ist, beantragt. Die sozialdemokratische Bürgermeisterin
Kopenhagens, Ritt Bjerregaard, eine erbitterte Widersacherin des
Ungdomshus, hatte sich gestern mit der Sektenführerin Ruth Evensen
getroffen.
Evensen hatte in letzter Zeit den Druck auf die Behörden verstärkt und
war am 20. Dezember sogar unangemeldet in den Räumen der Bürgermeisterin
erschienen, um ihre Absichten kundzutun, nämlich das Haus abreißen zu
lassen. Ursprünglich trug sie sich mit der Absicht, an der Stelle des
linksradikalen Jugendhauses ein ?christliches Jugendhaus? zu errichten.
Vor Weihnachten war der Abriß ? den sie bereits mehrere Male
abngekündigt hatte ? aber noch nicht spruchreif.
Die Kopenhagener Polizei hat ihre heutige Ankündigung voll unterstützt
und hofft, daß nach der Räumung sofort abgerissen werden könne. Das
Grundsstück solle ein paar Jahre leer stehen, bis es seinen symbolischen
Wert verliere, meint die Polizei.
Noch ist ´s nicht so weit. Die Gemeinde hat, wie Politiken berichtet,
vier Wochen Zeit, um zum Abrißantrag Stellung zu nehmen.
Heute, am 4. Januar, in der Früh berichtete die den Sozialdemokraten
nahestehende Tageszeitung Politiken nochmals von der Opposition der
Gewerkschaftler gegen den geplanten Abriß des Ungdomshuset.
Anders Olesen ist der Vorsitzende der Koordinationsgruppe der
Baugewerkschaften (in einem früheren Aufsatz "Gesamt-Bau" genannt) mit
Namen Byggefagenes Samvirke, eines gewerkschaftsübergreifenden
Aktions-Zusammenschlusses der Gewerkschaft Trä-Industri-Byg
(Holz-,Industrie, Bau) und anderer Gewerkschaften. Zu ihrem
Aufgabenbereich gehörte in letzter Zeit unter anderem der Kampf gegen
die unglaubliche Ausbeutung von polnischen Arbeitskräften, die in
Kopenhagen oft nur den Gegenwert von etwas mehr als 1 1/2 Euro pro
Stunde ausgezahlt bekommen. Byggefagenes Samvirke hat zur Verteidigung
dieser Arbeiter eine eigene polnische Bauarbeiterzeitung herausgegeben.
Olesen ist aber auch einer der ehemaligen Besetzer des Ungdomshuset aus
den Achzigerjahren, heute, wie schon berichtet, Leitungsmitglied des
"Fonds Jagtvej 69", der aktivsten unter den zivilgesllschaftlichen
unterstützenden Organisationen des Ungdomshusets. Die Ressourcen des
Fonds kommen hauptsächlich aus gewerkschaftlichen Mitteln. Lange Zeit
hat Olesen in dieser seiner letzten Funktion an - letzlich erfolglosen
- Verhandlungen mit der Gemeinde teilgenommen. Er plädiert für eine
"friedliche Lösung", und meint, die Gewerkschaft könne ihren Mitgliedern
zwar nicht verbieten, an einem solchen Auftrag teilzunehmen, aber es
würde wohl keiner seiner Mitglieder riskieren wollen, in einer
"Kriegszone" zu arbeiten, wie Olesen wörtlich sagte.
Man brauche sie nicht aufzufordern, die Arbeit zu verweigern, denn:
"Unsere Mitglieder sind dazu einfach nicht bereit. Man will sich ja
selber keiner Gefahr aussetzen, und wir unterstützen unsere Mitglieder,
wenn sie die Arbeit verweigern."
Eine Art politischer Streik! Aber die Gefahr des Streikbruchs liegt im
Raum. Darauf macht Frank Thaulow von der Gruppe Bau in der größten
Gewerkschaft Dänemarks, Fagligt Faelles Forbund (Gemeinsamer Verband der
Gewerkschaften, kurz 3F genannt) aufmerksam. 3F ist mit 362.588
Mitgliedern die größte Gewerkschaft Dänemarks und ist zu Beginn 2005 aus
dem Zusammenschluß der dänischen Arbeiterinnengewerkschaft KAD (die
ihrerseits wiederum ein Resultat des lange Jahre lang andauernden
gwewerkschaftlichen Organisationsverbots für Frauen war), der
Facharbeitergewerkschaft SiD, sowie der Gastronomiegwerkschaft RBF
entstanden.
Abrißarbeiten würden ja von zahlreichen Firmen mit nichtorganisierten
Arbeitskräften durchgeführt, betont der 3F-Aktivist.
"Ich glaube, die sind durchaus fähig, da Unorgansierte einzusetzen",
meint er. "Wenn ich es etwas volkstümlich ausdrücken wolte: Die sammeln
von der Straße irgendwelche Leute ein, und die demolieren dann."
So könnte sich der Kulturkampf ums Ungdomshuset ein wenig auch auf die
proletarische Ebene verlagern.
3.Oury Jalloh-Prozeß und militanter Antira in Dessau
Prozeßbeginn nach zwei Jahren gegen einen verantwortlichen Polizisten im
Fall von Oury Jalloh in Sicht. Antirassistischer Widerstand seit zwei
Jahren auf unterschiedlichen Feldern in Sachen Aufklärung der Todesnacht
aktiv.
Laut Pressemeldungen wird gegen den Dienstgruppenleiter des Dessauer
Polizeireviers der Prozeß wegen "Körperverletzung mit Todesfolge"
eröffnet - nach zwei Jahren Prozessverschleppung und spitzfindigen
juristischen Finten! Allerdings steht der Prozesstermin noch nicht fest.
Die militante gruppe (mg) hat in der Nacht zum 20.12.06 mit einem
Brandanschlag auf die Praxis des verantwortlichen Arztes Andreas Blodau
und einem Farbanschlag auf das Wohnhaus des Dienstgruppenleiters Andreas
Schubert den zwei Jahre zurückliegenden Mord an Oury erneut in die
(kritische) Öffentlichkeit gezerrt. In der kontinuierlichen
Zusammenwirkung verschiedener Protest- und Widerstandsformen ist es
gelungen, dass nicht still und heimlich Gras über den Todesfall wachsen
konnte. Hier zeigt sich, wie sich unterschiedliche Wiederstandsformen
gegenseitig ergänzen und verstärken können. Entscheidend dabei ist, dass
nach der Antirassistischen Konferenz zum Todesfall Oury Jalloh und den
beiden Demonstrationen in Dessau und Berlin am kommenden Wochenende
nicht wieder zur Tagesordnung übergegangen wird, sondern die Kontinuität
mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln aufrechterhalten wird.
Folgend ein Zeitungsartikel aus der Magdeburger Volksstimme vom 3.1.07
Gericht lässt Anklage gegen Polizisten zu
Von Winfried Borchert
Starb unter bisher ungeklärten Umständen: Oury Jallow.Zwei Jahre nach
dem Tod eines Asylbewerbers in einer Dessauer Polizeizelle hat das
Dessauer Landgericht gestern die Anklage gegen den damaligen
Dienstgruppenleiter zugelassen. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge
vorgeworfen. Ob sich ein weiterer Polizeibeamter vor Gericht
verantworten muss, ist noch nicht entschieden.
Dessau. Die 6. Strafkammer des Landgerichts Dessau hat die Anklage gegen
den 46-jährigen Dienstgruppenleiter zugelassen. Ausschlaggebend seien
Ergebnisse von Nachermittlungen der Staatsanwaltschaft gewesen.
Gerichtssprecher Frank Straube sagte, dadurch seien " gewisse
Widersprüche " zwischen zwei Brandexpertengutachten ausgeräumt worden.
" Die Kammer geht davon aus, dass eine Verurteilung mit einiger
Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Andernfalls hätte sie das Verfahren
nicht eröffnen dürfen ", sagte Straube.
Dem Polizisten wird eine Mitschuld am qualvollen Tod des Asylbewerbers
Oury Jallow ( 21 ) angelastet. Der aus Sierra Leone stammende Jallow war
am 7. Januar festgenommen worden, weil er betrunken Frauen belästigt und
Widerstand gegen Polizisten geleistet haben soll. Zwei Stunden später
war er in einer Arrestzelle verbrannt, obwohl er an Händen und Beinen an
eine Pritsche gefesselt war und die Zelle gefliest war. Nach
Polizeiangaben sei bei Jallows Durchsuchung ein Feuerzeug übersehen
worden, mit dem dieser den brennbaren Kern seiner Matratze entzündet
haben soll.
Die Ermittlungen ergaben, dass der Dienstgruppenleiter mehrfach den
Überwachungslautsprecher für Jallows Zelle leise gestellt und den
ausgelösten Brandalarm abgeschaltet haben soll. Polizisten gaben zu
Protokoll, sie hätten die Brandgeräusche für " Wasserplätschern "
gehalten. Als sie sich zur Zelle begeben wollten, konnten sie wegen des
starken Qualms nicht mehr bis zu Jallow vordringen. Jallow starb nach
Gutachter-Angaben an einem Hitzeschock. Die Experten ermittelten, dass
die Polizisten sechs Minuten Zeit gehabt hatten ? vom Ausbruch des
Feuers bis zu Jallows Tod ? das Leben des Mannes zu retten.
Im Fall einer Verurteilung müsste der Dienstgruppenleiter für mindestens
drei und höchstens 15 Jahre ins Gefängnis.
Noch nicht entschieden ist, ob sich neben dem Dienstgruppenleiter jener
Polizist verantworten muss, der bei der Durchsuchung das Feuerzeug bei
Jallow übersehen haben soll. Das Gericht hatte eine Hauptverhandlung
gegen den Beamten abgelehnt, die Staatsanwaltschaft Dessau legte dagegen
Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Naumburg muss entscheiden. Würde
der Beschwerde stattgegeben, könnte gegen beide Polizisten gleichzeitig
verhandelt werden, sagte Gerichtssprecher Sraube.
5.Bürger als Antifaschisten mit ungewöhnlichen Aktionen Gräfenberg BRD
Motorsägen gegen Nazis
04.01.2007
Etwa 60 Nazis marschierten am Mittwoch, den 03.01.2007 in Gräfenberg
auf. Gräfenberg wird zum Daueraufmarschgebiet der Nazis in Franken,
allerdings lässt der Haufen in seinem Durchhaltevermögen offensichtlich
nach. Mit mehr als 150 Rechten rechnete die Szene, gekommen sind die
erwähnten 60 rechten Hetzer.
Erst vor zwei Wochen zogen Nazis durch Gräfenberg. Damals stellten sich
Antifaschisten dem Aufzug in den Weg, so dass die Nazis unverrichteter
Dinge den Ort verlassen mussten. Seit Jahren nerven die Nazis in
Gräfenberg mit sogenannten "Heldengedenken" am so genannten
"Kriegerdenkmal".
Mit Fackeln liefen die Nazis am Mittwochabend durch den Ort. Dabei ist
das übliche Bild zu beschreiben: Am Bahnhof postiert sich ein großes
Polizeiaufgebot und im Ort sind Nazigegner damit beschäftigt, den Nazis
unterschiedlichen Widerstand entgegen zu setzen.
Die Nazistrategie, den Termin kurzfristig anzuberaumen und kaum
öffentlich weiterzugeben, um so effektiven antifaschistischen Widerstand
zu verhindern, ging nicht auf. Rund 120, vorwiegend bürgerliche Gegner
der Rechten, haben wieder verhindert, dass Naziparolen reibungslos
verbreitet werden konnten. Am Ort der Nazikundgebung begannen nämlich
just in dem Augenblick, in dem die Nazis ihre Losungen verbal verbreiten
wollten drei Anwohner damit, mit Motorsägen ihr Brennholz klein zu
sägen. Ordentlicher Lärm verhinderte also, dass auch nur ein Naziwort
verstanden werden konnte. Die Polizei schritt zunächst nicht ein.
Nachdem die Ordnungshüter nach etwa 10 Minuten dazwischentraten und die
Holzsägearbeiten beendeten, begann in einer verschlossenen Scheune,
einen Steinwurf vom Ort des Aufmarsches entfernt ein Bürger damit, Holz
mit einer Kreissäge, die von einem Traktor angetrieben wurde, zu
zersägen. Die Polizei war sichtbar hilflos, weil die Scheune versperrt
war und ein Erstürmen des Gebäudes erheblichen Aufwand verursacht hätte.
Die Nazis haben dumm aus der Wäsche geschaut, weil sie ihr eigenes Wort
nicht mehr verstanden. Der ganze Naziauftritt in Gräfenberg war diesmal
noch peinlicher als sonst.
Bleibt zu berichten, dass die bürgerlichen Gruppen der Stadt bereits vor
dem Naziaufmarsch eine Leinwand im Hintergrund des Redners der Rechten
postierten. Während der Redeversuche des Nazihetzers wurden auf die
Leinwand Bilder von Naziopfern projiziert. Vor der Leinwand plapperte
der Naziredner kaum verständlich davon, dass man wieder nach Gräfenberg
kommen werde und irgendwann in der Stadt den Einfluss habe, um den
Bürgermeister zur Rechenschaft zu ziehen. Der Bürgermeister von
Gräfenberg gerät mehr und mehr ins Visier der Rechten. Selbst von
Drohungen gegen ihn wird mittlerweile berichtet.
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