(de) Druck auf israelische Anarchisten wegen Kooperation mit palaestinensischen Dorfkomitees - Anarchisten unter Beschuss

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Wed Aug 29 22:47:18 CEST 2007


http://zmag.de/artikel/anarchisten-unter-beschuss  Anarchisten unter 
Beschuss von Neve Gordon ---- Im Laufe der letzten fünf Jahre ist das 
israelische Friedenslager kleiner geworden. Letzten Monat jährte sich 
der 40. Jahrestag der Besetzung, und nicht mehr als 4.000 Menschen 
versammelten sich in Tel Aviv, um gegen Israels lange dauernde 
Militärherrschaft zu protestieren. Von den Demonstranten, die erschienen 
waren, sind nur einige Hundert leidenschaftliche Aktivisten - Menschen, 
die ihr Leben dem Kampf um Frieden und Gerechtigkeit gewidmet haben. 
Unter denjenigen, die am meisten engagiert sind, sind Israels 
Anarchisten. Dennoch stehen sie die letzten zwei Jahre unter Beschuss 
und es wird immer schwieriger für sie ihren Kampf fortzusetzen.

 

Die Gruppe der Anarchisten, gegründet im Jahr 2003, besteht aus jungen

Israelis, meistens in ihren Zwanzigern, die eng mit den palästinensischen

populären Dorfkomitees zusammenarbeiten, um gegen Israels Besatzung

Widerstand zu leisten. Sie haben keine offizielle Führung, kein Büro, und

keine bezahlten Mitarbeiter, und trotzdem ist es ihnen gelungen, mehr zu

erreichen als viele gut dotierte NGOs und soziale Bewegungen. Wahrscheinlich

sind sie am besten bekannt wegen ihrer Bemühungen im kleinen Dorf von

Bi'lin, wo seit mehr als zwei Jahren wöchentliche Demonstrationen gegen die

Mauer, die Israel auf palästinensischem Land baut, abgehalten werden.

 

Die Anarchisten sind auch in zahlreichen anderen Dörfern und Städten aktiv.

Tag für Tag fahren sie in kleinen Gruppen durch die West Bank, unterstützen

gewaltfreie Aktionen, die palästinensischen Bauern helfen, Zutritt zu ihren

Feldern und Ernten zu erlangen, während sie sich gegen die Errichtung der

Mauer und gegen die Beschlagnahme besetzten Landes stellen.

 

Eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten dieser jungen Israelis ist der

subversive Gebrauch ihres eigenen Privilegs, das sie nicht zum eigenen

sozialen, ökonomischen oder politischen Nutzen einsetzen - wie dies die

meisten Menschen tun - sondern vielmehr um gegen Gewalt einzutreten. Mit

anderen Worten, die Anarchisten nutzen das Privileg, das mit ihrer jüdischen

Identität einhergeht, und verwenden es als einen strategischen Vorteil gegen

die brutale Politik des jüdischen Staates.

 

Als jüdische Aktivisten ist ihnen wohl bewusst, dass das israelische Militär

sich ganz anders verhält, wenn israelische Juden bei einem Protest in der

West Bank anwesend sind und dass der Pegel der Gewalt, immer noch hoch, viel

weniger intensiv ist. In der Tat hat das Militär, laut Aussage israelischer

Soldaten, viel striktere Vorschriften betreffend Schießbefehle bei

Demonstrationen, bei denen Nichtpalästinenser teilnehmen. Wenn also ein

Dorfkomitee beschließt, gewaltfreien Widerstand gegen die Besatzungsmacht

durchzuführen, mischen sich die Anarchisten unter die demonstrierende

Dorfbevölkerung und werden so ein menschlicher Schutzschild für alle jene

Palästinenser, die sich entschieden haben, dem Weg Mahatma Gandhis und

Martin Luther Kings zu folgen.

 

Obwohl die Anarchisten oft geschlagen und verhaftet werden, hören sie nicht

auf. Bis heute sind etwa 10 Palästinenser bei Demonstrationen gegen die

Trennungsmauer getötet und Tausende verwundet worden, eine Zahl, die ohne

Zweifel viel größer gewesen wäre, wäre da nicht der furchtlose Einsatz der

Anarchisten.

 

Diese anonymen Helden werden zur Zeit in Israel als „Fünfte

Kolonne“

angesehen. Und als die israelische Polizei festzustellen begann, dass

Schlagen und Verhaftung ihren unbeugsamen Widerstand nicht aufhalten konnte,

wurde eine andere Strategie eingeschlagen. Eine Masse von gerichtlichen

Klagen wurde vom Staatsanwalt verhängt. Die Anarchisten sahen das als neue

Herausforderung an. Sie haben eine gesetzliche Kampagne eingeleitet, deren

Ziel es ist, das grundlegende Bürgerrecht aller Israelis zu verteidigen,

Widerstand gegen die Politik ihrer Regierung, die das Recht missbraucht, zu

leisten. Diesen Kampf führt Gabi Lasky an, eine energische Rechtsanwältin,

die viele ihrer Wochenenden damit verbringt, die Anarchisten aus dem

Gefängnis freizubekommen, und ihre Werktage damit, sie bei Gericht zu

vertreten.

 

Im Gegensatz zum Kampf innerhalb der Besetzten Gebiete verlangt der

gesetzliche Kampf für den Schutz der Freiheit der Bürger finanzielle

Ressourcen, die die Anarchisten nicht haben. Der Staat weiß, dass das die

Achillesferse der Anarchisten ist, und hat versucht, die friedensbildenden

Aktivitäten zu unterminieren, indem er sie zu hohen Strafen verurteilt.

Obwohl Lasky für wenig mehr als ein Minimumgehalt arbeitet, kann der Kampf

der Anarchisten nicht ohne Hilfe von besorgten Menschen auf der ganzen Welt

fortgesetzt werden. Klicken Sie hier, um festzustellen, wie sie helfen

können.

 

AATW home page, www.awalls.org, www.awalls.org/donations

 

Orginalartikel: Anarchists Under Fire

http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=107&ItemID=13438 
<http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=107&ItemID=13438>

Übersetzt von: Ellen Kösten

 

Addenda der Übersetzerin:

SPENDENAUFRUF für „Anarchists against the Wall“ >>

http://zmag.de/artikel/anarchisten-unter-beschuss (unten)



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