(de) "Umsonst is dat niet!" zum Tod von Hans Schmitz (FAU/D)

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Mon Apr 9 09:56:39 CEST 2007


von  Rudolf Mühland   05.04.2007 02:14 --- Hans Schmitz ist im hohen 
Alter am 22.03.2007 verstorben. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen 
Genossen der von Kindesbeinen an Mitglied der anarchosyndikalistischen 
Bewegung war, einen der letzten Zeitzeugen, einen aktiven Genossen, ein 
Vorbild, sonder auch und vor allem einen Freund. --- Er wird am 
10.04.2007 auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf begraben.  Nachrufe werden 
u.a. in den Mai-Ausgaben der Graswurzelrevolution und der Direkte Aktion 
erscheinen. --- Mehr Infos: www.fau-duesseldorf.org 
<file:///D:%5CDocuments%20and%20Settings%5CRob%20Visser.049711220338%5CMijn%20documenten%5Cwww.fau-duesseldorf.org> 
---- Vor einigen Jahren lernte ich Hans Schmitz im Buchladen BiBaBuZe in 
Düsseldorf kennen. Wir (FAU-Düsseldorf) hatten Dieter Nelles eingeladen 
um über die historische FAUD und ihren Kampf gegen den 
Nationalsozialismus zu berichten. In der ersten Reihe saß ein alter 
Mann, der Dieter immer wieder unterbrach. Mal fragte er etwas, mal 
ergänzte er und zur Überraschung von Dieter erzählte er auch einiges das 
vorher noch "unbekannt" war. Seit diesem Tag nahm Hans Schmitz nicht nur 
an den Treffen der FAU-Düsseldorf teil (je nach dem wie es seine 
Gesundheit zulässt), sondern auch an Veranstaltungen und Aktionen.

 

Aber wer war eigentlich Hans Schmitz?

Schon früh war er in der anarchistischen und syndikalistischen Bewegung 
aktiv. Zuerst in der anarchistischen Kinder-/Jugendgruppe "Freie Jugend 
Morgenröte", der SAJD (Syndikalistisch-Anarchistische Jugend 
Deutschlands, Jugendorganisation der FAUD), später in der Freien 
Arbeiter Union Deutschland (FAUD) und in den „Schwarzen 
Scharen“, einer militanten anarchistischen Anti-Nazi Organisation 
Die Gründung einer solchen Gruppe schien den jugendlichen 
AnarchosyndikalistInnen, die ja eigentlich pazifistisch aber zu mindest 
antimilitaristisch orientiert waren, aufgrund des zunehmenden 
Nazi-Terrors notwendig. Man wollte sich einfach den Schlägertrupps der 
Nazis entgegenstellen. Einige Mitglieder der „Schwarzen 
Schar“ gingen später nach Spanien um dort erneut und diesmal mit 
der Waffe in der Hand gegen den Faschismus zu kämpfen. Hans blieb jedoch 
in Deutschland und wurde am Tag seiner Heirat zum Militärdienst 
eingezogen. Aufgrund der Uniformierung der Schwarzen Schar gab es jedoch 
Protest aus den Reihen der FAUD, dennoch wurde die Wuppertaler Gruppe 
bei Kundgebungen und Veranstaltungen der FAUD in der Region oft als 
Saalschutz eingesetzt.

 

Das Tragen eines schwarzen Hemdes konnte schon in dieser Zeit zum 
Verhängnis werden (Stichwort: „black block“). Hans 
berichtete, wie er 1931 so bekleidet wegen gefährlichem Waffenbesitz 
verhaftet wurde, weil er ein Taschenmesser bei sich trug. Wenige Meter 
weiter marschierten Hitler-Jugendliche mit dolchartigen Messern, die der 
Polizei jedoch kein Dorn im Auge waren, da es "Fahrtenmesser" seien, die 
zudem in einer Lederscheide steckten.

 

Als es 1933 zur Machtübergabe an die NSDAP kam, lösten sich die 
anarchosyndikalistischen Gruppen auf, so auch die SAJD 
(Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands, Jugendorganisation 
der FAUD) Wuppertal, der Hans als Kassierer angehörte. Damit hörte der 
Widerstand jedoch nicht auf. Mit einem Schmunzeln im Gesicht erzählte 
er, wie der Fackelmarsch der NSDAP am Tag der Machtübernahme wörtlich 
ins Wasser fiel - von KommunistInnen, AnarchistInnen und 
GewerkschafterInnen in die Wupper gejagt. Der Fackelmarsch wurde tags 
darauf nachgeholt. Hans Schmitz und ein Dutzend weiterer anarchistischer 
und kommunistischer Jugendlicher trieben die den Hitlergruß übenden 
jubelnden Massen mehrmals in den Fackelmarsch, und die fackeltragenden 
SS-Schergen schlugen so provoziert mit ihren Fackeln in die Jubelnden. 
Das Spielchen wiederholte sich einige Male, bis die SS den wahren Grund 
für die Tumulte herausfand und es den Jugendlichen besser erschien, zu 
verschwinden.

 

In den folgenden Monaten und Jahren gab es vielfältige Beispiele 
antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit: Plakate wurden geklebt – 
eine Aktion, die die antifaschistischen Jugendlichen schnell wieder 
unterließen, als sie mit ansehen mussten, wie ihre gefangenen 
GenossInnen diese mit blutverkrusteten Händen unter Aufsicht der SS 
mühsam wieder abkratzen mußten, Koffer wurden benutzt, um 
antifaschistische Parolen auf die Straßen zu stempeln usw.

 

Die wichtigste Funktion, die die Untergrundorganisationen der 
anarchistischen Gruppen jedoch hatten, war der Transport von gesuchten 
politischen Flüchtlingen über die Grenze. Hans Schmitz fungierte hier 
als Fahrradkurier, getarnt als Radsportler.

 

1935 lernte Hans Schmitz bei einer Schlägerei mit der HJ seine spätere 
Ehefrau kennen, die zu den "Düssel-Piraten" gehörte, die Hans und seinen 
FreundInnen zur Hilfe eilten. Jugendliche, die sich der HJ verweigerten, 
organisierten sich oft als EdelweißpiratInnen, trugen karierte Hemden 
und rote Halstücher. Oft benannten sich die lokalen Gruppen nach den 
regionalen Flüssen. Alsbald gab es auch die Wupper-Piraten.

 

Am 1. April 1937 wurde auch Hans Schmitz im Zuge einer Verhaftungswelle 
am Arbeitsplatz von der Gestapo besucht. Er war vorgewarnt, daher konnte 
die Gestapo keinerlei Indizien für antifaschistische Betätigungen 
finden. So wurde er zu „nur“ zwei Jahren Gefängnis 
verurteilt und hatte mehr Glück als viele seiner 
anarchosyndikalistischen GenossInnen, die in den folgenden 
Massenprozessen verurteilt wurden. Nach seiner Entlassung galt er als 
wehrunwürdig, was ihm gerade recht kam. Auch im Widerstand wurde er 
wieder aktiv.

 

Die Wehrunwürdigkeit hielt zu seinem Leidwesen nicht ewig vor. Als er 
1942 heiratete, sorgte der Arbeitgeber seiner Ehefrau dafür, daß er 
seine Wehrwürdigkeit wiedererhielt, damit die Ehefrau weiter in seinem 
kriegsrelevanten Betrieb in Düsseldorf arbeiten konnte, anstatt zu ihrem 
Ehemann nach Wuppertal zu ziehen.

 

Hans Schmitz gehörte nun also zur Wehrmacht. Widerstand in der Wehrmacht 
war sicherlich ein schwieriges Unterfangen, jedoch im bescheidenen Maße

möglich: Neben „Feindsender“ hören und „möglichst weit 
von der Front bleiben“ gehörte Selbstverstümmelung für Hans ebenso 
zum Widerstand und Überleben wie Sabotage am Kriegsgerät. Als Helfer des 
Waffenmeisters hatte er gegen Ende des Krieges Dienst an einer 
Flak-Batterie (vier Flak-Geschütze). Für jedes abgeschossene Flugzeuge 
bekamen die Mannschaften je einen Ring an ihre Flakrohre. Hans 
sabotierte geschickt die Flak, so das es zu seiner Zeit an „seiner 
Batterie“ nicht einen einzigen Abschuss gab.

 

Bei Kriegsende befand Hans Schmitz sich in Holland. Er berichtet, daß 
das Verhältnis zwischen der holländischen Bevölkerung und den einfachen 
Soldaten ein durchaus gutes war. Während die HolländerInnen den Soldaten 
verrieten, welche ehemaligen Kollaborateure Essen horteten, 
beschlagnahmten die ehemaligen Wehrmachtssoldaten dieses und teilten es 
mit ihren InformantInnen.

 

Kaum zurückgekehrt wurde Hans Mitglied der "Föderation Freiheitlicher 
Sozialisten", der Nachfolgeorganisation der FAUD. Dort machte er die 
frustrierende Erfahrung, daß die wenigen Überlebenden GenossInnen oft 
nichts mehr mit der Bewegung zu tun haben wollten. Viele waren 
körperlich und emotional gebrochen worden und starben in den ersten 
Jahren nach dem Krieg. Trotzdem machte er weiter und seit den 1990'ern 
ist er quasi Mitglied der Düsseldorfer Ortsgruppe der FAU. Direkt nach 
dem Krieg organisierte er in den "Hungerwintern" einen wilden Streik, 
der prompt Wirkung zeigte. Es gab nun auf Firmenkosten für jeden 
Arbeiter ne Stulle in der Pause und das "Recht" sich ne Heizung (in der 
Werkshalle) bauen zu dürfen. Natürlich gab’s auch direkt ein 
"Gespräch" beim Boss, der Hans nur eine kurze Zukunft in dem Betrieb 
vorher sagte. Hans blieb bis zur Rente.

 

 

Und für Mich?

Für mich war Hans mehr als nur ein alter Genosse. Sein freundliches und 
offenes Wesen, seine Art Fragen zu stellen und sein verschmitztes 
Lächeln haben mich von Anfang an in den Bann geschlagen. In den letzten 
Jahren waren wir gemeinsam in verschiedenen Städten unterwegs um den 
Film "Umsonst is dat nie" zu zeigen und hinterher mit den meist jungen 
AnarchistInnen, SyndikalistInnen und AntifaschistInnen zu diskutieren. 
Das brachte mich, besonders am Anfang, oft in Situationen, in denen ich 
mich sehr hilflos gefühlt habe. Hans scheute sich nicht auch über die 
unangenehmen Dinge seines Lebens zu sprechen. Knast, Folter und Krieg 
waren kein Zuckerschlecken. Wenn er darüber berichtete zog sich ihm noch 
immer der Hals zu und Tränen stiegen in seine Augen. In diesen Momenten 
hatte ich immer das Bedürfnis ihn zu umarmen, alleine meine Scheu hielt 
mich ab.

Aber: von Mal zu Mal ist es ihm leichter gefallen. Besonders dann, wenn 
er das Gefühl hatte, die Menschen sind interessiert und wollen wirklich 
von ihm hören "wie das damals" war. Und ihm zuzuhören machte trotz allem 
Freude, denn: wenn er aus seiner Jugend berichtete, reihten sich 
Anekdoten aneinander. Im Gegensatz zu so manchem Zeitzeugen betonte Hans 
das Private, das Alltägliche, sparte auch nicht die Kapitel aus seiner 
Geschichte aus, die heutige linke ZuhörerInnen vielleicht als Fehler 
interpretieren würden. Er gab eben keine Geschichtsstunde, nach der ein 
für allemal alles klar ist, sondern er berichtete aus einem gelebten 
Leben, das aus politischem Engagement, Liebe und dem Versteckspiel vor 
dem nationalsozialistischen Regime als der großen Wunde bestand, die es 
zu heilen galt. Daher war ein solches Zeitzeugengespräch immer 
schmerzhaft für den Erzählenden, aber immer auch ein Akt des Optimismus, 
wenn wieder und wieder von schelmischen Streichen erzählt wurde, mit 
denen die Schergen der SA und SS verärgert wurden.

 

Aber Hans wäre nicht er selbst gewesen wenn er nur über die alten Zeiten 
berichtet hätte.

Oft hat er von seiner schmalen Rente für gefangene GenossInnen 
gespendet, oder Plakate und Veranstaltungen mit finanziert. Bei so 
mancher Diskussion in der Ortsgruppe half uns seine Erfahrung weiter. Am 
beeindruckensten in dieser Hinsicht war jedoch seine Beteiligung an 
einem Treffen der FAU mit Garcia Rua (damals Internationaler Sekretär 
der Internationalen ArbeiterInnen Assoziation). Mit nur einer kleinen 
Zwischenbemerkung, einer Bonner Genossin so laut ins Ohr geflüstert das 
alle Anwesenden es gut hören konnten, brachte er damals das ganze 
argumentative Gebäude des IAA-Sekretärs zum einstürzen. Das gab wohl 
nicht nur mir, sondern auch anderen Klarheit und Kraft.

Besonders berührt bin ich von der Mitwirkung von Hans an dem 
Theaterprojekt "Sehnsucht nach..." der Theatergruppe M.A.S.S.A.K.A. 
Nicht nur dass er sehr offen über sich und seine Sehnsüchte sprach, 
nein, auch das er noch immer Sehnsucht nach "der" Anarchie hatte rührte 
mich an.

 

Auch in seinem hohen Alter ging er noch zu Anti-Nazi-Demonstrationen.

Nicht weil es ihm Spaß machte, da konnte er sich sicher Besseres 
vorstellen, sondern weil er das Gefühl hatte, dass es noch immer oder 
schon wieder notwendig ist. So begleiteten GenossInnen der FAU-D und ein 
paar anarchistische FreundInnen Hans vor einiger Zeit zu einer 
Demonstration gegen Nazis in Wuppertal. Diese wollten dort seit 1945 zum 
ersten Mal einen Marsch durch die Innenstadt machen. Hans wollte dies 
verhindern, und scheiterte mit uns und vielen anderen AntifaschistInnen 
am Polizeiaufgebot.

 

Erwähnenswert (neben so vielem Anderen, das aus Platzgründen jetzt 
leider nicht erzählt werden kann) ist auch noch das Zeitzeugengespräch 
im Buchladen BiBaBuZe anlässlich der Buchvorstellung seines alten, 
ebenfalls verstorbenen Freundes Helmut Kirschey (A las barricadas - 
Erinnerungen eines Antifaschisten) der, einige Jahre älter, in vielerlei 
Hinsicht die gleichen Erfahrungen gemacht hatte. Hans Schmitz floh zwar 
nach 1933 nicht aus dem nationalsozialistischen Deutschland und war 
nicht aktiv am spanischen Bürgerkrieg beteiligt, aber beide einte ein 
gemeinsames anarchosyndikalistisches Engagement in Wuppertal bis zum 
Naziregime.

Danach trennten sich ihre Wege just eben bis zu diesem Tage. 
Entsprechend fühlten sich die geneigten BesucherInnen des 
Zeitzeugengesprächs vielleicht ein wenig, als würden sie als Gäste in 
einer anarchistischen Muppets-Show sitzen und permanent Statler und 
Waldorf zuhören: Eine Anekdote jagte die nächste, danach gemeinsames 
Gelächter der beiden alten Herren, um direkt zur nächsten Anekdote zu 
schreiten.

Nach dem Zeitzeugengespräch mit Helmut Kirschey hatte er es eiliger als 
wir, zur nächstgelegenen Antifa-Party zu kommen und dort rief er noch um 
drei Uhr morgens lautstark nach seinem Bier, als ich junger Spund mich 
beeilen musste, um endlich ins Bett zu kommen.

 

 

Die gesamte FAU, insbesondere die FAU-Düsseldorf sagt: don't mourne, but 
organise!

 

Umsonst is dat nie!

 

 

Rudolf Mühland FAU-Düsseldorf

 

 

 

*Einen Titel zu finden war einerseits ganz leicht, denn es fielen uns 
auf Anhieb mehrere ein. Aber welcher sollte es nun sein? Welcher Titel, 
kurz und knackig ist am besten geeignet, Hans und sein Leben zu 
charakterisieren? Wir wussten es nicht und lassen es euch nun entscheiden.

Welcher der drei Titel passt am besten? Oder vielleicht gibt es einen 
der besser passt als diese?

Das Leben ist nun mal zu facettenreich als das es sich so einfach in 
eine „Parole“ quetschen lassen würde ;-)

 

Mehr Info's: Über die FAU-Düsseldorf, faud[at]fau[dot]org

 

Buch: "...Se krieje us nit kaputt.“ Gesichter des Wuppertaler 
Widerstands.

Essen 1995 Video: "Umsonst is dat nie" Arbeiterwiderstand in Wuppertal

Videoaufzeichnung: "Sehnsucht nach..." - Ein Theaterstück des Theaters 
M.A.S.S.A.K.A. [Hans Schmitz berichtet in dem Aufsatz "Widerstand - ein 
persönlicher Bericht" ausführlich über seine Erfahrungen. Der Aufsatz 
ist zu finden in dem Buch: Forschungsgruppe Wuppertaler Widerstand (Hrsg.):

"...Se krieje us nit kaputt." Gesichter des Wuppertaler Widerstands. 
Essen 1995. und erscheint reich bebildert zum 90ten Geburtstag in Kürze 
als Broschüre, u.a. erhältlich bei FAU-MAT: www.fau.org 
<file:///D:%5CDocuments%20and%20Settings%5CRob%20Visser.049711220338%5CMijn%20documenten%5Cwww.fau.org>]

 

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  Kurzer Nachruf aus Wuppertal

Autonome aus Wuppertal 05.04.2007 - 21:59 Der Wuppertaler 
Anarcho-Syndikalist und Widerstandskämpfer Hans Schmitz ist am 22.3.2007 
im Alter von 92 Jahren gestorben.

 

Wir haben seinen 90.Geburtstag noch gemeinsam vor drei Jahren in der 
Begegnungsstätte Alte Synagoge feiern können. In der letzten Zeit ging 
es ihm zunehmend gesundheitlich schlechter.

 

Hans stammte aus einer anarchistischen Familie, lebte bis 1945 u.a am 
Osterbaum/ Platz der Republik in Wuppertal. Sein Vater war 
leidenschaftlicher Streikanführer und Betriebsaktivist bei der Firma 
Jäger, Agitator bei Erwerbslosenaktionen und innerhalb der FAUD.

 

Hans Schmitz schloss sich früh der anarchistischen Jugend SAJD und der 
FAUD in Wuppertal an und organisierte sich in der kleinen, aber 
wirkungsvollen antifaschistischen Schwarzen Schar.

Er war als Kind schon in der anarchistischen Kindergruppe und als 
"Dissidentenkind" ging er in die

(religions) freie Schule. Hans Schmitz arbeitete als Dreher und war in 
der FAUD gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig war er in vielen 
proletarischen Kulturorganisationen engagiert, mit der anarchistischen 
Jugend führte er ein Theaterstück zu Sacco und Vanzetti auf, er war 
aktiv in der Freidenkerbewegung, in der Frei-Körper-Kultur und in der 
Sexualreformbewegung.

 

Hans war nach der Machtübertragung an die Faschisten an den illegalen 
Aktivitäten der FAUD, besonders an der Solidaritätsarbeit mit Spanien 
beteiligt und wurde

1937 von der Gestapo verhaftet und zu 2 Jahren und drei Monaten 
Zuchthaus verurteilt.

Wieder in Freiheit schloss er sich einer Edelweißpiraten-Gruppe in 
Wuppertal an.

 

Nach dem Krieg war er in Düsseldorf an der Organisierung von Streiks 
beteiligt und wurde wegen wilder Streiktätigkeit aus der Gewerkschaft 
ausgeschlossen.

 

Seit Dieter Nelles und Uli Klan ihn Mitte der Achtziger Jahre durch die 
Arbeit an ihrer Diplomarbeit kennen gelernt haben, ist der Kontakt zu 
Hans Schmitz nie abgebrochen.

 

Bei vielen Treffen kam die alten AktivistInnen der Wuppertaler 
Anarchosyndikalisten wieder zusammen.

Mit Hans Schmitz, Hans Saure, Helmut Kirschey, Paula Benner und den 
anderen GenossInnen wurde der Wuppertaler Anarchosyndikalismus und der 
Widerstandskampf gegen die Faschisten ein bischen wieder lebendig.

Hans Schmitz war an vielen Aktionen gegen Nazis beteiligt, und hat viele 
Male im Autonomen Zentrum und anderswo sein Leben geschildert und mit 
jungen AntifaschistInnen diskutiert. Er war zusammen mit Freunden auf 
den Sentieri Partigani in Reggio Emilia auf den Spuren der italienischen 
Partisanen, er war mit dabei, als die Faschisten unsere Gedenkfeier 2000 
am Kemna-Mahnmal überfielen. Zuletzt hat er im September 2002 an der 
Demo gegen den ersten Naziaufmarsch nach dem Krieg in Wuppertal 
teilgenommen.

Hans Schmitz Erinnerungen "Umsonst is dat nie"

(Grafenau 2002) und der Film gleichen Titels können die Erinnerung an 
Hans Schmitz wachhalten.

 

Mit Hans Schmitz verlieren wir Autonome aus Wuppertal einen wichtigen 
Genossen und Zeitzeugen.



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