(de) FAU, direkte aktion: SO36: RÜCKBLICK AUF DEN KAMPF IM EHEMALIGEN KOLLEKTIVBETRIEB

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Fr Okt 11 08:22:23 CEST 2019


Einstige Beschäftigte des Berliner Clubs SO36 sprechen über die vergangene 
Auseinandersetzung, das Konfliktverhalten der Belegschaft und Reaktionen von außerhalb. 
---- Betrieb & Gesellschaft Von: Anne Kante - 6. Oktober 2019 ---- Im Dezember 2016 
entledigte sich die Geschäftsleitung des angeblich linken Berliner Clubs SO36 einer mit 
der FAU Berlin verbundenen Betriebsgruppe. Teilweise waren die abservierten Kolleg*innen 
über 20 Jahre im SO36 aktiv gewesen und hatten von der Arbeit dort gelebt. Doch als sie 
anhand von Kündigungen Kritik im einstigen Kollektivbetrieb übten, waren sie als nächstes 
an der Reihe. Mit etwas Abstand reden drei ehemalige Mitglieder der Betriebsgruppe hier 
über ihre Erfahrungen. (Namen geändert.)

WIE HABT IHR VOR DEM KONFLIKT DAS ARBEITSUMFELD UND DIE ATMOSPHÄRE IM SO36 ERLEBT?
Berit: Ich habe da immer gerne gearbeitet.

Alex: Mir hat der Job Spaß gemacht, die meisten Kolleg*innen fand ich super. Reibereien 
gab es immer mal, aber meistens haben wir Lösungen gefunden, die für alle okay waren.

WIE WAR DIE ARBEIT IM SO36 ORGANISIERT?
Alex: Das hat geschwankt über all die Jahre. Ursprünglich war das SO ein Kollektiv. Auf 
der Vollversammlung wurden die Jobs delegiert, die dann auch gemacht wurden.
Ab 2009 stand dann im Raum, dass Leute, die mehr Verantwortung übernommen haben, mehr 
Befugnisse und Möglichkeiten haben wollten, weil sie das Gefühl hatten, die Belegschaft 
mache nur ihren Job, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nichts darüber hinaus. Die neu 
geschaffene Struktur wurde dann Koordinierungsausschuss genannt und darin saßen nun Leute 
mit Festanstellung. Kontrolliert werden sollte das einerseits von der einmal jährlich 
tagenden VV (Vollversammlung) und von einem sogenannten Delegiertenrat, also Delegierten 
aus den unterschiedlichsten Arbeitsgewerken. Leider wird in diesen Rat seit Jahren kaum 
noch jemand delegiert. Die meisten in diesem Gremium begreifen sich selbst als 
"Unter-Chef*innen". Diese Gremien sollten den Willen aus der Belegschaft bündeln und die 
Vereinsvorsitzende sollte Entscheidungen fällen, und mit dem Koordinationsausschuss eine 
professionelle Begleitung haben, die das full-time machen. Auch wenn es viele nicht 
wahrhaben wollten, wurde mit der Errichtung des Koordinierungsausschuss letztlich eine 
Geschäftsleitung geschaffen.

WAR DAS DAS ENDE DES SO36 ALS KOLLEKTIV?
Alex: Ja, seit 2009 - mit der Einsetzung dieser Geschäftsleitung und den erweiterten 
Befugnissen für diese - war das das Ende als Kollektiv. Das wurde nach innen auch immer so 
kommuniziert. Nach außen hat das SO bis vor ca. zwei Jahren noch behauptet, der Laden wäre 
ein Kollektiv. Inzwischen sieht sich das SO als "Verein mit flachen Hierarchien".

WIE WAR DIE BELEGSCHAFT ZUSAMMENGESETZT. WAREN DA VIELE LEUTE SCHON SO LANGE IM BETRIEB 
WIE IHR?
Berit: Unterschiedlich. Das waren ja mitunter Jobs, die ich in den prekären Bereich 
einordnen würde.

Alex: Aufgefallen ist mir, dass sehr wenig migrantische Leute im SO gearbeitet haben. 
Positiv fand ich, dass es sehr viele Frauen im Betrieb gab.

WELCHE MOTIVATION HATTET IHR, ZU DIESEM ZEITPUNKT EINE BETRIEBSGRUPPE ZU GRÜNDEN?
Berit: Es gab Unmut und Kolleg*innen haben sich organisiert und versucht, sich zu wehren. 
Ich habe mich da eingemischt, weil für mich der Abschied von den kollektiven Strukturen am 
Tresen, die es bis dahin noch gegeben hatte, nicht tragbar war.

Alex: Bei der Initialzündung war ich noch nicht dabei. Als ich dazu kam, hatte sich im 
Tresengewerk schon Unmut angestaut, weil Leute gekündigt wurden und Vorwürfe gegen 
Kolleg*innen erhoben wurden, die unbegründet waren und von den Betroffenen als Rufmord 
empfunden wurden. Wir haben dann eine Versammlung mit fast allen Leuten vom Tresen 
gemacht. Da wurde die Geschäftsleitung wegen der zunehmenden Eingriffe in die 
ursprüngliche Struktur der Selbstverwaltung und wegen der Kündigungen hart angegriffen. 
Hatten wir früher noch gemeinsam bestimmt, mit wem wir zusammenarbeiten wollen, ist uns 
das gänzlich abgesprochen worden.
Wir haben dann eine Delegation zusammengestellt aus mehreren Kolleg*innen, die mit der 
Geschäftsleitung reden sollte. Drei Monate lang wurde das versucht. Erfolglos. Es gab von 
Seiten der Geschäftsleitung immer wieder Ausreden, warum keine Zeit dafür da sei. Dieses 
Gespräch fand also nie statt. Zu dieser Zeit waren schon einige Kolleg*innen in die 
Gewerkschaft FAU eingetreten, weil klar wurde, dass wohl eine härtere Konfrontation 
ansteht. Dafür brauchte es gewerkschaftlichen Schutz, Erfahrung und Organisierung. Und ich 
habe mich gefreut, dass versucht wurde, sich gemeinsam zur wehren.

WAS WAR EUER ANLIEGEN, WIE SEID IHR VORGEGANGEN?
Berit: Wir haben Gespräche eingefordert, diese nicht bekommen und haben dann einen Brief 
geschrieben und das Ende vom Lied war dann unsere Kündigung.

Alex: Es gab noch eine große VV, wo fast alle Kolleg*innen anwesend waren. Wir hatten uns 
im Vorfeld mit dem Brief als Betriebsgruppe vorgestellt und hatten für die Tagesordnung 
einige Vorschläge und auch Kritik an der Geschäftsleitung, wegen der Kündigungen. Unsere 
Forderung war, ganz klar, die Rücknahme der Kündigungen. Wir wollten auch, dass die 
Geschäftsleitung transparenter wird, was das Geschäft SO 36 betrifft, denn das steht der 
Belegschaft eines Vereins zu. Auf dieser VV outete sich unsere Betriebsgruppe gegenüber 
Belegschaft und Geschäftsleitung, denn vorher waren nur zwei Kolleg*innen als Mitglieder 
der Betriebsgruppe bekannt.

Claude: Bei mir war die Motivation ganz klar, dass es zu Kündigungen gekommen war. Wobei 
nie ganz klar wurde, warum die eigentlich ausgesprochen wurden und wer die aussprechen 
darf. Wer hat eigentlich das Recht dazu? Dann kam es wieder zu einer Kündigung, da habe 
ich angefangen, nachzuhaken, was da los ist, denn das betraf eine Person aus meinem Gewerk 
und es war wieder nicht klar, warum es dazu kam. Im Vorfeld wurde nicht bekannt, dass es 
da Probleme gab. Das musste mal geklärt werden und dafür war die anstehende VV genau der 
richtige Zeitpunkt.

WIE HAT DIE GESCHÄFTSLEITUNG DARAUF REAGIERT, ALS SIE ERFAHREN HAT, DASS SICH EINE 
BETRIEBSGRUPPE IM SO GEGRÜNDET HATTE, ALSO EINE ARBEITNEHMERVERTRETUNG ENTSTAND?
Claude: Es wurde sofort als etwas Bedrohliches wahrgenommen, etwas, was dem SO Schaden 
zufügen und die Arbeitsplätze gefährden könnte. Auf der VV wurde das ja schon deutlich, in 
der Art wie über und mit uns als Angehörige der Betriebsgruppe geredet wurde! Das empfand 
ich als unterirdisch. Die Geschäftsleitung hat einen emotionalen Druck aufgebaut nach dem 
Motto: Wir reißen uns hier den Arsch für euch auf und dann fallt ihr uns so in den Rücken. 
Wobei daraus nicht hervorging. wer mit "Wir" und "Ihr" eigentlich gemeint war. Bei den 
Mitarbeiter*innen verfing sich das nach und nach, sie haben angefangen, dies auch so zu 
empfinden, sozusagen als Bedrohung ihres Arbeitsplatzes. Dabei ist die Betriebsgruppe ja 
das Gegenteil. Dass damit aber das SO gefährdet wird, diese Sicht hat sich nach und nach 
durchgesetzt. Die VV hat dann beschlossen, uns in den Zwangsurlaub zu schicken.

Berit: Ja, so erinnere ich es auch.

Alex: Wir waren am Anfang überrascht, dass die Betriebsgruppe als Bedrohung empfunden 
wurde. Denn wir wollten einfach nur ein paar Sachen klären, über Anliegen reden, weil das 
in den bestehenden Strukturen nicht möglich war. Die Geschäftsleitung wollte auf keinen 
Fall, dass sich irgendetwas anderes entwickelt, weil sich für sie diese Strukturen bewährt 
hatten.
Es gab auch einzelne Leute, die sagten, wir seinen Störenfriede, das Leben sei schon hart 
genug, wie es ist, wir brauchen jetzt nicht noch mehr Probleme. Haben sich Leute halt 
weggeduckt.
Es war schon knapp ein Drittel der Belegschaft, die der Ansicht waren, wir hätten ja 
Recht, aber im SO würden wir doch keine Gewerkschaft brauchen - wir können doch hier über 
alles reden.
Teile der Geschäftsleitung haben es als Undankbarkeit empfunden.
Die Geschäftsleitung war also sehr enttäuscht und es war eine Person der Geschäftsleitung 
sprach sogar von therapeutischer Behandlung, weil sie so getroffen sei. Ich habe das als 
moralischen Druck empfunden.
Letztendlich war aber nicht die Geschäftsleitung das Problem, sondern die fehlende 
Solidarität der Belegschaft.

WÄRE DER KONFLIKT ANDERS VERLAUFEN, WENN SICH DIE BELEGSCHAFT MEHR SOLIDARISIERT HÄTTE?
Alex: Sicherlich, das hätte die, die öffentlich im Feuer standen, gestärkt. Ich bin mir 
ganz sicher, dass die Geschäftsleitung nicht zurückgetreten wäre, wie sie es auf der 
angesprochenen VV angedroht hatte. Die hatten ja Festverträge. Aber sie wären dann eher 
gezwungen gewesen, mit uns zu reden. Vor allem über die Inhalte. Vielleicht hätte sich ein 
Lösung ergeben. Letztendlich war der Knackpunkt, dass die Belegschaft zu weiten Teilen zu 
eingeschüchtert oder zu indifferent war. Sie sagten zwar, ja, ihr habt schon Recht, aber 
eigentlich habe ich persönlich ganz andere Interessen. Vielleicht auch ins Büro 
"aufsteigen" oder nächstes Jahr eh nicht mehr im SO arbeiten. Das Wort Gewerkschaft schien 
irrationale Ängste ausgelöst zu haben. Dabei ist es ein Grundrecht in einer Gewerkschaft 
sein zu dürfen. Dass solche Ängste im SO ausgelöst wurden, hätten wir nicht gedacht.

Berit: Solidarität hätte vielleicht etwas gebracht. Aber das ist absolut offen.

Claude: Mehr Solidarität unter den Kolleg*innen hätte vielleicht mehr gebracht, weil es 
dann um Lösungen gegangen wäre und nicht darum, uns als die Bedrohung darzustellen. War 
vielleicht auch ein Fehler von uns, wir haben das eventuell falsch angefangen. Am Anfang 
traten wir anonym auf.

HAT ES VOR DER GRÜNDUNG EURER BETRIEBSGRUPPE, ALSO IN DEN LETZTEN 20 JAHREN IN DENEN IHR 
BEIDE (ALEX UND BERIT) DORT GEARBEITET HABT, SCHON EINMAL VERSUCHE VON ORGANISIERUNG GEGEBEN?
Alex: Früher, als es noch ein Kollektiv war, haben sich Leute zusammengesetzt und sich 
etwas überlegt, es gab den Delegiertenrat und in die VV. Dort wurde das eingebracht und 
dann wurde das gemacht oder auch nicht. Eine gewerkschaftliche Organisierung hatte es 
zuvor nie gegeben. Eigeninitiative von den unterschiedlichsten Leuten jedoch eine Menge!

Berit: Sonst wäre der Laden ja nicht gelaufen.

NOCH MAL KURZ ZUR CHRONOLOGIE. IHR WURDET DANN NACH DER VOLLVERSAMMLUNG 2016 DIREKT 
BEURLAUBT UND DANN KAM DIE KÜNDIGUNG?
Alex: Ich habe selbst gekündigt, als absehbar war, dass es darauf hinausläuft.

Berit: Aus der zweiwöchigen Beurlaubung, die die VV beschlossen hatte, wurde von der 
Geschäftsleitung eine vierwöchige erklärt. Fanden wir komisch, passte uns aber ganz gut, 
um uns auf den nächsten Abschnitt, eine sogenannte Mediation vorzubereiten. Allerdings ist 
uns von verschiedenen Seiten zugetragen worden, dass es darauf hinausläuft, dass wir 
gekündigt werden. Die Geschäftsleitung hatte das ganz klar im Blick und hat den 
Delegiertenrat mehr oder weniger in die Entscheiderposition gedrängt. Es ging also gar 
nicht darum, ob wir unsere Anliegen vorbringen können, sondern darum ob wir gekündigt 
werden oder nicht.

HAT EUCH DAS ÜBERRASCHT?
Berit: Die ersten Reaktionen deuteten schon an, dass das so enden wird. Es gab eine lange 
Mediation und dann kam schon die Kündigung.

Claude: Ich war schon überrascht. Von der Mediation hatte ich mir versprochen, dass es 
vielleicht noch mal einen Punkt gibt, wo sich das Blatt auf eine sachliche Ebene dreht und 
geschaut wird, wie man weitermachen kann. Die Mediation lief aber genauso beschissen wie 
schon die VV vorher. Es wurde wieder auf die emotionale Schiene runtergebrochen. Argumente 
wurden gar nicht gehört. Ich würde sagen, die Mediation hat nichts gebracht und mit der 
Ansicht stehe ich auch nicht alleine da. An dem Punkt aber war für mich klar, da bin ich 
raus, es gibt keine Zukunft mehr und habe dann selbst gekündigt. Zur Begründung habe ich 
angebracht, dass mir das alles zu krass ist, wie da mit den Leuten umgegangen wird. Ich 
wollte mit denen von der Geschäftsleitung nichts mehr zu tun haben und nicht mehr fürs SO 
arbeiten.

WIE HAT DIE BELEGSCHAFT AUF EURE KÜNDIGUNGEN REAGIERT, ALS KLAR WURDE, DASS DIESE IM 
ZUSAMMENHANG MIT DER BETRIEBSGRUPPENGRÜNDUNG STANDEN?
Claude: Einige fanden das traurig und schade, es gab aber auch Leute die meinten, dass es 
keine andere Möglichkeit geben würde, sonst ginge der Betrieb nicht weiter und wenn Leute 
aufhören, weil sie uns nicht ertragen können, dann sei das ein Problem. Ich empfinde es 
als Hohn, dass die Angst, die von Seiten der Geschäftsleitung vermittelt wurde, dass das 
SO und die Arbeitsplätze bedroht wären, heute noch manchmal spürbar ist, wenn ich vor Ort 
bin, dass man wie ein Nestbeschmutzer angesehen wird oder so. Dabei haben doch am Ende wir 
unsere Arbeitsplätze verloren. Und da sind Leute dabei, die richtig lange dabei waren und 
den Laden mitgetragen haben.

Berit: Natürlich gab es persönliches Bedauern, aber größtenteils Stillschweigen.

Alex: Also es gab schon Reaktionen. Zum Beispiel weiß ich, dass im Januar 2017 einige 
Leute aus verschiedenen Gewerken gekündigt haben, weil sie es unmöglich fanden, wie mit 
Leuten umgegangen wird, die sich für die Rechte von Arbeiter*innen stark machen. Für sie 
war der "Traum" im SO ausgeträumt. Besser wäre es natürlich gewesen, sie hätten sich 
stärker organisiert. Aber sie hatten keine Hoffnung mehr, dass sich im SO mit dieser 
Geschäftsleitung noch irgendetwas bewegt und die Arbeitsbedingungen besser werden.

IHR HABT EUREN KONFLIKT IN DER HEISSEN PHASE NICHT ÖFFENTLICH GEMACHT. GAB ES TROTZDEM 
REAKTIONEN VON AUSSERHALB, AUS DEM KIEZ ODER DER SZEN
Claude: Klar, wenn ich die Geschichte Freunden erzählt habe, dann sagten die, das sei eine 
Sauerei, das ginge nicht, warum macht ihr das nicht öffentlich. Ich finde es nach wie vor 
fair, dass wir das am Anfang nicht gemacht haben, sehe allerdings auch, dass es von der 
SO-Geschäftsleitung Bullshit war, das Gespräch mit der Gewerkschaft zu verweigern. So 
haben sie selbst dazu beigetragen, dass andere Wege gegangen und es öffentlich gemacht wurde.

Berit: Im persönlichen Umfeld gab es viel Verständnis und gibt es immer noch. Es gab und 
gibt viel Unverständnis über die Praktiken der SO-Geschäftsleitung.

Alex: Ich weiß von Bands, die sich solidarisiert haben, die im SO mit FAU-Fahnen 
aufgetreten sind mit der Parole: "Für Gewerkschaftsfreiheit auch in diesem Betrieb!" Es 
gab von antikapitalistischen Linken, die das SO auch als Veranstaltungsort nutzen, 
Nachfragen, was da los sei, weil es zu jenem Zeitpunkt noch keine öffentlichen Statements 
gab. Die gab es dann ab 2017, vor allem über die FAU.
Die politischen Gruppen waren sehr vorsichtig, wollten keine Position beziehen, haben die 
Vorteile aufgezählt, was das SO für die Gruppen bringt und der Konflikt wurde als 
Szenekonflikt abgetan. Den klassenkämpferischen Aspekt wollten sie darin nicht erkennen. 
Wir wollten ja auch nicht, dass die Gruppen den Laden boykottieren und so den Laden kaputt 
machen, wir wollten den Laden verändern, so gestalten, dass die Leute da gerne wieder 
arbeiten und Lust haben, sich einzubringen, wie sie es für richtig halten.
Es ist halt schon kurios, wenn zum Beispiel Gruppen im SO eine Veranstaltung unter dem 
Titel "Wilde Arbeiter*innen Streiks in Italien 1977" machen, während Teile der Belegschaft 
für Gewerkschaftsfreiheit im SO kämpfte, sich aber mit dem Kampf der Belegschaft nicht 
solidarisiert wird. Das macht mich auch heute noch sprachlos und ist enttäuschend.

WIE SEID IHR DA RAUS GEKOMMEN? WELCHE SCHLÜSSE ZIEHT IHR AUS DEM KONFLIKT?
Claude: Es ist jetzt schon länger her und ich bin froh, dass es länger her ist!
Meine persönliche Erkenntnis ist, dass ich seinerzeit in einer vermeintlich linken 
Struktur gearbeitet habe, es bei meinen nachfolgenden Jobs jedoch besser um die Rechte von 
Arbeitnehmer*innen bestellt ist.

Berit: Auch ich habe länger gebraucht, um das Ganze zu verarbeiten, und bin in der Tat 
froh, dass dies vorbei ist. Froh bin ich auch, dass wir das angestoßen haben, auch wenn 
wir nichts im Betrieb erreicht haben, war das für mich eine korrekte Aktion.

Alex: Ich habe auch andere Arbeit und kann sagen, dass ich in dem kapitalistischen 
Ausbeutungsbetrieb, in dem ich in der Hauptsache meinen Lebensunterhalt verdiene, deutlich 
bessere Rechte habe als im SO36. Wenn mir mal was nicht passt, dann gibt es Wege und 
Formalien, wie ich das klären kann. Für mich ist das SO36 kein linker Betrieb sondern ein 
Betrieb, der Geschäfte mit Linken beziehungsweise mit linken Themen macht. Das ist, was 
ich daraus gelernt habe!
Den einen Kündigungsschutz-Prozess, den es da noch gibt, verfolge ich mit und bin sehr 
gespannt wie der ausgeht. Treffe ich den Kollegen auf der Straße, dann grüße ich ihn und 
spreche ihm Mut zu!

Vielen Dank für das Gespräch!

In einem Fall hatte die Geschäftsleitung des SO36 die Kündigung nach Intervention der FAU 
zurückgezogen, nur um dem Kollegen nach weiteren Schikanen bei nächster Gelegenheit dann 
wieder zu kündigen. Der nächste Termin in der daraus resultierenden Kündigungsschutzklage 
vor dem Berliner Arbeitsgericht, Magdeburger Platz 1, findet am 10. Oktober 2019 um 9:45 
Uhr im Saal 224 statt. Solidarische Prozessteilnahme ist willkommen!

https://direkteaktion.org/so36-rueckblick-kampf-kollektivbetrieb/


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