(de) FAU, direkte aktion: NEUE DIENSTMÄDCHEN -- Migrantische Carearbeiter*innen in Deutschland -- Betrieb & Gesellschaft Von: Monika Kupczyk

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So Mai 19 08:38:12 CEST 2019


Der demografische Wandel und unzureichende staatliche Leistungen gehören zu den 
Hauptursachen des "Pflegenotstands". Daraus resultiert eine steigende Nachfrage nach 
Arbeitskräften im Care-Bereich. Die "Unattraktivität" der Fürsorgearbeit liegt zum einen 
an der geringen Entlohnung, zum anderen am niedrigen Status der Pflegeberufe, die meistens 
als "Frauendomäne" betrachtet und gesellschaftlich abgewertet werden. ---- NEUE 
DIENSTMÄDCHEN ---- Care-Arbeit wird also oft an migrantische Care-Arbeiter*innen 
delegiert. Schätzungsweise gibt es 150.000 bis 500.000 Migrantinnen in Deutschland, die 
Fürsorgearbeit leisten, das heißt putzen, kochen, pflegen und betreuen. Dabei sind die 
meist aus Osteuropa stammenden Frauen oft irregulär beschäftigt, vor allem in der Pflege 
älterer Menschen, wo sie häufig sogar in den Haushalten mit den Arbeitgeber*innen als 
24-Stunden-Arbeitskräfte wohnen. Die grenzüberschreitende Pflegeversorgung in Deutschland 
ist kein neues Phänomen. Die migrantischen Care-Arbeiter*innen werden als neue 
Dienstmädchen bezeichnet.

"DIE 24-STUNDEN-POLIN"
Einen besonders guten Ruf in Deutschland scheinen polnische Pflegekräfte zu haben. Dies 
spiegelt sich in Titeln von Zeitungsartikeln wie "Die 24-Stunden Polin" wieder, oder in 
Alltagsfloskeln wie "Die polnische Perle". Somit werden die Migrant*innen aus Polen mit 
der unterbezahlten und gesellschaftlich nicht anerkannten Pflegetätigkeit konnotiert. Ihre 
dadurch unterprivilegierte Position als "billige Hilfskräfte" macht ihre Lebens- und 
Arbeitslage prekär.

Die im Haushalt ihrer Arbeitgeber*innen lebenden und illegal arbeitenden Migrant*innen 
sind wochen- und monatelang, 24 Stunden am Tag mit den Haushalts- und Pflegetätigkeiten 
beschäftigt. Die permanente Orientierung an den Bedürfnissen der Klient*innen bedeutet, 
wochen- und monatelang, 7 Tage die Woche, ununterbrochene Arbeit, die an einen Raum - das 
Haus oder die Wohnung der Klient*innen - gebunden ist.

PREKÄRE ARBEITSBEDINGUNGEN
Diese räumliche und zeitliche Einschränkung führt zu eingeschränkter sozialer 
Kommunikation und trägt neben fehlender Privatsphäre und Distanz in der Pflegebeziehung 
zur sozialen Isolation bei. Die monotone Alltagsroutine der sich immer wiederholenden 
Tätigkeiten, die zu bestimmten Uhrzeiten erledigt werden müssen, und die permanente 
Orientierung an den Bedürfnissen der Klient*innen ist körperlich, psychisch und emotional 
anstrengend. Der Charakter der Arbeit und die ständige Konzentration auf die Bedürfnisse 
der Klient*innen vertiefen das Gefühl der Einsamkeit.

Der einfühlsame und empathische Umgang mit den Klient*innen macht nicht nur den Kern der 
Arbeit aus, sondern kann zu (Selbst-) Ausbeutung und Abhängigkeit in der ausgeübten 
Tätigkeit führen, in manchen Fällen bis zum Burn-Out-Syndrom. Die Position als billige 
Hilskraft macht die Lebens- und Arbeitslage der Care-Arbeiter*innen aüßerst prekär.

(FEHLENDE) REGELUNGEN DES ARBEITSVERHÄLTNISSES
Dies geschieht vor allem, wenn die Gewährung grundlegender Arbeitsrechte, wie eine 
Regelung der Arbeitszeiten und Tätigkeit, Unfallversicherung, Lohnfortzahlung im 
Krankheitsfall, Kündigungsschutz usw. fehlt. Bei einer pauschalen Bezahlung anhand nur 
mündlicher Absprachen bleiben weitere Vereinbarungen des Arbeitsverhältnisses ebenfalls 
ungeregelt. Um ihren Job fürchtend, versuchen die irregulären Pflegekräfte sehr selten 
bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln oder ihre Rechte einzufordern. Trotzdem haben die 
migrantischen Pflegekräfte Möglichkeiten, um ihrer prekären Lage entgegenzuwirken.

SELBSTORGANISIERUNG
Eine wichtige Rolle dabei spielen informelle Netzwerke von Pfleger*innen, mithilfe derer 
die Selbstorganisation in der irregulären Pflege ermöglicht wird. Durch Kontakte innerhalb 
der Netzwerke wird die Arbeit organisiert und vermittelt. So können sich z.B. die 
Pfleger*innen aus einem Netzwerk alle paar Wochen oder Monate bei der Pflege eines Kunden/ 
einer Kundin abwechseln.

In diesen Netzwerken werden auch Informationen über unseriöse Vermittlungsagenturen 
verbreitet, die prekäre Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen. Da solch ein Netzwerk auf 
Solidarität und Zuverlässigkeit basiert, kann es nach Bedarf schnell aktiviert werden (z. 
B. bei ausstehendem Lohn).

Die Selbstorganisierung ist auch eine grundlegende Eigenschaft von Basisgewerkschaften mit 
gesamtgesellschaftlichem Anspruch, wie der FAU. Sie bietet weitere Möglichkeiten der 
Unterstützung migrantischer Care-Arbeiter*innen.

Der Beitrag stammt aus der Zeitung zum 8. März, die von der fem*fau, einer feministischen 
AG in der FAU, herausgegeben wurde. Die Zeitung ist kostenlos erhältlich bei den lokalen 
FAU-Gewerkschaften und online hier.

https://direkteaktion.org/neue-dienstmaedchen/


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