(de) fda-ifa, Anarchistisches Kollektiv Glitzerkatapult: Statement zu dem "Marsch für das Leben" und zu den Positionen von "What the Fuck"

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Do Sep 20 09:25:00 CEST 2018


Am Samstag, den 22.9. findet in Berlin wieder einmal der so genannte "Marsch für das 
Leben" statt, eine Demonstration gegen Schwangerschaftsabbrüche. ---- Die Argumentation 
von Abtreibungsgegner_innen ist eigentlich simpel. Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass es 
falsch ist, Menschen zu töten. Diese Annahme würden nur wenige Personen bestreiten. Aus 
der Annahme wird nun abgeleitet, dass Abtreibung unmoralisch sei. Schließlich wird bei 
einer Abtreibung ein menschliches Wesen getötet. ---- Diese Position blendet geschickt 
aus, dass Föten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Schwangerschaft kein Bewusstsein 
haben. Es kann angenommen werden, dass bis zur 20. Schwangerschaftswoche kein 
Eigeninteresse und damit kein Recht auf Überleben besteht. Daher sind sogenannte "Frühe" 
Schwangerschaftsabbrüche moralisch zu rechtfertigen. Als Feminist_innen schenken wir in 
unserer Bewertung von Abtreibungen vor allem den Interessen der schwangeren Person 
Beachtung und den Effekten, den eine ungewollte Schwangerschaft auf das Leben von Frauen 
und anderen gebärfähigen Menschen[1]hat. Abtreibungsgegner_innen jedoch tendieren dazu, 
die Situation nur aus Sicht des Fötus zu betrachten. Die Abtreibungsgegner_innen verlieren 
dabei die Perspektive der schwangeren Person fast vollständig aus dem Blick. Nehmen wir 
an, Embryos und Föten hätten tatsächlich Interessen, so muss dies kein endgültiges 
Argument sein. Die möglichen Interessen und Rechte könnten dennoch gegen die der 
schwangeren Person abgewogen werden.

Es gibt eine zweite Möglichkeit aus feministischer Perspektive für die Legitimität von 
Schwangerschaftsabbrüchen zu argumentieren. Nämlich, dass schwangere Personen keine 
Pflicht haben, schwanger zu bleiben. Frauen und andere gebärfähige Personen haben ein 
Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Und das ist stärker zu gewichten, als das Recht 
eines Fötus auf die Austragung der Schwangerschaft. Uns erscheint es unzumutbar, dass eine 
Schwangerschaft gegen den Willen einer schwangeren Person ausgetragen werden soll. Diese 
ist mit vielen körperlichen sowie psychischen Belastungen und Einschränkungen verbunden. 
Zudem sollten Frauen und andere gebärfähige Personen selbst darüber entscheiden können, ob 
und wann sie Kinder haben möchten. Die Forderung, die Schwangerschaft nicht zu beenden, 
ist gewichtiger als die Aufforderung, etwas zu unterlassen. Ein Abtreibungsverbot 
beinhaltet vielmehr die Aufforderung, seinen Körper neun Monate lang einem anderen 
Lebewesen zur Verfügung zu stellen und alle möglichen Einschränkungen hinzunehmen. Und das 
gegen den eigenen Willen. Entscheidend ist die körperliche Abhängigkeit des Embryo oder 
Fötus von der schwangeren Person. Diesen Aspekt versuchen wir als Feminist_innen auch mit 
dem Slogan "Mein Bauch gehört mir" zu veranschaulichen.

Ein Verbot von Abtreibungen beinhaltet also nicht nur die Forderung, den Embryo oder Fötus 
nicht zu töten. Sondern es hat auch das Austragen des Ungeborenen und in den meisten 
Fällen die jahrelange Betreuung des geborenen Kindes zur Folge. Abtreibungsverbot und 
Gebärzwang sind so gesehen nur die zwei Seiten der gleichen Medaille. Mutter/Vater/Eltern 
zu werden, ist eine sehr einschneidende Veränderung im Leben von Menschen und somit auch 
eine wichtige Entscheidung. Ein Kind zu bekommen, bedeutet normalerweise für viele Jahre, 
die Verantwortung für einen Menschen zu übernehmen. Sich auf ein Kind einzustellen, kann 
bedeuten, dass die Person gezwungen ist, alle seine Lebenspläne zu überdenken. 
Beispielsweise den Beruf aufzugeben oder einen Wohnortswechsel vorzunehmen.

Eine ungewollte Schwangerschaft ist für die Betroffene mit noch stärkeren Einschränkungen 
verbunden. Im Schwangerschaftskonflikt sind die realen Interessen der schwangeren Person 
immer höher zu gewichten, als potentielle Interessen des Fötus oder Embryo.

Auch ganz pragmatische Gründe sprechen für ein Recht auf Abtreibung. In Ländern, in denen 
Abtreibung per Gesetz verboten ist, sterben nach Schätzungen der WHO jährlich 47.000 
Frauen und andere gebärfähige Menschen. Häufige Gründe dafür sind unsicher durchgeführte 
Abtreibungen oder der Versuch, die Schwangerschaft selbst zu beenden. Weitere fünf 
Millionen erleiden Folgeschäden. Auch aus diesem Grund halten wir ein Recht auf Abtreibung 
für wichtig.

Eine Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen, sollte schwangeren Personen selbst 
überlassen bleiben. Das sollte demnach auch für selektive Abtreibungen gelten. In diesem 
Punkt unterscheidet sich unsere Position somit entscheidend von der Position des "What the 
Fuck"-Bündnisses. Dieses Bündnis, welches auch Aktionen gegen den "Marsch für das Leben" 
organisiert, spricht sich gegen selektive Abtreibung und Pränataldiagnostik aus. Bei der 
Pränataldiagnostik (PND) werden während der Schwangerschaft, sowohl Embryo als auch die 
schwangere Person untersucht. Diese Untersuchungen dienen der Erkennung einiger 
Krankheiten und Beeinträchtigungen[2]. Durch PND können natürlich nicht alle möglichen 
Krankheiten oder Beeinträchtigungen erkannt werden. Feststellen lassen sich zum Beispiel 
Trisomie 21, bzw. Down Syndrom und Spina Bifida. Wenn bei der Pränataldiagnostik erkannt 
wird, dass der Fötus als behindert gilt und die Schwangerschaft darauf abgebrochen wird, 
nennt man das selektiven Schwangerschaftsabbruch.

In ihrem Aufruf schreibt "What the Fuck" folgendes zum Thema Selektion: "Wir kämpfen 
dafür, dass es keine Rolle spielt, ob ein Kind mit oder ohne Behinderungen auf die Welt 
kommt. Deshalb sind wir gegen Selektion durch pränatale Diagnostik."

Es ist auch unser Ziel, dass es keine Rolle spielt, ob ein Kind mit oder ohne 
Behinderungen auf die Welt kommt. Wir leben aber aktuell in einer ableistischen Welt, also 
einer Welt in der Menschen mit Behinderungen mit Barrieren und Diskriminierung kämpfen 
müssen. Wir wollen dabei allerdings den Kampf gegen Ableismus nicht auf den Rücken von 
Frauen und anderen gebärfähigen Menschen austragen.

Für Eltern kann es nämlich durchaus einen Unterschied machen, ob sie ein von Behinderung 
betroffenes Kind großziehen oder ein nicht als behindert geltendes Kind. Der Bedarf an 
Zuwendung kann je nach Beeinträchtigung einen erheblichen Mehraufwand an Ressourcen wie 
z.B. Zeit und Geld erfordern. Von Armut betroffene Menschen können so in eine 
existenzbedrohende Lage gebracht werden. Gerade Carework (unbezahlte Arbeit bspw. Pflege 
und Haushaltstätigkeiten) bleibt in einer patriarchalen Gesellschaft immer noch häufig an 
Frauen* hängen. Daher halten wir die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch 
aufgrund einer diagnostizierten Behinderung für genauso moralisch gerechtfertigt wie alle 
anderen Entscheidungen für einen Schwangerschaftsabbruch.

Wir sollten also den werdenden Eltern die Entscheidung für oder gegen selektive Abtreibung 
überlassen, weil sonst ein gesellschaftlicher Missstand, dass unsere Gesellschaft 
behindertenfeindlich ist, auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Gleichzeitig sollten 
Strukturen geschaffen werden, die mehr Menschen ermutigen, sich auch auf ein Kind mit 
Behinderung einzulassen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, bessere Betreuungsmöglichkeiten 
zur Verfügung zu stellen, aber auch mehr Inklusion/Teilhabe für Menschen mit Behinderung 
in der Gesellschaft zu fördern. Es muss darum gehen, die sozialen Faktoren zu verändern, 
die Menschen mit Behinderung das Leben schwerer machen. Zusätzlich müssen werdende Eltern, 
die sich für ein Kind mit Behinderung entscheiden, in ihrer Entscheidung unterstützt 
werden. Gleichzeitig sollten wir die Entscheidung derjenigen respektieren, die sich nicht 
wünschen, ein Kind mit Behinderung groß zu ziehen. Sie haben häufig gute Gründe, was die 
eigene Lebensplanung betrifft. In einer Schweizer Studie wurden schwangere Personen dazu 
befragt, warum sie PND in Anspruch nehmen. Die Antworten drückten überwiegend die Sorge um 
die eigene Lebensplanung aus und keine behindertenfeindlichen Einstellungen. Die befragten 
Personen gaben beispielsweise an, sich beruflich weiter verwirklichen zu wollen und dabei 
keine Kapazitäten für die Versorgung eines Kindes mit Behinderung zu haben. Andere sorgten 
sich darum, dass ihre bereits vorhandenen Kinder mit einem Geschwisterchen mit Behinderung 
zu kurz kommen könnten.

"What the Fuck" bezeichnet selektive Schwangerschaftsabbrüche als Diskriminierung von 
Menschen mit Behinderung. Aber an wen richtet sich dieser Vorwurf und wer ist von der 
Diskriminierung betroffen? Wird den schwangeren Personen, die sich für einen Abbruch 
entscheiden, vorgeworfen sich ableistisch zu verhalten? Oder dem Gesundheitssystem, das 
solche Abbrüche möglich macht? Und wer wird diskriminiert? Der abgetriebene Fötus? Oder 
fühlen sich andere Menschen mit Behinderung durch selektive Schwangerschaftsabbrüche 
diskriminiert?

Der Versuch beeinträchtigte Körper durch PND zu verhindern und die Ressourcen, die in die 
Entwicklung von PND-Methoden gesteckt wurden und werden, ist Ausdruck einer ableistischen 
Gesellschaft, in der behindertes Leben als weniger lebenswert angesehen wird. Dennoch ist 
PND weder per se ableistisch, noch sollte der Kampf gegen Ableismus auf Kosten derjenigen 
ausgetragen werden, die befürchten mit der Fürsorge für Kinder mit Behinderung überlastet 
zu sein oder sich aus anderen Gründen gegen ein Kind mit Behinderung entscheiden.

Dass Menschen mit Behinderung sich durch selektive Abtreibungen diskriminiert und sogar 
bedroht fühlen, stellt ein gewichtiges Argument gegen selektive Abtreibungen dar. Aber 
wird das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung, durch selektive Abtreibungen in Frage 
gestellt? Ungleich behandelt wird in erster Linie der Fötus, der aufgrund einer 
Behinderung abgetrieben wird, nicht Kinder und Erwachsene mit Behinderung.

Selektive Abtreibungen lösen bei vielen Menschen mit Behinderung negative Gefühle aus. Und 
das trifft unabhängig davon zu, welche Motive schwangere Personen haben, wenn sie sich 
gegen ein Kind mit Behinderung entscheiden. Diese Tatsache sollten wir anerkennen und sie 
in ihrem Kampf für Inklusion und Abbau von Barrieren und Diskriminierung unterstützen.

Fraglich ist jedoch, ob das Gefühl diskriminiert zu werden gewichtiger ist, als die 
Interessen der werdenden Eltern. Die werdenden Eltern bzw. die schwangere Person sind in 
einem Schwangerschaftskonflikt immer am stärksten von der Entscheidung betroffen. Sie sind 
es, die ihr Leben mit einem Kind, ob mit oder ohne Behinderung, verbringen werden, sofern 
das Baby nicht zur Adaption frei gegeben wird. Wenn sich gegen selektive Abtreibung 
ausgesprochen wird, muss die schwangere Person gegen ihren Willen die Schwangerschaft 
fortsetzen und das Kind gebären.

Die Erfahrung von Diskriminierung findet auf einer abstrakteren gesellschaftlichen Ebene 
statt, durch das Wissen, dass es Menschen gibt, die sich aufgrund einer Behinderung 
dagegen entscheiden ein Kind auszutragen. Die Erfahrung der Diskriminierung bezieht sich 
eher auf Strukturen die selektive Abtreibung befördern, als auf eine einzelne Entscheidung 
zur selektiven Abtreibung. Daher sollten auch nicht individuelle Entscheidungen, wie 
Schwangerschaftsabbrüche, kritisiert und verändert werden sondern die Strukturen, die 
diese bedingen. In Bezug auf Föten wegen selektiver Schwangerschaftsabbrüche von 
Diskriminierung zu sprechen, erscheint uns nicht sinnvoll.

Eine klassische feministische Position zu Schwangerschaftsabbruch, überlässt die 
Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft der schwangeren Person und vertraut 
darauf, dass diese für sich die richtige Entscheidung treffen wird. Wir sind der Ansicht, 
dass das auch für selektive Abbrüche gelten sollte.

Selektive Schwangerschaftsabbrüche für moralisch ungerechtfertigt zu erklären, scheint im 
Gegensatz zu dieser Grundannahme zu stehen. "What the Fuck" versucht dieses Problem zu 
umgehen, indem sie sich gegen Pränataldiagnostik aussprechen. Wer nicht weiß, dass 
sein_ihr Kind eine Behinderung haben wird, kann sich ja auch nicht gegen die 
Schwangerschaft entscheiden. Aber Eltern, die kein Kind mit Behinderung wollen, wollen es 
vielleicht auch nicht, wenn sie erst bei der Geburt von der Behinderung erfahren.

Wir glauben, dass es (auch abseits von der Möglichkeit zu Schwangerschaftsabbrüchen) gute 
Gründe für PND gibt. Werdende Eltern können sich informieren und auf ein Kind mit 
bestimmten Beeinträchtigungen einstellen und beispielsweise ein geeignetes Krankenhaus 
wählen, in dem das Neugeborene direkt medizinisch behandelt werden kann.

Interessant ist auch, dass von "What the Fuck" unterstellt wird, dass sich schwangere 
Personen gerade bei selektiven Schwangerschaftsabbrüchen aufgrund von gesellschaftlichem 
Druck für einen Abbruch entscheiden würden. Gesellschaftlicher Druck wurde jedoch von 
betroffenen Personen in der Studie kaum als Grund genannt. Sofern es dennoch stimmt, dass 
Druck auf schwangere Personen ausgeübt wird, bei einem positiven Befund der PND die 
Schwangerschaft abzubrechen, ist das sicherlich problematisch. Beratungen nach der PND 
sollten also so neutral wie möglich sein und die Entscheidung für oder gegen eine 
selektive Abtreibung der schwangeren Person überlassen.

Dabei sollte der Eindruck vermieden werden, dass Behinderung an sich problematisch wäre. 
Vermeintliche Beeinträchtigungen sollten nicht im Fokus stehen, sondern es sollte ein Bild 
von Behinderung vermittelt werden, das den verschiedenen Wirklichkeiten gerecht wird. Zum 
anderen sollte auch über Hilfesysteme, Hilfsmittel und therapeutische Angebote aufgeklärt 
werden, so durch sie potentiell die Familie und das Kind unterstützt werden kann und durch 
sie potentiell die Autonomie des Kindes erweitert werden kann.

Die Interessen einer schwangeren Person können nur gewahrt werden, wenn sie sich nicht 
gedrängt fühlt, eine bestimmte Entscheidung zu treffen. Daraus lässt sich jedoch nicht 
schlussfolgern, dass selektive Abtreibungen immer problematisch sind. Sondern es lässt 
sich nur schlussfolgern, dass Schwangere gut informiert werden und frei entscheiden können 
sollten.

Zudem müssen wir auch bei allen anderen Schwangerschaftsabbrüchen davon ausgehen, dass die 
Entscheidung der betroffenen Person von gesellschaftlichen und familiären Bedingungen 
geprägt sind, was in der Pro-Choice Bewegung jedoch nur selten thematisiert wird. Das 
Gefühl einiger Menschen mit Behinderung, durch selektive Abtreibungen diskriminiert zu 
werden, liefert wohl ein Argument gegen selektive Abtreibungen. Die Interessen der 
werdenden Eltern haben jedoch mehr Gewicht, da sie stärker von der Entscheidung betroffen 
sind. Ihre Leben werden von der Entscheidung stärker geprägt und verändert. Damit bleibt 
selektive Abtreibung eine moralisch gerechtfertigte Entscheidung der schwangeren Person. 
Gleichzeitig sollten wir die Gefühle und politischen Kämpfe von Menschen mit Behinderung 
nicht einfach übergehen. Es gibt Vieles, was abgesehen von selektiven Abtreibungen zu 
einer ableistischen Gesellschaft beiträgt. Und es gibt viele Ebenen auf denen Menschen mit 
Behinderung diskriminiert werden. Die meisten dieser Faktoren lassen sich beseitigen, ohne 
dass die Interessen einer anderen Person massiv beschnitten werden müssen, wie die 
Interessen der schwangeren Person im Fall eines Verbotes von selektiver Abtreibung. Wir 
sollten sehr viel mehr Energie darauf verwenden im hier und jetzt Barrieren abzuschaffen 
und ableistische Vorurteile zu überwinden.

Es gilt also auch der Leistungsgesellschaft und vermeintlichen Selbstoptimierung etwas 
entgegenzusetzen. Es gibt viele Menschen, die u.a. wegen ihrer Beeinträchtigung oder 
Krankheit durch diese gesellschaftlichen Zwänge ausgegrenzt werden. Sie geraten in der 
kapitalistischen Gesellschaft massiv unter Druck und werden u.a. in Bezug auf Einkommen 
und damit auch der Teilhabe benachteiligt. Denn Kapitalismus funktioniert auf Basis der 
Verwertung von Menschen und deren Leistung für Arbeit. Je mehr soziale, auch radikale, 
Verbesserungen erreicht werden können, desto weniger schwangere Personen werden sich 
vielleicht auch für eine selektive Abtreibung entscheiden. So kann auch dieser Form von 
Diskriminierung, sofern selektive Schwangerschaftsabbrüche als solche gesehen werden, 
etwas entgegengesetzt werden, ohne dabei die Interessen der schwangeren Person zu 
übergehen. Die Überwindung des Kapitalismus gehört für uns untrennbar zu einer inklusiven 
und emanzipatorischen Politik dazu.

Als (queer-)feministische Anarchist_innen denken wir, dass es eine Vielzahl von Gründen 
gibt, gegen den so genannten "Marsch für das Leben" aktiv zu werden. Denn der "Marsch für 
das Leben" ist nicht nur eine Ansammlung von konservativen und fundamentalistischen 
Christ_innen und Abtreibungsgegner_innen, auch Antifeminist_innen, Männerrechtler, offen 
rechte Personen und Menschen aus dem Umfeld von rassistischen Parteien sind bei dieser 
Veranstaltung vertreten. Wir wollen daher aus all diesen Gründen den "Marsch" zusammen mit 
Euch stören, sabotieren und aufhalten. Dafür ist es wichtig, dass wir alle am 22. 
September ab 13 Uhr im Gebiet des Bundeskanzler_innenamtes zusammen kommen und uns kreativ 
und entschlossen den fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen entgegenstellen.

Für ein Recht auf Abtreibung - für feministische Anarchie!

Haben wir uns problematisch ausgedrückt oder fehlen für diesen Text wichtige 
ableismus-kritische Perspektiven? Für entsprechende Hinweise, oder sonstige Reaktionen auf 
diesen Text, könnt ihr uns gerne unter glitzerkatapult at riseup.net kontaktieren und euch 
mit uns austauschen.

[1]Wir benutzen die Bezeichnung "schwangere Person" oder "gebärfähige Person" um zu 
verdeutlichen, dass nicht alle Personen, die schwanger werden können Frauen sind (trans 
Personen, Menschen die genderfluid oder nicht-binär sind) und auch nicht alle Frauen 
schwanger werden können (das gilt sowohl für manche cis-Frauen als auch für trans-Frauen).

[2]Behinderung beinhaltet für uns die soziale Dimension von Beeinträchtigungen. Wir 
benutzen den Begriff "Behinderung", da es in diesem Kontext immer um die sozialen Folgen 
von Beeinträchtigungen geht. Weder ist für uns die Gruppe von Menschen mit Behinderungen 
homogen, noch bedeuten Beeinträchtigungen immer einen (erhöhten) Betreuungs- oder gar 
Pflegebedarf. Variationen als Defizit zu bewerten, ist nicht nur in Hinblick auf 
Beeinträchtigungen das Fundament für Diskriminierung.

https://fda-ifa.org/statement-zu-dem-marsch-fuer-das-leben-und-zu-den-positionen-von-what-the-fuck/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de