(de) fda-ifa: Gegen das Lagersystem! Ein kleiner Demobericht vom 8.9. in Bamberg von http://aufdersuche.blogsport.de

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So Sep 16 08:35:10 CEST 2018


Gemeinsam mit 350 bis zwischenzeitlich 700 anderen Menschen haben wir am vergangenen 
Samstag in Bamberg gegen Rassismus und das dortige Ankerzentrum demonstriert. ---- Der 
Name steht euphemistisch für "Ankunft, Entscheidung und Rückführung". Von diesen derart 
bezeichneten Lagern gibt es mittlerweile sieben in Bayern, und nach dem Willen der 
Bundesregierung sollen insgesamt ca. 40 solcher Großlager in ganz Deutschland eingerichtet 
werden. Vorbild dafür ist unter anderem die AEO ("ANKER-Einrichtung Oberfranken") in 
Bamberg, in deren Lagersystem bereits seit 2015 geflüchtete Menschen interniert, vom Rest 
der Bevölkerung abgeschottet, segregiert und festgehalten werden. Viele, denen der Staat 
das Recht auf Asyl verwehrt, werden von dort aus auch direkt wieder abgeschoben in 
sogenannte Drittstaaten oder das, was der Staat zynisch als "sichere Herkunftsländer" 
bezeichnet.

Die Zustände in den Lagern selbst sind geprägt von Enge, fehlender Privatsphäre, 
rassistischen Einteilungen und nicht selten auch Übergriffen durch Security oder Polizei. 
Außerdem herrscht die ständige Angst vor Abschiebung und es besteht nur eine äußerst 
mangelhafte medizinische Versorgung.
Die Startkundgebung der Demo fand direkt vor der AEO statt. Ein hoher Zaun mit 
Stacheldraht umfasst das Gebiet und trägt zu der Abschreckungs- und Abschottungskulisse 
bei. Hinein- und Hinausgehen ist nur schwer und unter eng gesteckten Regeln möglich.

Zudem fielen uns beim Laufen von der AEO in die Bamberger Innenstadt die vielen 
Nazi-Aufkleber auf, die beinahe überall hingen und nur teilweise entfernt wurden. 
Natürlich waren die Demoteilnehmer*innen fleißig dabei, die menschenverachtende Propaganda 
mit antifaschistischen Stickern zu überkleben. Aber die erschreckende Normalität der 
rassistischen Zustände zeigte sich uns nicht nur in den Aufklebern. Kurz nach Beginn der 
Demo fiel auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Gruppe von ca. 6-8 Faschisten auf, 
welche die Demo durch Rufe zu stören versuchten. Sie wagten es jedoch nicht, den Demozug 
tatsächlich anzugreifen. Auch im weiteren Verlauf gab es immer wieder Auseinandersetzungen 
mit pöbelnden Wutbürger*innen, die in der Demo selbst oder bei den Zwischenkundgebungen 
provozierten.
Der Ausdruck der Demonstration war sehr vielfältig und die gerufenen Parolen richteten 
sich gegen das europäische Grenzregime und hießen alle Geflüchteten willkommen. Viele 
beteiligten sich auch selbst an der Demo.

Enttäuschend fanden wir hingegen die mitunter sehr bürgerlichen Anklänge in einigen Reden, 
die immer wieder das staatsaffine Mantra von "Integration durch Arbeit" wiederholten und 
ein Augenmerk auf die fachlichen Qualifikationen von Geflüchteten gelegt haben wollten - 
oder aber forderten, man müsse "ihnen irgendeine Arbeit geben" und dabei Müll aufsammeln 
vorschlug. Durch solche von oben herab gesprochenen Worte setzt sich die Behandlung 
Geflüchteter als Menschen zweiter Klasse fort und räumt ihnen nur dann eine 
Daseinsberechtigung ein, wenn sie kapitalistisch verwertbar sind.
Gegen derlei Anklänge positionieren wir uns entschieden und solidarisieren uns mit allen 
Menschen, die hierher kommen und hier bleiben möchten. Genauso, wie es der rechten 
Instrumentalisierung einzelner patriarchaler Taten entgegenzuhalten gilt. Dagegen bezog 
auch unser Transparent thematisch Stellung: Unser Feminismus ist antirassistisch!

Neben Bamberg fanden an diesem Samstag auch in anderen Städten in Bayern Demonstrationen 
gegen das Lagersystem statt. Angesichts der sich verschärfenden rassistischen und 
nationalistischen Zustände ist dies sehr wichtig, jedoch bei weitem nicht genug. Es gilt 
dem reaktionären Vormarsch auf allen Ebenen zu begegnen. Das werden wir gewiss nicht durch 
ein "richtiges" Kreuzchen bei den anstehenden Landtagswahlen oder durch 
Stellvertreter*innen in den Parlamenten erreichen. Sondern nur, indem wir auf den Straßen 
und in unserem tatsächlichen Umfeld aktiv werden und der Hetze solidarische 
Gegenperspektiven entgegenstellen.

So haben wir auf dieser Demonstration zumindest in Bezug auf die Landtagswahlen vom 
Lautsprecherwagen - der übrigens immer wieder Parteifahnen kritisierte - einen passenden 
neuen Spruch gelernt: "Es sind Menschen, keine Zahlen - missbraucht sie nicht für eure 
Wahlen!"

In diesem Sinne: Kein Mensch ist illegal! Selbstorganisation statt Parlamentarismus!

https://fda-ifa.org/gegen-das-lagersystem-ein-kleiner-demobericht-vom-8-9-in-bamberg/


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