(de) FAU, direkte aktion: KÖLN: VOM ARBEITSKAMPF IM RINGMILIEU - EIN THRILLER MIT HAPPY END

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So Sep 2 08:57:03 CEST 2018


Schwarzarbeit gilt als Verhängnis der Gewerkschaften, der inoffizielle Arbeitsmarkt als 
unorganisierbar. Wirklich? Nicht, wenn man mit Mut, Solidarität, und kreativen Methoden 
dagegen angeht. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: Syndikat Köln-Aachen - 29. August 2018 
---- Das bewies die Belegschaft eines Irish Pubs auf den verrufenen Kölner Ringen: ---- 
Organisiertes Verbrechen und Arbeitsrechtsverstöße sind hier Normalität - und gehen Hand 
in Hand. Über Monate hinweg erhielten die Beschäftigten ihr Gehalt nur unregelmäßig, wenn 
überhaupt. Feste Schichtpläne und Stunden gab es nicht. Persönliche Angriffe waren keine 
Seltenheit, die Beziehungen mit dem Management gezeichnet von Verachtung, Ignoranz und 
Einschüchterung.
"Das hat das Team aber nur noch stärker gemacht," erzählt Andrea*, eine der Beschäftigten. 
"Wir hatten im Chef alle unseren gemeinsamen Feind." Das Team beschloss, sich zu wehren. 
Bereits im April drohten sie den Streik an, woraufhin das Management zunächst nachgab und 
das ausstehende Gehalt zahlte. "Wir mussten immer wieder nachhaken, und bekamen erst im 
April einen Teil des Gehalts, das uns noch von Januar zustand." Dass keiner von ihnen 
Vorerfahrung mit Arbeitskämpfen oder Gewerkschaften hatte, hielt das Team keineswegs auf.

Eine von den Streikenden umdekorierte Kneipentafel: "Wir stellen Leute ein, aber wir 
bezahlen sie nicht."
Die Gehaltszahlung von April wurde im Mai allerdings wieder versäumt und sollte am 8.06. 
nachgeholt werden, allerdings tauchte der Manager weder Freitag noch am restlichen 
Wochenende überhaupt auf. Daraufhin informierte das Team ihren Vorgesetzten, dass sie ab 
Montag in den Streik treten würden. Sie fühlten sich lange genug hingehalten. Der Manager 
hatte die Auszahlung schon so oft verschoben, dass sie nicht davon ausgingen, am nächsten 
Samstag auch nur einen Pfennig zu Gesicht zu bekommen.

Der Manager reagierte darauf mit Aggression. Er wolle die beiden vermeintlichen 
"Strippenzieher" des Streiks am Samstag in seinem Büro zur Verantwortung ziehen. Der Rest 
dürfe sich "nicht mehr blicken lassen." Von dem ausstehenden Gehalt war plötzlich keine 
Rede mehr. Damit standen die Zeichen endgültig auf Konfrontation - auch der Streikbruch am 
Mittwoch durch zwei der zehn Beschäftigten konnte den Kampfgeist der Belegschaft nicht 
dämpfen. Der Chef des Etablissements hatte eine klassische Spaltungsstrategie gefahren und 
zwei der Beschäftigten im Voraus bezahlt. Aber die angeblichen "Strippenzieher" kamen 
nicht allein. Teile der Belegschaft, andere Mitglieder der FAU sowie Sympathisanten des 
Streiks belagerten den Pub für mehrere Stunden, als irgendwann gegen 16:00 Uhr klar wurde, 
dass der Chef sich überhaupt nicht mehr blicken lassen würde.

Das streikbrechende Personal (eine Kellnerin, der Koch und ein anwesender Handlanger der 
Chefs) reagierte mit Verwirrung, mindestens drei folgenlosen Ankündigungen, die Polizei zu 
rufen, Drohungen, Handgreiflichkeiten, und unhaltbaren Behauptungen, eine der Kolleg*innen 
hätte Geld aus der Kasse gestohlen. Die Streikenden und Unterstützer*innen hatten fast 
jeden Stuhl im Pub besetzt und bestanden darauf, erst zu bestellen, wenn das Personal 
seinen Lohn ausgezahlt bekäme.

Auch von Hausverboten ließen sie sich nicht beeindrucken, da die drei verbliebenen 
streikbrechenden Bedienungen unfähig waren, diese in die Tat umzusetzen. Gäste wurden von 
den Blockierern abgewiesen, auch nachdem sie schon bestellt hatten - mit dem freundlichen 
Hinweis, sich doch bitte einen anderen Platz zu suchen, es sei denn, sie wollten gern 
einen Streikposten von über 30 ungeduldigen Arbeitskämpfern ignorieren. Währenddessen 
verlor der Chef jegliche Kontrolle über seine Verzögerungstaktik und Wortwahl. In mehreren 
folgenden Telefonaten über die nächste halbe Stunde hinweg konnte man seine Tiraden am 
anderen Ende der Leitung getrost aus vier Metern Entfernung mithören. Entrüstete 
Bekräftigungen, er würde sich doch nicht erpressen lassen, waren dicht gefolgt von 
Angeboten, wieder in Verhandlungen zu treten.

Eine Zwei-Stunden-Frist wurde für die Verhandlungen gesetzt und zwei Kolleg*innen auf 
diplomatische Mission geschickt. Das Management stellte zwei Bedingungen: Der Laden solle 
leer sein, und der Verhandlungsort geheim bleiben. Nach kurzer Rücksprache ließen sich die 
Streikenden darauf ein und baten die Unterstützer, den Pub zu verlassen. Das Ergebnis ließ 
lange auf sich warten. Gegen Ende stand fest: Das Aprilgehalt aller Beschäftigten, 
insgesamt ca. 1500 Euro, solle am Sonntag den 17.06. übergeben werden. "Es hat mir 
gezeigt, wie wichtig es ist, kleine Erfolge zu feiern," gibt Andrea zu Protokoll. "Ich war 
frustriert, dass wir nur einen Teil des Gehalts bekommen haben - aber es war ja nur ein 
kleiner Schritt zum größeren Erfolg."

Wegen der Verwicklung des Chefs mit dem organisierten Verbrechen (insbesondere einer 
einflussreichen Rockerbande) war der Arbeitskampf nicht ungefährlich - führte aber auch 
dazu, dass die eher halblegalen Arbeitskampfmethoden der Beschäftigten vor der 
Strafverfolgung einigermaßen geschützt waren. Hier ist die FAU im Heimvorteil - wenn sich 
weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber besonders um gesetzliche Vorgaben scheren, kann ein 
Arbeitskampf schnell, brutal und direkt gewonnen werden. "Wären wir vor Gericht gegangen, 
hätte das alles viel länger gedauert," sagt Andrea. "Aber wir wollten ja unser Geld." Wie 
vereinbart erhielten die Mitarbeiter*innen das restliche Gehalt an drei Folgeterminen. Der 
Druck des Teams führte dazu, dass sich der Chef dieses Mal an sein Wort hielt und 
pünktlich zahlte.

Andrea zieht auch ein persönliches Fazit: "Ich konnte meine persönliche Angst gegenüber 
der Konfrontation von Autoritäten dadurch überwinden, dass mir der Kampf um unser aller 
Recht wichtiger war, als die Angst vorm Chef. Das gab mir ein super Gefühl und zeigte mir, 
dass ich meine eigenen Ängste überwinden kann. Es ist vollkommen egal, welche Position man 
inne hat. Gegen Unrecht muss immer vorgegangen werden." Junge, angeblich austauschbare 
Arbeitnehmer*innen, die nichts zu verlieren haben, sind eine nicht zu unterschätzende 
Kraft. "Ist ja auch egal," sagt Andrea. "In dieser Branche finden wir alle schnell was 
anderes." Es gibt eben Arbeitsplätze, die es nicht wert sind, sie zu erhalten, denn es 
wartet an der nächsten Ecke bestimmt schon der nächste Horrorjob.

Der besagte Irish Pub musste schließen. Er soll nun in eine Dönerbude umgewandelt werden. 
Ob mit oder ohne Arbeitsvertrag - sich zu wehren lohnt sich immer!

*Name geändert

https://direkteaktion.org/koeln-vom-arbeitskampf-im-ringmilieu-ein-thriller-mit-happy-end/


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