(de) af rhein-ruhr Krefeld: Lob des Bilderverbots

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Di Mär 13 06:40:40 CET 2018


Vortrag und Diskussion -- Samstag 10. März -- 16:00 -- H5, Krefeld ---- Das Judentum 
stellt nicht nur eine besondere der vorderasiatischen Stammesreligionen dar, sondern durch 
die Entwicklung JHWHs zum abstrakten Eingott eine grundsätzliche Wende im Konzept des 
Göttlichen. Anstatt einfach das Ebenbild eines weltlichen Monarchen zu konstruieren, wurde 
Gott als wirkendes Prinzip von außerhalb der Welt gedacht. So wirkt Gott zwar im 
Diesseits, ist jedoch nicht an diesseitige Form gebunden. Das Göttliche insofern aus der 
Welt zu schaffen, ist somit Produkt der Religion selbst. Ihre angemessene kulturelle Form 
findet sie in jenem Bilderverbot, das sich auf das Jenseitige bezieht, einschließlich der 
Unbenennbarkeit Gottes. Judentum und Christentum, die einen aus dem Jenseitigen 
abgeleiteten Messianismus vertreten, hoffen damit jedoch auf die Versöhnung des 
Menschlichen mit dem Göttlichen.

Während in der christlichen Tradition das kommende Paradies auf Erden dennoch 
farbenprächtige Ausschmückungen erfuhr, hält sich der marxsche Kommunismus in Abgrenzung 
zum Utopismus zurück und präsentiert sich als Kapitalismuskritik. Bilderverbote im 
übertragenen Sinn haben hier keinen göttlichen Bezug, die kommunistische Gesellschaft als 
positives Ziel soll vollständig diesseitig sein. Im konsequenten Materialismus der 
RätekommunistInnen schließlich zählen nur die materiellen Bewegungen, der Klassenkampf, 
der gesetzmäßig den Kapitalismus überwindet. Entsprechend wird jenen, die mit der 
vorgefassten Utopie im Kopf Kämpfe lenken wollen, Misstrauen entgegengebracht. Das 
Misstrauen wurde nach dem Faschismus auf die Formulierung positiver Utopie selbst verlegt 
- die Utopie selbst sei deformiert durch bürgerliche Ideologie.

Was verbindet diese Formen von Bilderverboten, was ist der in ihnen versteckte Bezug von 
Diesseits und Jenseits? Und letztendlich: sind sie Hemmnis oder Moment des Fortschritts?

http://afrheinruhr.blogsport.de/2018/03/07/krefeld-lob-des-bilderverbots/


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