(de) FAU, direkte aktion: "LASS UNS MACHEN, WAS WIR WOLLEN"

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Di Feb 20 06:21:39 CET 2018


Frauen* sind in Gewerkschaften oft unterrepräsentiert, obwohl sie den größeren Teil der 
lohnabhängigen Klasse ausmachen. Wer kein Mann ist, trägt im Kapitalismus häufig 
zusätzliche Lasten. Feminist*innen in der FAU packen das Thema an. ---- Kultur Von: 
Orga-Team der Feminismus AG - 16. Februar 2018 ---- Egal ob in der Familie, am 
Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum, Frauen* stoßen immer wieder auf Diskriminierung, 
strukturelle Benachteiligung oder sexuelle Gewalt. Gleichstellungspolitik verfolgt mehr 
und mehr das Ziel, Frauen* zu verwertbaren Arbeitnehmer*innen zu machen. Genau wie 
Männern* begegnen Frauen* in jedem der genannten Bereiche ausbeuterischen Bedingungen. 
Jedoch führen patriarchale Strukturen gemeinsam mit den kapitalistischen Verhältnissen 
dazu, dass Frauen* und ihren Tätigkeiten weniger Wert beigemessen wird. Die vorherrschende 
geschlechtsspezifische Bildung und Erziehung verstärken das Bild von Frauen* 
beispielsweise als emotionale Care-Arbeiter*innen und zwar nicht nur in der Gesellschaft, 
sondern auch bei Frauen* selbst. Das Resultat ist, dass sie auf dem Arbeitsmarkt für ihre 
Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer*, sowohl für die gleiche Arbeit als auch für 
Arbeiten, die als "Frauen*tätigkeiten" wahrgenommen und bewertet werden. In der Folge sind 
sie häufiger prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt und öfter von Arbeitslosigkeit und 
(Alters-)Armut bedroht, es findet also eine "Feminisierung der Armut" statt.

UNBEZAHLTE REPRODUKTIONSARBEIT

Niedrigere Löhne, Schikanen oder sexuelle Belästigung sind Teil der ausbeuterischen 
Arbeitsbedingungen und Formen der Diskriminierung von Frauen*, die sie nicht nur am 
Arbeitsplatz erfahren. So übernehmen Frauen* im Privaten die tradierte, ihrem Geschlecht 
zugeschriebene Rolle, was für sie unbezahlte Fürsorge- Haushalts- und Erziehungsarbeit 
bedeutet. Gleichzeitig wurden solche Aufgaben, wie Pflegearbeit, Haushaltshilfe, 
Kinderbetreuung sowie auch Sexarbeit entlang den Geschlechterlinien auf dem 
kapitalistischem Markt käuflich zugänglich gemacht. Diese Arbeiten sind jedoch 
unterbezahlt, befristet, illegalisiert, stigmatisiert und bleiben mehrheitlich ohne 
soziale Absicherung. Obwohl die prekarisierten Frauen* meistens lebenswichtige Arbeiten in 
der Gesellschaft übernehmen, haben sie selbst einen geringeren Spielraum, um ihr eigenes 
Leben zu gestalten. Dieser sozio-ökonomischen Zwänge bewusst, hat sich innerhalb der FAU 
eine Arbeitsgemeinschaft mit dem vorläufigen Namen "Feminismus AG" gegründet, die den 
Kampf der Frauen* um ihre Selbstbestimmung im Alltagsleben, z.B. am Arbeitsplatz, beim 
Jobcenter, in der Gewerkschaft aber auch in der Familie unterstützt.

"LASS ES UNS ÄNDERN!"

Unter diesem Titel fand vom 17. bis 19. November 2017 in Dortmund ein bundesweites Treffen 
der am Thema interessierten Mitglieder der FAU unabhängig vom Geschlecht statt. Um der 
Unterrepräsentation von Frauen* in der Gewerkschaft entgegenzuwirken, versuchten die 
Teilnehmer*innen vor allem die folgenden Fragen zu beantworten: Wozu brauchen Frauen* 
Gewerkschaft? Wozu braucht die Gewerkschaft Frauen*? In diesem Rahmen haben dann Workshops 
zu grundlegenden Themen stattgefunden: unbezahlte Reproduktionsarbeit, Sexismus am 
Arbeitsplatz, Rechte der Sexarbeiter*innen und hierarchische Geschlechterverhältnisse. Als 
Basisgewerkschaft mit gesamtgesellschaftlichem Anspruch nimmt sich die FAU diesen Themen 
nun erneut[1]explizit an. Frauen* brauchen eine Gewerkschaft, die es ihnen ermöglicht sich 
selbst zu organisieren. Deshalb ist das Ziel der Feminismus AG gemeinsam eine Strategie zu 
erarbeiten, die der Unterrepräsentation von Frauen* in der gewerkschaftlichen Praxis 
entgegenwirken und den Benachteiligungen in allen Bereichen der Gesellschaft aktiv 
entgegentreten kann. Das Themenspektrum ist dabei weit gefasst, von anti-sexistischer 
Beratung, Auseinandersetzung mit theoretischen Konzepten über Organisation von 
Sexarbeiter*innen, Erzieher*innen oder Einzelhandelskauffrauen* bis hin zu internationaler 
Vernetzung. Die bundesweite AG soll einen Austausch der Akteur*innen ermöglichen, sowohl 
auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene und die Möglichkeit bieten, konkrete 
Ideen in die FAU-Syndikate zu tragen und umzusetzen.

FEMINISTISCHE ARBEITER*INNEN UNION?

In den kapitalistischen Strukturen der Gesellschaft kann sich die FAU nicht ganz davon 
ausnehmen Ungleichheitslagen zu reproduzieren. Die unsichtbare Strukturarbeit, die oft von 
Frauen* getragen wird, soll mehr Wertschätzung erfahren. Dies braucht jedoch einen 
verschärften selbstkritischen Blick. Um Diskriminierung und Ungleichheitslagen aufzeigen 
und bekämpfen zu können, reicht es nicht, nur die binären Kategorien "Frau und Mann" 
weiterhin zu nutzen, sondern auch queerer Feminismus muss in Theorie und Praxis 
aufgenommen werden. Die Kapitalismuskritik ohne feministischen Anspruch birgt die Gefahr, 
dass mit dem Ausschluss eines großen Teils der Gesellschaft auch keine andere, egalitäre 
Gesellschaftsordnung möglich sein wird. Dem Mythos vom Nebenwiderspruch muss ein Ende 
gesetzt werden. Der Anspruch der Feminismus AG ist es mehr Frauen* in der FAU zu 
organisieren, um damit die bestehenden gesellschaftlichen Ungleichheitslagen, die 
vornehmlich von Frauen* erfahren werden, besser in den Blick nehmen zu können und zusammen 
gleichberechtigt für die besseren Arbeits- und Lebensbedingungen zu streiten. Die 
bisherige Erfahrungen der Mitglieder der Feminismus AG zeigen, dass sich durch die 
Fokussierung der gewerkschaftlichen Arbeit z. B. in Frauen*-dominierten Bereichen auch der 
Frauen*Anteil in der Gewerkschaft erhöht. Da es meistens Frauen* sind, die prekäre Jobs 
ausüben, bietet ihnen die FAU als Basisgewerkschaft eine Möglichkeit sich zu organisieren 
und anhand des Wissens- und Erfahrungsaustausch ihr Leben in allen Bereichen aktiv zu 
gestalten. Durch gegenseitige Unterstützung in Form von Buddy- oder Mentoring-Systemen 
sollen einladende und niedrig schwellige Strukturen vor allem den FAU-Mitgliedern, die 
keiner klassischen Lohnarbeit nachgehen, der Einstieg erleichtert werden.

WIE GEHT ES WEITER?

Der Inhalt und die Bedeutung der auf dem Treffen besprochenen Themen zeigten nicht nur das 
Interesse der Teilnehmer*innen, sondern auch vorhandenes Wissen, das in der 
gewerkschaftlichen Praxis angewendet werden kann. Um die Kontinuität der Zusammenarbeit zu 
erhalten, soll von 16. bis 18. Februar 2018 in Hannover ein Folgetreffen unter dem Motto 
"Lass uns machen, was wir wollen!" stattfinden. Auf dem Treffen werden abermals 
praxisorientierte Themen besprochen, die in Form von bundesweiten Aktionen und Kampagnen 
in der Öffentlichkeit dargestellt und andererseits zum Beispiel als konkrete 
gewerkschaftliche Beratung für Frauen* auf lokaler Ebene eingeführt werden können.

Gemeinsam sind wir stärker!

https://direkteaktion.org/lass-uns-machen-was-wir-wollen/


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