(de) FAU: Wo ist Santiago Maldonado? - Polizeigewalt und Repression gegen Mapuche-Gemeinden und ihre Unterstützer*innen in Argentinien

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So Sep 24 06:51:42 CEST 2017


Wo ist Santiago Maldonado? ---- Seit dem 1. August 2017 ist der aus der Provinz Buenos 
Aires stammende Santiago Maldonado "verschwunden". Aus Solidarität hatte sich der 
28-jährige Anarchist einer Besetzung der Mapuche-Gemeinde "Pu Lof en Resistencia" in der 
südargentinischen Provinz Chubut angeschlossen. ---- Pu Lof "besetzt" seit 2015 Land, bei 
dem es sich um kommunitäre Territorien der Mapuche handelt, das sich jedoch offiziell im 
Besitz des Unternehmens Benetton befindet. Die Gemeinde fordert die Rückgabe des Landes 
und beruft sich dabei auf internationale Abkommen zu den Rechten Indigener, die 
Argentinien unterzeichnet hat. Im Zuge des neoliberalen Ausverkaufs war Benetton zu Beginn 
der 90er Jahre zum größten Grundbesitzer Argentiniens aufgestiegen. Während einer 
Protestaktion zur Freilassung politischer Gefangener, bei der die Gemeinde Bahngleise in 
der Nähe der Stadt Esquel blockierte, griff die Gendarmerie die Protestierenden am 1. 
August brutal an. Zu diesem Zeitpunkt wurde Santiago zum letzten Mal gesehen. Zeug*innen 
beobachteten, wie Polizisten einen jungen Mann fesselten, schlugen und in einen 
Lieferwagen verfrachteten. Seitdem fehlt von Santiago jede Spur.

Nachdem das "Verschwinden" Santiagos bekannt wurde, kam es zu Massenprotesten und 
zahlreichen Demonstrationen in Argentinien. Bereits am 11. August demonstrierten 
Zehntausende in Buenos Aires. Am 9. September versammelten sich erneut mehr als 250.000 
Menschen vorm Präsidentenpalast, um gemeinsam mit Santiagos Familie den Rücktritt der 
Ministerin für Sicherheit, Patricia Bullrich, zu fordern. Dabei erinnerten sie zum einen 
an die Praxis des Verschwindenlassens während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983, in 
der Oppositionelle und vermeintliche politische Gegner*innen systematisch entführt, in 
Geheimgefängnissen interniert, gefoltert und ermordet wurden. Zum anderen machten die 
Protestierenden auf die zunehmende Verschlechterung der Menschenrechtslage im Land 
aufmerksam. Seit dem Amtsantritt des neoliberalen Präsidenten Mauricio Macri, sehen sich 
die sozialen Bewegungen in Argentinien verstärkter Repression und Verfolgung ausgesetzt. 
Die bisherige Bilanz seit Macris Amtsantritt 2015 ist der soziale Kahlschlag: Innerhalb 
eines Jahres waren bereits zwei Millionen Argentinier*innen unter die Armutsgrenze 
gefallen, die Arbeitslosigkeit ist drastisch gestiegen.

Lange leugnete die Regierung Macri das Verschwinden Santiagos und streute Gerüchte, die 
Mapuche selbst seien dafür verantwortlich oder der Aktivist habe sich nach Chile 
abgesetzt. Erst durch den Druck der Straße ließ sich die Regierung darauf ein, überhaupt 
Untersuchungen in die Wege zu leiten. In den großen europäischen Medien dominiert derweil 
die Ansicht, die argentinische Opposition instrumentalisiere den Fall angesichts der im 
Oktober anstehenden Kongresswahlen. Der politische Hintergrund der Auseinandersetzungen 
wird dabei konsequent missachtet. Die systematische Kriminalisierung aufständischer 
Mapuche-Gemeinden ist in Argentinien ebenso an der Tagesordnung wie in Chile. Unter dem 
Vorwurf des Terrorismus werden indigene Gemeinden geräumt, Protestaktionen brutal 
niedergeschlagen und Aktivist*innen inhaftiert. Auch das Verschwindenlassen Santiagos ist 
kein bedauerlicher Einzelfall von Polizeigewalt. Argentinische 
Menschenrechtsorganisationen kritisieren schon lange die exzessive Polizeigewalt, die sich 
gezielt gegen Demonstrant*innen richtet.

Dem Aufruf unserer Genoss*innen der argentinischen F.O.R.A. nachkommend, unterstützt die 
Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union die Forderung nach dem sofortigen Auftauchen 
Santiago Maldonados - und zwar lebend! Zudem schließen wir uns der Forderung nach dem Ende 
der Gewalt und der Repression gegen die Mapuche-Gemeinden und der sofortigen Freilassung 
aller inhaftierter Aktivist*innen an.

¡APARICIÓN CON VIDA DE SANTIAGO MALDONADO!

Mehr Informationen zu Santiago Maldonado gibt es auf dem von seiner Familie und 
Freund*innen eingerichteten Blog (auf Spanisch): http://www.santiagomaldonado.com/

http://www.fau.org/artikel/art_170918-194017


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