(de) fda-ifa: Kundgebung 09.09. in Kassel: Für einen radikalen Feminismus. Keine halben Sachen. von evibes

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So Sep 10 08:55:42 CEST 2017


Das neu gegründete Bündnis drift - feminist alliance for communism ruft zu einer wichtigen 
Kundgebung am 09. September in Kassel auf. Wir teilen hier den Aufruf - auch wenn ihr es 
nicht zur Kundgebung schafft lohnt sich die Lektüre: ---- Für einen radikalen Feminismus. 
---- Keine halben Sachen. ---- Fight nationalism! Fight islamism! ---- Kassel - irgendwo 
in Deutschland, irgendwo in Europa. ---- In Kassel findet derzeit zum 14. Mal die 
documenta statt. Obwohl es in der diesjährigen documenta viel um Rassismus und Sexismus 
geht, bleibt das politische Klima in der Stadt selbst für die BesucherInnen quasi 
unsichtbar: Der reibungslose Ausstellungsbesuch ist wichtiger als Stadtpolitik - daran 
ändern auch Sparziergänge durch Kassel nichts, die erstmals Teil der documenta sind. Zwar 
thematisieren sie "Vertreibung und Migration" oder "Verstrickung von Kunst, Politik und 
Wirtschaft", doch gehen sie auf die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse vor Ort 
nicht ein.

Nur eine bedeutende Ausnahme gibt es: Das Projekt "Gesellschaft der Freund_innen von 
Halit" beschäftigt sich im Rahmen der documenta mit der Ermordung Halit Yozgats durch den 
NSU. Es skandalisiert auch den strukturellen Rassismus der Behörden und dass der 
Verfassungsschutz tief in den NSU-Komplex verstrickt ist. Rassismus in Kassel bleibt 
wenigstens hier nicht unerwähnt!

Das ist wichtig, denn Rassismus ist in Kassel - wie andernorts - Alltag und völkischen 
Nationalismus gibt es hier in vielen Formen: Burschenschaften, die im Dachverband Deutsche 
Burschenschaft organisiert sind und damit offen zu einem geschichtsrevisionistischen, 
deutschnationalen und rassistischen Club gehören. Rechte KSV-Fans, die im Staditon und 
außerhalb immer wieder Leute angreifen, die sie für Linke halten. Christliche 
FundamentalistInnen, die immer wieder zu Events einladen, bei denen sie offen ihre 
antifeministischen, homophoben und reaktionären Positionen gegen Abtreibung verbreiten. 
Der Pegida-Ableger, der seit Ende 2014 unter dem Namen Kagida in seiner Hochzeit bis zu 
200 Nazis, VerschwörungsideologInnen und andere "besorgte BürgerInnen" zu seinen 
rassistischen Kundgebungen mobilisierte. Sie alle sind in Kassel heimisch.

Da wundert es auch nicht, dass die AfD im März 2016 mit elf Prozent in die 
Stadtverordnetenversammlung einzog. Das ist ein Ausdruck der Kassler Verhältnisse und da 
gibt's auch nichts schönzureden: Ein großer Teil der Kassler_innen wählt eine sexistische 
und rassistische Partei.

Eine unversöhnliche Perspektive

Als Feminist_innen sind wir notwendig Gegner_innen des völkischen Nationalismus, der immer 
sexistisch ist, egal ob von christlichen LebenschützerInnen, Neonazis oder der AfD: Weil 
er sich die Nation als einen "Volkskörper" vorstellt, der verletzt und bedroht werden 
kann, ist im völkischen Nationalismus ganz klar, was die Rollen von Frauen* und Männern 
sein müssen:

Frauen* sollen für den Erhalt dieses "Volkes" sorgen, indem sie möglichst viele und 
"deutsche" Kinder bekommen. Die oft erhobene Forderung danach, die "eigene deutsche Frau" 
vor "dem schwarzen Mann" zu beschützen, ist seit dem Kolonialismus tief in den 
rassistischen Alltag eingeschrieben. So was wie Selbstbestimmung von Frauen* über ihren 
Körper, mühsam von den Frauenbewegungen erkämpft, bekämpfen völkische NationalistInnen 
deshalb.

Für Männer hingegen gilt ein männerbündisches Ideal der kämpferischen Kameradschaft, das 
man aus urschenschaften und Hooligan-Cliquen kennt.
Die Härte, die da gepflegt wird, richtet sich im Endeffekt gewalttätig gegen Frauen*, 
Lesben, Schwulen und alle, die von Geschlechternormen abweichen.

Einem Gesellschaftsentwurf, in dem der männliche Körper eine Waffe und der weibliche 
Gebärmaschine sein soll, in dem jede sexuelle Lust, die nicht dem "Erhalt des Volkes" 
gilt, unterdrückt und in dem ein dauernder Kampf gegen die inneren und äußeren FeindInnen 
geführt wird, stellen wir uns entschieden entgegen!

Neben seinen repressiven Geschlechternomen war (völkischer) Nationalismus immer auch 
rassistisch und antisemitisch. Rassismus drückt sich heute allerdings meistens in der 
Chiffre der "Islamkritik" aus. So lassen sich unter dem Label stumpfe Ressentiments von 
"den Fremden" pflegen, die nicht mehr als unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen 
Hintergründen und Interessen erscheinen.

Ein Neidverhältnis

Wir meinen: In diesem Mechanismus ähneln sich völkischer Nationalismus und Islamismus, 
obwohl sie einander so sehr verachten. Beide sind patriarchale 
Vergemeinschaftungsideologien, die eine männerbündische Herrschaft über Frauen* 
versprechen und individuelle Befreiung bekämpfen.

Beide sind kein Rückfall in vergangene Zeiten, sondern Produkte der kapitalistischen 
Verhältnisse, in denen wir leben. Beide bieten das Versprechen auf eine sinnstiftende 
Gemeinschaft, die ökonomische und soziale Krisenerfahrungen der Moderne abfedern soll.

Der europäische Islamismus wird dabei vorrangig im direkten sozialen Umfeld politisch 
wirksam, tritt in Form von Infoständen und Aktionen im Alltag in Erscheinung oder 
orientiert sich in Richtung Naher Osten: Aus Kassel schlossen sich mehrere Personen dem 
Islamischen Staat an und reisten nach Syrien. Und nicht zuletzt geht vom Europäischen 
Islamismus die permanente Gefahr von Terroranschlägen aus.

Der völkische Nationalismus kämpft darum, seine Begriffe in sozialen Netzwerken und 
anderen Medien zu etablieren. Er agiert gewalttätig auf den Straßen und verbreitet 
alltäglich mit Brandanschlägen auf Unterkünfte für Geflüchtete rassistischen Terror. Durch 
kontinuierliche Vernetzung, Lobby- und Kampagnenarbeit sowie durch einen aggressiven 
Wahlkampf drängt der völkische Nationalismus in die staatlichen Institutionen. So schickt 
sich die AfD an, als parlamentarische Vertretung des völkischen Nationalismus in das 
deutsche Parlament einzuziehen.

Mit ihren verschiedenen Ideologien und Strategien sind sowohl der Islamismus als auch der 
völkische Nationalismus eine Bedrohung für alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Sie 
beide sind eine Bedrohung für unsere Idee einer befreiten Gesellschaft. Deswegen wollen 
wir ihnen entschlossen entgegentreten!

Eine Einladung

Weil wir die Aufmerksamkeit der documenta nutzen wollen, um auf die Strukturen der 
hiesigen völkischen Rechten und des örtlichen Islamismus aufmerksam zu machen, und weil 
bald Bundestagswahlen sind, wollen wir als Bündnis drift - feminist alliance für communism 
mit unserer Kundgebung genau diese zum Thema machen!

Wir rufen auf, am 9. September an unserer Kundgebung Für einen radikalen Feminismus! Keine 
halben Sachen! Fight nationalism! Fight islamism! teilzunehmen!

Wir wollen uns gegen völkischen Nationalismus und Islamismus wenden, die wir als zwei 
Spielarten der Antimoderne begreifen. Wir wollen eine Diskussion über feministische und 
queere Gesellschaftskritik voranbringen. Und wir wollen dabei der documenta einen 
Vorschlag zu einem Spaziergang entgegenstellen, der deutlich macht, dass in einer Stadt 
wie Kassel FeindInnen der Emanzipation aller Couleur zu finden sind.

Kommt daher am 9. September nach Kassel!

Kundgebung: 14:00 Uhr Opernplatz / Kassel

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Schlagworte: Nachrichten von FdA und IFA
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