(de) Anarchistisches Kollektiv Glitzerkatapult - Frohen Anti-Diät-Tag!

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Mi Mai 10 09:17:11 CEST 2017


Heute, am 6. Mai ist internationaler Anti-Diät Tag. ---- Ziele des Anti-Diät-Tags sind 
unter anderem: ---- die Würdigung der Vielfalt von Größen- und Gewichtsunterschieden das 
kritische Hinterfragen von Schönheitstdealen ---- Aktionen gegen Fatshaming ---- 
Aufklärungsarbeit bezüglich der Gesundheitsgefahren von Diäten und der Ineffizienz 
kommerzieller Diäten und Diätprodukte ---- Wir wünschen euch allen einen frohen Anti-Diät 
Tag - hier ein schönes Video zur Feier des Tages. Und wir wollen zu diesem Anlass den Text 
von unserem neusten Flyer zum Thema Lookismus mit euch teilen, viel Spass beim lesen! ---- 
Möchtest du manchmal nicht schwimmen gehen aus Angst, dass du oder andere deinen Körper 
negativ beurteilen? Bist du manchmal unglücklich mit deinem Spiegelbild, weil es nicht dem 
Bild aus der Werbung entspricht? Kannst du manchmal nicht aus dem Haus gehen, ohne 
geschminkt oder rasiert zu sein? Hast du manchmal den Gedanken: "Diese Kleidung kann ich 
sowieso nicht tragen"? Hast du manchmal Angst, dass andere dich nicht attraktiv finden?

All diese Fragen haben mit Lookismus zu tun...

Der Begriff Lookismus bezeichnet Diskriminierung aufgrund des Aussehens. Diese kann sich 
auf Körpermerkmale, Kleidung, Stil etc. beziehen. In unserer Gesellschaft existieren 
bestimmte Normen darüber, wie Menschen idealerweise aussehen sollen. Frauen sollen 
beispielsweise schlank, Männer muskulös sein.

Im Alltag werden wir alle aufgrund unseres Aussehens bewertet und bewerten auch andere, 
wobei von Äußerlichkeiten oftmals auch auf sonstige Eigenschaften geschlossen wird. Wir 
schließen z.B. vom Körper auf den Gesundheitszustand oder den Charakter, von bestimmten 
Körpermerkmalen auf das Geschlecht und von der Kleidung auf Einkommen, gesellschaftlichen 
Stand oder politische Einstellung. Schönheitsnormen haben wir so sehr verinnerlicht, dass 
wir sie auch auf uns selbst anwenden, unter anderem um von anderen anerkannt zu werden.

Was als schön und erstrebenswert gilt, kann zum Teil je nach gesellschaftlichem 
Zusammenhang unterschiedlich sein. Deine Lieblingsklamotten sind im Job vielleicht 
unerwünscht. In Subkulturen können ebenfalls andere Ideale gelten.

Folgen von Lookismus

Lookismus kann einerseits dazu führen, dass wir eine Person aufgrund von Äußerlichkeiten 
positiv wahrnehmen, sie attraktiv, sympathisch, liebenswert finden und sie auch 
dementsprechend behandeln. Wenn Personen allerdings nicht den individuellen und/oder 
gesellschaftlichen Normen entsprechen, können Ablehnung, negative Blicke, Kommentare oder 
sogar körperliche Übergriffe die Folge sein. Oft werden Personen selbst verantwortlich 
gemacht für die erlebte Diskriminierung, denn es wird davon ausgegangen, dass die 
Möglichkeit besteht, das Aussehen zu verändern (Victim blaming).

Lookismus kann ein Bestandteil von anderen Diskriminierungsformen sein, wie beispielsweise 
Sexismus, Rassismus, Transfeindlichkeit, Altersdiskriminierung, Behindertenfeindlichkeit etc.

Auch wenn alle Menschen von Lookismus betroffen sein können, sind einige Menschen und 
Personengruppen mit höherer Wahrscheinlichkeit davon betroffen.

- Frauen werden insgesamt stark über ihr Aussehen definiert. Zudem kommt es oft vor, dass 
sie abgewertet werden, wenn ihre Kleidung als vermeintlich zu körperbetont, freizügig oder 
zu sexy wahrgenommmen wird (Slut shaming).

- Auch die Benachteiligung und Abwertung von dicken Menschen ist ein Teil von Lookismus 
(Fat shaming).

- Von Rassismus betroffene Personen werden oft an westlichen, weißen Schönheitsnormen 
gemessen, z.B. helle Haut und glattes, helles Haar oder große, runde Augen etc.

- Trans*personen wird oftmals aufgrund von Äußerlichkeiten ein falsches Geschlecht 
zugewiesen, z.B. anhand von Merkmalen wie Gesichts- und Körperbehaarung, Haarlänge oder Busen.

Bestehende Schönheitsideale, die über Werbung und Medien oder unsere Mitmenschen 
vermittelt werden, können unser Selbstwertgefühl angreifen. Daraus können sich sogar 
Komplexe und weitere psychische Probleme entwickeln, wie z.B. Essstörungen oder sich nicht 
mehr in die Öffentlichkeit zu wagen.

Durch die gesellschaftlichen Normen kann ein Zwang zur Selbstoptimierung entstehen. Um 
einem Schönheitsideal zu entsprechen, kann es zu gesteigerten Konsumverhalten kommen. Wir 
geben z.B. Geld für Klamotten, Kosmetik, Fitness oder Diätprodukte aus. Von unseren 
Unsicherheiten und Bemühungen profitieren also kapitalistische Unternehmen. Um uns das 
leisten zu können, sind wir gezwungen (mehr) Lohnarbeit zu verrichten. All diese 
"Investitionen" benötigen auch Zeit und Energie und können uns von gesellschaftlichen 
Problemen ablenken und dazu beitragen, hierarchische Strukturen (wie Patriarchat, weiße 
Vorherrschaft etc.) aufrechtzuerhalten.

Body Positivity

Body Positivity bedeutet, der Vorstellung zu widersprechen, dass nur bestimmte Körpertypen 
akzeptabel sind und stattdessen anzuerkennen, dass alle Körper gleich wertvoll sind. Alle 
Menschen haben es verdient, frei von den Vorurteilen anderer zu leben. Die 
Body-Positive-Bewegung tritt ein für positive Selbstwahrnehmung und für eine vielfältigere 
Repräsentation von verschiedenen Körpertypen, z.B. in Medien und Werbung. Es sollen dicke 
Körper, queere Körper, behinderte Körper, nicht-weiße Körper, alte Körper und viele mehr 
abgebildet und damit repräsentiert werden.

Body Positivity bedeutet auch, dass die Entscheidung, was gut für dich und deinen Körper 
ist, bei dir persönlich liegt. Vom Aussehen einer Person lässt sich nicht automatisch auf 
den Gesundheitszustand schließen.

Was du für dich tun kannst

* Überdenke deine eigenen Schönheitsstandards. Frage dich, woher sie kommen und welchen 
Einfluss sie auf dein Selbstwertgefühl haben.

* Mach, wodurch du dich schön und gut fühlst! Bleib, wie du bist oder verändere dein 
Aussehen - ganz wie du möchtest. Lass es nur nicht zum Zwang werden und mach es nicht, 
weil du oder andere dich unter Druck setzen.

* Geh doch mal auf die Suche nach Medien, in denen Personen vorkommen, mit denen du dich 
identifizieren kannst und die dich empowern.

* Wenn du von Lookismus betroffen bist, kann es helfen, sich gedanklich auf Situationen 
vorzubereiten und dir Reaktionen zu überlegen. Eine Reaktion kann selbstermächtigend sein, 
aber auch Energie kosten. Du musst nicht alle Kämpfe ausfechten. Da du oftmals nicht nur 
einer Person gegenüberstehst, sondern einer gesellschaftlichen Norm, ist es sinnvoll, 
deine Kämpfe jeweils deinen eigenen Empfindungen und Kräften entsprechend zu wählen. Suche 
dir entweder in der konkreten Situation Unterstützung oder sprich im Anschluss mit einer 
vertrauten Person darüber.

* Lasst uns lookistische Werbung sabotieren!

Was du für andere tun kannst

* Bewerte andere nicht nach ihrem Aussehen! Schließe von Äußerlichkeiten nicht auf 
Gesundheit, Geschlecht, Herkunft, Charakter, Fähigkeiten, Intelligenz oder sonstige 
Eigenschaften.

* Kommentiere das Aussehen von anderen nicht negativ. Bedenke auch bei positiven 
Kommentaren, welche Schönheitsnormen sie widerspiegeln.

* Überlege, bevor du abwertend oder auch positiv über dich selbst sprichst, welche 
Auswirkung deine Aussagen vielleicht auf dein Gegenüber haben und wie sie sein*ihr 
Selbstwertgefühl beeinflussen könnten.

* Bedenke, welche Abbildungen du (z.B. in sozialen Netzwerken) verbreitest.

* Informiere dich weiter zum Thema Lookismus und Body Positivity, um selbst Unterstützung 
anbieten und Informationen weitergeben zu können.

* Weise andere darauf hin, wenn sie lookistische Dinge sagen.

* Versuche, Personen zu unterstützen, die gerade von Lookismus betroffen sind. Sei aber 
sensibel, wann und wie du als nicht betroffene Person einschreitest. Wenn du dir unsicher 
bist, frag nach, ob und welche Hilfe von dir oder anderen gewünscht ist, um die betroffene 
Person nicht zu bevormunden.

https://glitzerkatapult.noblogs.org/post/2017/05/06/frohen-anti-diaet-tag/


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