(de) ag-freiburg: Aufruf zur anarchistischen Beteiligung an den Aktivitäten rund um den 1.Mai in Freiburg.

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Sa Apr 29 09:28:19 CEST 2017


Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen ruft für das folgende Jahr zu einer 
großen Mitmachkampagne unter dem Motto: "Solidarische Perspektiven entwickeln - Jenseits 
von Wahlen und Populismus" auf. Wir schließen uns diesem Aufruf an und stellen unsere 
Aktivitäten rund um den 1.Mai in Freiburg unter das Kampagnenmotto: ---- Termine: ---- 27. 
April | 19:00 Uhr | Büro für grenzenlose Solidarität (Adlerstraße 12) offenes 
anarchistisches Treffen mit Diskussion über Populismus, Wahlen und solidarische 
Perspektiven ---- 29. April | 14:00 Uhr | Platz der Universität ---- Demonstration gegen 
die geplante Einführung von Studiengebühren für EU-Ausländer ---- 30. April | 20:00 Uhr | 
Münsterplatz ---- Vorabend-Demonstration für einen selbstorganisierten 1. Mai ---- 1. Mai 
| 10:30 Uhr | Stühlinger Kirchplatz ---- antikapitalistischer Block auf der 
Gewerkschaftsdemonstration

1. Mai | ab 14:00 Uhr | im Grün (Adlerstraße)
selbstorganisiertes Straßenfest zum 1. Mai
Aufruf der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen:
AfD, Brexit, Erdogan, Trump - wir erleben einen Rechtsruck, der unsere Welt in ungeahnter 
Weise verändert. Vieles, was wir bislang für schlimm hielten, wird noch schlimmer werden. 
Manch eine*r denkt wahrscheinlich darüber nach, bei der nächsten Wahl vielleicht doch das 
Kreuzchen bei nicht-rechten Kandidat*innen zu setzen. Und ganz ehrlich: Was jede*r 
einzelne*r von uns in der konkreten Situation macht, machen wir ohnehin nur mit unserem 
eigenen Gewissen aus.
Aus Sicht organisierter Anarchist*innen lässt sich allerdings feststellen: Wenn wir ein 
politisches Konzept haben wollen, auf dessen Grundlage sich antiautoritäre Kräfte den 
populistischen, rechten und faschistischen Bestrebungen entgegensetzen wollen, dann kann 
dieses nicht auf der Abgabe der eigenen Stimme beruhen. Stattdessen muss sich dieses 
Konzept außerhalb der Parlamente manifestieren. In Worten und Taten.
Tatsächlich sind die Wahlen im "Megawahljahr" 2017 für unsere Überlegungen nicht von 
zentraler Bedeutung. Warum wir das Thema dennoch zum Anlass nehmen, diese Kampagne zu 
starten, hat mit der noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung verankerten Wahrnehmung 
zu tun, wonach Wahlen den zentralen Bestandteil der eigenen Meinungsäußerung und 
Einflussnahme im hiesigen System darstellen. Solange Wahlen über eine derartige 
Legitimation verfügen, solange wird es von anarchistischer Seite auch Kampagnen gegen 
dieses Spektakel geben.
Aber: Was das soll das alles bringen - Wahlboykott, Ungültigwählen, Nicht-Wählen? Wir sind 
ja nicht in Argentinien, wo im Angesicht des staatlich verordneten Wahlzwangs ein 
beträchtlicher Teil der Bevölkerung die Wahl mit leeren Wahlzetteln zur Fundamentalkritik 
am System nutzte, oder in den USA, wo das System bei konstanten Wahlbeteiligungen von um 
die 50 Prozent deutlich stärker delegitimiert ist als im deutschsprachigen Raum.
Wir möchten mit dieser Antiwahl-Kampagne den Fokus weniger auf die Wahlen, denn auf die 
aktuellen Verhältnisse lenken. Neben einer Kritik des Wahlsystems und der 
parlamentarischen Demokratie an sich, wollen wir insbesondere dazu arbeiten, wie wir 
wieder in die Offensive kommen. Der Kapitalismus ist seit einigen Jahren mal wieder in der 
Krise, doch die Linke ist in der Schockstarre und vermag daraus (fast) kein Kapital zu 
schlagen. Eigentlich sollten Ideen, die sich gegen den Ausverkauf des Planeten und der 
Wesen darauf richten, starken Aufwind haben. Der orthodoxe Marxismus hat abgedankt, 
anarchistische Ideen sind spürbar am Kommen. Selbst marxistische Kreise haben das 
verstanden und nähern sich in vielen Punkten libertären Positionen an.
Doch obgleich es einige Fortschritte gegeben hat, ist es uns als Anarchist*innen bislang 
nicht gelungen, das entstehende Vakuum im politischen Feld auszufüllen. In diesem Sinne 
möchten wir im Rahmen dieser Kampagne nicht nur versuchen, konkrete Praxen insbesondere 
gegen den Rechtsruck zu entwickeln, sondern auch versuchen, aus der Wohlfühlzone 
herauszutreten.
Wenn wir wirklich Leute in der Gesellschaft erreichen möchten, die nicht sowieso schon 
überzeugte Anarchist*innen, Antiautoritäre oder Linksradikale sind, dann müssen wir mit 
diesen auch in Kontakt treten. Und dafür müssen wir unser libertäres Iglu (unsere Szenen) 
verlassen und die Interaktion mit den anderen Menschen wagen. Auch, weil wir sie nicht den 
rechten Rattenfänger*innen überlassen wollen - mit ihren Pseudo-Lösungen und ihren 
menschenverachtenden Ideologien.
Die Antwort sehen wir in der Entwicklung solidarischer Perspektiven, die sowohl ideell 
unterfüttert, als auch real erfahrbar sein sollen.
Selbstorganisation statt Parlamentarismus!
Kooperation von unten statt Nationalismus und Populismus!
Solidarische Perspektiven entwickeln!

http://www.ag-freiburg.org/cms/news/soldarische-perspektiven-entwickeln-jenseits-von-wahlen-und-populismus-aufruf-zur-anarchistischen-beteiligung-an-den-aktivitaeten-rund-um-den-1-mai-in-freiburg


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