(de) lb quadrat: Anarchistischer Aufruf zum revolutionären 1. Mai 2017

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Sa Apr 29 09:28:11 CEST 2017


Als Anarchist*innen erachten wir größtmögliche Freiheit neben gegenseitiger Unterstützung 
in Gemeinschaften auf Basis von sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit als einen der 
zentralen Aspekte des Anarchismus. Die stetige Ausweitung unserer individuellen und 
gemeinschaftlichen Freiheit in Verbindung mit gemeinschaftlicher Solidarität ist Ziel 
unseres Handelns als Anarchist*innen. ---- Die kapitalistische Gesellschaftsordnung und 
die herrschende Klasse richtet den Grad der individuellen Freiheit nach der 
kapitalistischen Logik der Gewinnmaximierung aus - zulasten unserer Freiheit als 
arbeitende Klasse. Und tief in unsere Gesellschaft eingeschriebene 
Unterdrückungsmechanismen, wie beispielsweise das Patriarchat oder Rassismus, schränken 
die Handlungsspielräume bestimmter gesellschaftlicher Gruppen und damit von uns allen 
zusätzlich ein. Denn wie Erich Mühsam 1932 schon schrieb: "Niemand kann frei sein, solange 
es nicht alle sind" (In "Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat - Was ist 
kommunistischer Anarchismus").

Aktuell beobachten wir jedoch verschärfte Angriffe auf unsere Freiheiten und erkämpften 
Errungenschaften auf vielen Ebenen:

-In Zeiten der kapitalistischen Krisendynamiken und des steigenden Profitdruckes des 
Kapitals wachsen die prekären Bedingungen in unseren Lohnarbeitsverhältnissen. Sei es 
durch schlechte Bezahlung, befristete Arbeitsverträge, Ausweitung der Leiharbeit, 
steigender Leistungsdruck immer mehr in immer weniger Arbeitszeit zu leisten; sei es durch 
zunehmende Kontrolle und Sanktionen bei Hartz-IV-Bezug oder der Sprung von (unbezahltem) 
Praktikum zu Praktikum; oder auch durch die starke Begrenzung des Streikrechts und 
gewerkschaftlicher Aktivitäten

-wir müssen immer höhere Mieten zahlen, konkurrieren bei der langwierigen Wohnungssuche 
mit dutzenden Bewerber*innen auf eine (überteuerte) Wohnung; werden aus dem öffentlichen 
Raum vertrieben, wenn wir nicht konsumieren und in das saubere und aufgewertete Stadtbild 
passen

-Die zunehmende rechte Gewalt gegen Geflüchtete im Besonderen und allgemein alle, die 
nicht in ein faschistisches Weltbild passen, soll uns einschüchtern, klein halten oder 
kaputt machen. Die gleichzeitig immer offener und von immer mehr Menschen vertretene 
rechte Hetze versucht uns in das enge Korsett einer sogenannten "deutschen Leitkultur" zu 
pressen und unsere Vorstellungen von Vielfalt der Lebensentwürfe und des Zusammenlebens zu 
ersticken

-ein damit einhergehendes gesellschaftliches Zurückfallen in verstaubte Geschlechterrollen 
und sittlicher Moralvorstellungen, die uns Frauen klare Rollen zuweisen sowie allen Homo-, 
Trans- oder Intersexuellen unter uns ihre sexuelle Identität und Orientierung abspricht 
oder in die heteronormative Beziehungsmuster presst

-die religiös motivierte Terrorgefahr von Anhänger*innen des Daesh (sogenannter 
Islamischer Staat) soll wie ein jederzeit herabfallendes Damoklesschwert über uns schweben 
um unser Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum zu agieren zu vernichten

-die vermeintlichen "Lösungen" der Politiker*innen auf diese sehr abstrakte Terrorgefahr 
stellt einen Generalangriff auf unsere Freiheit und Selbstbestimmung dar: Immer mehr 
Kameras im öffentlichen Raum, umfassendere Datenspeicherungen, Fußfesseln und Inhaftierung 
vermeintlicher "Gefährder" - also potentiell allen dem Staat und der kapitalistischen 
Ordnung feindlich gegenüberstehenden Menschen, Ausweitung des Einsatzes des deutschen 
Militärs im Innern - die Liste an Forderungen und schon verabschiedeten Gesetzen wird 
immer länger und betrifft uns alle.

All diesen gesellschaftlichen Entwicklungen und Angriffe der herrschenden Klasse setzen 
wir unsere Sehnsucht nach Freiheit, unsere Wut über die gesellschaftlichen Verhältnisse 
sowie unseren Willen nach Veränderung entgegen: Gemeinsam wollen wir den Anarchismus 
verwirklichen: Eine Welt, in der jede*r größtmöglichste Freiheit genießen kann. Und 
gleichzeitig auf Grundlage der freien Vereinbarung und gegenseitigen Hilfe mit anderen 
Menschen in solidarischen Gemeinschaften leben kann - in der die Bedürfnisse der Menschen 
statt Profit und Wirtschaftswachstum zählen.

Lasst uns am 1. Mai unsere Ziele und Vorstellungen einer Welt ohne Ausbeutung und 
Unterdrückung auf die Straße tragen. Lasst uns am Tag der arbeitenden Klasse - unserem Tag 
- offensiv die Ideen des Anarchismus verbreiten - für ein Leben, Lieben und Lernen in 
Freiheit.

Heraus zum Revolutionären 1. Mai 2017!

11:30 Uhr | Stuttgart | Schloßplatz

Ab 14 Uhr kannst du uns u.a. bei unserem libertären Büchertisch auf dem 
In­ter­na­tio­na­lis­ti­schen Mai­fest im Linken Zentrum Lilo Herrmann finden

Libertäres Bündnis Ludwigsburg

http://lbquadrat.org/anarchistischer-aufruf-zum-revolutionaeren-1-mai-2017/


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