(de) fda-ifa: Beitrag zur Debatte um die sexuellen und sexualisierten Übergriffe in der Silvesternacht

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Sat Feb 6 14:42:11 CET 2016


1. Februar 2016/in Nachrichten aus den FdA-Gruppen /von libertäre gruppe karlsruhe ---- 
Wie wahrscheinlich schon langläufig bekannt sein sollte, kam es in der Silvesternacht am 
Kölner Hbf zu einer Vielzahl von sexueller und sexualisierter Gewalttaten, zu anderen 
Angriffen auf die körperliche Unversehrtheit von Menschen und Diebstählen. An die 1000, 
oder mehr, Männer mit angeblich „nordafrikanischem“ und „arabischem“ Hintergrund, die sich 
in Gruppen zusammen schlossen, bewarfen und beschossen andere anwesende Menschen die den 
Jahreswechsel feiern wollten mit Feuerwerkskörpern, trennten Frauen von ihrer Familie oder 
Freund*Innen ab, belästigten sie und nutzten die Pein der Betroffenen um sie zu bestehlen. 
---- Auch wenn diese Darstellung schon einige Ungenauigkeiten aufweist und ein Grund zum 
genaueren hinschauen sein müsste, scheint sich diese Darstellung in allen Medien zu 
bestätigen. Was sich nun im Einzelnen abgespielt hat und ob es Fehler beim Polizeieinsatz 
vor Ort gegeben hat soll im Folgenden weniger eine Rolle spielen. Uns, die Verfasser*Innen 
dieses Textes, geht es vielmehr um Sexismus, Rassismus und die Diskussionen die die 
Vorfälle in Köln ausgelöst haben.

Für falsch halten wir die Fokussierung auf die Täter und nicht auf das Erlebte der 
Betroffenen. Denn so entsteht der Eindruck, dass „nichtdeutsche“ junge Männer das Problem 
seien. Klar erkennen wir das schreckliche, unvergleichliche Ausmaß der Gewalt, besonders 
an Frauen in dieser Nacht und unsere Solidarität gilt zu aller erst uneingeschränkt den 
Betroffenen von Übergriffen. Doch wundern wir uns aus welcher Ecke der politischen 
Landschaft sich derzeit das Entsetzen mit am lautesten zeigt. Oder sollte uns das wirklich 
überraschen? Konservative bis offen rechte Kreise, ob Menschen nahe der CSU, CDU oder der 
Pegida-Bewegung und der AfD, aber auch bekennende Nazis entdecken plötzlich ihr Interesse 
für Frauen- und Menschenrechte.

Frauenverachtung sei importiert und mit den Werten in Deutschland oder gar Europa 
unvereinbar. Ähnlich verhält es sich mit anderen, älteren Themen. So gäbe es hier keine 
Anfeindungen Homosexueller, Juden und Jüdinnen gegenüber. Auch diese Problematiken seien 
von Muslimen nach Europa eingeführt worden. Betrachten wir aber die Äußerungen, die 
außerhalb der Debatte um Silvester in Köln und anderen Städten, der genannten 
Gruppierungen und ihrer Mitglieder getätigt werden, oder beschäftigten uns mit dem 
Familienbild bzw. den Rollen die Mann und Frau ihrer Meinung nach naturgegeben zu spielen 
haben, wird schnell klar, dass es hier darum geht das „nichtdeutsche“ sich falsch 
verhalten haben. Nicht Sexismus und Homophobie, auch nicht Antisemitismus ist für sie das 
Problem. Sondern wer diese Einstellungen an den Tag legt. Eindeutiger kann Rassismus und 
Nationalismus nicht sein.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema. Sexuelle und sexualisierte Gewalt geht hauptsächlich 
von Männern aus. Egal ob in Europa, Afrika oder sonst wo. Ist also ein Männerproblem! 
Diebstahl und Gewalt im Allgemeinen ist hingegen vermehrt in sozial schwächeren Schichten 
verbreitet.

Weiter lässt sich sagen, dass je konservativer das Frauenbild (stark von der Religiosität 
einer Gesellschaft, egal ob muslimisch, christlich oder sonst wie, abhängig) in einer 
Gesellschaft ist, umso verbreiteter ist sexuelle und sexualisierte Gewalt. In vielen 
Ländern geht es konservativer zu als in Deutschland. So zum Beispiel in vielen arabischen 
Ländern oder z.B. auch in Indien. Es verwundert also nicht, dass es dort im Durchschnitt 
häufiger zu Übergriffen kommt.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Inder oder ein Muslim nicht weniger sexistisch sein kann 
als z.B. ein Deutscher. Gerade wenn wir uns die Geschichte des Christentums anschauen 
sollte allen schnell klar werden, dass es bestimmt nicht die emanzipatorische Religion ist.

Trotzdem scheint neben dem Geschlecht der Täter von Köln auch ihre Herkunft eine Rolle 
Gespielt zu haben. Was bedeutet das nun für einen Rechtsstaat wie Deutschland? Als aller 
erstes sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich und wollen wir nicht hinter bürgerliche 
„Freiheiten“ und „Rechte“ zurückfallen ist es ziemlich egal ob die Tätergruppe nun 
christlich Deutsch oder muslimisch „Nordafrikanisch“ war. Spielt das Milieu doch eine 
Rolle, ist es notwendig auf dessen Eigenheiten einzugehen, um die Problematik zu 
analysieren und bekämpfen zu können.

Da wir das bürgerliche Rechtssystem ohnehin eher für einen Teil des Problems halten, 
erscheinen uns die Herstellung von sozialer Sicherheit, Aufklärung und Schutz von 
Betroffenen als die geeigneteren Maßnahmen gegen gesellschaftliche Probleme wie Sexismus.
Auch wenn wir die alte NPD-Parole „Kriminelle Ausländer raus“ heute auch aus der 
„bürgerlichen Mitte“ hören, ist Abschiebung für Straftaten bis 3 Jahre Haft nicht 
vorgesehen. Wenn gefordert wird, dass, wer keinen Respekt vor Frauen hat, aus Deutschland 
ausgewiesen werden sollte, müsste man das auch auf deutsche Täter anwenden.
Zwar sollte für uns jeder Mensch dort leben können wo er oder sie will, doch gilt in 
Deutschland zumindest: Asyl bekommt wer Verfolgt wird oder vor Kriegen flieht und nicht 
weil er oder sie ein guter Mensch ist.

Das was auf der Domplatte geschah, hat für uns einen Namen und wir nennen dass was 
dahinter steckt Sexismus und erkennen im ausüben der sexualisierten Gewalt in Verbindung 
mit den Diebstählen ein autoritäres Muster. Menschen üben Macht über andere Menschen aus. 
Sie nutzen ihre privilegierte Stellung, in diesem Fall die des Mannseins aus um andere 
Menschen, in diesem Falle Frauen, zu erniedrigen. Ähnlich schreckliche Erfahrungen machen 
Frauen seit Jahren in den Bierzelten des Oktoberfestes oder hinter verschlossenen Türen in 
ganz Deutschland. Die Tätergruppe eint oftmals eins; es handelt sich um Männer. Die 
Betroffenengruppe eint ähnliches; sie sind Frauen. In einer Gesellschaft in der durch 
strukturellen Sexismus und strukturelle Gewalt tagtäglich Menschen erniedrigt werden, etwa 
durch ungleiche Bezahlung oder biologisch begründete Rollenverteilung, wird die 
eigentliche Problematik nicht erkannt.

Nicht die strukturellen Probleme in der deutschen Gesellschaft, aber auch nicht die 
Übergriffe und die Erniedrigungen der Frauen bilden die Grundlage der Debatte, es ist die 
Tätergruppe.

Was ist also zu tun? Als erstes sollten Betroffene von sexualisierter und sexueller Gewalt 
ernst genommen werden. Egal woher die Täter zu kommen scheinen. Es sollte ihnen erst 
einmal geglaubt werden und ein „Nein“ sollte auch als „Nein“ anerkannt werden. Im 
deutschen Rechtssystem reicht ein Nein nicht als ausreichendes Zeichen das Frau keinen Sex 
haben oder in Ruhe gelassen werden will. So zählt es nicht als Vergewaltigung wenn Frau 
sich nicht körperlich wehrt. Dabei wird nicht bedacht das z.B. Angst vor mehr Gewalt die 
betroffene Person davon abhalten könnte sich zu wehren.

Zweitens ist es gesamtgesellschaftlich notwendig, durch Bildung, Kultur und soziale 
Angleichung ein emanzipatorisches Frauenbild zu vermitteln und zu stärken. Das sollte 
schon in der Kita beginnen. Natürlich muss auf bestimmte Milieus besonders eingegangen 
werden. Dazu zählen aber nicht nur junge Muslime aus Problemvierteln, sondern auch 
christliche Vereine, deutsche Stammtische oder die AfD.

http://fda-ifa.org/beitrag-zur-debatte-um-die-sexuellen-und-sexualisierten-uebergriffe-in-der-silvesternacht/


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