(de) fau: Basisgewerkschaften starten internationale Lieferdienst-Kampagne #deliverunion

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Fr Dez 30 08:05:12 CET 2016


Deliveroo und Foodora sind zwei sehr junge Start-Ups, die mit einer Menge Startkapital 
rasant global expandieren. Sie lassen Zweifel aufkommen, ob der digitale Kapitalismus das 
Ende der Arbeit bedeutet, wie mancherorts behauptet wird. Denn die Radfahrer, die für die 
neuen Internet-Lieferdienste unterwegs sind, müssen sich abstrampeln und tragen im 
Straßenverkehr ein enormes gesundheitliches Risiko. Mit der Kampagne #deliverunion melden 
sich nun die FahrerInnen zu Wort. ---- [en][de]A short video featuring Deliveroo riders 
from Bristol, who got organised and improved their working conditions. Deliveroo-Fahrer 
aus Bristol in einem Video, wie sie erste Schritte unternommen haben, um Verbesserungen 
auf der Arbeit zu erreichen (dt. UT) ---- Soziale Absicherung? Fehlanzeige! ---- Da die 
meisten FahrerInnen (schein-)selbstständig sind, fehlt für sie jede soziale Absicherung im 
Risiko-Job. Für einen geringen Lohn plus Boni pro Zustellung wird den FahrerInnen volle 
Flexibilität abverlangt, sie fahren auf ihren eigenen Rädern und sind ständiger Kontrolle 
ausgesetzt, da ihre Fahrtwege und Fahrtzeiten genau überwacht werden.

Doch die Vernetzung übers Internet hat auch ihre Vorteile für die meist jungen 
ArbeiterInnen: Sie bieten die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich abzusprechen. So 
drehten dieses Jahr in Berlin Deliveroo-FahrerInnen ihre Känguruh-Rucksäcke auf den Kopf, 
um gegen die schlechte Bezahlung zu protestieren und erhielten schließlich einen 
Regenzuschlag.

Die ArbeiterInnen organisieren sich nun auch international

In London organisierten Deliveroo-FahrerInnen einen wilden Streik und wehrten sich 
erfolgreich gegen die Umstellung der Bezahlung auf reinen Stücklohn. Sie waren Vorbild für 
den selbstorganisierten Widerstand gegen die prekären Arbeitsbedingungen auf 
internationaler Ebene: Auch in Mailand und Turin kämpften die Foodora-FahrerInnen mit 
selbstorganisierten Streiks und Protestaktionen erfolgreich für höhere Löhne beim Berliner 
Start-Up.

Für bessere Arbeit überall: Die Kampagne #deliverunion

Die internationale Vernetzung der ArbeiterInnen hat gerade erst begonnen. So wurde bei der 
Bilbao-Konferenz von Basisgewerkschaften zur Neukoordination der internationalen 
Zusammenarbeit im November diesen Jahres die Lieferdienst-Kampagne #deliverunion ins Leben 
gerufen. Initatoren der Kampagne sind die Deliveroo-Fahrer der Industrial Workers of the 
World (IWW) Bristol: Selbstbewusst schildern Deliveroo-Fahrern aus Bristol in einem Video, 
das seit Tagen im Internet kursiert, wie sie erste Schritte unternommen haben, um 
Verbesserungen auf der Arbeit zu erreichen.
An #deliverunion nehmen Basisgewerkschaften aus über acht Ländern teil, an die sich 
FahrerInnen wenden können. Ziel der Kampagne ist es, den Austausch über kollektive 
gewerkschaftliche Aktionsmöglichkeiten anzuregen und den Lieferdienst-ArbeiterInnen eine 
Plattform zur internationalen Vernetzung zu bieten, auf der sie sich über Ihre Rechte 
informieren können.

Hier finde ich gewerkschaftliche Unterstützung:

Wer Verbesserungen erreichen möchte, kann sich in Deutschland an die Wobblies (IWW) und 
die Freie ArbeiterInnen Union (FAU) wenden. Die FAU hat für LieferdienstfahrerInnen die 
Email-Adresse lieferdienst at fau.org eingerichtet, Hilfe und Unterstützung lässt sich auch 
jeweils in den Städten anfragen, in denen die FAU präsent ist.
http://www.fau.org/artikel/art_161227-133014


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