(de) schwarze rub: Stellungnahme des FSR Gender Studies zu dem Artikel "Gender mich nicht voll"

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Sun Dec 4 12:36:30 CET 2016


Die schwarze Ruhr-Uni unterstützt folgende Stellungnahme des FSR Gender Studies zu einem 
Artikel in der Bochumer Studierendenzeitung (BSZ): ---- Stellungnahme des FSR Gender 
Studies zu dem Artikel "Gender mich nicht voll" ---- Veröffentlicht von XKombi-Dienst 
fsrgs am 8. November 2016 ---- Die Stellungnahme bezieht sich auf den Kommentar "Gender 
mich nicht voll" in der:bsz Ausgabe 1100 - Sonderausgabe zum Semesterstart WiSe 2016/2017 
---- Auch erschienen auf www.bszonline.de ---- In der Sonderausgabe der:bsz zum 
Semesterstart WiSe 16/17 wird unter dem Überbegriff "Genderwut" die Relevanz einer 
gendergerechten Sprache diskutiert. Grundsätzlich begrüßt der FSR Gender Studies die Idee, 
Studierende im ersten Semester für dieses Thema zu sensibilisieren und auf die kontroverse 
gesamtgesellschaftliche Debatte aufmerksam zu machen. Ein freier Meinungsaustausch ist 
essentiell für eine kontroverse und öffentliche Diskussionskultur im gesellschaftlichen 
und universitären Leben. Der respektvolle Umgang miteinander ist hierbei das Fundament. 
Wir als FSR Gender Studies verstehen die Verbreitung von menschenverachtenden Weltbildern 
unter dem Vorwand der freien Meinungsäußerung nicht als einen Teil dieser 
Diskussionskultur. Hate Speech und anderes reaktionäres Gedankengut führen zu einem 
Ausschluss von Personengruppen und fördern Feindseligkeiten...

Die Diskussion über gendergerechte Sprache wird schon seit den 1970er Jahren in 
öffentlichen Bereichen ausgetragen. Das Hauptargument gegen gendergerechte Sprache - und 
damit auch das einzige im Artikel erkennbare Argument - ist die Annahme, sie würde das 
Textverständnis erschweren und zu seltsam anmutenden Textkonstruktionen führen. Diese 
Befürchtung entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage: Ganz im Gegenteil wird in 
verschiedenen Studien darauf hingewiesen, dass gendergerechte Sprache keine Auswirkungen 
auf das Textverständnis hat.[i]Stattdessen wird etwa durch geschlechtergerechte 
Stellenausschreibungen die Berufsorientierung dahingehend beeinflusst, dass vormals 
männlich dominierte Berufsfelder geöffnet werden, um nur ein Beispiel zu nennen[ii]

Im Gegensatz zu dem Artikel "Von Frauen, Männern, Sternchen und Phallussymbolen" in 
derselben Ausgabe, der sich differenziert mit der Thematik der gendergerechten Sprache 
auseinandersetzt, verweigert sich der Kommentar jedoch einer sachlichen Auseinandersetzung 
mit dem Thema. Somit steht der Einführung in dieses Thema einzig ein negativer Beitrag 
gegenüber. Von Meinungsvielfalt kann hier also nicht die Rede sein.

Obwohl es der Autor für sich beansprucht alle Personen im generischen Maskulinum 
mitzudenken, hindert es ihn jedoch nicht daran, abfällig mit dem Finger auf 
Personengruppen - die sein Weltbild scheinbar nicht umfasst - zu weisen. So äußert er 
bereits in seiner Einleitung die Kritik, die Sprache solle nur deshalb so "künstlich 
verformt werden, um auch die besondersten[sic!]Studis zu erreichen". Mit dieser Aussage 
gibt der Autor eine Weltanschauung wieder, die jegliche Abweichungen von der sogenannten 
Norm als "Mode" oder "Lifestyle" herabsetzt. So verdeutlicht er noch einmal am Ende seines 
Beitrags, dass er die gendergerechte Sprache im Kontext einer Gesellschaft sieht, die 
"Selbstverstümmelung" zu Profilierungszwecken und zum Ausdruck "moralischer Überlegenheit" 
gutheißt. Im Rahmen dieser Sichtweise ist es auch nicht verwunderlich, dass er in seiner 
Argumentation Geschlecht und sexuelle Orientierung gleichsetzt - er schert alles über 
einen Kamm. Dies verdeutlicht aus unserer Sicht seine Schwierigkeiten, aus den eigenen 
gedanklichen Strukturen herauszutreten. Wer sich vor dem Verfassen eines Beitrages noch 
nicht einmal mit den Grundlagen eines Themas auseinandersetzt, erfüllt die 
journalistischen Mindestanforderungen nicht.

Zwar ist der freie Meinungsaustausch ein hohes Gut für eine kontroverse und öffentliche 
Diskussionskultur, allerdings stellen wir uns dagegen, dass unter dem Deckmantel der 
Meinungsfreiheit eine menschenfeindliche Diskursverschiebung betrieben wird, die vor allem 
im aktuellen politischen Klima rechten Stimmen dazu verhelfen soll, sich selbst als Opfer 
von "Gutmenschentum" zu inszenieren. Als Konsequenz kritisieren wir in aller Deutlichkeit 
das im Kommentar vertretene Weltbild und lehnen die Verbreitung von Hate Speech 
kategorisch ab. Im Besonderen ist es der Sprachgebrauch des Autors, den wir hiermit 
entschieden als unangemessen und feindselig zurückweisen. In seinem Text bedient er sich 
zum einen an Vokabular, das vorwiegend im Sprachgebrauch von Wertkonservativen und Neuen 
Rechten benutzt wird. Der Titel "Gender mich nicht voll" und das Wort "Genderwahnsinn" 
beziehen sich beispielsweise auf die Kampagne "Gender-mich-nicht.de" der Jungen Freiheit. 
Zudem stilisiert er die Gesellschaft zum Opfer der "political correctness". Zum anderen 
greift der Autor mit seiner Zwischenüberschrift " ‚I identify as an attack helicopter‘ 
"[iii]ein transfeindliches Meme auf, ohne dieses zu kontextualisieren. Hier wird eine Nähe 
zu der maskulinistisch geprägten Gemeinschaft im Internet hergestellt.

Bei der Ausarbeitung von Texten geht es immer darum, einen respektvollen Ton zu treffen 
und zu reflektieren, dass Sprache nicht neutral ist. Es ist bedauerlich, dass Eugen 
Libkin, der Autor des Kommentars, in seiner Funktion als Redaktionsmitglied der:bsz nicht 
die nötige Sensibilität für das Thema mitbringt. Außerdem nutzt er diesen Artikel nur 
vordergründig, um sich mit gendergerechter Sprache auseinanderzusetzen. Vielmehr 
instrumentalisiert er diese Plattform um wissenschaftliche Gegenstände zu diskreditieren, 
alternativen Lebensentwürfen ihre Legitimation abzusprechen und ein wertkonservatives 
Weltbild zu propagieren.

Auch wenn wir anerkennen, dass der AStA der RUB als Herausgeber um eine Meinungsvielfalt 
in seiner Publikation bemüht ist, unterstützen wir nicht, dass dieser Vertrauensvorschuss 
dazu missbraucht wird, menschenfeindlichen "Meinungs"-Äußerungen eine Bühne zu bieten. Die 
Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung, die offensichtlich als Bindeglied zwischen 
Universität und der Stadt Bochum fungieren soll, wirkt von der Universität in 
gesellschaftliche Räume hinein und sollte sich deshalb ihrer politischen Verantwortung und 
ihrer Außenwirkung bewusst werden. Als FSR Gender Studies stehen wir für eine 
gesellschaftliche Verantwortung für unsere Mitmenschen ein.

[i]Braun, Friederike; Oelkers, Susanne; Rogalski, Karin; Bosak, Janine; Sczesny, Sabine 
(2007). "Aus Gründen der Verständlichkeit...": Der Einfluss generisch maskuliner und 
alternativer Personenbezeichnungen auf die kognitive Verarbeitung von Texten. 
Psychologische Rundschau, 58, 183-189. Diese Studie und weitere gesehen auf: 
http://www.psystudents.org/warum-gendern/[Aufgerufen am 28.10.16]

[ii]Vervecken, D., Hannover, B., & Wolter, I. (2013). Changing (S) expectations: How 
gender fair job descriptions impact children's perceptions and interest regarding 
traditionally male occupations. Journal of Vocational Behavior, 82, 208-220. Gesehen auf: 
http://www.psystudents.org/warum-gendern/

[iii]I Sexually Identify as an Attack Helicopter is a copypasta about a male who dreams of 
becoming a helicopter. It parodies absurd gende

http://schwarzerub.blogsport.de/2016/11/27/stellungnahme-des-fsr-gender-studies-zu-dem-artikel-gender-mich-nicht-voll/#more-122


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