(de) FAU-IAA Direct Action #233 - Bewegung braucht Energie -- Kollektive Schritte zur einer ökologisch, sozial und wirtschaftlich gerechten Energieversorgung

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Wed Apr 27 09:52:48 CEST 2016


Basisgewerkschaften wie die FAU, die nicht nur die Rechte von Lohnabhängigen vertreten, 
sondern eine grundlegende soziale Veränderung anstreben, müssen auch für die drängenden 
Probleme der Gegenwart Lösungen anbieten. Schließlich können und wollen wir nicht auf den 
„pie in the sky“ warten. Gerade die Energieversorgung – sowohl mit Strom, als auch mit 
Wärme – durch fossile Brennstoffe ist ein solches Problem. Es betrifft uns als Menschheit 
ökonomisch, ökologisch und sozial. ---- Gegen klimaschädliche Projekte hilft nur 
Widerstand... ---- Der Energiehunger des Kapitalismus zerstört Leben(sräume): Das 
Nigerdelta wird bereits durch Öl verseucht und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung 
vernichtet. Gleiches droht im Yusani-Regenwald in Ecuador. Mit Ölgeld werden der Terror 
des IS, der Absolutismus in Saudi-Arabien und die Theokratie im Iran finanziert. In den 
Kohle- und Uranminen des sogenannten Globalen Südens herrschen lebensgefährliche 
Arbeitsbedingungen.

Und auch die weltweiten Klimaveränderungen treffen durch den Ausfall der Ernten in der 
Subsistenzwirtschaft die Ärmsten zuerst. Daran wird auch der neue Vertrag von Paris zur 
Rettung des Weltklimas nichts ändern.Der Ausbau von riesigen (Offshore-)Windparks zeigt, 
dass dennoch kein echtes Umdenken stattfindet. Grüner Kapitalismus bleibt Kapitalismus, 
denn Wachstum ist das oberste Ziel, während der Profit auch hier in den Händen weniger 
verbleibt. Arbeitsrecht und Gewerkschaften stören in den Windparks und Solarenergieanlagen 
ebenso wie BürgerInnenbewegungen und Mitbestimmung.Deshalb kann die Lösung nur in 
dezentraler, kleinteiliger Energieversorgung liegen. Sie muss demokratisch von den 
NutzerInnen kontrolliert werden. Dass diese Energieversorgung regenerativ und 
hocheffizient sein muss, versteht sich von selbst. Und ebenso ist die Einsparung von 
Energie das oberste Ziel.

Schließlich ist die sauberste Energie jene, die nicht erzeugt werden muss.Bereits vor 
einigen Jahren haben sich FAU-GewerkschafterInnen und Interessierte zu einem Workshop in 
Hannover getroffen, in dem diese Probleme diskutiert wurden. Die Bandbreite der Anwesenden 
reichte von AktivistInnen aus der Umweltbewegung über interessierte Laien bis hin zu 
ExpertInnen aus den Ingenieurwissenschaften und ArbeitnehmerInnen, die im Bereich der 
regenerativen Energieerzeugung arbeiteten und forschten.Betroffen waren alle von ihnen – 
sowohl als Lohnabhängige als auch als KonsumentInnen. Ziel war es daher, eine konkrete 
Vorstellung einer sozial gerechten, ökologisch verträglichen und ökonomisch 
kontrollierbaren Energieversorgung zu entwickeln. Zusammengefasst wurden die Diskussionen 
am Ende in einem Thesenpapier zur Energieversorgung, auf dem auch dieser Artikel aufbaut. 
Es wurde von der FAU Hannover als Positionspapier zum Thema Energieversorgung verabschiedet.

AUF KOSTEN DER ANDEREN

Einer der wichtigsten Aspekte einer solidarischen und demokratischen Energieversorgung ist 
das Problem der Verteilungsgerechtigkeit. Gerade in den Ländern des Globalen Südens ist 
der Bevölkerung der Zugang zu Rohstoffen verwehrt, da sie überwiegend in den Globalen 
Norden exportiert werden. Auch die Profite aus diesem Export landen meist in den Taschen 
von AktionärInnen aus den Industrieländern.

... solange bis ein echtes Umdenken stattfin- det - nicht nur ein „weiter so“ in grün...
In Bezug auf die sogenannten Biokraftstoffe kommen weitere Probleme hinzu. Wertvolle 
Lebensmittel, wie Mais oder Soja, landen im Tank oder in der Bio-Gasanlage statt in den 
Kochtöpfen der Menschen. Zusammen mit dem Futtermittelexport entsteht so ein Teufelskreis, 
der die Staaten und die lokale Bevölkerung dazu zwingt, immer mehr Wälder und Brachen zu 
erschließen. Versteppung, unfruchtbare Böden und lokale Klimaveränderungen sind häufig die 
Folge.Dabei spielt das Gefälle des Lebensstandards und technologischen Fortschritts 
zwischen Süd und Nord eine zentrale Rolle. Es ist klar, dass der Globale Süden nicht den 
Lebensstil des Globalen Nordens übernehmen kann, wenn es nicht innerhalb kürzester Zeit 
zur ökologischen und sozialen Katastrophe kommen soll. Trotzdem können die 
Industriestaaten dem Globalen Süden nicht den technischen Fortschritt und die Erhöhung des 
Lebensstandards verwehren. Vielmehr muss der Globale Norden seinen verschwenderischen 
Lebensstil drastisch reduzieren. Das wird nicht ohne Einschnitte im persönlichen 
Konsumverhalten funktionieren. Hier sind allerdings besonders die finanziell 
privilegierteren Teile der Bevölkerung gefordert. Denn wer sich mit Hartz IV oder Minilohn 
mühsam über Wasser hält, kann gar nicht so viel konsumieren, wie eine Fahrt mit dem SUV 
zum Biosupermarkt an Energie kostet.

LED-LAMPEN SPAREN NUR ENERGIE, WENN SIE AN SIND

Die Verteilung der Risiken und Kosten der Energieversorgung von Oben nach Unten stellt im 
Süden wie im Norden ein großes Problem dar. Bereits jetzt werden die Kosten von den 
Konzernen auf die Allgemeinheit abgewälzt, zum Beispiel für die Entsorgung des Atommülls, 
die fast ausschließlich von der Bevölkerung getragen werden. Oder wenn HausbesitzerInnen 
mit staatlicher Absicherung die Kosten für Wärmesanierungen auf die Miete abwälzen. Dieser 
Entwicklung können wir nur durch kollektiven Druck von unten etwas entgegen setzen.

Dennoch gibt es Bereiche, die wir in unserem Alltag – ganz persönlich – verändern müssen. 
Wir verschwenden Unmengen an Energie. Das Licht auszumachen, wenn ein Raum verlassen wird, 
oder den Stand-By-Betrieb elektronischer Geräte auszuschalten, ist so einfach, wie die 
Heizung herunterzudrehen, wenn niemand zu Hause ist. Trotzdem hauen wir aus Unwissenheit 
und Bequemlichkeit unser sauer verdientes Geld durch den Schornstein der Kraftwerke wieder 
heraus. Und einmal im Jahr kommt die Heiz- und Stromkostenabrechnung, über die wir wieder 
schimpfen. Deshalb sind wir auch individuell in der Verantwortung zu handeln.Auch im 
öffentlichen Bereich sind große Einsparpotentiale vorhanden. Dabei kollidieren manche 
Maßnahmen mit anderen Bedürfnissen. Die Beleuchtung von leeren Straßen mitten in der Nacht 
verbraucht nicht nur Unmengen an Energie. Lichtverschmutzung wird seit einigen Jahren als 
gesundheitsschädlich erkannt. Trotzdem ist ein rigoroses Abschalten nicht einfach, denn 
das subjektive Sicherheitsempfinden Einzelner ist hier zu berücksichtigen. Wenn die 
Abschaltung der Beleuchtung dazu führt, dass Menschen aus Angst ihre Häuser nicht mehr 
verlassen, läuft etwas falsch. Hier sind gesellschaftliche Diskussionen notwendig, um ein 
vernünftiges Maß zu finden.Aber ohne eine gesamtgesellschaftliche Wende wird selbst die 
sparsamste Lebensweise nicht „günstiger“. Die Energiekonzerne wollen ihre Gewinne erhalten 
und erhöhen bei sinkendem Verbrauch einfach die Preise. Der Energiesektor muss deshalb 
schnellstmöglich von der Marktwirtschaft entkoppelt und in gemeinwirtschaftliche Modelle 
überführt werden, die einer direkten demokratischen Kontrolle unterstehen.

... AM BESTEN IST ABER, WIR NEHMEN DIE SACHE SELBST IN DIE HAND!
SCHAFFT EIN, ZWEI, DREI, VIELE ENERGIEGENOSSENSCHAFTEN

Damit die Erzeugung und Nutzung von Energie wieder demokratischer Kontrolle unterliegt und 
den Bedürfnissen der VerbraucherInnen und nicht den Profitinteressen untergeordnet ist, 
sind noch ganz andere Schritte notwendig. Hier braucht es Alternativen. Bereits heute 
schließen sich kleine ErzeugerInnen zu Energiegenossenschaften zusammen. Gerade in kleinen 
Städten und Dörfern wird so Schritt für Schritt eine Eigenversorgung erreicht, die sogar 
über eigene Netzstrukturen verfügt. Das „leuchtende“ Beispiel für eine dezentrale 
Energieerzeugung in BürgerInnenhand sind die Elektrizitäts Werke Schönau (EWS). Nach der 
Katastrophe von Tschernobyl setzten sich die BürgerInnen in dem Schwarzwaldort für eine 
atomstromlose und nachhaltige Energieversorgung ein. Durch öffentlichen Druck konnten sie 
das von einem Atomstromkonzern betriebene Netz schließlich freikaufen und produzieren 
seitdem nachhaltigen Strom aus Genossenschaftshand für etwa 150.000 Haushalte.

Die Kontrolle über unsere Energieversorgung ist aber nur dann möglich, wenn die 
Abhängigkeit von kommunalen Politikinteressen oder regionalen Investoren durchbrochen 
wird. Genossenschaften – von ProduzentInnen und KonsumentInnen – können dabei als Vorbild 
dienen.Wenn wir die Energieversorgung den großen Konzernen aus den Händen nehmen oder 
kommunale Versorger (Stadtwerke) „dem Markt“ entziehen wollen, ist aber letztlich ein ganz 
anderer, gesamtgesellschaftlicher Schritt notwendig: Die Rekommunalisierung und Enteignung 
der Stromkonzerne!

WENN DAS REALPOLITIKMONSTER HINTER DER ECKE LAUERT

Ganz konkret gibt es viele Möglichkeiten, bereits jetzt aktiv zu werden. Allerdings müssen 
wir die meisten Probleme dabei gesellschaftlich oder kollektiv angehen. Zwar ist es 
notwendig, dass wir als Einzelne auch unser Verhalten ändern, aber nur das Individuum wird 
die gigantischen Probleme nicht lösen können. Das ist und bleibt neoliberale Propaganda.

Suffizienz, die Beschränkung des Verbrauchs, ist angesichts der Verteilungsgerechtigkeit 
die grundlegende Handlungsweise. Dabei müssen wir nicht wieder in die vorindustrielle 
Epoche zurückfallen. Ein Konsumniveau, wie es in den 1950er Jahren gelebt wurde, wäre 
bereits ein fast ausreichender Schritt.Angebote wie kostenlose Energieberatung oder eine 
sozial gestaffelte Abwrackprämie für stromfressende Altgeräte können ebenfalls dazu 
beitragen. Im Produktionsbereich muss ein „race to the top“ angestrebt werden, in dem 
energiesparende Verfahren und Erfindungen belohnt und zum Standard erklärt werden. Eine 
Änderung des Mietrechts ist ebenfalls notwendig. So sollten sich die erhöhten Kosten durch 
Wärmedämmung mit den Einsparungen beim Energieverbrauch die Waage halten, sodass keine 
Mieterhöhung zu Lasten der MieterInnen unternommen werden kann. Das bedeutet aber auch, 
dass der Staat Geld bereitstellen muss. Dieses Geld kann und muss durch Umverteilung 
großer Vermögen und einer echten „Ökosteuer“ erwirtschaftet werden. Zuletzt ist es dabei 
wichtig, das Gesamtziel nicht aus den Augen zu verlieren – die antikapitalistische 
Neugestaltung der Gesellschaft, sonst geht das Realpolitikmonster mit uns durch. Denn der 
Klimawandel lässt sich nur durch einen Systemwandel aufhalten.

Jens Laskowski, FAU Hannover

Zum Weiterlesen:

Auf der Homepage der FAU Hannover findet sich das Energiepapier: hannover.fau.org

Rolf Cantzen zeigt in Weniger Staat – mehr Gesellschaft. Freiheit – Ökologie – Anarchismus 
(2. Aufl. Münster: Trotzdem 1995) die Gemeinsamkeiten der dezentralen und 
basisdemokratischen Konzepte der anarchistischen und ökologischen Bewegung auf. Dabei 
greift er auch auf Überlegungen Rudolf Rockers zurück.Konkrete Lösungen für ein „Leben 
nach der Wirtschaft“ bietet der Autor pm in den Büchern Subcoma. Nachhaltig vorsorgen für 
das Leben nach der Wirtschaft (Paranoia City 2000) und Kartoffeln und Computer. Märkte 
durch Gemeinschaften ersetzen (Hamburg: Nautilus 2012) an. Mögliche Wege in eine 
antikapitalistische Gesellschaft kommen dabei nicht zu kurz.

Der von Julia Roth herausgegebene Sammelband Lateinamerikas koloniales Gedächtnis. Vom 
Ende der Ressourcen, so wie wir sie kennen (Baden-Baden: Nomos 2015) beleuchtet die 
(post-)koloniale Abhängigkeit des Kontinents vom Export unverarbeiteter Rohstoffe, wie Öl, 
Gold oder Soja. Es kommen auch AktivistInnen indigener und sozialer Bewegungen zu Wort, 
die sich dem Extraktivismus und der Umweltzerstörung erfolgreich zur Wehr setzen.

https://www.direkteaktion.org/233/bewegung-braucht-energie


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