(de) Fau-Iaa Direct Action #232 NOV/DEZ 2015 Reichlich viel Reich -- Über den ideologischen Hintergrund des Xavier Naidoo

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Sun Apr 24 12:07:49 CEST 2016


Seit gut einem Jahr bröckelt das Schmuse-Image des Soulmusikers Xavier Naidoo. 
Antisemitismus wird dem Sohn Mannheims vorgeworfen, so z. B. seitens der antirassistischen 
Amadeu Antonio Stiftung. Die sah sich daraufhin mit einer Unterlassungsklage konfrontiert. 
„Wer solche Songzeilen wie Xavier Naidoo in seinem Album ‚Alles kann besser werden‘ 
verbreitet, dürfte ein Antisemit sein“, meinte selbst der Richter im Verlauf der 
Verhandlung. Und tatsächlich bedient sich Naidoo in seinem Lied „Raus aus dem Reichstag“ 
gängiger antisemitischer Klischees: ---- Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit 
unserer Kohle zocken ---- Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken ---- 
Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel ---- Der Schmock ist‘n 
Fuchs und ihr seid nur Trottel

Nachdem der Sänger im genannten Lied zunächst die Politiker*innen-Zunft disst, nimmt er 
sich das Kapital vor. Nicht aber den Kapitalismus an sich, sondern subtil das jüdische 
Kapital. Da schrillen bei manchen sofort alle Weltverschwörungs-Alarmglocken.

Protest begleitete den Auftritt Naidoos in Regensburg 2015

Weniger subtil vertritt Horst Mahler eine rechtsradikale Ideologie, doch was haben er und 
Xavier Naidoo gemeinsam? Ein Grund für die Kritik der Amadeu Antonio Stiftung an dem 
Soulsänger ist seine Nähe zur sogenannten Reichsideologie. Naidoo unterstützte am 3. 
Oktober 2014 in Berlin eine Veranstaltung um den vorbestraften ehemaligen NPD-Kader und 
Reichsideologen Rüdiger Klasen, doch schon zuvor teilte er zumindest teilweise die 
Überzeugungen der Reichsideologie. Die Anhänger*innen der Reichsideologie selbst sind ein 
heterogener Haufen, bei dem extrem rechte Positionen wie Gebiets- und 
Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus in unterschiedlich 
starker Ausprägung vorhanden sind. Anhänger*innen dieser Ideologie behaupten, dass die 
Bundesrepublik Deutschland nicht existieren würde bzw. eine Firma sei und das „Deutsche 
Reich“ fortbestehe. Dieses „Deutsche Reich“, das angeblich fortbesteht ist dabei – je nach 
Ansicht der Betrachter*in – das Kaiserreich, die Weimarer Republik oder das Dritte Reich. 
Dass die BRD trotz alledem de facto existiert, wird über verschiedenste 
Verschwörungstheorien hergeleitet, welche nicht selten die Grenze zum Antisemitismus 
überschreiten. Der wohl bekannteste Reichsideologe ist der ehemalige RAF-Terrorist und 
verurteilte Holocaustleugner Horst Mahler. Für ihn ist der letzte gültige Rechtsstand der 
vom 7. Mai 1945 und er wünscht sich eine Rückkehr zum Nationalsozialismus. Von diesem 
verspricht er sich eine Befreiung des deutschen Volkes von einer angeblichen Knechtschaft 
durch eine jüdische Weltverschwörung. Und in diesen Kreisen erfreut sich nun Naidoos Song 
„Raus aus dem Reichstag“ großer Beliebtheit.

Da es verschiedenste Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen innerhalb der 
Reichsideologie gibt, welche auch untereinander teils stark zerstritten sind und nicht nur 
die BRD sondern auch ihre eigenen Fürstentümer, Reichsregierungen etc. gegenseitig nicht 
anerkennen, werde ich nun verschiedene Beispiele vorstellen.

REICHSIDEOLOGISCHE BETÄTIGUNGSFELDER

Auf dem Gelände des verfallenen Schlosses Krampfer in Brandenburg kam es 2009 zur Gründung 
des reichsideologischen Wohnprojektes „Fürstentum Germania“. Daran beteiligten sich 
verschiedene Personen und Gruppierungen aus dem rechtsesoterischen Spektrum. Dieser 
Staatsgründungsversuch wurde von der Polizei beendet, da das Fürstentum dachte, es müsste 
als eigener Staat keine Baugenehmigungen einholen. Die Verweigerung Steuern zu zahlen und 
die Auseinandersetzung mit Behörden wegen Bußgeldern und anderen Zahlungsaufforderungen 
gehört zu einem der Hauptbetätigungsfelder der sogenannten Reichsbürger*innen.

Protest gegen Naidoo bei den fürstlichen Schlossfestspielen in Regensburg 2015
Im November 2012 ist die Miliz „Deutsches Polizei Hilfswerk“ (DPH) das erste Mal in das 
Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit getreten. Im sächsischen Radeburg sollte eine 
Zwangsvollstreckung durchgeführt werden. Doch der Gerichtsvollzieher traf nicht nur auf 
die von der Zwangsvollstreckung betroffene Person, sondern auch auf etwa ein Dutzend 
uniformierte Mitglieder des reichsideologischen DPH. Diese erklärten dem 
Gerichtsvollzieher, dass er eine illegale Handlung durchführen wolle und deshalb 
festgesetzt werden müsse. Sie fesselten ihn und riefen die Polizei, die den 
traumatisierten Mann schließlich aus seiner Gefangenschaft befreite. Ein weiteres 
Beispiel, bei dem die Aktivitäten der sog. Reichsbewegung weit über einen rechtlichen 
Kleinkrieg mit der deutschen Justiz hinausgingen, ist das im Internet verbreitete 
Schreiben „Ausweisung aus Deutschland“ der Gruppe „Neue Gemeinschaft von Philosophen“ 
(NGvP ). Wobei bereits die Adressierung an der rassistischen Haltung der Verfasser*innen 
keinen Zweifel lässt. Im Text selbst steht, dass die BRD lediglich eine Firma sei, die im 
Auftrag der Alliierten von einer jüdisch-freimaurerischen Marionettenregierung geleitet 
würde. Das Ziel dieser Regierung sei die Völkervernichtung durch Rassenvermischung. Die 
Empfänger*innen wurden in dem Schreiben aufgefordert das Land zu verlassen, da bald ein 
Krieg in Europa ausbrechen würde, in dem die Nato gegen mehrere asiatische Länder kämpfen 
werde. Wer sich nach dem Beginn dieses Krieges noch in Deutschland aufhalte und nach 
Ansicht der NGvP raum-, wesens- oder kulturfremd sei, werde standrechtlich erschossen. 
Anknüpfungspunkte dieser Ideologie finden sich sowohl in der Esoterik und im sog.

Neuheidentum als auch in der klassischen Verschwörungsszene und Truther-Bewegung. Aber 
auch die völkische Kapitalismuskritik mit der antisemitischen Unterscheidung zwischen

schaffendem und raffendem Kapital sind der Reichsideologie immanent. Xavier Naidoo 
verkehrt mit solchen Leuten und versucht, Kernthesen der Reichsideologie zu vermitteln, 
z.B. im ARD Morgenmagazin vom Oktober 2011 durch Aussagen wie: „Aber nein, wir sind nicht 
frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag 
und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei.“ Seine Songs wie z. B. „IZ 
ON“ der Söhne Mannheims werden von der vorher erwähnten Gruppe „Reichsbewegung – Neue 
Gemeinschaft von Philosophen“ zur musikalischen Unterlegung von Propagandavideos genutzt. 
Wer solche Freund*innen hat, dürfte wohl Antisemit sein.

Simon Birnelm

https://www.direkteaktion.org/232/reichlich-viel-reich


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