(de) Fau-Iaa Direct Action #232 NOV/DEZ 2015 Freifunk -- Was hat das mit Kultur zu tun?

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Fri Apr 22 08:36:06 CEST 2016


Wenn Menschen etwas über Freifunk wissen, dann sind es oft diese zwei Dinge: ---- „Ich 
stelle meinen Zugang zum Internet anderen Menschen offen zur Verfügung“ ---- und ---- 
„wenn die dann etwas illegales machen, muss ich dafür haften“. ---- Das ist zum einen nur 
ein kleiner Bruchteil dessen, was Freifunk ist und zum anderen so auch nicht ganz richtig. 
Wo oder was wären wir (heute) ohne Internet? Immer und überall erreichbar, verfügbar, 
online, vernetzt, kommunikativ, interessiert, mitteilungsbedürftig, einkaufen, informativ, 
abgelenkt, woanders,… – „drin“, wie Bummbumm Becker einst sagte. ---- „Freies Netz mit 
simpler Technik!“ ---- Aber was ist „das Internet“? Für viele nicht mehr als das Word Wide 
Web (kurz: WWW oder W3), auch „Internet-Seiten“ genannt. Wikipedia, Google, Facebook, 
Amazon, Klaus, Jenny, Angela Merkel und der Papst – sie alle haben eine: Internet-Seite. 
Informationsaustausch. Web 2.0. Zum mitmachen.

Mitmachen!Aber das Internet ist mehr als nur das. Nein, es ist noch nicht einmal das. Es 
ist an sich „nur“ eine Struktur, eine Vernetzung verschiedener (Computer-)Systeme über den 
gesamten Globus verteilt. Ein großes Netzwerk.Das Internet sind „die Kabel und Computer“ 
und das WWW sind die Daten, die wir darüber austauschen, meistens via HTTP, neuerdings 
auch vermehrt verschlüsselt durch HTTPS. Tablet- und Smartphone-Benutzer_innen bekommen 
davon heutzutage kaum noch was mit – die Abstraktionsschicht hat durch sogenannte „Apps“ 
noch weiter zugekommen.Und, können wir im Web 2.0 auch am Internet mitmachen? Nööö! Das 
„gehört“ der Telekom, oder Kabel Deutschland, oder sonst welchen Unternehmen, die mir ihre 
Leitung ins Haus legen. Ich kann zwar Soli-Konzerte auf Facebook bewerben oder einen 
Artikel auf Wikipedia verfassen, ein Youtube-Video erstellen oder meine Spielsachen auf 
eBay-Kleinanzeigen verhökern, aber wenn mein ISP (Internet Service Provider) mir kein 
Kabel ins Haus legen will oder ich noch in Hintertupfingen wohne, wo der Empfang 
sauschlecht ist, dann habe ich verkackt.

Ebenso wie viele geflüchtete Menschen derzeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen oder 
Flüchtlingsunterkünften. Welches Unternehmen würde hier mit den Menschen einen DSL-Vertrag 
abschließen (wollen), mit 24 Monaten Laufzeit? Richtig. Und langsam nähern wir uns dem 
Thema Freifunk. Für das Internet gibt es Anbieter_innen und Konsument_innen. Web 2.0 hat 
dafür gesorgt, dass diese Trennung bei den Informationen zumindest teilweise aufgehoben 
wird. Die Konsument_innen liefern den Inhalt; werden zu Reporter_innen, Lehrer_innen, 
Therapeut_innen, geben Tipps und Ratschläge, berichten von entferntesten Orten und 
Geschehnissen – schneller und breiter als es die meisten klassischen Anbieter_innen 
könnten. Es bedarf nur einer entsprechenden Plattform. Facebook, Twitter, Wikipedia, 
Wordpress, Flickr, Whatsapp etc. pp. Das sind die Anbieter_innen. Genauso wie Telekom, 
Vodafone, 1 & 1, Hetzner, DE-CIX: ISPs, Webhoster und –Plattformen, welche für die nötige 
Infrastruktur sorgen.

ALTERNATIVE UND ERGÄNZUNG ZUM HERKÖMMLICHEN INTERNET

Und hier ist an ein „Mitmachen“ nicht zu denken. Hier wird vorgegeben, kontrolliert und 
eingeschränkt – auch abkassiert! Welchen Nutzen hat dann aber Freifunk? Eben diesen, dass 
ich als Freifunker_in „nicht nur meinen Internet-Zugang freigebe“ sondern vielmehr Teil 
einer alternativen Infrastruktur werde. Ein Knotenpunkt in einem parallelen Netzwerk zum 
herkömmlichen Internet, unabhängig von kommerziellen Firmen, frei von zensierenden 
Behörden, verwaltet und gestaltet von den Menschen, die es nutzen! Informationen können 
dort verfügbar gemacht werden, wo sie sich für ISPs wirtschaftlich nicht lohnen. 
Kommunikation kann dort stattfinden, wo sie eigentlich nicht gewollt ist. Teilen wird dort 
möglich, wo es an sich illegalisiert wird.Was machen Menschen, wenn Zensur stattfindet 
(Zugangserschwerungsgesetz)? Oder wenn Überwachung vorangetrieben wird 
(Vorratsdatenspeicherung)? Wenn Gemeingut kommerzialisiert, privatisiert oder staatlich 
kontrolliert wird (ICANN, Telekom, DE-CIX, ...)?

Sie suchen Alternativen! Freifunk ist sowohl Alternative als auch Ergänzung zum uns 
bekannten Internet.Und wie (schaut die Praxis aus)? Konkret heißt freifunken, dass mensch 
sich einen geeigneten WLAN-Router besorgt, diesen mit der Freifunk-Firmware bespielt und 
ihn an das eigene Netz anschließt (in den meisten Fällen also an den eigenen WLAN-Router 
zu Hause). Alternativ gibt es auch „fertige“ Router bei Freifunk zu erwerben. Sobald 
dieser „Freifunk-Router“ aktiv ist, bildet er einen Knoten. Jede_r Betreiber_in eines 
Freifunk-Knotens kann entscheiden, ob der eigene Zugang zum Internet über diesen Knoten 
freigegeben werden soll. Sind weitere Knoten in Reichweite, verbinden sich die Router 
untereinander zu einem (Mesh)Netz. Dieses Netz ist offen und frei zugänglich für alle. Ob 
und wenn ja welche Inhalte dort verfügbar sein werden liegt letztendlich an uns 
allen...Aber wie sieht es nun mit der Haftung aus? Freifunk Franken schreibt hierzu: „Da 
wir allen Datenverkehr ins Internet über unseren eigenen Provider (Freie Netze e.V., 
Berlin) oder eigene Zugänge im umliegenden Ausland umleiten, bleiben unsere 
Internet-Spender anonym und sind vor der so genannten Störerhaftung geschützt. Sollten wir 
trotzdem aber über kriminelle Tätigkeiten in unserem Netzwerk informiert werden, werden 
wir gegebenenfalls natürlich mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten, um die 
entsprechenden Täter ausfindig zu machen.“1 Dennoch gibt es bei dieser Vision eines freien 
Internets kritische Fragen: Müssen wir überhaupt immer und überall online gehen (können)? 
Ist der Mensch hierfür wirklich schon bereit? Sind wir uns nach gut drei Generationen 
Internet über dessen Langzeitfolgen bewusst? Und: wenn niemand das Internet kontrolliert, 
wird es dann noch mehr zugemüllt mit menschenverachtendem Dreck?

Brip

[1] * wiki.freifunk-franken.de/w/FAQ#Sind_freie_und_anonyme_Netze_nicht_illegal.3F

https://www.direkteaktion.org/232/freifunk


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