(de) FdA/IFA - Gai Dào #55 - Im guten Glauben verkauft, von Gregor Marweld verdrängt -- Eine Warnung an alle Hausbesitzer*innen und Mieter*innen! Von: Henriette Herbert (28.5.2015)

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Sun Jul 19 12:41:08 CEST 2015


Es hätte ein so schönes Beispiel für eine Nachbarschaft sein können, wie ihn sich 
Stadtentwicklungs- und Sozialsenator*innen wünschen: Mieterinnen und Mieter eines kleinen 
Altbauhauses in Berlin am Baumschulenweg entwickeln eine freundschaftliche Beziehung, 
helfen sich gegenseitig und genießen gemeinsam den selbst bewirtschafteten grünen 
Hinterhofgarten. Doch 2015 sind die ersten Mieter*innen entweder verstorben, bereits 
ausgezogen oder bangen um ihr Zuhause, weil sie die Klageschrift bezüglich Duldung einer 
entmietungsstrategischen Modernisierung und Mieterhöhung auf dem Tisch haben. Kläger ist 
ein stadtbekannter Immobilienspekulant, der lieber auf Vernachlässigung des Mietshauses, 
Ignoranz von Mieteranfragen setzt und die rechtliche Keule gegen lästige Bewohner*innen 
schwingt, als mit "seinen" neuen Mieter*innen zu kommunizieren.

Etwa ein Jahr ist es her, als wir das Gewitter, das uns jetzt um die Köpfe
donnert, haben anrollen sehen. Chic gekleidete Menschen mit
Klemmbrettern und Exposé-Ordnern schlichen durch den Hausflur. Auf
Fragen der Bewohner*innen zum Anliegen ihrer vermehrten Besuche
reagierten sie nicht. Schnell war klar, dass es sich um
Immobilienmakler*innen handelt. Warum sich unser ehemaliger
Vermieter, Herr Pietsch (Name geändert), ausgerechnet für die Firma
Engel & Völkers entschieden hat, werden wir wohl nie erfahren, doch
dass ihre Beratung und Käuferempfehlung mehr als zweifelhaft waren,
konnten wir später in Erfahrung bringen. So war es Herrn Pietsch
wichtig, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Schraderstaße 16
in ihren Wohnungen bleiben können und notwendige
Modernisierungen erst stattfinden, wenn ein Mieter auszieht. Leider
ließ er sich dies nur per Handschlag vom neuen Vermieter bestätigen. Er
war gutgläubig, denn Engel & Völkers haben ihm die WMGV
Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH, mit Geschäftsführer Gregor
Marweld, als kleine GmbH vorgestellt, die ihnen vertraut und als
zuverlässig bekannt sei. Engel & Völkers wussten genau, was ihrem
Kunden wichtig war, und passten, allem Anschein nach, ihre
Vermittlungsstrategie an, denn Herr Pietsch wollte an keine große
Immobilienfirma verkaufen. Sein Gesundheitszustand drängte ihn
jedoch zu einem möglichst schnellen Verkauf, und nachdem ein privates
Architektenpaar kurzfristig abgesprungen war, blieb nur die
vermeintlich "nette, kleine" GmbH, die WMGV. Die Hausgemeinschaft
hatte somit keine Zeit sich zu organisieren, um das Haus eventuell
gemeinsam mit dem Mietshäusersyndikat kaufen zu können, was Herrn
Pietsch bereits als Möglichkeit unterbreitet wurde.

Leider müssen wir das Schlimmste befürchten, denn die WMGV ist
keine nette, kleine GmbH, sondern genau das Gegenteil, und Gregor
Marweld ist kein unbekannter Verdrängungstäter. Bei vielen Menschen
gilt er sogar als einer der skrupellosesten Immobilienbesitzer. Vor zehn
Jahren war er Hausverwalter der Yorckstraße 59, welche illegalerweise
am 6.6.2005 zwangsgeräumt wurde1. Zudem wurden Menschen aus
dem sozialen und kulturellen Hausprojekt von ihm auf unterschiedliche
Weise schikaniert und bedroht und körperlich angegangen. Über
Weihnachten wurde beispielweise die Etage zu den Vereinsräumen
zugemauert. Jetzt ist das Gebäude in bester Innenstadtlage luxussaniert.
Gregor Marweld hat mittlerweile viele Jahre Übung in der Verdrängung
von Menschen und es scheint ihm auch gleichgültig zu sein. Sein
Sicherheitspolster, das er hinter sich hat, ist dick, denn er ist in einer
Immobilienfamilie aus Berlin aufgewachsen und besitzt mehrere
Firmen, die ein undurchsichtiges Immobiliengeflecht darstellen. Auch
in Johannisthal treibt er sein Unwesen, dort wurden mehrere von ihm
gekaufte Häuser in Eigentumswohnungen umgewandelt.

Wie in einem schlechten Tatort geht die Geschichte unseres Hauses und
der Beginn einer Verdrängung weiter. Im August 2014 wurden die
Kaufverträge unterzeichnet, doch wurde Herr Pietsch angehalten seinen
Mietern davon nichts zu erzählen. Als wir ihm nach der August-, auch
die Septembermiete überwiesen haben, holte er sich anwaltlichen Rat
und benachrichtigte uns, dass es einen Verkauf gegeben hat und er uns
die Miete zurücküberweisen wird. Wir sollten uns doch bitte von der
WMGV die Kontoverbindung geben lassen, um das Geld an den neuen
Eigentümer überweisen zu können. Nur wenige Tage später, als uns
diese Nachricht ereilte, kam auch ein Brief der WMGV, mit einer
förmlich und rechtlich hanebüchenen Erklärung über einen
Eigentümerwechsel. Da uns das alles mehr als seltsam vorkam,
überwiesen die meisten der Mietparteien unter Vorbehalt an den neuen
Eigentümer. Der älterer Bewohner Herr Sonntag (Name geändert)
sowie das Jobcenter zahlten weiter an den ehemaligen Vermieter. Ohne
jeden Versuch der persönlichen Kontaktaufnahme kam, nur 12 Tage
nachdem die WMGV als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen war,
die Modernisierungsankündigung und gleichzeitig eine Mieterhöhung,
welche einen Monat vor Sanierungsbeginn in Kraft treten sollte. Zu
diesem Zeitpunkt lebte Herr Sonntag schon nicht mehr. Etwa 3 Monate
nachdem das Haus verkauft wurde, wurde er tot in seiner Wohnung
aufgefunden. Für ihn wäre eine Modernisierung und Steigerung der
Mietkosten von über 100 Prozent nicht denkbar gewesen, genauso
wenig wie der Auszug aus dem Haus, in dem er seit mehr als drei
Jahrzehnte gelebt hatte. Ob ein Zusammenhang zwischen seinem Tod
und der Verdrängungstaktik der WMGV besteht, lässt sich nach seinem
Ableben wohl schwer herausfinden, jedoch wäre es nicht das erste Mal,
dass auf Grund von Verdrängung Menschen sterben. Wir denken an
dich Rosemarie F.! Sie verstarb am 11. April 2013 in Berlin, nur zwei
Tage nachdem sie zwangsgeräumt wurde.

Dass Häuser modernisiert werden, unter dem Deckmantel der
energetischen Sanierung, damit die Regierung als Alibi das "Klima
retten" kann, ist nicht neu. Der Klimawandel wird für die
Immobilienbesitzer*innen dankend als perfides Argument "für das
Interesse der Allgemeinheit auf Klimaschutz" missbraucht, um ihren
Profit noch dreister in die Höhe schnellen zu lassen. Denn durch die
steigenden Mieten und die daraus resultierende Verdrängung der
Altmieter*innen, können sie viel höhere Verkaufswerte der Immobilien
erzielen.

Doch wie soll das Klima geschützt werden, wenn Millionen von Tonnen
Sondermüll, in Form von Polystyrol-Dämmmaterial produziert werden
und intakte Altbauten kaputtsaniert werden???

In unserem Fall soll die energetische Sanierung bis aufs Äußerste
getrieben werden, mit undenkbar hohen Kosten, damit unsere Miete auf
über 10 EUR pro Quadratmeter steigt und es sich keiner im Haus mehr
leisten kann. Am besten wir ziehen alle ganz von alleine aus. Was dann
mit dem Haus passieren würde ist Spekulation. Ein Blick auf bereits
entmietete Häuser lässt mehrere Szenarien denkbar werden: 1. Das
Haus wird ohne Menschen und ohne Modernisierung schnell profitabel
weiter verkauft, 2. das Haus wird in Eigentumswohnungen
umgewandelt, nachdem es modernisiert wurde, oder 3. es bleibt viele
Jahre leer stehen, bis höhere Rendite in Aussicht stehen.

Doch das lassen wir uns nicht gefallen! Wir wehren uns und bleiben!
Fast alle Parteien aus dem Haus haben der Duldung zur
Modernisierung nicht zugestimmt, sondern angefangen sich zu
organisieren! Wir ziehen mit der Mietergemeinschaft und dem
Mieterbund vor Gericht, veranstalten Informationsabende und Soli-
Partys, um entstehende Kosten und Gutachten tragen zu können. Wir
bringen uns beim Mietenvolksentscheid ein, vernetzen uns mit anderen
verdrängungsbedrohten Häusern wie der Friedelstrasse54, unterstützen
die Gentrifizierungs-Frei-Tage vom 29. - 31. Mai auf der Lohmühle und
treten mit Presseartikeln an die Öffentlichkeit.

Die Häuser denen, die drin wohnen!

Kontakt: schraderstrasse16 at posteo.de

Fußnote:
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Yorck59 und
http://de.indymedia.org/2005/05/117830.shtml


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