(de) FdA/IFA - Gai Dào #55 - Bericht zum letzten FdA-Treffen in Nürnberg Von: Aufder Suche (Nürnberg)

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Sat Jul 11 12:09:15 CEST 2015


Mitte Juni 2015 fand das jährlich drei Mal ausgerichtete Treffen der Föderation 
deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) in Nürnberg im Projekt 31 statt. Durch die 
Aufnahme anarchistischer Gruppen aus Bayern in die FdA zu Anfang dieses Jahres ergab sich 
dadurch auch zum ersten Mal die Gelegenheit ein FdA-Treffen in einer Region zu 
veranstalten, in der sie zuvor nie präsent gewesen war. ---- Nachdem das letzte 
FdA-Treffen in Ludwigsburg in Baden-Württemberg-stattgefunden hatte, wurde das aktuelle 
Treffen erneut im Süden organisiert, was sich natürlich auch auf die Gastgruppen 
auswirkte. So war in Nürnberg mit der Revolutionären Jugendgruppe (RjG) aus dem Schweizer 
Bern nur eine Gastgruppe anwesend. Die Gruppe reiste extra für das Treffen an, um sich im 
deutschsprachigen Raum weiter zu vernetzen und Kontakte zu intensivieren.

Zudem ergab sich durch den Besuch eines Mitgliedes der Liga Anarquista aus dem
brasilianischen Rio de Janeiro die Möglichkeit, Informationen aus erster
Hand über den Anarchismus und die anarchistische Organisierung in
Südamerika zuerhalten. Die internationalen Kontakte, die bereits über
die Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA) gepflegt
werden, konnten so weiter ausgebaut werden.

Alles in allem nahmen an dem Treffen ca. 20 Personen aus acht
verschiedenen Gruppen teil, die aus dem gesamten deutschsprachigen
Raum angereist waren. Diese reisten mehrheitlich bereits am
Freitagabend an, wodurch die Gelegenheit entstand, sich
kennenzulernen bzw. an bereits bestehende Bekannt- und
Freundschaften anzuknüpfen, sowie die Chance das Projekt 31 als
Veranstaltungsort kennenzulernen. Das Projekt 31 ist ein autonomes
und selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum, welches seit Juni
2014 besteht. Hier finden regelmäßig Konzerte, Vorträge, Filmeabende,
Lesekneipen und eine große Anzahl weiterer Angebote statt. Denn
auch eine Fahrradwerkstatt, eine vegane Küfa sowie ein Umsonstladen
finden sich unter dem Dach des Hauses, das nebenbei noch weiteren
Initiativen und Gruppen Raum bietet, sich zu treffen oder ihre Inhalte
nach außen zu tragen.

Trotz der bis in die Nacht andauernden Gespräche begann am
Samstagmorgen nach dem Frühstück pünktlich die Arbeitsphase des
Treffens. Nach einer Begrüßung und der sehr interessanten Vorstellung
der Gastgruppen aus Bern und Rio de Janeiro gab es die Möglichkeit für
die anwesenden Gäste und neuen Mitglieder die Strukturen und
Abläufe der FdA sowie der IFA erklärt zu bekommen. Dieses Angebot
wurde rege in Anspruch genommen, da es scheinbar viele Fragen
hinsichtlich der Arbeitsweise der beiden Organisationen gab.

Im Anschluss bildeten sich zwei Arbeitsgruppen: Die erste Gruppe
arbeitete an einem (selbst-)kritischen Rückblick auf den G7-Gipfel und
die damit verbundene FdA-Kampagne. Die zweite Arbeitsgruppe
beschäftigte sich mit der Arbeit der Gaidao (der Monatszeitschrift der
FdA) und genauer mit möglichen Verbesserungen in Anbetracht der
Redaktionsauslastung.

Im weiteren Tagesverlauf bildeten sich in Zug einer weiteren
Gruppenphase Arbeitsgemeinschaften, die zu den Themenfeldern IFA,
der Ausrichtung eines FdA-Sommercamps und obendrein zu einer
anvisierten Kampagne zum Thema "25 Jahre deutsche Einheit"
arbeiteten. Die erste Gruppe beschäftigte sich beispielsweise damit, das
FdA-Modell assoziierter Projekte, die kein Mitglied der Föderation, aber
mit dieser auf Projekt- und Informationsebene verbunden sind, auch auf
die IFA-Ebene zu übertragen, um auch Gruppen und kleinere
Organisationen sinnvoller in die internationale Arbeit einbinden zu
können. Ein auf dem Treffen konkret ausformulierter Vorschlag soll auf
dem nächsten CRIFA-Treffen im Juni in London eingebracht werden.
Die zweite Gruppe entwarf ihrerseits ein Konzept für die Ausrichtung
eines FdA-Sommercamps im Spätsommer und sammelte zudem
Ideen für eine dezentrale Kampagne gegen die Einheitsfeierlichkeiten,
welche dieses Jahr in Frankfurt stattfinden.

Nach der Mandatsvergabe für die Referate der FdA, einem weiteren und
ausführlicherem Input zu anarchistischer Politik in Brasilien, sowie
dem für diesen Tag abschließenden Gesamtplenums konnten die Anwesenden
bei schönem Wetter das Abendessen im Hof des Projekt 31 genießen. Im
Anschluss besuchten alle gemeinsam noch die Party des lokalen
antifaschistischen Jugendbündnisses, um den Abend ausklingen zu
lassen.

Am Sonntag beschäftigten sich die Anwesenden in weiteren
Arbeitsgruppen mit der Organisierung eines Skillsharing-Projekts,
während die Revolutionäre Jugendgruppe aus Bern von ihren
Erfahrungen bei Besuchen in Rojava und Kobane erzählte und ein
Projekt zur Unterstützung des Wiederaufbaus für Rojava vorstellte, für
das Spenden gesammelt werden.

Nach einer ausführlichen Feedback-Runde, in der alle Teilnehmer*innen
sich zum Verlauf und zur Stimmung auf dem Treffen äußern konnten,
endete am Sonntagnachmittag dann er offizielle Teil des Treffens. Im
Anschluss fanden jedoch noch weitere interessante Gespräche auf
informeller Ebene statt, bevor die ersten dann im Laufe des
Nachmittags wieder abreisten. Trotz der für FdA-Treffen eher geringen
Beteiligung durch Mitglieds- und Gastgruppen war das gesamte
Wochenende im Allgemeinen jedoch sehr produktiv und das nach wie
vor hohe Interesse an einer überregionalen anarchistischen Vernetzung
wurde durchaus deutlich. Neben dem Austausch von Informationen
und Erfahrungen war das FdA-Treffen eine gute Möglichkeit
persönliche Kontakte zuknüpfen und gemeinsam an Projekten zu
arbeiten, die auf lokaler Ebene nicht umsetzbar wären.


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