(de) FAU-IAA: Direct Aktion #229 - Syndikalismus im Museum

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Thu Jul 9 15:18:54 CEST 2015


Das historische Umfeld der Bakuninhütte ist mit einer Ausstellung sowie einem Kulturpaket 
Teil des kommunalen Veranstaltungskalenders ---- Das historische Unikat des 
mitteleuropäischen Anarchosyndikalismus ist dieses Jahr sogar Teil des offiziellen 
Veranstaltungsprogramms der südthüringischen Theaterhochburg Meiningen geworden. 
Geschuldet ist dies nicht zuletzt der Kooperation des Wandervereins Bakuninhütte mit der 
Erich-Mühsam-Gesellschaft (EMG), jener Literaturgesellschaft, die sich dem Gedenken an den 
insbesondere in der ehemaligen DDR bekannten Schriftsteller, Anarchisten und Bohémien 
(näheres zu seiner Person und zu seiner Frau Zenzl in den DA-Ausgaben 224 und 225) widmet. 
Die EMG wurde vor etwa 25 Jahren in Lübeck gegründet, dem Ort seiner Kindheit und frühen 
Jugend. Zusammen mit den Meininger Museen und der kommunalen Kulturpolitik kam es bereits 
vorletztes Jahr zur Planung einer Veranstaltungsreihe. Diese wurde aber wegen des 100. 
Todestages des "Theaterherzogs" Georg II. verschoben. Während seiner Regentschaft wurde 
das Schauspiel besonders gefördert und revolutioniert. Die einstige Residenzstadt mit etwa 
20.000 Seelen verfügt deshalb über ein Staatstheater und ein Theatermuseum. In der 
Schlosskirche wird die Fachtagung "Erich Mühsam in Meiningen" am 14. Juni mit szenischer 
Lesung sowie Konzert feierlich beendet.

MEININGEN UND SEINE ANARCHISTEN

Zurzeit sind die Akteure des Wandervereins Bakuninhütte emsig dabei, ein eigenes 
Ausstellungskonzept umzusetzen, das den historischen Kontext der Erbauerzeit von 
lebensreformerischen Welten über die eng mit der Hütte verbundene FAUD bis zum 
ideengeschichtlichen Hintergrund des Anarchismus und seiner Protagonisten umfasst. Die 
Geschichte der Hütte von der Weimarer Republik über die NS-Zeit und die DDR bis in die 
Gegenwart stellt den lokalen Bezug her. Exponate wie die Bibliothek der 
Anarchosyndikalisten, der Gedenkstein des Namensgebers Bakunin, die Überreste der 
Terrazzotafel mit dem Hüttenspruch und historisches Werkzeug schaffen einen plastischen 
und authentischen Eindruck der libertären Gewerkschaftsbewegung vor Ort. Dazu gibt es eine 
Ausstellung der EMG über Leben und Werk Erich Mühsams. Sein Aufenthalt an der Bakuninhütte 
ist per Postkarten belegt. Diese Doppelausstellung ist im barocken Residenzschloss 
Elisabethenburg zu sehen, das das kulturhistorische Museum der Stadt beherbergt. Sie trägt 
einerseits den mutigen Titel "Meiningen und seine Anarchisten" und andererseits "Erich 
Mühsam in Meiningen". Unterstützt wird das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft 
Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten.

Mühsam an seine Frau Zenzl: "Diese Hütte haben die Genossen gebaut, 600 Meter hoch, mitten 
im schönsten Wald..."

Zur Eröffnung wird am 17. Mai, dem Internationalen Museumstag, geladen. Dabei wird 
Christoph Holzhöfer aus Berlin Gedichte Mühsams mit Gitarre und Gesang begleiten. Am Tag 
zuvor wird Dr. Andreas Seifert, Leiter des Literaturmuseums Baumbachhaus, den jährlichen 
LeseWanderTag dieses Mal als "die Anarchotour" gestalten. Er liest Texte Mühsams zur 
musikalischen Begleitung Holzhöfers und informiert über lokalgeschichtliche Begebenheiten. 
Die Tour endet an der Hütte, wo die Teilnehmer, neben Speis und Trank, auch Führungen 
erwarten.

ZWISCHEN POESIE UND FAUD

Auch in Meiningen zu sehen - die originale Schreibmaschine von Erich Mühsam als Exponat 
von der EMG geliehen

Vom 11. bis zum 14. Juni wird eine Fachtagung mit dem Titel "Erich Mühsam und die Idee des 
freiheitlichen Sozialismus. Ein historischer Überblick zum Anarchosyndikalismus in 
Thüringen, die Bakuninhütte bei Meiningen und ihren soziopolitischen Hintergrund" 
stattfinden. Neben den Vorträgen und Diskussionen wird es Filmvorführungen, Besuche von 
Kulturstätten und eine Führung zur Hütte geben. Hartmut Rübner wird zur freiheitlichen 
Tradition der Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung referieren. Siegbert Wolf wird den 
ersten Prozess gegen die FAUD vor dem Volksgerichtshof 1936 beleuchten. Die 
Lebensgeschichte Zenzl Mühsams wird Uschi Otten anhand von Briefen und Dokumenten 
darstellen. Annegret Schüle widmet ihren Vortrag dem Anarchosyndikalismus in Thüringen am 
Beispiel Sömmerdas, einer einstigen Hochburg der Bewegung. Ebenso eine Rolle auf der 
Tagung spielen anarchistische Bildungspolitik, Lebensreformbewegung bzw. Freikörperkultur, 
Vagabundenbewegung und natürlich die Entstehungsgeschichte der Bakuninhütte. Die Tagung 
endet mit der Lesung "Es knarrt der Seele morsches Gerüst" und dem Konzert "In memoriam 
Erich Mühsam" am Sonntag.

Wer dann immer noch nicht Zeit gefunden hat, einmal nach Thüringen zu kommen, hat am Tag 
des offenen Denkmals (13. September) eine weitere Gelegenheit, die Hütte und die 
Sonderausstellung im Schloss zu besuchen. Noch einmal wird Andreas Seifert die Anarchotour 
als Wanderung mit historischen Stationen um die fränkische Kleinstadt begleiten, die bis 
zur Entstehung des Landes Thüringen 1920 Hauptstadt eines eigenständigen Herzogtums bzw. 
nach der Novemberrevolution kurzzeitig des Freistaats Sachsen-Meiningen war. Eine Station 
wird dabei das Grab dreier erschossener Arbeiter sein, deren Geschichte Teil der Tour sein 
wird.Der Historiker Ulrich Linse stellt die Einzigartigkeit der Bakuninhütte heraus: "So 
scheint die Bakuninhütte bei Meiningen also der einzige halbwegs gelungene Plan zur 
Errichtung eines anarchistischen Ferienheims während der Weimarer Zeit geblieben zu sein." 
Dabei war der Ort noch weit mehr als ein "Ferienheim": lebendiges Beispiel für 
gegenseitige Hilfe und frühes D.I.Y. (Do-it-yourself); ein Ort zum Durchatmen außerhalb 
der Lohnarbeit und (halbwegs) selbstbestimmte anarchosyndikalistische Begegnungsstätte.

Christian Horn

PROGRAMM VON MAI BIS SEPTEMBER
Sa. 16. 5. Die Anarchotour
(LeseWandertag im Meininger Land) folgt ab 10 Uhr Erich Mühsams Spuren den Weg hoch zur 
Bakuninhütte. Treffpunkt ist der Schlosshof von Elisabethenburg, geführt vom Leiter des 
lokalen Literaturmuseums sowie musikalisch begleitet von Christoph Holzhöfer.

So. 17. 5. - 27. 9. "Sich fügen heißt lügen"
(Sonderausstellung: Erich Mühsam in Meiningen - Meiningen und seine Anarchisten)Eröffnung 
im Rahmen des Internationalen Museumstages: 17. Mai um 15 Uhr im Schloss Elisabethenburg 
mit musikalischem Rahmenprogramm von Christoph Holzhöfer

Do. 11. 6. - 14. 6. Fachtagung
"Erich Mühsam in Meiningen"Trotz Frist zum 1. Mai bei Teilnahmewunsch einfach auch kurz 
nach Anmeldeschluss melden.

So. 14. 6. "Es knarrt der Seele morsches Gerüst" (Meininger Museumsabend)
Die Fachtagung klingt am Sonntag ab 19 Uhr in der Schlosskirche aus mit einer szenischen 
Lesung, begleitet vom Musiker Rocco Boness (Hamburg) auf dem Bandoneon. Nach einer Führung 
durch die Doppelausstellung werden die Sängerin Anna Haentjens aus Elmshorn und Sven Selle 
aus Hamburg am Klavier mit ihrem Konzert "In memoriam Erich Mühsam" zu hören sein.

So. 13. 9. Tag des offenen Denkmals
Eine Rundwanderung (6 Stunden) mit geschichtsträchtigen Stationen auf den Spuren Erich 
Mühsams zur Bakuninhütte beginnt am zweiten Sonntag im September um 10 Uhr im Schlosshof. 
Mittags wird bei warmen Speisen und Getränken bei einer Führung durch die Hütte sowie das 
umgebende Gelände mit Informationen zur Nutzungsgeschichte gerastet. Auf dem Heimweg kann 
man sich an der landschaftlichen Idylle des Werratals erfreuen.

Ausgiebige Beschreibungen sind zu hier zu finden:
www.muehsam-in-meiningen.de

Lokale Mitglieder stehen gerne für einen Besuch außerhalb der Highlights nach Absprache 
für euch bereit:
kontakt at bakuninhuette.de

Information zur Hütte unter:
www.bakuninhuette.de

https://www.direkteaktion.org/229/syndikalismus-im-museum


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