(de) anarcho-syndicalist Youth Leipzig SJL - Jahresrückblick 2014

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Thu Jul 2 09:48:55 CEST 2015


Das Jahr 2014 ist nun schon eine ganze Weile vorüber, doch wir wollen es nun noch einmal 
Revue passieren lassen und in kompakter Form präsentieren, wie sich dieses Jahr für uns 
gestaltet hat. ---- In einem eher ruhigen Winter, in dem wir außer unseren regelmäßigen 
VeKüs keine größeren Aktionen machten, bereiteten wir uns bereits auf den Frühling vor. Im 
März findet in Leipzig die Buchmesse statt. Auch wir ließen uns nicht lumpen und 
organisierten die Vorstellung der zwei Bücher "Kommen sie da runter!" von der 
Kletterkünstlerin Cécile Lecomte und "Christlicher Anarchismus" von Sebastian Kalicha. 
---- Im April hatten wir Besuch von einem Aktivisten des Anarchist Black Cross aus 
Belarus, eine Gruppe, die tagtäglich mit politischer Repression in einem Ausmaß 
konfrontiert sind, das uns zum Glück (noch?) erspart bleibt. Das ABC setzt sich für die 
Rechte von verfolgten Anarchist_innen ein. Zusammen mit der FdA organisierten wir unter 
dem Motto "Until it Breaks" die Veranstaltung in Leipzig im Rahmen der Belarus-Infortour. 
Dabei haben wir Spenden gesammelt, T-Shirts und Infomaterial verteilt, Werbung für die 
"Week of Solidarity with Anarchist Prisoners" im August gemacht und selber noch so einiges 
über die Situation in Belarus erfahren. Belarus wird als die "letzte Diktatur Europas" 
gehandelt und wird seit 1994 von Alexander Lukaschenko regiert, der fast jede Opposition 
verfolgen lässt. Die wenigen Linken und Anarchist_innen in Belarus erwartet Bespitzelung 
bis hin zu Gefängnis(-lager), wenn sie auch nur eine Demo organisieren. Wir haben größten 
Respekt vor euch! (fda-ifa.org/belarus-infotour/)

Der Erste Mai stand vor der Tür, doch vorher hatten wir noch etwas anderes zu tun. Zum 
Workers Memorial Day am 28. April machten wir zusammen mit der Freien ArbeiterInnen Union 
(FAU) Leipzig und der IWW eine Kundgebung in der Innenstadt, bei der wir der 
Arbeiter_innen gedachten, die bei Arbeitsunfällen verletzt oder getötet wurden. Gründe 
dafür gibt es leider noch viele. Ein paar Tage zuvor hatte sich der Fabrikeinsturz in 
Bangladesch, bei dem weit über 1100 Textilarbeiter_innen starben, die gezwungen wurden in 
einem einsturzgefährdeten Gebäude zu arbeiten, gejährt. Viele Menschen sind durch ihre 
wirtschaftliche Lage dazu gezwungen, unter gefährlichen oder gesundheitsschädlichen 
Bedingungen zu arbeiten. Dies zeigte auch das Grubenunglück in Soma in der Türkei zwei 
Wochen später, bei dem 301 Bergarbeiter_innen starben. Die Arbeiter_innen hatten vor den 
Gefahren gewarnt. Außerdem waren die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft. Die überlebenden 
Arbeiter_innen erhielten im Dezember 2014 ihre Kündigung per SMS.

Am 1. Mai beteiligten wir uns unter dem Motto "Gewerkschaft muss anders gehen - 
selbstverwaltet und antikapitalistisch" sowohl an der antikapitalistischen, als auch an 
der Gewerkschaftsdemo als libertärer Block. Bei dieser kritisierten wir in einem 
Redebeitrag die Politik des DGB und insbesondere die geplante gesetzliche Tarifeinheit, 
die der DGB zusammen mit Wirtschaftsvertretern und Politik durchsetzen will. Die 
gesetzliche Tarifeinheit besagt , dass in einem Betrieb jeweils nur der Tarifvertrag der 
mitgliederstärksten Gewerkschaft und für die Dauer dieses Vertrages die Friedenspflicht 
auch für alle anderen Gewerkschaften gilt. Dies bedeutet praktisch ein Ende der 
Koalitionsfreiheit und den Tod für kleine Gewerkschaften.

Der Mai zeigte uns auch, dass wir in der Vergangenheit irgendetwas richtig gemacht haben 
mussten. Uns wurde die große Ehre zuteil, zum ersten Mal im Verfassungsschutzbericht 
Sachsen für 2013 erwähnt zu werden. Auf zwei Seiten wurde unsere politische Arbeit in den 
höchsten Tönen gelobt (Seite 144 Verfassungsschutzbericht Sachsen für 2013).
Leider gab es in Leipzig und auch in anderen Städten nicht so positive Entwicklungen. Die 
"Mahnwachen für den Frieden" erreichten auch in Leipzig hohe Teilnehmerzahlen. An diesen 
"Mahnwachen" nahmen jede Menge Verschwörungstheoretiker_innen, Reichsbürger_innen und 
Antisemit_innen teil. Sie wurden von Menschen wie Ken Jebsen oder Jürgen Elsässer 
unterstützt, die ihre "Warheit" verbreiten wollten. Auch ein paar waschechte Nazis 
gedachten auf der Leipziger "Friedens"- Mahnwache der "Opfer" der Bombardierung Dresdens. 
Wir konnten diesen Versuch einer Querfront natürlich nicht unkommentiert lassen und fingen 
an uns gegen die Wahnmachen zu engagieren. Neben der Beobachtung dieser versuchten wir 
auch einige Menschen argumentativ zu überzeugen. Bei unserer Aluhut-VoKü (Alufolie hilft 
ja bekanntlich gegen die Gedankenscanner der CIA) luden wir ein paar Anhänger_innen dieser 
Mahnwachen ein und konnten auch ein paar davon überzeugen, dass Verschwörungstheorien doch 
nicht so der Hit sind. Allerdings mussten wir auch mit Menschen diskutieren, die ernsthaft 
an Chemtrails glauben. Das ist zwar einerseits ganz lustig, andererseits aber auch sehr 
anstrengend.

Während der Rest der Stadt fröhlich im nationalen Taumel der Fußball-WM schwebte, taten 
wir etwas Sinnvolles. Unsere Arbeitsrechts-AG zog durch alle möglichen Restaurants, 
Kneipen und Imbisse, um die Angestellten nach ihren Arbeitsbedingungen zu befragen. Unser 
Teekonsum nahm dadurch langsam erschreckende Ausmaße an. Dafür konnten wir im August 
unseren Gastro-Lohnspiegel für Leipzig veröffentlichen. Dieser enthält nicht nur den Lohn, 
sondern auch Informationen zu den sonstigen Arbeitsbedingungen.
Im Oktober, November und Dezember 2014 organisierten wir die Veranstaltungsreihe 
"Anarchismus - Ideen Praxis Perspektiven" mit insgesamt 8 Vorträgen, um das Jahr gediegen 
ausklingen zu lassen.

http://asjl.blogsport.de/2015/06/29/jahresrueckblick-2014/


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