(de) FdA-Gruppen: Selige Weihnachten – in Sachsen nur für Heteros? von evibes

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Thu Dec 31 13:56:48 CET 2015


Vorbemerkung: ---- pünktlich zu Heiligabend sind die Kirchen selbst in mehrheitlich 
atheistisch geprägten Gegenden wieder voll. In Weihnachtspredigten wird an das Gute im 
Menschen appelliert und zu Mitmenschlichkeit und Toleranz aufgerufen. Weit verbreitet ist 
auch die Mahnung zum Nachdenken und zur Besinnlichkeit. Dem wollen wir uns mit diesem Text 
anschließen: Denkt doch mal nach, wie eigentlich der neue evangelische Oberhirte Carsten 
Rentzing in Sachsen zu diesen Weihnachtswünschen passt. ---- Warum Fundi-Christen in 
Sachsen so gut gedeihen ---- Carsten Rentzing wurde am 31.05.2015 nach 6 knappen 
Wahlgängen zum neuen Landesbischof der sächsischen evangelisch-lutherische Landeskirche 
gewählt und Ende August in sein Amt eingeführt. Dazwischen wurde er mit einem Interview 
mit der „Welt“ seine homophoben Ansichten einem breiteren Publikum bekannt.1 Doch leider 
sind seine Ansichten kein Einzelfall, sondern Symptom eines tiefer wurzelnden Problems.

Schon unter Jochen Bohl (Bischof von 2004-2015) war die sächsische Landeskirche einsames 
Schlusslicht in Deutschland in Bezug auf die Rechte von homosexuellen Pfarrer_innen. Die 
Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands beschloss 2010, das Zusammenleben mit ihren 
Lebenspartner_innen im Pfarrhaus zu erlauben. Statt dieser längst überfälligen 
Entscheidung zu folgen, entschied sich Sachsen gegen diesen Schritt zur Gleichstellung: 
das Zusammenleben mit gleichgeschlechtlichen Lebenspartner_innen wurde nur als 
Ausnahmefall gestattet. Also ausschließlich dann, wenn die Gemeinde, in welcher der_die 
Pfarrer_in eingesetzt ist, dem ausdrücklich zustimmt.

Selbst diese zurückhaltende Regelung ging einem bedeutenden Teil der sächsischen 
Protestant_innen zu weit, sie gründeten 2012 aus Protest die Sächsische 
Bekenntnis-Initiative (SBI). Wenn auch selbst kein Mitglied, so äußerte sich Rentzing – 
damals Pfarrer in Markneukirchen – positiv zu den Forderungen nach einem Komplettverbot.
Dass diese Forderungen von gut einem Drittel der sächsischen Gemeinden unterstützt werden 
zeigt auf, dass die Ablehnung von Homosexualität nicht bloß ein Problem besonders 
fundamentalistischer Evangelikaler ist, sondern heterosexistische Positionen breite 
Unterstützung in der Landeskirche genießen.

Es gibt allerdings auch Versuche, dem entgegenzuwirken. So machte der 
Christlich-Schwul-LesBische Stammtisch des gerede e.V. aus Dresden seine Kritik in 
mehreren Blogbeiträgen öffentlich.2 Der Leipziger Pfarrer Christoph Maier startete sogar 
eine Petition, um Rentzing zu einem toleranteren Auftreten zu bewegen. In kurzer Zeit 
schlossen sich gut 1700 Personen der Petition an.3

Statt progressive Ansätze zu unterstützen fährt der mit knapper Mehrheit zum Landesbischof 
gewählte Rentzing jedoch mit Vollgas rückwärts. In einem Interview mit der Zeitung „Die 
Welt“ bekräftigt er, die Kirche dürfe nicht „[…] das Signal setzen, dass Homosexualität 
aus Gottes Sicht in Ordnung wäre.“ Kritik an der diskriminierenden Praxis hält er für eine 
„Einschränkung der Freiheit des Bekenntnisses“, in den Bemühungen um die Anerkennung 
vielfältiger sexueller Lebensentwürfe sieht er die Preisgabe „des Herzstück[s] unseres 
Glaubens“.

Besonders dreist ist seine Beschwerde darüber, als rückständig zu gelten, nur weil er 
Homosexualität in Verbindung bringt mit „wechselnden Partnerschaften, einander verletzend, 
unserer Verantwortung für den anderen nicht bewusst“.
Gänzlich absurd wird es, wenn sich Rentzing und seine Unterstützer_innen ausgegrenzt 
fühlen, weil ihre tatkräftige Ausgrenzung von Homosexuellen nicht kommentarlos hingenommen 
wird.4

Wir sagen: wer sich in vollem Bewusstsein der beleidigenden Aussagen von Rentzing dazu 
entschließt, ihn zum Landesbischof zu wählen, muss sich über Kritik von außen und innen 
nicht wundern. Statt eine Hexenjagd herbeizuphantasieren sollten sich die Gremien der 
sächsischen evangelisch-lutherische Landeskirche lieber Gedanken darüber machen, wie den 
Lebensrealitäten ihrer nicht-heterosexuellen Mitglieder mit Respekt statt Abwertung 
entgegen treten können.

Ein erster Schritt dazu wäre ein klares Bekenntnis, dass die Diskussionen um eine 
Modernisierung der kirchlichen Positionen zur Sexualethik progressiv weitergeführt werden. 
Aus Rentzings Sicht sind die Debatten nämlich „ein gravierendes Problem“, dem er sich als 
„Störfaktor“ entgegenstellen will. Unterstützung findet er in Initiativen wie „Zeit zum 
Aufstehen“, die sich mit Aussagen wie „Die Bibel ist immer aktueller als der jeweilige 
Zeitgeist“ oder „Der Mensch ist als Mann und Frau geschaffen; dieses Gegenüber ist Gottes 
gute Schöpfungsgabe“ gegen jede positive Veränderung kirchlicher Dogmen wehrt.5

Dieser Schritt ist deswegen wichtig, weil die kirchliche Praxis auch über ihre Schäfchen 
hinaus Wirkung entfaltet. Wir können die innerkirchlichen Auseinandersetzungen daher nicht 
einfach als irrelevant abtun. Durch öffentliche Ansprachen, aber auch über die 
vielfältigen Verflechtungen mit politischen Institutionen wie Parteien, Posten in 
Rundfunk- und Aufsichtsräten et cetera ist die Kirche in den gesellschaftlichen Diskurs 
involviert. Sofern die sächsische Landeskirche nicht in der Lage ist, diesen mit 
progressiven Positionen zu beeinflussen, kann die einzige Forderung nur sein, ihr Wirken 
komplett ins Private zu verbannen, um wenigstens den Schaden für alle Un- bzw. 
Andersgläubigen zu minimieren.

Wir können auf wohlfeile Weihnachtspredigten jedenfalls gut verzichten, wenn hinter den 
herzlichen Worten unwidersprochen unverhohlen reaktionäre Ideologien lauern.

1 
http://www.welt.de/politik/deutschland/article145495633/Bibel-sieht-Homosexualitaet-nicht-als-Gottes-Willen.html, 
alle weiteren Rentzing-Zitate von dort

2 bpsw.: http://christlicher-stammtisch.gerede-dresden.de/2015/09/na-also/

3 trotz der sehr vorsichtigen Wortwahl sollte man nicht vergessen, dass das ein bislang 
einmaliger Vorgang in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland gewesen ist!

4 PM Sarah Buddeberg (MdL LINKE): 
http://www.sarah-buddeberg.de/politik/detail/article/zurueck-ins-mittelalter-aeusserungen-des-designierten-landesbischofs-zu-homosexualitaet-nicht-hinnehmbar/

5 https://www.zeit-zum-aufstehen.de/ (Rentzing war hier sogar Mitinitiator)

http://fda-ifa.org/selige-weihnachten-in-sachsen-nur-fuer-heteros/


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